{"id":10516,"date":"2024-08-11T14:08:16","date_gmt":"2024-08-11T14:08:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10516"},"modified":"2024-08-11T19:05:38","modified_gmt":"2024-08-11T19:05:38","slug":"ein-sonntag-in-sommermitte-2024","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10516","title":{"rendered":"Ein Sonntag in der Sommermitte 2024"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/seegr-2-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/seegr-2-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10517\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/seegr-2-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/seegr-2-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/seegr-2-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/seegr-2-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/seegr-2-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Hitze im Zeitalter der Erderhitzung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Sommer, in dem wieder die Hitzerekorde des Vorjahres und des Vorvorjahres und aller Jahre und aller Jahrzehnte davor \u00fcbertroffen werden. Wir sind l\u00e4ngst in der anthropogenen Erdererhitzungsdynamik angekommen. Und trotzdem stauen sich in den tiefklimatisierten Abflughallen die Massen, um in jene Gebiete zu fliegen, die unter extremer Hitze leiden, an Str\u00e4nde, wo ein Bad im aufgew\u00e4rmten Meer wie eine quallenverseuchte Badewanne ist, in die man lieber nicht hineinsteigt, oder in St\u00e4dte, die vom \u201eOvertourism\u201c \u00fcberschwemmt werden; und trotzdem rollen und stinken und l\u00e4rmen Urlauberkolonnen in Urlaubsgebiete, hocken gequ\u00e4lt die Massen in von Verbrennungsmotoren gek\u00fchlten Autos. Man will sich vergn\u00fcgen und schert sich nicht um die Menschen, die da leben links und rechts der Autobahnrouten und Durchzugsstra\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Fernab von solchem Geschehen, in dem ich nicht Teil sein m\u00f6chte, hocke ich gedankenversunken \u00fcber dem Tal, habe nur den sommerlichen Duft von Latschen und Bergkr\u00e4utern in der Nase und ein sanfter Wind trocknet die Tr\u00e4nen des Weltschmerzes.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verbrannte Vernunft in der Logik des Krieges<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Sommer, in dem in den Kriegsgebieten der Welt weiter gemordet und Verbrechen um Verbrechen begangen werden, in dem die Gewinne der R\u00fcstungskonzerne steigen und Kriegsherren ihren menschenverachtenden Machtgel\u00fcsten folgen. Die Nachrichten von Offensiven und Gegenoffensiven, von kriegsfl\u00fcchtenden Menschen und zerst\u00f6rten Gebieten, von Bombardierungen ziviler Einrichtungen und dem best\u00e4ndigen T\u00f6ten unschuldiger Menschen \u2013 dies alles ist schwer zu ertragen, auch wenn es f\u00fcr mich so weit weg zu sein scheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohnm\u00e4chtig schreibe ich gegen solchen Wahn an \u2013 und ist doch all dies nur eine leise Stimme, die verschluckt wird vom kriegsyhsterischen Geschrei, das nur die Sprache der Gewalt kennt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anti-Wokeness befl\u00fcgelt Rechtspopulismus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Sommer, in dem sich rechtspopulistische anti-woke Medien mehr Sorgen machen um die Testosteronwerte weiblicher Boxerinnen, als um den Zustand der Welt, weil dieser Blickwinkel auf Intersexualit\u00e4t f\u00fcr sie ein gefundenes Fressen f\u00fcr ihre menschenverachtende Ideologie ist. Dazu passt wohl auch, dass man sich ereifert \u00fcber eine queere Kunstaktion, die zu Beginn der Olympischen Spiele in Paris aufgef\u00fchrt worden war: Ach, w\u00fcrde man sich doch vielmehr aufregen \u00fcber die jahrhundertelange Verfolgung von homosexuellen Menschen, die in vielen Teilen der Welt noch andauert. Besonders von manch katholischen Kreisen wurde laut kritisiert, man verspotte mit solch queerer Darbietung auf einer Br\u00fccke \u00fcber die Seine die Religion und verh\u00f6hne die Kirche. Diese katholischen W\u00fcrdentr\u00e4ger sollten vielmehr auf homosexuellenfeindliche Regelungen in ihren eigenen Doktrinen blicken, die schwulen M\u00e4nnern verbietet, Priester zu werden, die Homosexuellenpaaren verwehrt, kirchliche Ehen zu schlie\u00dfen, und und in denen zugleich weiterhin absurde Verurteilungen der Homosexualit\u00e4t nicht l\u00e4ngst schon widerrufen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich zupfe mir die \u201eKrone Bunt\u201c aus dem Sonntagszeitungs-Sackerl das neben dem Gackerl-Sackl h\u00e4ngt und wei\u00df schon voreingenommen im Vorhinein, welch Gackerl-Geschreibe ich dort finden werde: Jeff Bezos prangt mit seiner Verlobten auf der Titelseite, und im Innenteil darf man mit Paparazzi-Fotos am Leben der Reichsten schn\u00fcffeln. Im gewohnten Krone-Format geht es gleich mehrseitig los gegen das, was als Wokeness bezeichnet wird. Der Dreifachdoktor Huber wird als Hormonpapst eingef\u00fchrt und argumentiert mit Fachbegriffen aus der Chromosomenwelt gegen die Teilnahme der beiden siegreichen Olympiaboxerinnen, die nicht wirklich Frauen w\u00e4ren. Zitiert wird eine Stargeigerin unter der \u00dcberschrift \u201ewie Frauen abgeschafft werden\u201c. Sie spricht vom \u201ePseudo-Gender-Woke-Schei\u00df\u201c. Kardinal Christoph Sch\u00f6nborn verkn\u00fcpft seinen w\u00f6chentlichen Kommentar zum Sonntagsevangelium mit kritischen Worten zur Er\u00f6ffnungsfeier in Paris, nennt diese \u201eeine traurige und respektlose Posse\u201c und \u201epeinliche Panne\u201c, mit der das Letzte Abendmahl ins L\u00e4cherliche gezogen worden w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Blick auf die Stadt h\u00f6re ich die Sonntagsglocken von so mancher Kirche, am sch\u00f6nsten wohl der volle Klang der Glocken von St. Jakob. So sehr w\u00fcnsche ich mir, sie w\u00fcrden l\u00e4uten gegen die Dummheiten in der Welt, gegen die Kriege, gegen die Verletzungen der menschlichen W\u00fcrde von Menschen, die nicht in totalit\u00e4re Ideologien passen, wo Sexualit\u00e4t in ihrer ganzen Buntheit nicht sein darf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Haut die Schwachen und f\u00fchlt euch stark<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Sommer schlie\u00dflich, in dem wahlgek\u00e4mpft wird und die Krone als auflagenst\u00e4rkstes Printmedium kr\u00e4ftig Stimmung macht f\u00fcr jene Mehrheit im Land, die den blauen Populisten ihre Stimme geben k\u00f6nnte. In der Krone emp\u00f6rt sich einmal mehr unter der Rubrik \u201equergedacht\u201c Klaus Woltron \u00fcber jenen Fall der neunk\u00f6pfigen syrischen Familie in Wien, die monatlich von 4.600 Euro Sozialhilfe lebt, und bezeichnet dessen Vater ver\u00e4chtlich als \u201elendenstark\u201c. Warum, so k\u00f6nnten wir fragen, emp\u00f6rt er sich nicht \u00fcber die Bezieher h\u00f6chster Einkommen oder Pensionen, die von solchem Lohn leben, aber nicht zugleich f\u00fcr Kinder oder eine Miete aufkommen m\u00fcssen? Warum nimmt er nicht die j\u00fcngste Studie des Momentum-Instituts als Anlass f\u00fcr eine Emp\u00f6rung? \u00d6sterreich sei das &#8222;Niedrigststeuerland f\u00fcr Superreiche. Verm\u00f6gens-, Erbschafts- und Schenkungssteuer gibt es nicht, auch kaum eine angemessene progressive Besteuerung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Latsche statt Ginsterstrauch und von einem Engel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit solchen Gedanken lebe ich in den sommerlich-hei\u00dfen Mitsommer-Sonntag hinein, atme durch, sp\u00fcre den Schmerz und die Wut und manchmal auch die Hoffnung, weil ich wei\u00df: ich bin mit solchen Gedanken doch nicht allein. Da muss ich auch denken an die heutige Lesung aus dem Buch der K\u00f6nige, die in ihrer Symbolik so eindeutig wie so missverst\u00e4ndlich ist. Ich f\u00fchle mich in den gro\u00dfen Propheten des Ersten Bundes hinein, der sich angesichts der Verwerfungen und eigener Schuldhaftigkeit in die W\u00fcste zur\u00fcck zieht. Dort will er sterben, weil er keinen Ausweg mehr sieht. Elia setzt sich unter einen Ginsterstrauch und schl\u00e4ft ein. Liebevoll kommt aber ein Engel, der ihn anr\u00fchrt (!), zu ihm redet (!) und ihm zu trinken und zu essen gibt (!). Doch Elia schl\u00e4ft wieder ein und wieder kommt der Engel und wieder wird er anger\u00fchrt und angesprochen und aufgefordert, zu essen und zu trinken. Mein Ginsterstrauch ist der Duft einer Latsche und auch den Engel gibt es.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/seegr-2-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Hitze im Zeitalter der Erderhitzung Ein Sommer, in dem wieder die Hitzerekorde des Vorjahres und des Vorvorjahres und aller Jahre und aller Jahrzehnte davor \u00fcbertroffen werden. Wir sind l\u00e4ngst in der anthropogenen Erdererhitzungsdynamik angekommen. 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