{"id":10620,"date":"2024-09-12T15:16:26","date_gmt":"2024-09-12T15:16:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10620"},"modified":"2026-02-03T07:17:47","modified_gmt":"2026-02-03T07:17:47","slug":"maria-mirjam-widerspenstige-du","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10620","title":{"rendered":"Maria \u2013 Mirjam \u2013 Widerspenstige Du!"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Du Widerspenstige!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMirjam\u201c, dein j\u00fcdischer Name, er l\u00e4sst sich \u00fcbersetzen mit \u201eWiderspenstige\u201c oder \u201eUngez\u00e4hmte\u201c. So bist du gewesen. Widerspenstig gegen all das, was Frauen und M\u00e4nner und Kinder unterdr\u00fcckte. Dein Name \u201eMirjam\u201c erinnert an die Befreiung des Volkes Israel aus \u00c4gypten. Jene, nach der du benannt bist, hat gemeinsam mit den beiden Hebammen Schiphra und Pua, ihrer Mutter und der \u00e4gyptischen Pharaonentochter den Grundstein zu Befreiung des Volkes Israel aus dem Sklavenhaus \u00c4gyptens gelegt. So passt der Name der Schwester des Moses auch zu dir, Mirjam von Nazareth.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du Rollensprengende!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der patriarchalen Kultur des ersten Jahrhunderts hast du dich nicht an die Genderrolle gehalten. Gemeinsam mit Mirjam von Magdala und anderen Frauen warst du Teil der Frauengruppe, die in der Mitte der Jesusbewegung stand. So wirst du auch nach Tod und Auferstehung Jesu beim Pfingstereignis als Frau gesehen, die die Mitte des neuen Gottesvolkes bildet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du Religionen\u00fcbergreifende!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Maryam wirst du im Koran genannt. Dein Name kommt dort \u00f6fters vor als in der Bibel. Du bist eine Br\u00fccke zwischen den Religionen. Als Mirjam stehst du f\u00fcr den j\u00fcdischen Glauben, als Maryam f\u00fcr die Welt des Islam und mit dem griechischen Namen f\u00fcr die christliche Welt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du Tr\u00e4umende!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn du als \u201eunbefleckt Empfangene\u201c verehrt wirst, denke ich daran, dass du uns gezeigt hast, mit deinem Engagement und deiner Liebe, dass eine andere Welt m\u00f6glich ist, dass wir ausbrechen k\u00f6nnen aus den teuflischen Spiralen, dass wir uns befreien k\u00f6nnen von den Zw\u00e4ngen, dass Gewalt nicht mit Gewalt zu beantworten ist, dass Feindschaft mit Vergebung und Vers\u00f6hnung aufgel\u00f6st werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du Himmlische!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als in den Himmel Aufgenommene \u00f6ffnest du mir den Blick in die Himmel, ohne diese Welt zu vergessen. Das Aufgenommen-in-den-Himmel lenkt mich nicht ab vom Irdischen, sondern l\u00e4sst die Himmel im Hier und Heute erkennen, l\u00e4sst mich danach sehnen, dass ein St\u00fcck des Himmels lebendig wird, wo ich lebe. Mit Haut und Haaren \u2013 so hei\u00dft es im Dogma \u2013 bist du aufgenommen im Himmel, mit deiner ganzen Leiblichkeit. Das passt zu dir und meiner Sehnsucht: Kein manich\u00e4isches Trennen von Geist und Leib, kein gnostisches Verachten all dessen, was mit K\u00f6rper verbunden ist. Das taugt als politisches Programm gegen all die Vertr\u00f6stungen und Weltfl\u00fcchte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du Gottgeb\u00e4rende!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Du bist die Mutter Jesu, Mutter des Heilands, und doch sehe ich dich f\u00fcr mich bewusst nicht in der M\u00fctterlichkeit, weil ich nicht dein Kind bin, weil ich auf Augenh\u00f6he mit dir sein m\u00f6chte, dich von den \u00fcberh\u00f6hten Alt\u00e4ren herunter in diese Welt holen m\u00f6chte, dich befreien vom Gold und Silber und den schweren Gew\u00e4ndern, von Sternenkr\u00e4nzen und Kronen und vor allem vor der Vereinnahmung durch kriegerische Machthaber, von M\u00e4nnern, die bis zum heutigen Tage in Soldatenuniformen und mit Waffen in den H\u00e4nden ihre Gel\u00f6bnisse vor dir sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du j\u00fcdisch Glaubende!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich sehe dich als j\u00fcdische Frau, voller Tr\u00e4ume nach einem erf\u00fcllten Leben und jener Hoffnung auf das messianischen Friedensreich, die von Prophetinnen und Propheten formuliert worden ist. Zu dieser Hoffnung hast du dein \u201ees m\u00f6ge geschehen\u201c gesprochen. Wie jede fromme J\u00fcdin hast du an den Schalom geglaubt. Je mehr Unfrieden und Ungerechtigkeit zu deiner Zeit erfahrbar waren, desto st\u00e4rker wurde zugleich dieser Traum umgem\u00fcnzt in politischen Widerstandsgeist. Diesen Traum hast du in deinem Sohn gro\u00df werden lassen. \u201eJehoschua\u201c hast du ihn selbst genannt, \u201eGott rettet\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du Liebende!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als M\u00e4dchen schon wirst du damals mit einem Mann verlobt worden sein. So sahen es Br\u00e4uche, Gesetze und Kultur vor. Du hattest Gl\u00fcck mit deinem Verlobten. Josef ist zu dir gestanden, als du, die Erniedrigte, viel zu jung schwanger geworden bist. Der Bauhandwerker aus Nazaret hat dich nicht versto\u00dfen, weil er verliebt war in dich, weil er dich liebte, weil er wie du an die Botschaften der Engel glaubte. Solidarit\u00e4t als Wurzel der Befreiung wurde in eurer Liebesbeziehung sichtbar. Auch in Elisabeth, die dir Deckung gab, hattest du frauensolidarische St\u00fctze. So konnte dann in deinem Leib jenes Kind gro\u00df werden, das als Retter der Welt, als Heiland, als Menschensohn, als Messias, ja sogar als Sohn Gottes gilt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du Rebellin!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Du warst in den Augen der M\u00e4chtigen, der r\u00f6mischen Besatzer und ihrer Kollaborateure eine Rebellin. So hast du gesungen: \u201eDie M\u00e4chtigen st\u00fcrzt er vom Thron und erh\u00f6ht die Erniedrigten \u2026 die Verarmten wird er beschenken und die Reichen werden leer ausgehen\u2026 \u201c Es war das revolution\u00e4re Wiegenlied f\u00fcr deinen Sohn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du Missverstandene!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die M\u00e4chtigen haben im Laufe der Jahrhunderte etwas anderes aus dir gemacht. Man behauptete, du h\u00e4ttest K\u00f6nige zu grausamen Schlachten ermutigt. So wurdest du instrumentalisiert als Aufruf zum kriegerischen Gemetzel. In der Gegenreformation wurdest du hierzulande als Magna Mater Austriae zur \u201eGeneralissima\u201c umfunktioniert und unter deinem Schutz geschah die Zwangskatholisierung. Du wurdest mit dem Epitheton \u201eSiegerin in allen Schlachten\u201c versehen. Du Maryam, die von den Muslimen verehrte Mutter des Propheten und Gesandten Isa, wurdest zur Galionsfigur im Kampf gegen Muslime. Du wurdest mit dem Titel \u201eJungfrau\u201c versehen. So hat man dich unter dem falsch verstandenen Mythos als Inbegriff einer Sexual- und Leibfeindlichkeit missbraucht. Mit dir verbunden wurde das Wort \u201eunbefleckte Empf\u00e4ngnis\u201c und wieder wurden damit sexualfeindliche Konnotationen geweckt. Man hat dich in wei\u00df-blass-bl\u00e4uliche Statuen gedr\u00fcckt und damit ganzheitliches Leben aus dir gepresst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du Botin der Z\u00e4rtlichkeit Gottes!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Heute sage ich: Du bist, wie es Martin Luther formulierte, keine Generalissima, die zu Schlachten ermutigt, sondern die \u201ezarte Mutter Christi\u201c und Botin jener Z\u00e4rtlichkeit Gottes, von der Papst Franziskus in seinen Worten immer wieder spricht. Du trittst aus den Bildern und von den Alt\u00e4ren und bist mir Schwester im Glauben mit deinem subversiven Gesang, wie es einst Kurt Marti formulierte. Du ermutigst auch mich zu tr\u00e4umen von einem Leben in F\u00fclle und Ganzheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger<br>(\u00dcberarbeitung eines \u00e4lteren Textes anl\u00e4sslich des Festes Mari\u00e4 Namen, 12.10.2024)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Du Widerspenstige! \u201eMirjam\u201c, dein j\u00fcdischer Name, er l\u00e4sst sich \u00fcbersetzen mit \u201eWiderspenstige\u201c oder \u201eUngez\u00e4hmte\u201c. So bist du gewesen. Widerspenstig gegen all das, was Frauen und M\u00e4nner und Kinder unterdr\u00fcckte. Dein Name \u201eMirjam\u201c erinnert an die Befreiung des Volkes Israel aus \u00c4gypten. 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