{"id":11581,"date":"2025-10-04T05:05:09","date_gmt":"2025-10-04T05:05:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11581"},"modified":"2026-02-03T06:49:05","modified_gmt":"2026-02-03T06:49:05","slug":"von-franz-von-assisi-die-kraft-der-gewaltfreiheit-lernen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11581","title":{"rendered":"Von Franz von Assisi die Kraft der Gewaltfreiheit lernen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der Heilige aus Assisi als Modell f\u00fcr gewaltfreie Methoden und Wegweiser f\u00fcr die katholische Kirche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In meinem Beruf als Religionslehrer, als Referent bei Seminaren \u00fcber Gewaltfreiheit oder Zivilcourage: Franz von Assisi war stets mein Inspirator und leuchtendes Vorbild. Auch in einer Fortbildung f\u00fcr die P\u00e4dagogische Hochschule Burgenland n\u00fctzten wir die Historie und Legenden \u00fcber den Povorello, um uns in einer zutiefst kriegerischen globalen Wirklichkeit von der Wirksamkeit der gewaltfreien Strategien ermutigen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass sich der verstorbene Papst Franziskus in seiner Amtszeit f\u00fcr die Beendigung der Kriege und gegen den R\u00fcstungswahn, f\u00fcr die Abschaffung aller Atomwaffen und f\u00fcr Friedensverhandlungen eingesetzt hatte, zeigt sich auch darin, dass er durch seinen p\u00e4pstlichen Namen der gewaltfreien Spur seines Namensgebers folgen wollte. Mit Blick auf die Lage im Mittleren Osten tut es gut, sich ein historisch bedeutsames Ereignis in Erinnerung zu rufen. 2014 lud Papst Franziskus den damaligen israelischen Ministerpr\u00e4sidenten Simon Peres und den Pal\u00e4stinenserpr\u00e4sidenten Mahmoud Abbas zu einem interreligi\u00f6sen Friedensgebet in die Vatikanischen G\u00e4rten ein. Abbas, Peres und Franziskus gaben sich den Friedensgru\u00df. Elf Jahre sp\u00e4ter bezeichnete ein anderer israelischer Premierminister in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung den Pal\u00e4stinenserpr\u00e4sidenten als Terroristen und verweigert jede Verhandlung mit ihm. Dabei hatte Abbas bei seiner Rede vor den Vereinten Nationen \u2013 zugeschaltet \u00fcber Video, weil ihm die USA die Einreise verweigert hatte \u2013 klar das Existenzrecht Israels bekr\u00e4ftigt und Schritte f\u00fcr eine Zweistaatenl\u00f6sung vorgelegt, sich damit auch deutlich und zum wiederholten Male von den Hamas-Forderungen abgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Begegnung zwischen Franz von Assisi und Sultan al-Malik al-Kamil<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch Franz von Assisi lebte in kriegerischen Zeiten. F\u00fcr sich selbst sagte er sich jeder Gewalt los und wollte aber mehr als nur f\u00fcr sich f\u00fcr Gewaltfreiheit eintreten. So soll w\u00e4hrend des F\u00fcnften Kreuzzugs im Jahr 1219 nach \u00c4gypten gefahren sein. Er wollte den islamischen Herrscher treffen, um mit ihm \u00fcber den Frieden und das Evangelium reden. Diese Begegnung enth\u00e4lt die wesentlichen Aspekte einer gewaltfreien Intervention.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens hat sich Franz vom vorherrschenden Paradigma der Gewalt gel\u00f6st. Die selbst vom Papst legitimierten Kreuzzugsgedanken waren f\u00fcr den Pazifisten Franz ein Gr\u00e4uel. Sein Vorbild war der Gewaltverzicht Jesu und nicht irgendeine Lehre vom Gerechten Krieg. Heute w\u00fcrden wir sagen: Er wollte nicht Aufr\u00fcstung, sondern Abr\u00fcstung, nicht Erh\u00f6hung der Milit\u00e4rbudgets, sondern Friedensdividenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher wollte er zweitens dem als Feind titulierten Gegner ohne Mittel der Gewalt begegnen. Er wollte keine Abgrenzung, sondern Zuwendung. Er w\u00e4hlte den Weg des Dialogs und der Argumentation. In einem der alten Bilder von dieser Begegnung werden Franz und der Sultan dargestellt, wie sie einander anblickend und zugleich mit allen vier H\u00e4nden gestikulierend argumentieren. Es z\u00e4hlte die Kraft der Worte und nicht der Waffen. Dabei ging es Franz erkl\u00e4rterma\u00dfen nicht um die Bekehrung des Sultans. Thomas von Celano schrieb in der Vita, dass der Sultan beeindruckt \u00fcber das Gespr\u00e4ch mit Franziskus gewesen sei, zugleich seien sich beide ihrer Position treu geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Franz und der Wolf von Gubbio<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die bekannteste Legende ist jene vom Franz und dem Wolf von Gubbio und sie liest sich wie eine Mustergeschichte f\u00fcr gewaltfreie Konflikttransformation. Was geschieht darin? (1) Als Franz von dem Schrecken und der Angst erf\u00e4hrt, die die Bev\u00f6lkerung durch die Anwesenheit des grimmigen Wolfes haben, empfindet er <strong>Mitleid<\/strong>. Was in Gubbio geschieht, l\u00e4sst den Heiligen nicht kalt. Der Wolf soll sehr gef\u00e4hrlich sein, weswegen alle eine Waffe bei sich getragen haben und sich niemand mehr vor die Stadtmauern traute. (2) Franz <strong>h\u00f6rt<\/strong> den Ruf der Menschen. Er hat ein Ohr f\u00fcr das Leiden. (3) Es bleibt aber nicht bei der Sympathie und beim blo\u00dfen Wahrnehmen. Dieses wird zur Aktion, zur Handlung. (4) Eine solche braucht aber <strong>Vorbereitung<\/strong>, das Entwickeln einer Strategie und einer Taktik. Dazu z\u00e4hlt es auch, sich genau kundig zu machen, wo das Problem liegt, wie die Umst\u00e4nde sind. (5) Um handeln zu k\u00f6nnen, lebt Franz aus einer inneren St\u00e4rke und dem Wissen, dass er sich einer gr\u00f6\u00dferen Macht anvertrauen kann. Gl\u00e4ubige nennen es <strong>Gottesvertrauen<\/strong>. (6) Deswegen kann Franz dem B\u00f6sen nun auch <strong>ohne Waffen<\/strong> begegnen. Er hat nicht vor, sich mit Waffen vor dem Wolf zu sch\u00fctzen. Der Wolf soll nicht aus einem Hinterhalt erlegt werden. (7) <strong>Furchtlos<\/strong> hei\u00dft es, dass er ihm entgegen geht. (8) Dabei aber ist er nicht allein. Einer seiner Gef\u00e4hrten <strong>begleitet<\/strong> ihn. Die Begegnung mit dem Wolf geschieht als Teamarbeit. (9) So nun machen sie sich mit klarem Plan, guter Strategie, im Gottvertrauen, ohne Waffen auf zum Wolf. Sie suchen den <strong>Dialog<\/strong> und das Gespr\u00e4ch mit ihm. (10) In dieser Begegnung geschieht eine <strong>Wandlung<\/strong>. Franz z\u00e4hmt den Wolf. (11) Nun ist auch eine andere Bewegung im Spiel. (12) Er <strong>ruft<\/strong> den Wolf zu sich und nennt ihn (13) einen \u201e<strong>Bruder<\/strong>\u201c. Diese Namensgebung ist ein sch\u00f6nes Zeichen einer Feindesliebe. (14) Und so k\u00f6nnen nun Wolf und Franz miteinander <strong>reden<\/strong>. (15) Dabei nennt Franz aber das Problem bzw. das <strong>Unrecht klar beim Namen<\/strong>, ohne aber den Wolf anzuklagen, ohne ihm Vorw\u00fcrfe zu machen oder ihn zu dem\u00fctigen. (16) Franz will <strong>nicht den Sieg<\/strong> \u00fcber den Wolf oder seine Unterwerfung. (17) Franz bringt hingegen Verst\u00e4ndnis auf. Er erkennt, dass der Wolf Hunger hat, weil sein Lebensbereich eingeschr\u00e4nkt worden ist. (18) Beide nun schlie\u00dfen einen <strong>Vertrag<\/strong> und verpflichten sich dabei, f\u00fcreinander zu sorgen. (19) Die Bev\u00f6lkerung wird f\u00fcr das Wohlbefinden des Wolfes sorgen und der Wolf wird niemanden mehr bedrohen. <strong>Vers\u00f6hnung<\/strong> und nicht die Vernichtung des Feindes stehen am Ende der Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, 4. Oktober 2025, dem Festtag des Heiligen Franz von Assisi<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Heilige aus Assisi als Modell f\u00fcr gewaltfreie Methoden und Wegweiser f\u00fcr die katholische Kirche In meinem Beruf als Religionslehrer, als Referent bei Seminaren \u00fcber Gewaltfreiheit oder Zivilcourage: Franz von Assisi war stets mein Inspirator und leuchtendes Vorbild. 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