{"id":10530,"date":"2024-08-14T16:15:30","date_gmt":"2024-08-14T16:15:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10530"},"modified":"2024-08-14T17:06:53","modified_gmt":"2024-08-14T17:06:53","slug":"fassade-der-hoffnung-meine-kunstspaziergaenge-durch-innsbruck-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10530","title":{"rendered":"Fassade der Hoffnung \u2013 meine Kunstspazierg\u00e4nge durch Innsbruck: Teil 1"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein anderer Sommer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/ibk-g-1f-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"763\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/ibk-g-1f-763x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10531\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/ibk-g-1f-763x1024.jpg 763w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/ibk-g-1f-223x300.jpg 223w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/ibk-g-1f-768x1031.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/ibk-g-1f-1144x1536.jpg 1144w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/ibk-g-1f-1525x2048.jpg 1525w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/ibk-g-1f-scaled.jpg 1906w\" sizes=\"(max-width: 763px) 100vw, 763px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein Sommer, der f\u00fcr mich so anders ist als die vielen Sommer davor. In diesem Sommer blicke ich nicht von den H\u00f6hen der Berge hinunter in die T\u00e4ler, sondern vielmehr lasse ich mich durch die sommerlichen Stra\u00dfen jener Stadt treiben, die mir als Heimat zugeteilt wurde. Dann nehme ich mir Zeit f\u00fcr das bewusste Wahrnehmen von Geschichte, die sich in Kunst und Architektur verdichtet hat, von Kultur, die sich an vielen Orten in Innsbruck versteckt h\u00e4lt und darauf wartet, auch von mir entdeckt und als Interpretationsrahmen f\u00fcr das eigene Sein und aktuelle politische Situationen angenommen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Georgskapelle im Alten Landhaus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der belebtesten Stra\u00dfe von Innsbruck und dem touristischen Hotspot Tirols \u2013 der Maria-Theresien-Stra\u00dfe \u2013 liegt verborgen im Hof des majest\u00e4tischen Alten Landhauses die Georgskapelle. Selbst als ich gegen\u00fcber vom Landhaus als Student in einer typischen Studenten-WG wohnte, war die Georgskapelle nie ein Ort, den ich aufsuchte. Kletterrouten auf die Nordkette oder Demonstrationen f\u00fcr eine bessere Welt, Diss-Schreiben und F\u00fchrungsaufgaben in Pfarrgemeinde und Kath. Arbeiterjugend f\u00fcllten mein Leben zu 100 Prozent aus. Eduard Walln\u00f6fer war der gro\u00dfe Patriarch, der mit absoluter Mehrheit ausgestattet das Land regierte. Der Heilige Georg wurde erst auch viele Jahre sp\u00e4ter \u2013 im Jahr 2005 \u2013 neben dem Heiligen Josef zum 2. Landespatron von Tirol.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Jahre sp\u00e4ter weiche ich vom Touristenstrom ab, gehe durch das m\u00e4chtige Portal des Barockpalastes in dessen Innenhof. Hier ist es ganz ruhig. Die Menschenmassen finden nicht den Weg hinein. Die Fassade der Kapelle, die nun im Osten des Innenhofes vor mir liegt, erf\u00fcllt all die Kriterien einer sp\u00e4tbarocken Architektur. Doch etwas ist da ganz besonders.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Moderne, kr\u00e4ftige Skulpturen in barocker Fassade<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die vier Nischen der Barockfassade sind mit monumentalen bronzenen Skulpturen von Lois Anvidalfarei gef\u00fcllt. Der Ladiner K\u00fcnstler aus S\u00fcdtirol interpretiert dabei auf seine ganz eigene Weise vier Aspekte aus der Legende des Heiligen Georg.<\/p>\n\n\n\n<p>Rechts oben stellt die Skulptur einer nackten, leicht gekr\u00fcmmten Gestalt \u201eDas haltlose B\u00f6se\u201c dar. Ich w\u00fcrde eine Nahaufnahme nicht auf den Meta-Kan\u00e4len posten, um nicht gesperrt zu werden. Fast \u00fcberdimensioniert wirkt das Hinterteil, das dem Betrachter entgegengestreckt wird, und auch das m\u00e4nnliche Geschlechtsmerkmal bleibt nicht verborgen. Das Gesicht  bleibt verborgen. Sch\u00e4mt sich diese Gestalt schon? Da geht nichts Sch\u00f6nes von ihr aus, nur Bedrohliches, so bedrohlich wohl wie vieles, was Menschen und die Welt in den Abgrund zu rei\u00dfen droht. Die schwarze Gestalt ist wie die Antithese zum rosaroten barocken Stuckatur-Interieur der Kapelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch will die Fassade im ganzen Erschrecken zugleich Hoffnung vermitteln. Sie beginnt schon mit der zweiten Skulptur links unten beim Eingang. Sie tr\u00e4gt den Titel \u201eDas Entsetzen \u00fcber das B\u00f6se\u201c. Der Kopf ist nun dem Betrachtenden zugewandt und liegt auf der Nische. Die beiden H\u00e4nde greifen zum Sch\u00e4del. H\u00e4nde und Kopf \u2013 mehr gibt es nicht. Wie in einer Dramaturgie blickt der Kopf hinauf zur Bedrohung rechts oberhalb von ihm. Oder blickt er schon zur Gestalt direkt \u00fcber ihm?<\/p>\n\n\n\n<p>In der Nische oberhalb wird die Skulptur \u201eDie Bekehrung\u201c nun nicht mehr dem Betrachtenden abgewandt dargestellt. Sie dreht sich aus der Nische heraus, gerade so, als w\u00fcrde sie umkehren wollen, einen Neubeginn wagen. Die Figur wirkt trotz ihrer Schwere wie ein T\u00e4nzer und steht auf den Spitzen der Zehen. Ihr Blick richtet sich hinunter zur Skulptur in der rechten Nische am Eingang. Ruft sie zur Umkehr?<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt hat der K\u00fcnstler lediglich einen Kopf und eine segnende Hand in die untere Nische gestellt &#8211; oder besser gesagt, sie scheinen zu fliegen. Die Skulpturgruppe hei\u00dft entsprechend: \u201eDie Segnung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Barockfassade der Landhauskapelle wird mit diesen vier Figuren wie ein Anschauungsunterricht f\u00fcr \u201eDramatische Theologie\u201c. In den nackten K\u00f6rpern bzw. den K\u00f6rperteilen wird sichtbar, wie Leben zerst\u00f6rt werden kann, was als das B\u00f6se genannt werden kann und erfahren wird. Es bleibt aber nicht dabei. Auf die Erkenntnis folgt die Bekehrung, die mit einem Segen abschlie\u00dft. Das B\u00f6se und auch Befreiung haben immer auch mit dem Nackten und dem Leiblichen zu tun. Was so befreiend an dieser Skulpturenanordnung ist: Anders als in den ikonographischen Darstellungen \u00fcber die Vita des Heiligen Georg wird hier das B\u00f6se nicht gewaltsam besiegt. Der Drache als Gegenspieler des legendarischen Georg wird nicht erstochen, ja kommt hier gar nicht vor. Es erscheint vielmehr so, dass das B\u00f6se selbst zur Erkenntnis kommt und \u2013 gezogen von einem g\u00f6ttlichen Segen \u2013 umkehren kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kassian und Vigilius oder Tomaselli<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Kapelle selbst freilich wird Georg wieder als Drachent\u00f6ter dargestellt: das B\u00f6se wird mit Gewalt besiegt \u2013 so k\u00f6nnte dies interpretiert werden. Die Geschichte des fr\u00fchen Christentums erz\u00e4hlt andere Geschichten: links und rechts am Altar stehen die Statuen von Kassian und Vigilius, zwei M\u00e4rtyrer aus der Fr\u00fchgeschichte des Christentums in Tirol. Ich finde sie wieder als S\u00e4ulenheilige am Sockel der Annas\u00e4ule zwischen Georg, dem Drachent\u00f6ter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Massen von Touristinnen und Touristen an diesem hei\u00dfen Sommertag in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe nehmen anderes wahr. Die Schlange vor dem Tomaselli-Eisgesch\u00e4ft ist lang. Innsbrucks bekanntester Eismacher ist bekannter als Kassian \u2013 sein Gedenktag war erst gestern \u2013 oder Vigilius. Mein Weg f\u00fchrt in den Hof beim Palais Trapp. Dort werde ich noch mehr Bronzeskulpturen von Lois Anvidalfarei sehen und auf mich wirken lassen. Aber das ist eine weitere Geschichte wert.<\/p>\n\n\n\n<p>klaus.heidegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/ibk-g-1f-763x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Ein anderer Sommer Ein Sommer, der f\u00fcr mich so anders ist als die vielen Sommer davor. In diesem Sommer blicke ich nicht von den H\u00f6hen der Berge hinunter in die T\u00e4ler, sondern vielmehr lasse ich mich durch die sommerlichen Stra\u00dfen jener Stadt treiben, die mir als Heimat zugeteilt wurde. 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