{"id":11693,"date":"2025-11-16T13:15:36","date_gmt":"2025-11-16T13:15:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11693"},"modified":"2025-11-16T14:44:04","modified_gmt":"2025-11-16T14:44:04","slug":"radelnd-eintauchen-in-natur-und-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11693","title":{"rendered":"Radelnd eintauchen in Natur und Geschichte"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/miem-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"752\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/miem-2-752x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11694\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/miem-2-752x1024.jpg 752w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/miem-2-220x300.jpg 220w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/miem-2-768x1046.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/miem-2-1128x1536.jpg 1128w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/miem-2-1503x2048.jpg 1503w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/miem-2.jpg 1560w\" sizes=\"(max-width: 752px) 100vw, 752px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Milliarden goldener Nadeln erz\u00e4hlen vom zarten Gr\u00fcn des Fr\u00fchlings und leuchten strahlend im Licht der herbstlichen Sonne. F\u00f6hnwind weht durch die L\u00e4rchenhaine und l\u00f6st die Nadeln von den B\u00e4umen. Es ist so still, als k\u00f6nnte ich h\u00f6ren, wie die Nadeln auf den Boden fallen oder wie ein Eichh\u00f6rnchen \u00fcber meinen Weg h\u00fcpft. Die Wiesen riechen nach frischer Sure. Majest\u00e4tisch ragen die Kalkw\u00e4nde des Wettersteins oberhalb der W\u00e4lder und Wiesen in den Himmel. Bei meiner Runde von Telfs \u00fcber das Mieminger Plateau, den Holzleitensattel und durch das Gurgltal und dann \u00fcber Karr\u00f6sten ins Inntal und schlie\u00dflich am Radweg zur\u00fcck nach \u00d6tztal-Bahnhof kann ich wieder in k\u00f6rperlich-seelischer Ganzheit in herbstliche Natur- und Kulturlandschaften eintauchen. Ich habe eigentlich kein bestimmtes Ziel, weil das Fahren und Sein in der Natur schon Ziel in sich ist. Das Gravelbike ist einmal mehr das ideale Rad f\u00fcr diese Strecke, auf der es gro\u00dfteils auf Wald- und Wiesenwegen geht und selbst einmal kurze Single-Trails Abwechslung bieten. Da ist auch Zeit zum Verweilen und um Gedanken und Gef\u00fchle flie\u00dfen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein erster Stopp ist zu Beginn bei der Kapelle St. Moritzen. Sie liegt am Rande von Telfs und am Anstieg vom Inn zum Mieminger Plateau hinauf. Da ich gerade wieder in der Vorbereitung f\u00fcr einen Vortrag zu Krieg&amp;Frieden bin, ist hier ein passender Ort f\u00fcr eine erste Pause und ein einsames Gedenken. Die Verehrung des Heiligen ist kirchengeschichtlich voller Widerspr\u00fcche. Man hat aus diesem Mann den Patron der Soldaten, der Infanterie und der Waffenschmiede gemacht. Man stellt ihn dar als r\u00f6mischen Soldaten mit Lanze und Kettenhemd \u2013 gerade so, als b\u00f6ten Heiligsein und Soldatensein eine Einheit. Man k\u00f6nnte also den Heiligen aus dem Ende des 3. Jahrhunderts heute im 21. Jahrhundert als Patron sehen, der den milit\u00e4rischen Aufr\u00fcstungskurs und den Kriegen der Gegenwart seinen Segen gibt. F\u00fcr mich steht Mauritius aber genau f\u00fcr das Gegenteil. Er hat sich gemeinsam mit seinem ganzen Trupp geweigert, weiterhin dem Befehl des Kaisers Maximian zu gehorchen und ist nicht in eine weitere blutige Schlacht gezogen. Mauritius und seine Gef\u00e4hrten k\u00f6nnten wir heute als Deserteure oder Kriegsdienstverweigerer bezeichnen. Wenig sp\u00e4ter mache ich nochmals Halt bei dem kleinen Kirchlein St. Georg in Obermieming. Und wieder ist hier das Martialische verewigt. Am gro\u00dfen Hochaltarbild ist in r\u00f6mischer R\u00fcstung die legend\u00e4re Gestalt des Hl. Georg dargestellt, der kampfesfreudig und lustvoll seine Lanze in den K\u00f6rper des Drachen st\u00f6\u00dft. Schnell \u00fcberquere ich die Mieminger Landesstra\u00dfe mit ihrem drachenhaften Gedr\u00f6hne und Gestank und in Wald- und Wiesenwegen geht es weiter \u2013 oftmals in die steilen bleichen Kalkw\u00e4nde hinaufblickend. Herbstlich k\u00fchl ist die Fahrt durch das Gurgltal. Ich w\u00e4hle bewusst dann die Sonnenseite nach Karr\u00f6sten hinauf. Tats\u00e4chlich ist es hier angenehm warm, w\u00e4hrend der m\u00e4chtige Acherkogel gegen\u00fcber schneebedeckt ist. Jeder Ort \u2013 mag er noch so klein sein \u2013 atmet Geschichte. So auch Karr\u00f6sten. Das kleine Dorf ist Geburtsort eines Bundeskanzlers zu Beginn der 60er-Jahre. Alfons Gorbach war zum einen als Soldat in der Isonzo-Schlacht, wo er schwer verwundet wurde, war dann sp\u00e4ter sieben Jahre im KZ Dachau. Er galt als Vers\u00f6hnungspolitiker. Seine Devise lautete: \u201eBesser im Frieden die H\u00e4lfte f\u00fcr jeden, als im Kampf ums Ganze f\u00fcr alle nichts.\u201c Es w\u00e4re wohl lohnend, mit Blick auf die gegenw\u00e4rtigen Kriege und dem ganzen Kriegstauglichkeitsgerede solche Worte in die Politik umzusetzen. Karr\u00f6sten hat noch eine viel \u00e4ltere Geschichte hinein in die R\u00f6merzeit und sp\u00e4ter dann waren hier bis zu tausend Knappen im Erzabbau t\u00e4tig. Die Knappen allerdings zogen beginnend mit den Aufst\u00e4nden zur Reformationszeit zunehmend mehr weg. \u00dcber Karres geht es f\u00fcr mich wieder hinunter ins Inntal. Kostbar sind schlie\u00dflich dann noch die letzten Kilometer durch den F\u00f6hrenwald entlang des Inns. Von Schlierenzau f\u00fchrt eine schmale H\u00e4ngebr\u00fccke hin\u00fcber nach \u00d6tztal-Bahnhof.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/miem-2-752x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Milliarden goldener Nadeln erz\u00e4hlen vom zarten Gr\u00fcn des Fr\u00fchlings und leuchten strahlend im Licht der herbstlichen Sonne. F\u00f6hnwind weht durch die L\u00e4rchenhaine und l\u00f6st die Nadeln von den B\u00e4umen. Es ist so still, als k\u00f6nnte ich h\u00f6ren, wie die Nadeln auf den Boden fallen oder wie ein Eichh\u00f6rnchen \u00fcber meinen Weg h\u00fcpft. 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