{"id":10670,"date":"2024-09-19T18:24:35","date_gmt":"2024-09-19T18:24:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10670"},"modified":"2024-09-20T02:52:53","modified_gmt":"2024-09-20T02:52:53","slug":"erfahrungen-beim-reisen-nach-rostock","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10670","title":{"rendered":"Erfahrungen beim Reisen nach Rostock"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/ro-pride-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/ro-pride-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10671\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/ro-pride-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/ro-pride-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/ro-pride-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/ro-pride-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/ro-pride-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Tag1: 17. September 2024. \u00dcber die Grenze f\u00e4hrt der Zug. EU-Binnengrenze. Zwischen Deutschland und \u00d6sterreich. Ab heute gelten an deutschen Grenzen versch\u00e4rfte Einreisekontrollen. Was die rechtspopulistischen Parteien fordern, wird nun von der Ampelkoalition SPD\/FDP\/Gr\u00fcne umgesetzt. Ein wesentlicher Grundsatz im humanit\u00e4ren Asylrecht wird ignoriert. Die Gr\u00fcnen machen mit. Der Schengen-Raum ist von gestern. Zwei Polizeibeamte in abschreckend wirkendem Outfit gehen durch den Zug. Wir beide haben blaue Augen und sind unverd\u00e4chtig. Die Praxis der Zur\u00fcckweisungen ist f\u00fcr die Armutsfl\u00fcchtinge unserer Welt. Eine Zahl nur ist es in der heutigen Tageszeitung: In den Monaten Mai und Juni gab es an der deutsch-\u00f6sterreichischen Grenze bereits 2938 Zur\u00fcckweisungen. Hinter der Zahl stehen Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, stehen schreckliche Fluchtgeschichten und mit einer gro\u00dfen Sehnsucht nach einem Leben in Freiheit und Sicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Regen der vergangenen Tage hat aufgeh\u00f6rt. Sonne strahlt heute vom hellblauen Himmel. Im Osten \u00d6sterreichs brachten die Regenmassen der vergangenen Tage schwere Unwetter, Hochwasser, \u00dcberschwemmungen, Dammbr\u00fcche. Menschen verloren Hab und Gut. Die klimatologische Wissenschaft und Organisationen, die ich unterst\u00fctze, Scientists for Future, Fridays for Future oder Letzte Generation, sie haben lange davor gewarnt. Katastrophenalarm gibt es aktuell aber nicht nur in Nieder\u00f6sterreich und Wien, sondern auch in vielen L\u00e4ndern Osteuropas. Werden die Spitzenpolitiker hierzulande von der Notwendigkeit sprechen, nun wirklich das Thema Erderhitzung ernst zu nehmen? Wird Bundeskanzler Nehammer weiterhin vom \u201eAutoland \u00d6sterreich\u201c reden? Werden Politiker der SP\u00d6 weiterhin Stra\u00dfenbauprojekte bef\u00fcrworten? Wird gar die FP\u00d6 ihre Klimawandelleugnungsstrategie aufgeben? Ein Foto von einem FP-Werbeplakat steht f\u00fcr die politische Situation. Es zeigt Herbert Kickl und die Aufschrift \u201eEuer Wille geschehe\u201c auf einem Dreieckst\u00e4nder, der in den Fluten des Hochwassers steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine lange Reise in ganzer S\u00fcd-Nord-Richtung Deutschlands beginnt. Die leichten Rennr\u00e4der sind in Fahrradtaschen gepackt. Wird vom Zugpersonal das leichte und doch sperrige Gep\u00e4ck akzeptiert werden? Es ist wieder ein Versuch, die \u00d6ffis mit Rad zu testen. Wir w\u00e4hlten ein Interrail-Ticket. Drei Tage f\u00fcr ein Land. Alles ist nun am Handy. Diese digitale Form der Fahrkarte ist mir noch nicht vertraut. Auch das ist eine neue Erfahrung. Auf mein Handy speicherte ich den Rail-Pass und die geplante Fahrt. Das war noch einfach. Am Bahnhofsfahrkartenschalter bekam ich die Auskunft, den Pass erst in Deutschland zu aktivieren. Bis dorthin habe ich das Klimaticket. Es funktioniere, so wurde mir versichert, sobald das Smartphone eine Internetverbindung aufbauen kann. (&#8230;)<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fcnchen \u2013 N\u00fcrnberg \u2013 Halle \u2013 Erfurt: schon bald sind wir in Berlin. Die Fahrt geht schnell. 198 km\/h zeigt der Bildschirm. 16.06 Uhr. Sechs Stunden sind es von Innsbruck bis Berlin. Ohne Umsteigen von M\u00fcnchen. Die R\u00e4der in den S\u00e4cken konnten problemlos ihren Platz im Eingangsbereich finden. Ich nehme nur winzige Bruchst\u00fccke von der Landschaft wahr, die drau\u00dfen scheinbar vorbeisaust, wobei ich es bin, der vorbeisaust. In Gedanken bin ich immer wieder bei den wenigen Tagen vor eineinhalb Jahren, in denen ich mit meiner Nichte fast die gleiche Strecke mit dem Rennrad bis Kopenhagen fuhr. Da war jeder Kilometer, jeder Windhauch und jede auch noch so kleine Steigung sp\u00fcrbar. Die abgeernteten Felder zwischen Erfurt und Berlin sind riesengro\u00df. DDR-Planwirtschaft aus einer l\u00e4ngst vergangenen Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. Felder, die mehr als 10 Hektar gro\u00df sind. So manche bewegliche Beregnungsanlage ist einen halben Kilometer breit. (&#8230;)<\/p>\n\n\n\n<p>Unterwegssein. Der Blick weitet sich. Tausende Menschen im Laufe eines Tages. Im Zug, vorne, hinten, daneben, auf den Bahnsteigen, aufgeweckte Menschen, hoffnungsvolle Menschen, nerv\u00f6se Menschen, junge Menschen, alte Menschen, Schaffnermenschen, Menschen. Manchmal verliebte Menschen \u2013 aber selten. Manchmal Ehemenschen, wo nur wenig Lust dazwischen zu sein scheint. Menschen auf dem Weg zu Kongressen, zu irgendeiner Arbeit, zu Besuchen \u2013 wohl wenig typische Urlaubermenschen an diesem Montag in der Mitte des Septembers. Landschaften, manchmal ein Dorf oder eine Stadt und dazwischen ganz viel Land. Die Berge sind l\u00e4ngst verschwunden. Der Bahnhof in Berlin ist eine gigantische architektonische High-Tech-Leistung. Die Bahnsteige und Geleise befinden sich auf unterschiedlichen Etagen \u00fcbereinander. Abendsonne bei der Weiterfahrt Richtung Rostock. Vier Frauen im Vierersitz nebenan reden intensiv miteinander. Lebensgeschichten tun sich auf, weil ich zuh\u00f6ren muss, ohne zuh\u00f6ren zu wollen. Oranienburg \u2013 ein Name, der mich an geschichtliche Ereignisse erinnert. Hier in der N\u00e4he gab es ein KZ \u2013 inzwischen eine Gedenkst\u00e4tte. Die vorbeiziehende Welt ist nur flach-flach-flach. Das KZ Sachsenhausen war am Stadtrand von Oranienburg. Der Zug rollt durch das Bundesland Brandenburg. Am Wochenende werden hier Kommunalwahlen sein. Die AfD ist laut Umfragen mit 29 Prozent an der Spitze. Sachsenhausen und AfD &#8211; zwei Namen, die irgendwie zusammengeh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ankommen in Rostock. Ich k\u00f6nnte glauben, am Ende der Welt zu sein. Der Bahnhof \u00e4hnelt den Bahnh\u00f6fen entlegener Vorst\u00e4dte. Renoviert wurde er wohl seit den Gr\u00fcndungszeiten nicht mehr. Ein kleines Backsteingeb\u00e4ude mit dem Schild \u201eRadstation\u201c ist daran angebaut. Noch bleibt beim Warten auf den Anschluss gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr ein Lokalbesuch. Es ist l\u00e4ngst dunkel geworden. Das Chinarestaurant ist gerade beim Schlie\u00dfen. Daneben verkauft ein chinesischer Laden Getr\u00e4nke und kleine Imbisse. Im Bahnhofsgeb\u00e4ude selbst liegt die Verpflegung auch in chinesischer Hand. \u00dcber den Tischen ist ein Buddhaschrein mit roten LED-L\u00e4mpchen. Was w\u00e4re, wenn die \u201eAusl\u00e4nder-raus\u201c-Parolen der AfD Wirklichkeit w\u00fcrden? Der Platz vor dem Bahnhof hei\u00dft inzwischen \u201eKonrad-Adenauer-Platz\u201c. Der Platz strahlt zugleich noch DDR-Vergangenheit aus. Bei der Weiterfahrt Richtung Ostsee steigen dann knapp ein Dutzend junge M\u00e4nner zu. Sie sind unschwer als Asylsuchende auszumachen. Von der Schaffnerin werden sie streng kontrolliert. Ich rede noch kurz mit ihnen. Sie kommen aus Syrien, sind seit zwei Jahren hier, m\u00f6chten arbeiten als Friseure, als Mechaniker, sie haben aber keine Erlaubnis dazu, ihre Antr\u00e4ge auf Asyl sind noch unbeantwortet. Nach 14 Kriegsjahren m\u00f6chten sie nie mehr zur\u00fcck nach Syrien. Im Gegenteil. Sie m\u00f6chten, dass ihre Familien nachkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie wird ihre Geschichte weitergehen? Begegnungen, die mich ratlos und nachdenklich zur\u00fccklassen. Sind wir gef\u00fchlt schon am Ende der Welt? Am Bahnhof in Rostock steht ein Zug bemalt in PRIDE-Regenbogenfarben des Widerstands und mit der Aufschrift &#8222;Gute Zeiten &#8211; Nazis fighten&#8220;. Gibt es also doch ein Rettung?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/ro-pride-1024x768.jpg' class='thumbnail' \/>Tag1: 17. 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