{"id":10579,"date":"2024-08-27T12:43:08","date_gmt":"2024-08-27T12:43:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10579"},"modified":"2024-08-27T14:31:10","modified_gmt":"2024-08-27T14:31:10","slug":"heidekraut-und-brot-kulturell-elementare-verdichtungen-in-der-europaeischen-kulturhauptstadt-bad-ischl-salzkammergut","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10579","title":{"rendered":"\u201eHeidekraut und Brot\u201c \u2013 kulturell-elementare Verdichtungen in der Europ\u00e4ischen Kulturhauptstadt Bad Ischl-Salzkammergut"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Moha-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Moha-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10580\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Moha-1-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Moha-1-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Moha-1-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Moha-1-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Moha-1-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Mozarthaus in St. Gilgen an einem Samstagabend Ende August. Der Sommer hat seine ganze W\u00e4rmekraft entfaltet. T\u00fcrkis-blau schmiegt sich der Wolfgangsee zwischen den bewaldeten Kalkbergen, zwischen denen manchmal eine Felswand lockend herausschaut. Fast kitschig wirkt alles. Das Mansardenhaus aus dem 18. Jahrhundert strahlt noch das Flair aus, als w\u00e4ren die Mutter von Mozart, die hier geboren wurde, und Nannerl, die sp\u00e4ter hier lebte, gerade ausgezogen. Wei\u00dfe Boote segeln am See. Die Welt von Krieg und Gewalt scheint f\u00fcr Augenblicke weit weg zu sein. Das Massaker, das kaltbl\u00fctig in Solingen verrichtet wurde, die wechselseitigen Bombardierungen zwischen Israel und den Terrorgruppen im Libanon, die Eskalationsspiralen im Krieg Russlands gegen die Ukraine. Im MoHa \u2013 so hei\u00dft nun das Mozarthaus in St. Gilgen \u2013 findet ein Konzert mit Lesung statt. Ein Streichquartett spielt \u201eDie Gesch\u00f6pfe des Prometheus\u201c von Ludwig van Beethoven. Dazu werden Texte aus dem Essay von \u201ePrometheus in der H\u00f6lle\u201c von Albert Camus gelesen. Der mythische Held aus der griechischen Sagenwelt wird bei Camus zum Sinnbild f\u00fcr den Menschen, der der Welt das Erl\u00f6sende bringen kann. W\u00e4hrend die Streicher ihre Sinfonien spielen, geben sie jenem Sehnen in mir Raum, das Camus verdichtete und Beethoven in seiner Musik ausdr\u00fccken konnte. Beethoven tr\u00e4umte in seiner Zeit davon, dass die Kanonen schweigen, dass die Freiheit \u00fcber die Knechtschaft siegen w\u00fcrde. Nicht weniger wollte Camus unmittelbar nach dem Schrecken des Zweiten Weltkriegs, dass die Menschen sich endlich ihrer Menschlichkeit besinnen w\u00fcrden. Die Menschen brauchen f\u00fcr ihr Freisein und ihre Entfaltung \u2013 so Camus \u2013 zwei Dinge: Brot und Heidenkraut. Letzteres steht f\u00fcr all das, was mit Kultur und Philosophie zu tun hat. W\u00e4hrend die Geigen und die Bratsche miteinander im Spiel sind und T\u00f6ne wie Wellen am Wolfgangsee sich aneinander wiegen, wandern meine Gedanken weg von den H\u00f6llensituationen unserer Welt hin zu Prometheus, der rebelliert gegen die Verg\u00f6tzungen von Gewalt, der \u2013 obwohl selbst aus dem Geschlecht der Titanen \u2013 sich gegen den Krieg stellt, weil er als \u201eVoraussehender\u201c wei\u00df, dass jeder Krieg nicht gewonnen werden kann, oder hin zum Literaturnobelpreistr\u00e4ger Camus, f\u00fcr den jedes Mittel selbst das Ziel schon in sich haben sollte, f\u00fcr den das Gegenw\u00e4rtige z\u00e4hlt und keine k\u00fcnftigen Verhei\u00dfungen als Legitimation f\u00fcr gewaltsame Mittel sein k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nacht hat das T\u00fcrkis-Gr\u00fcn-Blau des Wolfgangsees in ein tiefes Schwarz getaucht. Noch unfertig sind die Gedanken, denen ich sp\u00e4ter Gestalt geben m\u00f6chte, noch unbeantwortet die Fragen, die doch nur rhetorisch gemeint sind und als solche zu verstehen sind: Was w\u00fcrden uns Sp\u00e4tgeborenen, die wir die Letzte Generation sind, die noch Auswege aus der H\u00f6lle der Erderhitzung schaffen k\u00f6nnte, Camus oder Beethoven wohl sagen? Wie k\u00f6nnten wir als Gesch\u00f6pfe des Prometheus der Welt mit ihren apokalyptischen Tendenzen noch Hoffnung schenken? Jedes Leiden darf nicht sein, so Camus. Daher rechtfertigt auch kein Zweck ein Mittel. Ohne Revolte wird es nicht gelingen: Die t\u00e4glich-allt\u00e4gliche Revolte gegen all das, was die Sch\u00f6pfung zerst\u00f6rt, was Menschen hindert, im Hier und Heute frei zu leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nacht hat das T\u00fcrkis-Gr\u00fcn-Blau des Wolfgangsees in ein tiefes Schwarz getaucht. Noch unfertig sind die Gedanken, denen ich sp\u00e4ter Gestalt geben m\u00f6chte, noch unbeantwortet die Fragen, die doch nur rhetorisch gemeint sind und als solche zu verstehen sind: Was w\u00fcrden uns Sp\u00e4tgeborenen, die wir die Letzte Generation sind, die noch Auswege aus der H\u00f6lle der Erderhitzung schaffen k\u00f6nnte, Camus oder Beethoven wohl sagen? Wie k\u00f6nnten wir als Gesch\u00f6pfe des Prometheus der Welt mit ihren apokalyptischen Tendenzen noch Hoffnung schenken? Ohne Revolte wird es nicht gelingen<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, 27. 8. 2024<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Moha-1-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Im Mozarthaus in St. Gilgen an einem Samstagabend Ende August. Der Sommer hat seine ganze W\u00e4rmekraft entfaltet. 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