{"id":10929,"date":"2024-12-07T14:26:34","date_gmt":"2024-12-07T14:26:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10929"},"modified":"2024-12-08T14:20:39","modified_gmt":"2024-12-08T14:20:39","slug":"nikolauslogik-gegen-kapitalistische-logik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10929","title":{"rendered":"Nikolauslogik gegen kapitalistische Logik"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Apfel-Stein.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Apfel-Stein-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10930\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Apfel-Stein-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Apfel-Stein-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Apfel-Stein-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Apfel-Stein-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Apfel-Stein.jpg 1632w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Das steinerne Herz \u2013 eine Nikolauslegende<\/strong> <br><br>Ein Kaufmann hatte gro\u00dfe Reicht\u00fcmer angeh\u00e4uft. Doch genug hatte er nie. Als er einmal unterwegs war, umwarb ihn die Stimme einer teuflischen Versuchung: \u201eIch kann dich noch reicher machen, reicher als alle anderen, wenn du nur willst!\u201c So sprach der Teufel. \u201eUnd ob ich das will! Sag mir den Preis\u201c, reagierte der Kaufmann begierig. Der Teufel nun: \u201eGib mir dein Herz daf\u00fcr!\u201c Schnell entschlossen \u00fcbergab der Kaufmann dem Verf\u00fchrer sein Herz. Zur\u00fcck erhielt er ein Herz aus Stein. Dieses erwies sich als wunderbarer Geldvermehrer. Mit gnadenloser H\u00e4rte kaufte und verkaufte er alles, was sich nur zu Geld machen lie\u00df. Unaufhaltsam wurde er reicher. Doch zugleich wurde der Kaufmann schlie\u00dflich immer einsamer. Eines Tages begegnete er Nikolaus, dem Bischof von Myra. Bald erkannte der Gottesmann die seelische Not des Kaufmanns hinter der prunkvollen Fassade. Der Kaufmann erz\u00e4hlte dem Bischof seine Geschichte und bat um Rat. Bischof Nikolaus sagte mit Mitgef\u00fchl: \u201eDein Herz ist ein Stein. Es ist tot f\u00fcr Freude und Schmerz, f\u00fcr Mitleid und Sehnsucht. Doch du kannst noch heute anfangen, dein Ungl\u00fcck zu wenden. Sieh dir deine Mitmenschen an, besonders die Armen, die Kranken, die Verlassenen, die Kinder. Lass wieder zu, dass dein Herz ber\u00fchrt wird. Lass zu, dass dein Herz sich verschenken will. Dann wirst du von Tag zu Tag sp\u00fcren, wie dein Herz wieder lebendig wird. Du wirst ein gl\u00fccklicher Mann werden.\u201c \u00a0Der Kaufmann nahm sich den Rat zu Herzen. Er ging zu den Menschen. Jedes gute Wort, jedes L\u00e4cheln, jede gute Tat l\u00f6ste die H\u00e4rte in seinem Inneren, genau so wie es der Bischof gesagt hatte. Der Kaufmann wurde ein Schenkender und starb als gl\u00fccklicher Mann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine Geschichte \u00fcber Kapitalismus und Gewaltfreiheit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die bekannte Legende vom Nikolaus und dem steinernen Herzen ist keine Krampusgeschichte, in der die B\u00f6sen bestraft werden, w\u00e4hrend die Braven sich mit dem Nikolauspackerl zurechtfinden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte erz\u00e4hlt zun\u00e4chst von einer wohlbekannten kapitalistischen Dynamik. Sie spielt sich \u00fcber alle Jahrhunderte in gleicher Weise ab, von der Zeit des Bischofs aus Myra bis ins Heute. In der Legende ist es der reiche Kaufmann, der nie genug bekommen kann, der immer reicher wird, w\u00e4hrend um ihn herum die Not gr\u00f6\u00dfer wird. Je einsamer er wird, je versteinerter das Herz, desto mehr versucht er mit h\u00f6chster Aktivit\u00e4t seinen materiellen Reichtum zu mehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nikolaus-Legende vom steinernen Herzen von damals ist eine Aufforderung zu einem Lastenausgleich heute. Der Kaufmann begann sich der Not zu \u00f6ffnen und den riesigen Schatz mit denen in Not zu teilen und wurde selbst dabei gl\u00fccklicher. Es ist zugleich eine Geschichte, wie durch die Barmherzigkeit Erstarrtes sich verwandelt. So ist es auch eine tiefsinnige Erz\u00e4hlung \u00fcber Gewaltfreiheit. In dieser Erz\u00e4hlung gibt es keinen &#8222;Siegesplan&#8220;, gibt es keine Sieger und Verlierer, sondern das Leben von allen Beteiligten gelingt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei geht es nicht nur um die ganz gro\u00dfen wirtschaftlichen Fragen. Auch im Kleinen sp\u00fcren wir diese Dynamik. Je mehr wir uns verschlie\u00dfen, desto einsamer werden wir. Je mehr wir uns schenken k\u00f6nnen, desto mehr gelingt unser eigenes Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit wenigen Worten erz\u00e4hlt diese Legende, wie eine Umkehr gelingt. Erstens ist es die eigene Einsicht. Der Kaufmann merkt pl\u00f6tzlich, dass ihm das Wichtigste fehlt, etwas, das so viel wichtiger ist als Reichtum und jede Karriere. In seiner Einsamkeit sehnt er sich nach erf\u00fcllender Gemeinschaft und tragender Beziehung. Wer immer sich verschlie\u00dft, selbsts\u00fcchtig nur auf sich blickt, nicht sieht, wie es den Menschen rundherum geht, wird wie versteinert. Es versteinert das eigene Herz.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens w\u00e4re der Kaufmann wohl nicht aus seiner Einsamkeit herausgekommen, h\u00e4tte er nicht die Begegnung mit dem Nikolaus gehabt, der ihm hilft, die Augen zu \u00f6ffnen, den Blick nur von sich zu nehmen, auf andere zu schauen, vor allem auf Menschen in Not. Nikolaus klagt aber nicht an, sondern zeigt einen Ausweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Drittens ist der Kaufmann, der sich auf diesen Weg einl\u00e4sst, nicht jemand, der den Aufbruch auf sp\u00e4ter verschiebt, nicht auf irgendwann, sondern \u2013 wie es der Nikolaus sagt \u2013 heute schon, nicht \u00fcberfordernd, sondern Schritt f\u00fcr Schritt \u2013 und Schritt f\u00fcr Schritt und Tag f\u00fcr Tag gewinnt er sein Herz zur\u00fcck. Ihm wird Beziehung geschenkt \u2013 und damit wohl immer auch die Beziehung mit dem G\u00f6ttlichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sozialpolitischer Nikolaus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Meist beschr\u00e4nkt sich das Nikolaus-Brauchtum auf eine Wohlt\u00e4tigkeitsebene im famili\u00e4ren Bereich. Die Legenden des Nikolaus weisen jedoch auch dar\u00fcber hinaus auf eine strukturell-politische Ebene. Das Thema Armut bzw. Verarmung durchzieht so gut wie alle diese Legenden. Wenn Nikolaus die drei T\u00f6chter vor Sexarbeit sch\u00fctzen will, wohin sie durch die ausweglos triste Notsituation getrieben werden, dann hei\u00dft das f\u00fcr heute: Die drei goldenen Kugeln des Nikolaus sind die Sozialleistungen f\u00fcr Menschen, die in prek\u00e4re Lebensverh\u00e4ltnisse geraten sind. Im Nikolaussack heute w\u00e4re aufgrund der Tatsache, dass hierzulande 20 Prozent der Kinder armutsgef\u00e4hrdet sind, eine Kindergrundsicherung. F\u00fcr die vielen Menschen, die in Arbeitslosigkeit entlassen wurden, w\u00e4re im Sack ein ausreichend hohes Arbeitslosengeld. Nikolaus w\u00fcrde die vulnerablen Gruppen in \u00d6sterreich im Blick haben, die noch st\u00e4rker armutsgef\u00e4hrdet sind. Nikolaus w\u00fcrde Ma\u00dfnahmen wie eine Verm\u00f6gensbesteuerung nicht scheuen, damit er auch in Hinkunft f\u00fcr die Armen auch weiterhin gen\u00fcgend zum Verteilen hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vom steinernen Herzen, das herzwarm-weich wird<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gierig war ein Kaufmann<br>nie genug konnte er kriegen<br>\u201emehr, mehr, mehr!\u201c schrie seine Gier<br>teuflischer Versuchung erlegen<br>sein Herz wurde zu Stein<br>sein Geld t\u00fcrmte sich auf<br>Sch\u00e4tze waren wie Mauern um ihn<br>einsam und allein war er dann<\/p>\n\n\n\n<p>Nikolaus sah seine Not<br>sah die Tr\u00e4nen hinter der Fassade aus Gold<br>r\u00fchrte sein Herz an<br>dass es sich \u00f6ffne der Not<br>und jeden Tag ein St\u00fcck mehr<br>l\u00f6ste sich die H\u00e4rte des Herzens<br>weich und empfindsam wurde es<br>befreit von Gier war die einsame Seele<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem geschenkten L\u00e4cheln<br>mit einem liebevollen Wort<br>mit einer z\u00e4rtlichen Umarmung<br>werden Mauern zu Br\u00fccken<br>wird weich was versteinert<br>l\u00f6st sich Verkrampfung<br>kommt Licht in das Dunkle<br>und W\u00e4rme ins Kalte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Klaus Heidegger<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Apfel-Stein-1024x768.jpg' class='thumbnail' \/>Das steinerne Herz \u2013 eine Nikolauslegende Ein Kaufmann hatte gro\u00dfe Reicht\u00fcmer angeh\u00e4uft. 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