{"id":10446,"date":"2024-07-23T08:44:02","date_gmt":"2024-07-23T08:44:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10446"},"modified":"2024-07-23T12:17:05","modified_gmt":"2024-07-23T12:17:05","slug":"krimmler-achental-warnsdorfer-huette-und-grosser-geiger-3360-m-mit-dem-av-hall-auf-hochtour-in-der-venedigergruppe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10446","title":{"rendered":"Krimmler Achental, Warnsdorfer H\u00fctte und Gro\u00dfer Geiger (3360 m): Mit dem AV-Hall auf Hochtour in der Venedigergruppe"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geiger-gipfel-klein-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"902\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geiger-gipfel-klein-902x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10447\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geiger-gipfel-klein-902x1024.jpg 902w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geiger-gipfel-klein-264x300.jpg 264w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geiger-gipfel-klein-768x872.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geiger-gipfel-klein-1353x1536.jpg 1353w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geiger-gipfel-klein-1804x2048.jpg 1804w\" sizes=\"(max-width: 902px) 100vw, 902px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Krimmler Achental <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4chtig st\u00fcrzt sich die Krimmler Ache hinunter nach Krimml. Tosendes Wasser \u00fcber den Steilstufen. Eine wei\u00dfe Gischt. Touristenattraktion und Hotspot f\u00fcr Insta-Fotos. 380 Meter Fallh\u00f6he sind es. Der Ruf des gr\u00f6\u00dften Wasserfalls Europas und des 5. h\u00f6chsten der Welt lockt die Massen. Entsprechend geht es entlang der Gerloser Stra\u00dfe und in Krimml zu. Ich bin froh, mich von diesem Treiben zu l\u00f6sen, hinein in die Natur zu kommen, lasse die mich qu\u00e4lenden Gedanken vom Kolonnenverkehr im Zillertal hinter mir und \u00f6ffne mich dem Sch\u00f6nen. Im Normalfall bewege ich mich meist in meinem eigenen heimischen Terrain des Inntales. Die Bergwelt der Hohentauern ist mir kaum vertraut. Mit dem Alpenverein bzw. seiner kreativen K\u00f6pfe lerne ich aber immer wieder neue Ecken der Bergwelt kennen. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Mountainbike radle ich vorbei an dem tosenden Wasser. Zun\u00e4chst ist es ein dicker Fichtenwald mit Moos und Farnen, die in der feuchten Luft gut gedeihen k\u00f6nnen. Nach den Steilstufen und einem 300 Meter langen unbeleuchteten Tunnel \u2013 ich h\u00e4tte wohl besser meine Taschenlampe auspacken sollen, um nicht links oder rechts an der felsigen Tunnelwand anzusto\u00dfen \u2013 beginnt das Krimmler Achental flach zu werden. Schier endlos geht es nun entlang der m\u00e4chtigen Ache in das von fr\u00fchen Gletschern geformte U-Tal hinein. Im flachen Tal wirkt der Wildbach ganz zahm. Wasser ist wohl wie manches Leben: einmal kr\u00e4ftig und dann wieder sanft. Satte Almfl\u00e4chen. Viele K\u00fche wirken m\u00fcde vom vielen Fressen. W\u00e4hrend ich radelnd an alten Almh\u00fctten vorbeifahre, manche von ihnen fast etwas almenkitschig aufpoliert, f\u00fchle ich mich eingebunden in Natur und Geschichte. Es ist das l\u00e4ngste und h\u00f6chstgelegene Tal der Venedigergruppe und diente in fr\u00fcheren Jahrhunderten als Durchgang \u00fcber den Krimmler Tauern in den S\u00fcden. Dem n\u00fctzte auch das stattliche Tauernhaus. Ich lasse es rechts liegen. Dort st\u00e4rken sich noch die E-Bikefahrenden meiner Gruppe. Etwas weiter oberhalb studiere ich statt der Speisekarte die Gedenktafel des Friedenswegs. Von der bedeutsamen Begebenheit aus dem Jahr 1947 hatte ich bereits einmal geh\u00f6rt. Einige Tausend Juden und J\u00fcdinnen hatten nach Kriegsende nur den beschwerlichen Weg auf dem alten S\u00e4umerweg \u00fcber den Krimmler Tauern als Ausweg, um auf ihrer Reise aus dem Osten Europas in ihr neues Heimatland nach Israel zu kommen. Weil es eine engagierte Wirtin im Tauernhaus gab und einen mutigen Bergf\u00fchrer, konnten die j\u00fcdischen Fl\u00fcchtlinge dem Lager in Saalfeld entkommen und nach Italien gelangen, von wo aus eine Weiterfahrt nach Pal\u00e4stina m\u00f6glich war.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warnsdorfer H\u00fctte (2336 m)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Bike h\u00e4nge ich nach 20 Kilometern an den Zaun bei der Materialseilbahn. Hier ist die letzte der vielen Almen. Nur mehr gut eine Stunde dauert von dort der Aufstieg zur Warnsdorfer H\u00fctte. M\u00e4chtig thront die Felswand der Dreiherrenspitze im Norden. Rund 20 Minuten oberhalb der H\u00fctte ist der Eissee. Eine willkommene Abk\u00fchlung, kurz darin schwimmen, mich als Teil der Natur f\u00fchlen. Der See wird gespeist vom Wasser, das sich \u00fcber die gletscherpolierten Felsen hinunterst\u00fcrzt. Der Name \u201eEissee\u201c passt auch zur Wassertemperatur. Die Wirtsleute sind ein junges, bergverliebtes und kreatives Team und verw\u00f6hnen uns mit einem Superabendessen \u2013 auch vegetarisch! \u2013 und gesellen sich ein wenig zu unserer Runde. In der Gaststube h\u00e4ngt ein Bild aus dem vorigen Jahrhundert. Es zeigt die H\u00fctte, die damals noch weit \u00fcber m\u00e4chtigen Gletscherbr\u00fcchen thronte. Heute sind die Gletscher weit hinaufgezogen \u2013 wie ein R\u00fcckzug aus einer lebensbedrohlichen Zivilisation.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gro\u00dfer Geiger als H\u00f6hepunkt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>4:00 Uhr ist Wecktermin. Die sehr freundlichen H\u00fcttenwirtsleute hatten das Fr\u00fchst\u00fcck bereits am Vorabend f\u00fcr uns im Seminarraum vorbereitet.  Unser noch weit entferntes Ziel, der Gro\u00dfe Geiger, ist eine pyramidenf\u00f6rmige Felsgestalt, die von allen Seiten von mehreren Gletschern umgeben ist. An diesem Tag sind es nur zwei weitere Seilschaften, die diesen Gipfel besuchen. Besuch wird er ja nicht oft bekommen. Der Normalanstieg ist mehr als 5 Kilometer und f\u00fchrt meist entlang von Gletscherflanken zum Gipfelaufbau, der dann schneefrei ist. Meine Steigeisen werden heute mehrmals locker, bis sie sich schlie\u00dflich v\u00f6llig l\u00f6sen. Dankbar bin ich dann f\u00fcr einen Steigeisentausch. Das andere Paar passt besser zum Profil meiner Sohle. Der Schlussanstieg geht \u00fcber den Westgrat steil \u00fcber Felsen und loses Ger\u00f6ll auf den Gipfel mit dem sch\u00f6nen Kreuz. Blickfang ist der Gro\u00dfvenediger als Nachbargipfel mit seiner imponierenden Schnee-Eis-S\u00fcdgratkante und weit dahinter schaut der Gro\u00dfglockner hervor. Im Norden ist das Sulzbachtal mit der K\u00fcrsingerh\u00fctte. Vier Stunden sind in einer Beschreibung von der H\u00fctte bis zum Gipfel angef\u00fchrt. Obwohl wir z\u00fcgig unterwegs waren, waren es f\u00fcr uns f\u00fcr die 1400 Meter Anstieg und die 5 Kilometer Strecke doch 5 Stunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder hei\u00dft es nun die steilen Gletscherflanken zu queren. Zum Gl\u00fcck halten jetzt die getauschten Steigeisen und ist der aufgeweichte Firnschnee sicher zum Stapfen. Vor allem aber schenkt die Seilschaft Zuversicht. Ich konzentriere mich angesichts der m\u00f6glichen Tiefblicke nicht ganz entspannt auf jeden einzelnen Schritt vor mir. Entlang vom Maurerkees wieder hinauf zum Maurer T\u00f6rl \u2013 mit kurzer Ger\u00f6llkletterei und dann schon viel entspannter hinunter \u00fcber den Krimmlert\u00f6rlkees zur Scharte zwischen dem Sulzbachtal und dem Krimmler Achental.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gamsspitzl (2888 m)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Beim R\u00fcckweg mache ich auch noch den Abstecher auf das Gamsspitzl. Der kleine Umweg zum Hausgipfel der Warnsdorfer H\u00fctte lohnt. Ich nehme mir nochmals Zeit f\u00fcr die Blicke auf die Gletscherwelt, \u00fcber denen die schwarze Pyramide des Gro\u00dfen Geiger herausragt. Den Gipfel h\u00e4tte ich ohne die professionelle Begleitung des Tourenf\u00fchrers und der Tourenf\u00fchrerin des Haller Alpenvereins wohl nicht erreicht. Die Erfahrung von Teamarbeit, vom Zusammenspiel zwischen Fremdermutigung und eigenem Willen, von unz\u00e4hligen kleinen Schritten und vor allem einem Einf\u00fchlen in die Bergwelt \u2013 all dies erm\u00f6glicht auch, eigene Grenzen neu zu setzen. So ist die Bergwelt wieder ein Spiegelbild f\u00fcr das, wie Leben mit all seinen Herausforderungen gelingen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Unwetter auf dem R\u00fcckweg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4tte sich das Wetter nicht von seiner besten Seite gezeigt, w\u00e4re die Tour auf den Gro\u00dfen Geiger wohl nicht so problemlos gewesen. Wir hatten Wettergl\u00fcck. Fr\u00fchmorgens war der Himmel noch wolkenlos. Zur\u00fcck in Oberkrimml dann der erste Regentropfen, schlie\u00dflich starker Hagel, Blitz und Donner. Der fr\u00fche morgendliche Aufbruch erwies sich als richtig. Unrichtig ist aber wohl die Art und Weise, wie ein unverantwortlicher Lebensstil zu den klimatischen Ver\u00e4nderungen f\u00fchrt, die jedes Jahr zu noch mehr und gr\u00f6\u00dferen Unwetterkatastrophen f\u00fchren. <\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geiger-gipfel-klein-902x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Krimmler Achental M\u00e4chtig st\u00fcrzt sich die Krimmler Ache hinunter nach Krimml. Tosendes Wasser \u00fcber den Steilstufen. Eine wei\u00dfe Gischt. Touristenattraktion und Hotspot f\u00fcr Insta-Fotos. 380 Meter Fallh\u00f6he sind es. Der Ruf des gr\u00f6\u00dften Wasserfalls Europas und des 5. h\u00f6chsten der Welt lockt die Massen. 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