{"id":11164,"date":"2025-04-19T17:02:57","date_gmt":"2025-04-19T17:02:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11164"},"modified":"2025-04-19T18:29:33","modified_gmt":"2025-04-19T18:29:33","slug":"eine-wetterkirche-in-zeiten-von-extremwetterereignissen-bewahre-uns-vor-der-fortschreitenden-erhitzung-des-planeten-erde-und-den-desastroesen-folgen-des-anthropogenen-klimawandels","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11164","title":{"rendered":"Eine Wetterkirche in Zeiten von Extremwetterereignissen: Bewahre uns vor der fortschreitenden Erhitzung des Planeten Erde und den desastr\u00f6sen Folgen des anthropogenen Klimawandels"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Vigil-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"702\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Vigil-1-702x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11165\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Vigil-1-702x1024.jpg 702w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Vigil-1-206x300.jpg 206w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Vigil-1-768x1121.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Vigil-1-1052x1536.jpg 1052w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Vigil-1-1403x2048.jpg 1403w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Vigil-1-scaled.jpg 1754w\" sizes=\"(max-width: 702px) 100vw, 702px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>St. Vigilius-Kirche am Vigiljoch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schon in Zeiten, die als \u201epr\u00e4historisch\u201c bezeichnet werden \u2013 so als beg\u00e4nne die Historie erst in christlichen Zeiten \u2013 haben Menschen an einem Ort auf knapp 1800 H\u00f6henmetern hoch \u00fcber dem Etschtal auf einem langen Bergr\u00fccken, der sich oberhalb vom Ultental aus dem Ortlergebirge herausgebildet hat, Kr\u00e4fte beschworen, die sie vor extremen Wetterereignissen sch\u00fctzen k\u00f6nnten. Bevor Missionare dem Gebiet einen christlichen Stempel verpassten, wurden mit T\u00e4nzen und Opferfeuern auf exponierten Stellen Rituale gefeiert und man f\u00fchlte sich den Gottheiten ganz nahe. Ein eifriger Missionar des christlichen Gedankenguts war St. Vigilius. Er war ein begnadeter Mann, hochgebildet, einf\u00fchlsam, engagiert und so wurde er vom Volk zum Bischof \u201egew\u00e4hlt\u201c. Ein sch\u00f6nes Zeichen, dass damals Bisch\u00f6fe von solchem Format eine demokratische Legitimation hatten, nicht bestimmt von einem autokratisch regierenden Monarchen im Vatikan. Auch in christlicher Zeit blieben dann die Rituale, mit denen man sich Schutz vor dem Wetter erhoffte. Die extremen geographischen Gegebenheiten, in denen die Bergbauern hoch \u00fcber dem Etsch- und Ultental lebten, lie\u00dfen Wetterereignisse noch bedrohlicher erfahren. Als ich mit Gravelbike bei starkem Regen das steile Str\u00e4\u00dfchen Richtung Vigiljoch hinauffahre, hinauf zum kleinen Dorf Pawigl mit dem alten Kirchlein St. Othmar, wo alte Bergh\u00f6fe auf steilen Abh\u00e4ngen in steilen Wiesenh\u00e4ngen picken, wird mir bewusst, wie extrem die Lebensbedingungen waren, als noch keine Stra\u00dfe hinauff\u00fchrte und keine Seilbahn das Gebiet mit Technik erschloss. Man war dem Wetter ausgeliefert. So entstand am Vigiljoch eine Wetterkirche bereits in romanischen Zeiten, auf deren Grundmauern eine gotische Kirche weitergebaut wurde. Eine Wetterkirche zu Ehren des Hl. Vigilius. Es ist die h\u00f6chstgelegene Kirche in Tirol \u2013 wohl auch im Alpenraum, umgeben von Wiesen und Hochw\u00e4ldern, die hier fast sanft wirken. Majest\u00e4tisch ragt der steinerne Turm in die H\u00f6he, so als kratzte er die Wolken weg, damit das Blau dahinter hervorkomme. Angedockt an den Turm sind die steinernen Kirchenmauern. Der Ort und das Geb\u00e4ude wirken erhaben. Die Kirche St. Vigilius spiegelt sich auf der n\u00f6rdlichen Seite in einem kleinen Weiher, der sich davor aus dem geschmolzenen Schneewasser gebildet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Karfreitag am Vigiljoch und in den \u00fcberschwemmten Gebieten Norditaliens<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin eine besinnliche Weile alleine in der Kirche und auf der Bank davor. Es ist Karfreitag und ich lasse nahe der Todesstunde Jesu das gro\u00dfe Holzkreuz in der Apsis unter dem Rippengew\u00f6lbe auf mich wirken. Links und rechts davon sind die Statuen von St. Vigil mit den Attributen des Bischofsstabs und des Holzschuhs sowie des Hl. Jakobus, dargestellt mit Pilgerstab und einer Pilgermuschel auf seinem Hut. Vigil und Jakob \u2013 sie tragen die Botschaft des Gekreuzigten weiter und es ist, als w\u00fcrden sie mich fragen: \u201eUnd Du, Klaus, was machst du, damit es mit der Erderhitzung nicht so weiter geht?\u201c Am Morgen las ich die Katastrophenmeldungen aus dem Piemont. Es gab Starkregen, es gab \u00dcberschwemmungen und Vermurungen. Die Extremwetterereignisse sind schon zur Normalit\u00e4t geworden. Das erhitzte Meer, das weit mehr Wasser in Verdunstungen abgibt, und die wasserdichte Luft wird an die R\u00e4nder der Berge gesp\u00fclt, wo sie sich entleert. Wir kennen l\u00e4ngst die Ursachen und auch die Verursacher, die so leicht auszumachen sind im massenhaften Individualverkehr, in dem Unmengen an fossiler Energie verbrannt werden, wodurch die gef\u00e4hrlichen Treibhausgase entstehen usw. usf. Die Masse der automobilen Osterurlauber im Norden Italiens wird sich \u00fcber das Wetter \u00e4rgern \u2013 ohne dass sie ihr eigenes Verhalten dadurch in Frage stellen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Ort erz\u00e4hlt Geschichte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Meine Schwester hat \u00fcber den \u201eSehnsuchtsort Vigiljoch\u201c ein Buch herausgegeben. W\u00e4hrend ich vor der Kirche hocke und der Wind mit mir spielt, sehe ich in meiner Phantasie die Geschichte, von der ich las: Von den Ziegen und K\u00fchen, die im 19. Jahrhunderten die Kirche als Stall ben\u00fctzten, weil sie im Zuge der josephinischen Kirchenreform s\u00e4kularisiert worden war. Vom Vigiljoch aus konnten w\u00e4hrend der erbitterten Gebirgsk\u00e4mpfe im Ersten Weltkrieg die Bomben geh\u00f6rt werden. In der Zwischenkriegszeit sah die Bergkirche die Burschen mit wei\u00dfen Stutzen, die in den 30er-Jahren mit den BDM-M\u00e4dels sich trafen in ihren faschistischen Zirkeln und im F\u00fchrer den Retter ertr\u00e4umten. Sp\u00e4ter dann freilich waren hier italienische Faschisten, die nach der Annexion dem Duce huldigten. Unterhalb der Kirche gab es ein Ferienhaus einer Zahnarztfamilie aus Meran, das f\u00fcr j\u00fcdische Kinder zur Verf\u00fcgung gestellt worden war, weil sie hier Schutz fanden und unterrichtet werden konnten \u2013 allerdings fiel auch dieses dann den antisemitischen Umtrieben in den 40er-Jahren zum Opfer und der zust\u00e4ndige Pfarrer meinte dazu nur, dass dies die Strafe daf\u00fcr sei, dass die Juden Jesus ans Kreuz gebracht h\u00e4tten. Das Vigiljoch war nach dem Schrecken des Zweiten Weltkriegs wohl auch eine Gegend, in der sich die S\u00fcdtirolaktivisten trafen, die eine dynamitgeschw\u00e4ngerte Los-von-Rom-Politik verfolgten, was die Ankunft der Alpini befeuerte. Und heute k\u00f6nnen sich hier Touristen zwischen Wandern, Mountainbiken und im Winter Skifahren und Rodeln entscheiden, und manche werden wohl dem Kraftort Vigiljoch nachsp\u00fcren und sich fragen: welche Geschichte m\u00f6chte ich mit meinem Sein schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, Karfreitag, 18. April 2025<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-admin\/post.php?post=11162&#038;action=edit\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Vigil-1-702x1024.jpg' class='thumbnail' \/>St. Vigilius-Kirche am Vigiljoch Schon in Zeiten, die als \u201epr\u00e4historisch\u201c bezeichnet werden \u2013 so als beg\u00e4nne die Historie erst in christlichen Zeiten \u2013 haben Menschen an einem Ort auf knapp 1800 H\u00f6henmetern hoch \u00fcber dem Etschtal auf einem langen Bergr\u00fccken, der sich oberhalb vom Ultental aus dem Ortlergebirge herausgebildet hat, Kr\u00e4fte beschworen, die sie vor&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":11165,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[2115,263,2114,2117,2116,2112,2113],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11164"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11164"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11164\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11167,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11164\/revisions\/11167"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/11165"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11164"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11164"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11164"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}