{"id":10897,"date":"2024-11-28T16:16:36","date_gmt":"2024-11-28T16:16:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10897"},"modified":"2024-11-28T16:16:36","modified_gmt":"2024-11-28T16:16:36","slug":"zwischen-vernunftgeleiteter-hochachtung-fuer-den-islam-und-islamophober-ablehnung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10897","title":{"rendered":"Zwischen vernunftgeleiteter Hochachtung f\u00fcr den Islam und islamophober Ablehnung"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/w-islam-goethe-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"764\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/w-islam-goethe-1-764x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10899\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/w-islam-goethe-1-764x1024.jpg 764w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/w-islam-goethe-1-224x300.jpg 224w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/w-islam-goethe-1-768x1029.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/w-islam-goethe-1-1146x1536.jpg 1146w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/w-islam-goethe-1-1528x2048.jpg 1528w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/w-islam-goethe-1-scaled.jpg 1910w\" sizes=\"(max-width: 764px) 100vw, 764px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Die eine Seite: Islamophobie und antiislamischer Populismus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die soeben publizierte Rechtsextremismusstudie des Dokumentationsarchiv des \u00f6sterreichischen Widerstands \u2013 ver\u00f6ffentlicht am 26.11.2024 \u2013 bringt auch mit Blick auf die Einstellung der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung zum Islam erschreckende Ergebnisse zutage. Befragt, ob man Muslime als Nachbarn wolle, antworteten 36 % mit einem Nein. 26 % der Befragten finden weiters, dass Muslimen die Zuwanderung untersagt werden soll. Die giftige islamophobe Rhetorik rechtspopulistischer Politiker geht auf. Auch die FP\u00d6-Steiermark unter Mario Kunasek fuhr in den letzten Jahren einen Kurs, der den Islam meist mit Terrorismus in Verbindung brachte. Vom gro\u00dfen Wahlsieger bei den Landtagswahlen in der Steiermark stammen S\u00e4tze wie jene: \u201eDer muslimische Glaube wird ganz offensichtlich ein immer gr\u00f6\u00dferer Faktor in unserer Gesellschaft und gef\u00e4hrdet damit wesentlich die heimische Wertevermittlung. Das im islamischen Religionsunterricht vermittelte, aus unserer Sicht teils fragw\u00fcrdige Gedankengut ist mit unserer christlich gepr\u00e4gten Wertekultur absolut nicht vereinbar.\u201c Daraus folgt f\u00fcr den wohl k\u00fcnftigen Landeshauptmann der Steiermark die Forderung nach einer \u201eNullzuwanderung aus islamischen L\u00e4ndern\u201c. (Quelle: Website der FP\u00d6 Steiermark) Zu den plakatierten FP-Steiermark Slogans z\u00e4hlte u.a.: \u201eDer Islam ist kein Teil von \u00d6sterreich. Wir sind ein christlich gepr\u00e4gtes Land und wollen das auch bleiben.\u201c Die FP-Steiermark bleibt damit ihrer Tradition treu. Schon der Vorg\u00e4nger von Kunasek als Parteichef hatte die Parole \u201eLieber Sarrazin statt Muezzin\u201c ausgegeben und verteidigte das Computer-Spiel \u201eMoschee baba\u201c, wo es darum ging, Moscheen Minarette oder Muezzins mit einem Stoppschild abzuschie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die andere verst\u00e4ndnisvolle Seite: Differenzierte Hochachtung f\u00fcr den Koran<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die feinsinnige Ausstellung \u201eDer europ\u00e4ische Koran\u201c im Weltmuseum Wien in der Neuen Hofburg am Heldenplatz ist wie eine Antithese zu solchen islamfeindlichen \u00c4u\u00dferungen. Die Ausstellung gibt einen Einblick in ein europ\u00e4isches Forschungsprojekt \u00fcber die Bedeutung des Korans in der Geschichte Europas. In einem ersten Raum wird die besondere Qualit\u00e4t des Heiligen Buchs der Muslime vielf\u00e4ltig dargestellt. Eine Frau singt eine Sure des Korans, dessen Verse stets wundervoll geschrieben werden. Bei diesem Buch geht es um \u00c4sthetik, was sich in kalligraphischen Werken widerspiegelt. Andes als im rechtspopulistischen Narrativ wird in den anderen R\u00e4umen sicht- und sp\u00fcrbar, wie sehr der Koran die europ\u00e4ische Geschichte mitgepr\u00e4gt hat. Er wurde vom Mittelalter an als Lehrbuch verwendet, um Sprachen und Kulturen zu lernen und zu verstehen und diente als Br\u00fccke zwischen unterschiedlichen Welten. Zwei Kunstwerke wurden eigens f\u00fcr diese Ausstellung gefertigt. Sie versinnbildlichen die Verbindung von europ\u00e4ischen Leitfiguren mit dem Koran. Das eine Bild zeigt ein Portr\u00e4t von Goethe, der in einem Koran liest. Der Rahmen des Portr\u00e4ts wird gebildet aus den f\u00fcr islamische Kunst typischen gold-gr\u00fcnen Ornamenten. In gleicher Weise gefertigt gibt es auch ein Portr\u00e4t von Christina von Schweden. Die K\u00f6nigin von Schweden hat Mitte des 17. Jahrhunderts Koranhandschriften gesammelt. Dass sich Goethe vom Islam inspirieren lie\u00df, war mir bereits vertraut. Das Buch von Karl-Josef Kuschel hatte ich einmal in den H\u00e4nden. Goethes klassisches Werk \u201eDer west-\u00f6stliche Diwan\u201c las ich in kurzen Ausschnitten in meinem Unterricht. Im Zusammenhang mit meiner Masterarbeit zur interreligi\u00f6sen Arbeit in den Schulen konnte ich noch tiefer eintauchen in die Zusammenh\u00e4nge von Islam\/Koran und biblisch-christlicher Welt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit Goethe gegen den islamfeindlichen Rechtspopulismus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausstellung im Weltmuseum Wien ist wieder wie eine Inspiration, mich noch tiefer mit dieser Thematik zu besch\u00e4ftigen \u2013 auch als politisch-gedachtem Widerspruch zu den dumm-oberfl\u00e4chlichen rechtspopulistischen islamophoben R\u00fclpser. Jene, die so gerne deutscht\u00fcmelnd die gro\u00dfen deutschen Dichter bem\u00fchen, scheinen diese nie gelesen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Goethe hat den Koran grunds\u00e4tzlich studiert und lie\u00df sich durch den persischen Dichter Hafis zum Schreiben des Diwan anregen. Goethe vertiefte sich in diese Welt, indem er selbst kalligraphische \u00dcbungen machte. Im Gedicht \u201ePfauenfeder\u201c bezeichnet er den Koran als \u201eErdgebilde h\u00f6chster Schatz\u201c. Er bezog sich dabei freilich nicht auf die repressiv-totalit\u00e4ren Formen des orthodoxen Islam, sondern lie\u00df sich vom Sufismus bzw. der islamisch Mystik inspirieren. Da entdeckte er das, was ihm so wichtig war: Die Allpr\u00e4senz Gottes. Die ganze Sch\u00f6pfung begriff er als durchtr\u00e4nkt von g\u00f6ttlicher Energie. Weltliebe und Weltfr\u00f6mmigkeit folgten daraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Goethe lebte zugleich in einer Zeit, in der die europ\u00e4ische Welt von einem Abwehrkampf gegen\u00fcber dem Islam gepr\u00e4gt war. Zu seiner Zeit tobte der 4. Blutige osmanische Krieg. Mohammed wurde als Teufelsgestalt gesehen und der Islam galt als Teufelsreligion. Ein Gedicht aus dem west-\u00f6stlichem Diwan bringt das Verbindende bei Goethe zum Ausdruck:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGottes ist der Orient!<br>Gottes ist der Okzident!<br>Nord- und s\u00fcdliches Gel\u00e4nde<br>Ruht im Frieden seiner H\u00e4nde.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/w-islam-goethe-1-764x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Die eine Seite: Islamophobie und antiislamischer Populismus Die soeben publizierte Rechtsextremismusstudie des Dokumentationsarchiv des \u00f6sterreichischen Widerstands \u2013 ver\u00f6ffentlicht am 26.11.2024 \u2013 bringt auch mit Blick auf die Einstellung der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung zum Islam erschreckende Ergebnisse zutage. Befragt, ob man Muslime als Nachbarn wolle, antworteten 36 % mit einem Nein. 26 % der Befragten finden weiters,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":10899,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1917,1800,183],"tags":[2059,2061,2060,2058],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10897"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10897"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10897\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10900,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10897\/revisions\/10900"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/10899"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10897"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10897"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10897"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}