{"id":10534,"date":"2024-08-15T07:06:50","date_gmt":"2024-08-15T07:06:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10534"},"modified":"2024-08-16T05:28:17","modified_gmt":"2024-08-16T05:28:17","slug":"body-and-soul-und-buon-ferragosta-zum-fest-mariae-himmelfahrt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10534","title":{"rendered":"Body and Soul und Buon Ferragosta: Zum Fest Mari\u00e4 Himmelfahrt"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Mariendom-Linz.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"667\" height=\"1000\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Mariendom-Linz.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10535\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Mariendom-Linz.jpg 667w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Mariendom-Linz-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 667px) 100vw, 667px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Lebenserfahrungen feiern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die extreme Hitze der letzten Tage l\u00e4sst in der Vegetation bereits die Vorboten f\u00fcr das Ende des Sommers ersp\u00fcren. Der Wind hat entlang der Innpromenade unreife Kastanien aus den B\u00e4umen gefegt, in denen einige Bl\u00e4tter braun zu werden beginnen. In den Schaufenstern von so manchem Gesch\u00e4ft wird schon Herbstmode angepriesen. Prallvoll-rot h\u00e4ngen die Fr\u00fcchte an den Vogelbeerb\u00e4umen. Die Sonne kommt sp\u00e4ter und es wird merklich fr\u00fcher dunkel. Das Fest Mari\u00e4 Himmelfahrt markiert stets einen Wendepunkt. In meinem Ursprungsheimatort wird Patrozinium gefeiert. Oft bin ich als Jugendlicher im Anschluss an das Hochamt auf den nahen Bergen unterwegs gewesen. Der Hohe Frauentag ist ein Fest von Gef\u00fchlen und Stimmungen, an dem Erinnerungen geweckt und mit meinem Glaubensweg verbunden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das katholische Hochfest von der \u201eleiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel\u201c am 15. August ist wie eine Matrix, durch die Erfahrungen, Informationen und Ideen miteinander verkn\u00fcpft sind und auf kreative Weise helfen, die existenziell-theologische Befindlichkeit des Lebens zu begreifen. Zwei Aspekte des heutigen Festes sind es, bei denen wir bei den eigenen Lebenserfahrungen ankn\u00fcpfen und unseren Glauben sch\u00e4rfen k\u00f6nnen. Erstens: Was bedeutet die bewusste sprachliche Festlegung im Dogma auf das Adjektiv \u201eleiblich\u201c? Zweitens: Was bedeutet \u201eaufgenommen in den Himmel\u201c? Damit verbunden ist auch die Frage, was eigentlich mit \u201eHimmel\u201c verstanden werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nicht gestorben, sondern entschlafen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst ist es notwendig, sich von heute oft unverst\u00e4ndlichen bildhaften Vorstellungen zu l\u00f6sen. W\u00fcrden die Bilder fundamentalistisch-buchst\u00e4blich verstanden, bliebe der tiefere Inhalt verborgen oder w\u00fcrde er missverstanden werden. Wenn das Hochfest Mari\u00e4 Himmelfahrt mit \u201eunbefleckter Empf\u00e4ngnis\u201c und \u201eJungfrauenschaft\u201c in Verbindung gebracht wird, so entstehen in den K\u00f6pfen zu schnell Vorstellungen, als gehe es um eine biologische Jungfr\u00e4ulichkeit, was dann weiters mit sexueller Enthaltsamkeit assoziiert w\u00fcrde. Allein der Begriff \u201eunbefleckt\u201c in Bezug zur Empf\u00e4ngnis Mariens durch ihre Mutter k\u00f6nnte leicht so missverstanden werden, dass die intimsten und tiefsten k\u00f6rperlichen Erfahrungen mit \u201eBeflecktheit\u201c zu tun haben k\u00f6nnten. So manche Marien-Predigt an den Marienfesttagen haben den Inhalt, Maria als \u201ereine Jungfrau\u201c zu sehen, die dann am Ende ihres Lebens auf wundersame Weise in himmlische Wirklichkeit entr\u00fcckt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Legende am Fest Mari\u00e4 Himmelfahrt besagt zun\u00e4chst, dass Maria entschlafen \u2013 aber nicht gestorben sei. Also die J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger zu dem Ort kamen, an dem Maria entschlafen ist, fanden sie nur mehr Kr\u00e4uter dort vor &#8211; so eine der Legenden. Maria sei dann von ihrem Sohn direkt in den Himmel aufgenommen worden. So kennt die Tradition auch keinen Todestag der Mutter Jesu und kein Mariengrab. Mit anderen Worten: Maria hatte gar keinen nat\u00fcrlichen Tod. Auch diese Aussage ist  eine bildhaft-symbolische Sprachweise, die leicht gedeutet werden kann. Der Begriff \u201eentschlafen\u201c deutet diese Wirklichkeit auch an. Menschen, die im Leben eine gro\u00dfe Bedeutsamkeit hatten, entweder im Privaten oder Gesellschaftlichen, sind in einem \u00fcbertragenen Sinne nicht \u201egestorben\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In den Himmel aufgenommen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wo und wann aber ist der Himmel, in den Maria aufgenommen wurde? Meist wird dieser r\u00e4umlich und zeitlich fern der irdischen Wirklichkeiten verortet, in einem Jenseits, das nach dem irdischen Tod beginne.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich ist vielmehr bedeutsam: Himmel ist jene Wirklichkeit, die im Heute des Lebens zu verorten ist. Sie hat auch mit Leiblichkeit zu tun. Damit sind wir wieder beim Mariendogma mit der Betonung von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Wir sollen Maria in ihrer Leiblichkeit wahrnehmen, weil damit auch unsere eigene Leiblichkeit ins Zentrum des Heilsgeschehens gebracht werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Leiblich ist auch k\u00f6rperlich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Begriff Leib weist uns auf die Einheit von K\u00f6rper \u2013 Seele \u2013 Geist, weil Leib immer mehr besagt als eine k\u00f6rperlich-materielle Seite. Alle drei Dimensionen des Personseins werden in ihrer Bezogenheit aufeinander angesprochen. Im Dogma von der leiblichen Aufnahme hat die katholische Kirche damit dem Leiblichen \u2013 und eben damit auch dem K\u00f6rperlichen \u2013 eine hohe Wertigkeit zugesprochen. Das ist ein so notwendiger Kontrapunkt zu k\u00f6rper-, leib- und lustfeindlichen Positionen vergangener Jahrhunderte, die sich durch bestimmte griechisch-r\u00f6mische Philosophien in der Lehre und Praxis der Kirchen breit gemacht hatten. Heute m\u00fcssen wir sagen: Der ganze Leib \u2013 damit auch der K\u00f6rper und wesentlich damit auch die Sexualit\u00e4t \u2013 wird in ein himmlisches Heilsgeschehen mithineingenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Bezug auf Maria von Nazareth, die allerorts an diesem Hohen Frauentag im Mittelpunkt steht, hei\u00dft dies. Ich darf sie mir vorstellen als eine j\u00fcdische Frau, die geliebt hat aber auch das Leid erfahren musste, wenn der K\u00f6rper erniedrigt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Himmelserfahrungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der gelingenden Erfahrung von K\u00f6rper-Seele-Geist-Harmonie k\u00f6nnen wir eine Tiefe und Zufriedenheit erleben und erfahren, die wir theologisch als \u201eHimmel\u201c bezeichnen und damit als Begegnungsraum mit dem G\u00f6ttlichen. Dort, wo im Leben solche ganzheitlichen Erfahrungen verwehrt werden, gibt es andererseits die Erfahrung von Himmelsferne und es bleiben Hoffnung und Sehns\u00fcchte nach einer \u201eleiblichen Aufnahme\u201c in himmlische Wirklichkeiten. Diese sollen aber nie als Vertr\u00f6stung f\u00fcr eine jenseitige Wirklichkeit fehlinterpretiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Heiligung des Leibes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kr\u00e4uterbuschen, die am Hohen Frauentag in den Kirchen gesegnet werden, erinnern duftend daran, dass es darum geht, dass unser ganzes Sein heil sein soll und die ganze K\u00f6rperlichkeit und irdische Wirklichkeit in einen Erl\u00f6sungsprozess im Jetzt des Himmels zur Erf\u00fcllung kommen k\u00f6nnen. Das wiederum ist ein politischer Auftrag: \u00dcberall dort, wo die Leiblichkeit von Menschen gef\u00e4hrdet ist, m\u00fcssen wir als Christinnen und Christen aktiv werden. Das hei\u00dft, sich um jene Menschen zu k\u00fcmmern, die arm, krank an Leib oder Seele oder unfrei sind. Das bedeutet der radikale Einsatz gegen Kriege und die Zerst\u00f6rung des Planeten \u2013 und selbst nicht Teil solcher Zerst\u00f6rungsprozesse zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Hohen Frauentag wird in den Kirchen als Tagesevangelium das Magnificat aus der Kindheitsgeschichte des Lukasevangeliums gelesen. Da wird programmatisch ganz klar die revolution\u00e4re Seite der Maria, die so gar nicht zu all dem Kitsch, mit dem Maria in der Volksreligiosit\u00e4t meist in Verbindung gebracht wurde, zum Ausdruck gebracht. Es geht darum, dass die Reichen nicht noch mehr bekommen sollen, sondern die Verarmten Gerechtigkeit erfahren werden; dass die Verfolgten freigelassen werden; dass die M\u00e4chtigen ihre Macht verlieren, wenn sie nicht den Menschen dient. F\u00fcr solche politischen Optionen steht im Evangelium Maria ibn Isa, Maria, die Mutter Jesu.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>THEY CALL ME MAMA&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Mariendom in Linz findet anl\u00e4sslich der Jubil\u00e4umsfeierlichkeiten \u2013 die gr\u00f6\u00dfte Kirche \u00d6sterreichs wurde vor 100 Jahren fertiggestellt \u2013 eine Ausstellungsreihe \u00fcber die \u201eHeilige Familie\u201c statt. Noch vor einigen Wochen hatte die Marienskulptur \u201eCrowning\u201c f\u00fcr gro\u00dfe Aufmerksamkeit gesorgt, nachdem sie mit brachialer Gewalt gek\u00f6pft worden war. Die gegenw\u00e4rtige Kunstintervention sorgt f\u00fcr weniger Aufmerksamkeit. Sie stammt von der K\u00fcnsterlin Katharina Struber. Pinke Rohre winden sich um die Kanzel, verbinden den Innenraum des Mariendomes mit der Au\u00dfenwelt, verbinden ein Oben und Unten. In den Trichtern der f\u00fcnf Rohe k\u00f6nnen jeweils andere Botschaften geh\u00f6rt werden: Die Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten wird vorgelesen und erz\u00e4hlt von der Bedrohung der Sch\u00f6pfung; in einem anderen Rohr werden Menschen genannt, die im Jahr 2024 bereits auf der Flucht nach Europa gestorben sind; ein anderes Rohr l\u00e4sst aber auch feiernde Menschen h\u00f6rbar werden. Angesichts vieler Bedrohungen braucht es eine MAMA, die f\u00fcrsorglich und helfend eingreift, zu der Menschen in ihrer Not rufen k\u00f6nnen, eine MAMA freilich, die hier auf Erden wundersam und heilsam gegenw\u00e4rtig sein kann in der Tatkraft und leiblichen Liebeskraft von Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, Mari\u00e4 Himmelfahrt 2024<\/p>\n\n\n\n<p>(Bild: Kunstinstallation im Mariendom in Linz)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Mariendom-Linz.jpg' class='thumbnail' \/>Lebenserfahrungen feiern Die extreme Hitze der letzten Tage l\u00e4sst in der Vegetation bereits die Vorboten f\u00fcr das Ende des Sommers ersp\u00fcren. Der Wind hat entlang der Innpromenade unreife Kastanien aus den B\u00e4umen gefegt, in denen einige Bl\u00e4tter braun zu werden beginnen. In den Schaufenstern von so manchem Gesch\u00e4ft wird schon Herbstmode angepriesen. 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