{"id":11452,"date":"2025-08-11T17:56:29","date_gmt":"2025-08-11T17:56:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11452"},"modified":"2025-08-11T19:12:56","modified_gmt":"2025-08-11T19:12:56","slug":"auf-hochtour-inmitten-sterbender-gletscherwelten-am-similaun-und-auf-der-finailspitze","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11452","title":{"rendered":"Auf Hochtour inmitten sterbender Gletscherwelten am Similaun und auf der Finailspitze"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20250809_110328-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"473\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20250809_110328-1024x473.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11453\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20250809_110328-1024x473.jpg 1024w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20250809_110328-300x139.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20250809_110328-768x355.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20250809_110328-1536x710.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20250809_110328-2048x946.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Tag 1: Marzellkamm, Similaun und Similaunh\u00fctte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Freitag, 8.8.2025. Die Kombination von zwei Achten und deren Code l\u00e4sst mich meine antifaschistische Gesinnung sp\u00fcren. Ich las noch gestern die Sonntagsfrage im STANDARD \u2013 welche Partei w\u00fcrden Sie jetzt w\u00e4hlen und welchen Kanzler w\u00fcrden Sie sich w\u00fcnschen, k\u00f6nnten Sie jetzt w\u00e4hlen? Das Ergebnis war jedenfalls wieder erschreckend. Ein Votum f\u00fcr Kickl und die FP\u00d6 w\u00e4re inzwischen bei 35 Prozent. Die k\u00fchle Bergluft, der strahlend blaue Himmel, die wunderbare Bergwelt rund um Vent und vor allem die von Beginn an wohltuende Atmosph\u00e4re in der Gruppe des Alpenverein Hall l\u00e4sst mich aber die Politik erstmals vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gruppenbedingt geht es mit E-Bikes von Vent weg. Mit Bio-Bike w\u00fcrde ich mich wohl etwas wohler f\u00fchlen. Das Radfahrverbotsschild gleich nach der Ortschaft d\u00fcrfen wir ignorieren. Daf\u00fcr nehmen wir uns vor, achtsam und zuvorkommend bei den Wandernden vorbei zu surren. Unterst\u00fctzt vom Bosch-Motor und dem 750 Wh-Akku lassen sich die Steilstufen auf dem ruppigen Karrenweg locker bew\u00e4ltigen, sodass mir trotz der K\u00fchle des Morgens gar nicht richtig warm wird. Der Weg oberhalb vom Niedertal f\u00fchrt schnurstracks immer s\u00fcdlich Richtung Martin-Busch-H\u00fctte und unserem erstem Gipfelziel zu. Wir sehen den Marzellkamm, der unser Anstiegsweg zum Similaun sein wird. Als ich als Student erstmals auf dem Similaun war, es waren die 80er Jahre, hatte dieser auch im Sommer noch eine durchgehende Eiswand. Der bekannte Pause-F\u00fchrer aus vergangenen Zeiten schrieb von einer der sch\u00f6nsten Eisw\u00e4nde der Alpen. Jetzt ist die Nordwand gro\u00dfteils eine Felswand.<\/p>\n\n\n\n<p>Von der Martin-Busch-H\u00fctte steigen wir auf gutem und frischmarkiertem Pfad \u2013 ein gelbes Wegweisschild zeigte schon \u201eMarzellkamm\u201c mit schwarzem Punkt \u2013 hinauf zum Grat, der sich \u00fcber zwei Kilometer direkt zum Niederjochferner hinzieht. Trittsicher gehen hei\u00dft es an manchen Passagen im Schrofengel\u00e4nde und Ger\u00f6ll, doch gibt es keine Schwierigkeiten und unsere beiden Guides vermitteln ohnehin Kompetenz und Expertise. Kurz vor dem Gletscherkontakt ist noch die Marzellkammspitze (3149 m) mit einem kleinen Holzkreuz. Am Gletscher bilden wir zwei Seilschaften. Anfangs haben die Steigeisen noch Kontakt mit hartgefrorenem Eis. Dann wird der Schnee weich-sulzig. Unsere Spur f\u00fchrt zur Spur, die von der Similaunh\u00fctte kommt. Letztmalig war ich im Winter hier. Dort wo das Skidepot war, lassen wir die Steigeisen zur\u00fcck. Der Grat ist nun gro\u00dfteils felsdurchsetzt. Auf einer Felsplatte sind kleine Ger\u00f6llsteine. Solche Stellen mag ich nicht. Mein Kopf pocht zudem. Gleich am Anfang l\u00e4sst mich eine rutschige Felspartie unsicher sein und die Gegenw\u00e4rtigkeit des Bergf\u00fchrers hilft dar\u00fcber hinweg. Wo aber fester Fels ist, l\u00e4sst es sich gut klettern und auf den letzten Metern hin zum Gipfel ist aufgeweichter Firn. Ich hatte die letzten Male auf diesem letzten Abschnitt noch Steigeisen an und ging mit Pickel.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Similaun. Auf \u00e4lteren Karten wird er mit 3606 Metern angegeben. Jedenfalls ist es der achth\u00f6chste Gipfel \u00d6sterreichs. Wir sind die einzigen am Gipfel und nehmen uns Zeit f\u00fcr die 360 Grad-Rundumsicht. Weit unten im hinteren Schnalstal ist der Granatstausee. M\u00e4chtig thront im Westen die Wei\u00dfkugel. Weiter im S\u00fcden ist das Dreigestirn von Cevedale, Zebru und Ortler. Im Dunst noch weiter im Westen l\u00e4sst sich die Berninagruppe erahnen. Im Norden zieht die Hintere Schw\u00e4rze die Blicke an. Im Osten lassen sich auch die Dolomiten ausmachen und der markante R\u00fccken, der in den Bozner Talkessel hinunterzieht. Davor ist aber noch die Texelgruppe, aus der sich zwei markante Gipfel in hellem Grauwei\u00df von der sonst br\u00e4unlichen, dunkelgrauen Berggruppe abheben. Die unteren Gletscherstr\u00f6me des Marzellferners sind br\u00e4unlich \u2013 das wird das Abschmelzen noch antreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Abstieg versuchen wir sehr bald die steilere Variante \u00fcber den Gletscher zu vermeiden. Sehenden Auges verwandelt sich das Gletschereis in Wasser und kleine B\u00e4che rinnen zwischen den Steigeisen. Schwache Spuren weisen den Weg hin zum Ger\u00f6ll des Grates, der zum Niederjoch f\u00fchrt. Die weitere Wegfindung ist nicht einfach. Daf\u00fcr entdecken wir einen wunderbaren Gletschersee mit magischem klarblauem Wasser. Gerne w\u00e4re ich da auch hineingegangen. Die Zeit dr\u00e4ngt aber. In einem Zick-Zack geht es dort hinunter, wo einst der Gletscher war. Die Similaunh\u00fctte steht fast exakt 3000 Meter hoch einladend auf dem R\u00fccken des Niederjochs.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 2: Similaunh\u00fctte, \u00d6tzi-Fundstelle, Finailspitze und Martin-Busch-H\u00fctte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Samstag, 9. August. Einige Seilschaften sind schon aufgef\u00e4delt auf dem gr\u00e4ulichen unteren Teil des Niederjochferners Richtung Similaun unterwegs. Wir gehen es gem\u00fctlicher an. Morgenbl\u00e4ue ist \u00fcber dem Similaun, von dem sich der Niederjochferner in einem Bogen hinunterzieht. Weiter unten wird er immer gr\u00e4ulicher und endet in einem m\u00e4chtigen Bach mit hellbraun-grauem Schmelzwasser Bei einem Aufbruch auf 3000 Metern und den Wetterbedingungen ist keine Eile angesagt. Markiert und teilweise versichert ist der Steig zur \u00d6tzi-Fundstelle. Eine eigenartiger Steinobelisk erinnert an den besonderen Fund des Eismannes im Jahr 1991. Weit und breit ist aber hier am Tisenjoch auf 3200 Meter kein Eis mehr zu finden. Hier gibt es seit mehr als 30 Jahren schon keinen Gletscher mehr. So ist auch der Aufstieg zur Finailspitze gletscherfrei. Den Aufstieg w\u00e4hlen wir nach den Schuttpassagen \u00fcber den Nord-Ost-Grat. Dort ist meist eine sichere Blockkletterei m\u00f6glich. Kurz vor dem Ausstieg ist noch eine steilere Stelle und der Gipfel (3514 m) selbst ist f\u00fcr uns 11 gerade noch gro\u00df genug f\u00fcr eine ausgiebige Rast. Der Abstieg verl\u00e4uft dann sp\u00e4ter \u00fcber das schrofige Blockwerk \u2013 Trittspuren und manchmal ein Steinm\u00e4nnchen sind gerade noch erkennbar \u2013 zur\u00fcck zum Hauslabjoch und wir finden unser Depot unweit der \u00d6tzi-Fundstelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pfad hinunter zur Martin-Busch-H\u00fctte ist mir wie ein meditatives Ausgehen zu dem auch ein Schlammbad in einem Mini-See z\u00e4hlt. Ich sp\u00fcre die Dankbarkeit f\u00fcr das Erlebte: Die Bergwelt, die Gemeinschaft mit den anderen \u2013 wo Schw\u00e4chen und St\u00e4rken in wechselseitigem Verst\u00e4ndnis sein d\u00fcrfen, f\u00fcr die beiden Guides des AV Hall, die umsichtig und klar die Hochtour vorbereitet und gef\u00fchrt haben. Bei der Martin-Busch-H\u00fctte holt mich das Politische wieder etwas ein. Neben der steinernen Stiege liegt das dicke Geh\u00e4use einer Fliegerbombe aus dem Weltkrieg. Vor 80 Jahren, am 9. August, war der Abwurf der Atombombe auf Nagasaki. Ich denke an die Atomwaffen, die so weit von hier zu existieren scheinen. Mehr als 12.000 sind es weltweit. Sie haben das Potenzial einer multiplen Massenvernichtung. Ich blicke zur\u00fcck auf die sterbenden Gletscher \u2013 wegen des menschengemachten Klimawandels und denke an eine j\u00fcngste Umfrage im STANDARD, demnach nur 58 Prozent der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung glaubt, die Extremwettereignisse und der Klimawandel seien menschengemacht. Jeder dritte Wahlberechtigte in \u00d6sterreich glaubt deswegen wohl auch, dass sich eine Politik weniger auf den Klimawandel beziehen sollte. Das Politische holt mich ein: Die Nachrichten von den verheerenden Waldbr\u00e4nden in Frankreich, die Extremhitze in Italien, die D\u00fcrren in vielen Gegenden dieser Welt. In meinem Hosensack sp\u00fcre ich die acht kleinen Steine aus glitzerndem Gneis von der Finailspitze. 888 \u2013 es l\u00e4sst sich f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>klaus<br>(Bild: Blick von der Finailspitze zur\u00fcck auf den Similaun mit dem markanten Marzellkamm, Fotoc.: Michael.Larcher)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20250809_110328-1024x473.jpg' class='thumbnail' \/>Tag 1: Marzellkamm, Similaun und Similaunh\u00fctte Freitag, 8.8.2025. Die Kombination von zwei Achten und deren Code l\u00e4sst mich meine antifaschistische Gesinnung sp\u00fcren. Ich las noch gestern die Sonntagsfrage im STANDARD \u2013 welche Partei w\u00fcrden Sie jetzt w\u00e4hlen und welchen Kanzler w\u00fcrden Sie sich w\u00fcnschen, k\u00f6nnten Sie jetzt w\u00e4hlen? Das Ergebnis war jedenfalls wieder erschreckend. 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