{"id":10058,"date":"2024-04-08T12:15:44","date_gmt":"2024-04-08T12:15:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10058"},"modified":"2024-04-08T12:28:09","modified_gmt":"2024-04-08T12:28:09","slug":"ein-zuckerhuetl-in-tirol-und-eine-meiner-geschichten-mit-ihm","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10058","title":{"rendered":"Ein Zuckerh\u00fctl in Tirol und eine meiner Geschichten mit ihm"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Zuckerhuetl-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Zuckerhuetl-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10059\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Zuckerhuetl-1-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Zuckerhuetl-1-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Zuckerhuetl-1-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Zuckerhuetl-1-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Zuckerhuetl-1-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Name \u201eZuckerh\u00fctl\u201c ist wohl ein Deminutivum f\u00fcr die formsch\u00f6ne und bekannteste Schnee-Eis-Firn-Fels-Ger\u00f6ll-Gestalt im hintersten Stubaital. Tiefgestapelt ist der Name \u201eZuckerh\u00fctl\u201c f\u00fcr einen Berg mit 3507 Metern auch angesichts dessen, dass er die h\u00f6chste Erhebung in den Stubaier Alpen ist. In meinem Alltagsleben gibt es keine realen Zuckerhuts-Anschauungsm\u00f6glichkeiten, doch stelle ich mir vor, wie sich herabrinnender Zucker mit einem dicken Bauch unten f\u00fcllt, w\u00e4hrend nach oben hin die Gestalt immer spitziger wird. Tats\u00e4chlich liegt im gleichnamigen Gipfel unten wie zerronnener Zucker der Schnee des Stubaier Gletschers &#8211; eher eine Ansammlung verschiedener Ferner &#8211; \u00fcber dem das Zuckerh\u00fctl als steiles Dreieck k\u00fchn herausragt, spitziger als und doch \u00e4hnlich wie sein Namensberg, der Zuckerhut in Rio \u2013 ja, und auch das winterliche Salatgem\u00fcse namens Zuckerhut \u00e4hnelt unserem heutigen Skitouren-Bergziel. &nbsp;Wo ich fr\u00fcher wohnte, dort konnte ich jedenfalls vom Haus aus hinein in den Talabschluss des Stubai blicken, hin zum Gletscher und zum Zuckerh\u00fctl. Im Sommer freilich ist das Zuckerh\u00fctl l\u00e4ngst nicht mehr wei\u00df wie Zucker. Der auftauende Permafrost und der Verlust der Firnkappe f\u00fchren zu Steinschlag und eine Besteigung im Sommer ist wenig ratsam. Die lokalen Bergf\u00fchrerinnen und Bergf\u00fchrer f\u00fchren ihre G\u00e4ste lieber auf die Madonna \u2013 quasi der Westgipfel vom Zuckerh\u00fctl, der auch als einer der Seven Summits des Stubai gilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Teil unserer Tour wird mit der machtvollen Technikhilfe erledigt. Die Stubaier Gletscherbahnen bringen uns auf 3116 m bis zum Schaufeljoch. Wir sind unter den ersten, die von der Bergstation der Stubaier Gletscherbahnen rund 300 H\u00f6henmeter auf der S\u00fcdseite in die Senke hinunterfahren, \u00fcber Ratrac-Spuren anfangs noch, einen schon leicht aufgeweichten Firnhang dann, eine vereiste Querung und schlie\u00dflich wird aufgefellt. Die Hildesheimer H\u00fctte ist am Bergr\u00fccken \u00fcber uns im Westen und erz\u00e4hlt mir vom Beginn einer ganz anderen bedeutungsvollen Geschichte vom vergangenen Sommer. Aber zur\u00fcck zum Heute. Die Aufstiegsspur ist griffig. Harscheisen braucht es keine. Unsere beiden Begleiter z\u00e4hlen wohl zu den Menschen, die die Routen rund um das Zuckerh\u00fctl bestens kennen und sehr viel Sicherheit vermitteln. H\u00f6henmeter sind es nicht viele. Die hochalpine Landschaft ist erhebend. Einige andere Gruppen sind noch unterwegs. In einem weiten Bogen geht es vorbei an der Nordwand des Zuckerh\u00fctl auf das Pfaffenjoch, in dessen N\u00e4he das Skidepot ist. Von meinen letzten Zuckerh\u00fctl-Besteigungen wusste ich schon, dass der Gipfelaufbau \u00fcber eine Rinne in der immer schmaler werdenden Ostflanke nicht so einfach ist und zur Sicherheit hatte ich gleich zwei Pickel dabei \u2013 wobei ich einen davon w\u00e4hrend des Abstiegs jemandem, der knapp hinter mir abstieg, dann borgen konnte. Der Aufstieg ist mit Schwierigkeitsgrad I bewertet, was nicht viel hei\u00dft, weil es geht vor allem um die Steilheit \u2013 die teilweise bis zu 50 Grad betr\u00e4gt. An ein paar Stellen sind die Felsvorspr\u00fcnge mit br\u00f6seligem Schnee bedeckt. &nbsp;Es bedeutet \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum: Nerven bewahren. Jeden Schritt sorgf\u00e4ltig w\u00e4hlen. Die Zacken der Steigeisen in den zum Gl\u00fcck meist guten Stapfspuren zu platzieren und mit dem Pickel zus\u00e4tzlich noch einen Ankerpunkt zu finden. Leider erleben wir rund 50 Meter unter uns einen \u201eMassenabsturz\u201c, bei dem ein einzelner noch vier weitere Personen mitrei\u00dft. W\u00e4ren wir nur wenige Minuten fr\u00fcher wieder abgestiegen, so h\u00e4tten auch wir mitgerissen werden k\u00f6nnen. Einmal mehr soll also hier gesagt sein: Ohne Steigeisen und Pickel \u2013 vielleicht auch zwei \u2013 soll der Aufstieg nicht gewagt werden. Seilsicherungen sind bei diesem Aufstieg ohnehin nur schwer m\u00f6glich. Zum Gl\u00fcck kommen gleich drei Hubschrauber, die die Verletzten mitnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon etwas emotional ged\u00e4mpft beginnt dann die teils steile und grandiose Abfahrt hinunter \u00fcber den Sulzenau Ferner, wo auf der westlichen Seite eine m\u00e4chtige Spaltenzone ist und auf den H\u00e4ngen zum Pfaffengrat Lawinenrutsche sind und Steine sich in der W\u00e4rme des Tages aus den Mor\u00e4nen l\u00f6sen. Nochmals gilt es dann, rund 250 H\u00f6henmeter den Anstieg auf das Beiljoch zu nehmen und es folgt eine perfekte Abfahrt in firnweichem Schnee hinunter ins Tal zum Ausgangspunkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist Anfang April und warm wie im Sommer. In der Landeshauptstadt k\u00f6nnte bereits die 30-Grad-Marke geknackt werden. Noch nie in der Messgeschichte gab es so warme Temperaturen. Menschen von Fridays for Future, Extinction Rebellion, Letzte Generation und Scientists for Future machen vor dem Landestheater ein 48-st\u00fcndiges Widerstandscamp. Es soll Widerstand gegen die bleibende Ignoranz der Politik und der Individuen in der Frage der Erderhitzung symbolisieren. Ich komme vom Gletscher, auf dem Menschen mit T-Shirt unterwegs sein konnten. Erst gestern wurde berichtet, dass der Fernau-Ferner hinten im Stubai zuletzt wieder 68 Meter im Jahr an L\u00e4nge verloren habe. Der Sahara-Staub auf den Schneefl\u00e4chen ist reales Zeichen daf\u00fcr, wie vernetzt unsere Welt ist. Er kommt aus jener Weltgegend, in der sich die katastrophalen Folgen des Klimawandels besonders zeigen. Ich denke an ein Werbesujet einer gro\u00dfen Versicherungsagentur. Dort lautet der Spruch zu einem romantischen Bild: \u201eKlima bewegt gemeinsam!\u201c Das gibt trotz allem Hoffnung. Die Erfahrung mit der Zuckerh\u00fctl-Besteigung zeigt, dass sich Gefahren meistern lassen: Gemeinsam, mit Entschlossenheit, mit R\u00fccksichtnahme, mit Willens- und Nervenst\u00e4rke, mit Verzicht auf einen klimasch\u00e4dlichen Lebensstil und indem Schritt f\u00fcr Schritt die richtigen Schritte gesetzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Zuckerhuetl-1-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Der Name \u201eZuckerh\u00fctl\u201c ist wohl ein Deminutivum f\u00fcr die formsch\u00f6ne und bekannteste Schnee-Eis-Firn-Fels-Ger\u00f6ll-Gestalt im hintersten Stubaital. Tiefgestapelt ist der Name \u201eZuckerh\u00fctl\u201c f\u00fcr einen Berg mit 3507 Metern auch angesichts dessen, dass er die h\u00f6chste Erhebung in den Stubaier Alpen ist. In meinem Alltagsleben gibt es keine realen Zuckerhuts-Anschauungsm\u00f6glichkeiten, doch stelle ich mir vor, wie sich&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":10059,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[474,1106,1816],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10058"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10058"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10058\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10063,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10058\/revisions\/10063"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/10059"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10058"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10058"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10058"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}