{"id":10264,"date":"2024-06-03T08:33:55","date_gmt":"2024-06-03T08:33:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10264"},"modified":"2026-02-03T07:25:16","modified_gmt":"2026-02-03T07:25:16","slug":"stell-dir-vor-man-wuerde-kriege-verweigern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10264","title":{"rendered":"Stell dir vor, man w\u00fcrde Kriege verweigern!"},"content":{"rendered":"\n<p>wenn Krieg herrscht<br>und niemand geht hin<br>dann schweigen die Waffen<br>dann l\u00f6sen sich F\u00e4uste<br>dann wird Frieden gemacht<\/p>\n\n\n\n<p>wenn Verlockungen zum Kriegsdienst nicht l\u00e4nger locken<br>und Einberufungen werden verweigert<br>dann leeren sich Kasernen<br>dann flie\u00dft kein Blut mehr<br>dann werden Felder nicht l\u00e4nger zu Schlachtfeldern<\/p>\n\n\n\n<p>wenn niemand mehr lernt<br>das Handwerk zum T\u00f6ten<br>dann fahren Traktoren statt Panzer<br>dann werden friedliche Wege gew\u00e4hlt<br>dann reichen sich Feinde die H\u00e4nde<\/p>\n\n\n\n<p>(klaus.heidegger, Juni 2024)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kriegswirklichkeit im Juni 2024<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Kriegsgeschehen in der Ukraine dreht sich die Eskalationsspirale. Inzwischen soll es auch m\u00f6glich gemacht werden, dass mit Waffen aus der EU sowie den USA Ziele im russischen Gebiet angegriffen werden k\u00f6nnen. Neue Waffenlieferungen sind geplant. Von russischer Seite wird sogar mit dem nuklearen Atomwaffenarsenal gedroht. Mehr als deutlich ist geworden, dass mit milit\u00e4rischen Mitteln der Krieg nicht beendet werden kann. Nach mehr als zweij\u00e4hrigem Verteidigungskrieg gegen den v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriff der russischen Armee zeigt sich, dass Wege zu Freiheit, Gerechtigkeit und Unabh\u00e4ngigkeit nicht mit Bomben, Granaten und Maschinengewehren erk\u00e4mpft werden k\u00f6nnen. Das bedeutet: Dass endlich die anderen Wege beschritten werden m\u00fcssten wie Waffenstillstandsvereinbarungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kriegsdienstverweigerung und Desertion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach zwei Jahren Krieg gehen auf beiden Seiten die M\u00e4nner aus, die als Krieger herangezogen werden k\u00f6nnten. Laut Milit\u00e4rf\u00fchrung br\u00e4uchte die Ukraine f\u00fcr ihren Verteidigungskrieg rund 500.000 neue Soldaten. Sowohl in der Ukraine als auch in Russland sind es zunehmend mehr junge M\u00e4nner, die sich der Rekrutierung bzw. Wehrpflicht und damit einem Einsatz in den Kriegsgebieten entzogen haben oder aus den Armeen desertiert sind. Seit dem v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskrieg k\u00f6nnen in der Ukraine M\u00e4nner zwischen 18 und 60 Jahren jederzeit zum Kriegsdienst eingezogen werden. Sie d\u00fcrfen das Land nicht mehr verlassen. Auch in Russland ist es f\u00fcr Wehrpflichtige kaum m\u00f6glich, den Dienst an der Front zu verweigern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fernsehbilder zeigen meist nur jene M\u00e4nner, die auf den Schlachtfeldern k\u00e4mpfen. Es sind die Bilder von Kriegern als Helden, von Kriegern als Verteidiger oder als Feinde. Es gibt aber auch jene, die hier nicht mehr mitmachen wollen. In Russland und in der Ukraine muss die Polizei auf den Stra\u00dfen junge Wehrpflichtige einfangen. Wenn sich EU-Staatenlenker wie zuletzt Macron und Scholz treffen, reden sie wohl nicht dar\u00fcber, wie Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren geholfen werden kann, sondern vielmehr dar\u00fcber, ob westliche Waffen in der Ukraine auf russischem Staatsgebiet eingesetzt werden d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie viele Kriegsdienstverweigerer und Deserteure es in Russland und der Ukraine wirklich gibt, wei\u00df niemand genau. Wie viele sich versteckt halten, untergetaucht sind, geflohen sind, dar\u00fcber l\u00e4sst sich nur spekulieren. In Zeiten des Krieges gelten die Kriegsverweigerer meist als Verr\u00e4ter. 200.000 ukrainische Verweigerer suchten beispielsweise in Deutschland Schutz. In der gesamten EU sollen sich bis zu 600.000 Wehrf\u00e4hige aus der Ukraine aufhalten. Selenskyi fordert nun, dass ihnen die Aufenthaltsgenehmigung entzogen wird. In der Ukraine gibt es kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Wer verweigert oder desertiert, macht sich strafbar. Noch schlimmer geht es den Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren in Russland und in Belarus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Asyl f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer und Deserteure<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ist als Menschenrecht anerkannt. Kein Mensch darf daher gegen seinen Willen zum Kriegsdienst eingezogen werden. Das muss von allen Staaten garantiert und eingehalten werden. Das hat der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte 2011 festgestellt. Sowohl in der Ukraine als auch in Russland oder Belarus werden Wehrpflichtige gegen ihren Willen eingezogen oder in Haft genommen, wenn sie diesen verweigern. Die Ukraine hat das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung ausgesetzt. In der Ukraine sind daf\u00fcr bis zu vier Jahre Haft vorgesehen. Die EU hat bislang nichts getan, dieses Menschenrecht in der Ukraine einzufordern. Hunderte russische Verweigerer, die nicht an die Front wollten, werden in Gef\u00e4ngnissen festgehalten oder werden auch gefoltert, obwohl es in Russland ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung nach wie vor gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Ausweg aus dem Krieg k\u00f6nnte nun sein, dass EU-L\u00e4nder einheitlich Fahnenfl\u00fcchtigen aus Russland, Belarus oder der Ukraine Asyl und Unterst\u00fctzung gew\u00e4hren w\u00fcrden. Dies entspr\u00e4che auch den menschenrechtlichen Grunds\u00e4tzen. Wenn es ein Kriegsdienstverweigerer geschafft hat, die f\u00fcr sie geschlossenen Grenzen zu \u00fcberwinden, bekommen ukrainische M\u00e4nner derzeit einen befristeten humanit\u00e4ren Aufenthalt. Solange sind sie sicher in L\u00e4ndern der EU. F\u00fcr russische Verweigerer ist es hingegen schwierig, in der EU Asyl zu bekommen. Die Milit\u00e4rdienstentzieher aus Russland werden in den Asylverfahren meist abgelehnt, anders ist die Situation bei den Deserteuren. Das ist aus v\u00f6lkerrechtlicher Sicht ein Widerspruch. Wenn der Angriffskrieg v\u00f6lkerrechtswidrig ist, dann d\u00fcrfte laut V\u00f6lkerrecht gar niemand an diesem Krieg teilnehmen. Insofern m\u00fcsste es von der EU auch klar sein, dass M\u00e4nner, die sich einer Rekrutierung entziehen, automatisch einen Asylgrund haben. Kriegsdienstverweigerung ist ein Ausweg aus dem Krieg. Bereits 1926 schrieb Kurt Tucholsky vom Recht auf individuelle Verweigerung: \u201eUnser Leben geh\u00f6rt uns. Ob wir feige sind oder nicht, ob wir es hingeben wollen oder nicht \u2013: das ist unsre Sache und nur unsre. Kein Staat (\u2026) hat das Recht, \u00fcber das Leben derer zu verf\u00fcgen, die sich nicht freiwillig darbieten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wer den Kriegsdienst verweigert, ist nicht feige, sondern beweist eine ganz andere Form von St\u00e4rke. Auch ukrainische Verweigerer wollen ihr Land verteidigen \u2013 doch mit anderen Mitteln und nicht auf Kosten einer totalen Zerst\u00f6rung ihres Landes.<\/p>\n\n\n\n<p>Verweigerung ist in all den Kriegen stets ein Zeichen gegen den Krieg und f\u00fcr nicht-milit\u00e4rische Wege zum Frieden gewesen. Verweigerung ist nicht Feigheit, sondern Mut, ist nicht Passivit\u00e4t, sondernAktivit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, 3. Juni 2024<\/p>\n\n\n\n<ul><li><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>wenn Krieg herrschtund niemand geht hindann schweigen die Waffendann l\u00f6sen sich F\u00e4ustedann wird Frieden gemacht wenn Verlockungen zum Kriegsdienst nicht l\u00e4nger lockenund Einberufungen werden verweigertdann leeren sich Kasernendann flie\u00dft kein Blut mehrdann werden Felder nicht l\u00e4nger zu Schlachtfeldern wenn niemand mehr lerntdas Handwerk zum T\u00f6tendann fahren Traktoren statt Panzerdann werden friedliche Wege gew\u00e4hltdann reichen sich&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[182],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10264"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10264"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10264\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12258,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10264\/revisions\/12258"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10264"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10264"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10264"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}