{"id":11016,"date":"2025-02-01T10:10:59","date_gmt":"2025-02-01T10:10:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11016"},"modified":"2025-02-01T10:32:48","modified_gmt":"2025-02-01T10:32:48","slug":"lichtvolle-inspiration-gegen-kriegsgeile-gedenkkultur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11016","title":{"rendered":"Lichtvolle Inspiration gegen kriegsgeile Gedenkkultur"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/peace-light.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"670\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/peace-light-670x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11017\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/peace-light-670x1024.jpg 670w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/peace-light-196x300.jpg 196w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/peace-light-768x1174.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/peace-light-1005x1536.jpg 1005w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/peace-light-1340x2048.jpg 1340w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/peace-light.jpg 1440w\" sizes=\"(max-width: 670px) 100vw, 670px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Schon immer haben mich die \u201eSchwarzen Mander\u201c mit kaltem Schauer abgeschreckt. Die 28 \u00fcberlebensgro\u00dfen Bronzefiguren bewachen das Pseudo-Grabmal von Kaiser Maximilian I. in der Innsbrucker Hofkirche. Eigentlich sind es nur zwanzig M\u00e4nnergestalten, weil tats\u00e4chlich sind acht Frauen dabei, aber die werden in der Herrschaftsgeschichte meist mitgemeint. Eigentlich  ist das Grabmal irgendwie ein Fake, weil der Kaiser selbst nicht in der von ihm konzipierten Grabeskirche und entsprechendem Kenotaph zur letzten Ruhe kam. Der Kriegskaiser der Habsburger passt auch besser zur Milit\u00e4rkathedrale in Wiener Neustadt, wo unter dem Hochaltar die kaiserlichen Gebeine eingelagert sind. Aber zur\u00fcck in die \u201eSchwarzmander\u201c-Kirche und zur\u00fcck zu jenem Kaiser, der Innsbruck als Hauptquartier f\u00fcr seine Kriegsz\u00fcge erkor. Auf seinem Grabmal wird er in der Bronzefigur kniend im Gebet und in ritterlicher R\u00fcstung dargestellt, er, der weite Teile Europas mit seinen S\u00f6ldnertruppen mit Krieg \u00fcberzog. Seine Landsknechte ver\u00fcbten Gr\u00e4ueltaten an der Zivilbev\u00f6lkerung \u2013 und \u00fcberliefert ist, dass der Kaiser selbst einen Landsknecht eigenh\u00e4ndig umbrachte, weil er einen Dienst verweigert hatte. Die Kriegspolitik f\u00fchrte zu einer enormen Verschuldung des Reiches und zu Armut und Elend. Das Goldene Dachl ganz in der N\u00e4he hat angesichts der verheerenden Politik des \u201eletzten Ritters\u201c l\u00e4ngst seinen Glanz verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hofkirche mit dem Grabmal von Maximilian I. ist daher wohl ein besonderer Ort f\u00fcr eine Kunstintervention zum Thema Frieden. Der K\u00fcnstler Peter Noever nennt sie selbst \u201ePEACE Light\u201c und bringt eine gelungene St\u00f6rung in den mit Kriegskultur schwulstigen Kirchenraum. Eine 10 Meter lange Metallskulptur f\u00fchrt seitlich entlang einiger Schwarzer Mander zum Grabmal des Kaisers. Man kann im Museumsshop \u201eFriedensgl\u00fchbirnen\u201c erwerben, die dann das Metallband gesteckt werden k\u00f6nnen und dort zum Leuchten beginnen. So werden Besuchende selbst Teil der Kunstinstallation. Alle sind eingeladen, einen Beitrag zu leisten, etwas im Hier und Heute zu tun, damit das Licht des Friedens in dieser kriegerischen Welt zu leuchten beginnt. So erhellen an diesem Wintertag unmittelbar vor dem Fest \u201eMari\u00e4 Lichtmess\u201c die \u201ePeace bulbs\u201c die Schwarzen Mander in ihren Kriegsr\u00fcstungen und mit ihren Mordinstrumenten, das marmorne Denkmal f\u00fcr Andreas Hofer und die Gedenktafel f\u00fcr die \u201eTiroler Helden\u201c des \u201eFreiheitskampfes\u201c und selbst die Grabplatte f\u00fcr fragw\u00fcrdige M\u00e4nner wie Joseph Haspinger. \u00dcber dem Grabmal leuchtet in Neonschrift \u201ePEACE light\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Kunstinstallation z\u00e4hlen auch die Friedensplakate im Hof des Volkskunstmuseums. Eines zeigt wie in einer paradoxen Intervention eine Reiterfigur, die aber nicht wie \u00fcblich stolz Schwert oder Lanze in der Hand schwingt, sondern eine wei\u00dfe Fahne. \u201eThe Hero\u201c, nennt die K\u00fcnstlerin Marina Abramovic ihr Plakat. Durch das ge\u00f6ffnete Tor sehe ich hinaus zum Platz vor dem Haus der Musik. Dort steht der andere Held, die Reiterstatue f\u00fcr den Tiroler Landesf\u00fcrsten Leopold. Er h\u00e4lt keine wei\u00dfe Fahne in der Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz rede ich noch mit der Frau, die Besucherinnen und Besucher der Hofkirche beaufsichtigt, dass die bronzenen Figuren nicht begrapscht werden. Seit Beginn der Ausstellung w\u00e4re da wenig Interesse oder Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Kunstintervention zu beobachten gewesen. Die meisten w\u00fcrden es einfach nicht verstehen \u2013 oder verstehen wollen. Sie k\u00e4men auch nicht deswegen in die Hofkirche, sondern um die Schwarzen Mander und das Grabmal zu sehen. Am Fest Mari\u00e4 Lichtmess endet die Kunstintervention. Die Kriege werden wohl weitergehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Ausgang durch den Museumsshop gehe ich an Dutzenden B\u00fcchern \u00fcber Kaiser Maximilian I. vorbei. Noch nicht lange her ist das Maximilian-Gedenkjahr. 2025 k\u00f6nnte ein anderes Gedenkjahr sein. Wieder sind es 500 Jahre. 1525 war der Tiroler Volksaufstand \u2013 wohl auch eine Reaktion auf die Habsburger-Repressionen. Ich denke an Michael Gaismair. Im Museumsshop findet sich kein Buch \u00fcber ihn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/peace-light-670x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Schon immer haben mich die \u201eSchwarzen Mander\u201c mit kaltem Schauer abgeschreckt. Die 28 \u00fcberlebensgro\u00dfen Bronzefiguren bewachen das Pseudo-Grabmal von Kaiser Maximilian I. in der Innsbrucker Hofkirche. 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