{"id":10382,"date":"2024-07-09T05:42:48","date_gmt":"2024-07-09T05:42:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10382"},"modified":"2024-07-09T17:57:22","modified_gmt":"2024-07-09T17:57:22","slug":"platz-fuer-hochalpine-naturschoenheiten-und-seelenfrieden-im-platzertal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10382","title":{"rendered":"Platz f\u00fcr hochalpine Natursch\u00f6nheiten im Platzertal"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Platz-Tschey-2-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Platz-Tschey-2-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10383\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Platz-Tschey-2-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Platz-Tschey-2-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Platz-Tschey-2-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Platz-Tschey-2-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Platz-Tschey-2-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eI bin a dageg\u201c meint die freundliche Almwirtin auf der Platzeralm (2132 m), w\u00e4hrend wir an diesem Samstagnachmittag Sch\u00e4lfeler mit K\u00e4se essen und Buttermilch dazu trinken. Hier oben k\u00f6nnen alle meine Sinne auf Empfang stehen: den Klang der Kuhglocken und das Rauschen des Baches h\u00f6ren, den Duft von Kuhfladen und Almrosen riechen und die H\u00e4nge der Bergketten, die bis zu den Gratkanten wie mit einem gr\u00fcnen Teppich zugedeckt sind, sehen. Wir sind die einzigen G\u00e4ste an diesem Nachmittag; vielleicht auch deswegen, weil ein Gewitter kommen k\u00f6nnte \u2013 zumindest war davon in den Wetterberichten die Rede. So sind wir zuvor auch nur ein wenig die Almfl\u00e4chen hinein gegangen, dorthin, wo die TIWAG einen 120 Meter hohen Sch\u00fcttdamm errichten m\u00f6chte. Die tonnenschweren Baumaschinen w\u00fcrden sich durch den Berg vom Kaunertal her fressen, w\u00fcrden zwei Tunnel graben, einen f\u00fcr die Bagger und Lkws und einen dann f\u00fcr den Wasserstollen, mit dem das Wasser zwischen dem Pumpspeichersee im Platzertal und dem Kaunertalspeicher hin und her gepumpt werden w\u00fcrde. W\u00fcrde. Ich schreibe im Konjunktiv 2, in der M\u00f6glichkeitsform.  F\u00fcr die TIWAG ist es die Wunschform. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eI bin dageg\u201c, weil der Platzerbach bis auf ein Restrinnsal verschwinden w\u00fcrde, so die Almwirtin. Beim Hineinradeln von der Pfundser Tschey zeigte der Bach seine Kraft und Wildheit, mit der er sich die Steilstufen nach T\u00f6sens hinabst\u00fcrzt. \u201eDie Bauern in T\u00f6sens brauchen das Wasser zur Bew\u00e4sserung ihrer Felder. Sie w\u00fcrden es verlieren, w\u00fcrde der Stausee gebaut.\u201c So eines der Argumente der Almwirtin. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind von Pfunds \u00fcber den Weiler Greit zur Platzeralm geradelt; an diesem Tag die einzigen ohne E-Motor. Die Strecke bietet alles, was der Seele schmeichelt. Kulturlandschaft mit steilen Bergwiesen und H\u00f6fen, die wie Adlerhorste \u00fcber dem Radurschltal picken, einzigartige Wiesenfl\u00e4chen mit Millionen Blumen, ein steiler Almweg und dann rotbl\u00fchende Alpenrosen. Kurz vor der Alm sind die zerfallenen Bergwerksgeb\u00e4ude aus dem 16. Jahrhundert.  <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Alp m\u00fcsste wohl aufgegeben werden \u2026\u201c, meint die Wirtin. Jetzt grast Galtvieh zwischen den Alpenrosen, die zwar sch\u00f6n zum Ansehen sind, aber als Wildwuchs mehr und mehr das Weideland verdr\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>Steht der gigantische Aufwand an Baukosten und an unwiderruflicher Zerst\u00f6rung h\u00f6chst wertvoller Naturzonen in Relation zur Energiegewinnung? Um Pumpspeicheranlagen in Betrieb zu halten, mit denen dann Wasser in einen anderen Speicher gepumpt wird, damit Spitzenstrom daraus gewonnen wird, braucht es dann Grundlagenstrom, der aus AKW- und Kohlekraftwerksanlagen kommt. Die TIWAG spricht von &#8222;sauberer Energie&#8220; und verschweigt die \u00f6kologischen Folgekosten. Schon jetzt werden gro\u00dfr\u00e4umig viele B\u00e4che aus dem Pitztal und dem Raduschltal in den Gepatschspeicher abgeleitet. Um gen\u00fcgend Wasser f\u00fcr die beiden Speicher zu haben, sind Ableitungen aus dem \u00d6tztal aber vonn\u00f6ten. Das hei\u00dft: Ein neuer Stausee im Platzertal macht nur Sinn im Kontext des Wassers aus der Gurgler und Venterache. Das niederschlagsarme \u00d6tztal wiederum braucht dringend das Wasser selbst. <\/p>\n\n\n\n<p>In vielen Diskussionen wurde mir gesagt, dass ich doch als Klimaaktivist nicht gegen die Gewinnung von erneuerbarer Energie sein d\u00fcrfte. Wasserkraft sei ein wesentlicher Pfeiler im Kampf gegen den Klimawandel und w\u00fcrde dazu beitragen, die gesteckten Klimaziele zu erreichen. Das Gegenteil d\u00fcrfte jedoch zutreffen. \u00dcber Jahre hinaus w\u00fcrden die Baumaschinen enorme Mengen an CO-2 emittieren. Auch die Behauptung, Tirol sei unbedingt auf den Ausbau der Wasserkraft angewiesen, stimmt nicht. Tirol erzeugt jetzt schon wesentlich mehr Strom, als es selbst verwenden kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich in den letzten Jahren oft von den Pl\u00e4nen des Ausbaus des Kaunertaler Kraftwerks h\u00f6rte, wurden Kindheitserinnerungen wach. Meine fr\u00fcheste Kindheit f\u00e4llt in die Zeit, als der Stausee im Gepatsch gebaut wurde und das dazugeh\u00f6rende Kraftwerk in meinem damaligen Heimatort Prutz. Zu meinen fr\u00fchesten Erinnerungen z\u00e4hlen die riesigen Bagger, die sich vorbei an unserem Haus ins Kaunertal bewegten. Ich empfand sie damals schon als sehr bedrohlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute stehe ich gedankenversunken im Paralleltal zum Kaunertal da, wo die Staumauer in der H\u00f6he des Wiener Stephansdomes errichtet werden sollte. Sanft m\u00e4andriert hier der Bach durch das Biotop. Naturschutzorganisationen zeigen auf, dass im Platzertal der gr\u00f6\u00dfte und fast unber\u00fchrte hochalpine Moor- und Feuchtgebiets-Komplex \u00d6sterreichs &#8211; seine Fl\u00e4che erstreckt sich \u00fcber mehr als 20 Hektar &#8211; liegt.&nbsp;Am Ende des Hochtales ragen die Dreitausender des Glockturmkammes hervor. Noch sind sie mit Altschneefeldern durchzogen. \u201eI bin dageg \u2026\u201c Moorgebiete wiederum sind die besten CO-2-Speicher, die so notwendig sind im Kampf gegen den Klimawandel. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Flutung des Platzertales kann verhindert werden, denke ich mir, und bin dankbar jenen Initiativen und Organisationen wie WWF, Alpenverein und Gobal 2000, die sich einer brutal agierenden Energiewirtschaft entgegenstellen. Die geplanten Zuleitungen zum Gepatschspeicher aus der Gurgler- und Venterache sind bereits gestoppt worden. Eine Ableitung von Gew\u00e4ssern w\u00fcrde das gesamte \u00d6kosystem ver\u00e4ndern. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gewitter ist nicht gekommen. Nur ein wenig tr\u00f6pfelt es auf der steilen Abfahrt hinunter. Manche der Blumen haben ihre K\u00f6pfe geschlossen und Bienen sind in ihre H\u00e4user verschwunden. Wo die Alternativen liegen w\u00fcrden, sehe ich dann wieder unten im Tal. Horden von Motorradfahrern brausen und l\u00e4rmen auf der Reschenbundesstra\u00dfe. Kolonnenverkehr. Massen von Menschen verbrennen kostbare Ressourcen und befeuern den Klimawandel. Hier ist der erste Ansatzpunkt: beim Einsparen von Prim\u00e4renergie. Eine naturvertr\u00e4gliche Energiewende l\u00e4ge wohl darin, beim eigenen Energieverbrauch anzusetzen \u2013 das ist vor allem im Mobilit\u00e4tsverhalten. Jetzt in der Hauptreisezeit ist hier ein unmittelbarer Ansatzpunkt, der sofort wirksam sein k\u00f6nnte. <\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Ansatzpunkt sind Alternativen zur nachhaltigen Stromproduktion. Es gibt Photovoltaik und Windkraft und Wissenschaftler haben auch nachhaltige Wege zur Speicherung aufgezeigt. Was es braucht ist ein Mix an verschiedenen Methoden der Energieproduktion. Tirol hat derzeit bereits 95 Prozent der erneuerbaren Energiegewinnung aus Wasserkraft. Die Zahl der Photovoltaikanlagen auf den Hausd\u00e4chern im Inntal ist noch mickrig. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich verliere mich beim Hinausradeln aus dem Platzertal in Gedanken aus meiner Biographie: an meine Aktivit\u00e4ten vor nun schon mehr als 40 Jahren. Damals unterst\u00fctzte ich als KJ-Verantwortlicher die Initiativen gegen den Bau eines Kraftwerks im Dorfertal in Osttirol. Heute ist das Gebiet Nationalpark und alle sind stolz darauf und sch\u00f6pfen daraus Wertsch\u00f6pfung. Der Widerstand gegen die Kraftwerkspl\u00e4ne hatte &#8211; genauso wie in Hainburg, wo ich auch an der Aubesetzung mit dabei sein konnte &#8211; Erfolg. Solches Zur\u00fcckdenken ermutigt f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, 9. Juli 2024<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Platz-Tschey-2-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>\u201eI bin a dageg\u201c meint die freundliche Almwirtin auf der Platzeralm (2132 m), w\u00e4hrend wir an diesem Samstagnachmittag Sch\u00e4lfeler mit K\u00e4se essen und Buttermilch dazu trinken. 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