{"id":11882,"date":"2026-01-24T15:59:45","date_gmt":"2026-01-24T15:59:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11882"},"modified":"2026-01-24T15:59:45","modified_gmt":"2026-01-24T15:59:45","slug":"das-fest-pauli-bekehrung-aus-friedensethischer-perspektive","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11882","title":{"rendered":"Das Fest Pauli Bekehrung aus friedensethischer Perspektive"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Paulus-Ikone.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"629\" height=\"472\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Paulus-Ikone.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11883\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Paulus-Ikone.jpg 629w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Paulus-Ikone-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 629px) 100vw, 629px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Saulus-Paulus war Jude und ist es geblieben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber viele Jahrhunderte n\u00e4hrte das Fest Pauli Bekehrung, das in der Kirche am 25. J\u00e4nner gefeiert wird, ein antij\u00fcdisches Narrativ. Der b\u00f6se Jude Saulus habe sich zum edlen Christen Paulus bekehrt. Bis zum heutigen Tag spiegelt sich diese Sichtweise im vielben\u00fctzten Sprichwort \u201evom Saulus zum Paulus\u201c wider, was so viel hei\u00dft wie: vom B\u00f6sen zum Guten. Aus solcher Perspektive ist eben der Jude der B\u00f6se, vor dem wir uns sch\u00fctzen m\u00fcssten. In der katholischen Liturgie hielt sich noch bis vor kurzem die Karfreitagsf\u00fcrbitte, in der f\u00fcr die Bekehrung der Juden gebetet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bibelforschung ist jedoch eindeutig. Saulus, so der j\u00fcdische Name f\u00fcr die griechische Bezeichnung Paulus, war und ist immer Jude gewesen. Er war ein Pharis\u00e4er \u2013 was in der j\u00fcdischen Tradition nichts Anr\u00fcchiges war, sondern im Gegenteil: er war ein anerkannter Gelehrter, kundig der Heiligen Schriften und des j\u00fcdischen Gesetzes. Das Messiasbekenntnis des Paulus war kein Bruch mit dem Judentum, sondern lag in der Kontinuit\u00e4t des Volkes Israel. Saulus\/Paulus als Jude zu sehen, bietet daher eine wichtige Br\u00fccke zwischen Judentum und Christentum. Sie widerspricht jedem christlichen Antijudaismus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Sturz vom \u201ehohen Ross\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In vielen Bildern wird das \u201eDamaskus-Erlebnis\u201c auf Bildern festgehalten. Man sieht den Apostel Paulus, wie er auf seinem Ritt von Jerusalem nach Damaskus von einem hellen Licht geblendet wird und zu Boden f\u00e4llt. Ich denke an ein Gem\u00e4lde von Caravaggio. Paulus liegt wie ein K\u00e4fer mit erhobenen Armen r\u00fccklings am Boden. Ein kr\u00e4ftiges Pferd steht hinter ihm. Paulus blickt dem Licht von oben entgegen, so als k\u00f6nnte er ganz innen den Ruf Christi h\u00f6ren. Sein Schwert liegt nutzlos neben ihm. Es hat seine Funktion verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war notwendig, vom \u201ehohen Ross\u201c zu steigen, um auf Augenh\u00f6he mit den Menschen zu kommen. Das ist eine bleibende Botschaft. Vom Ross herunter kann keine Begegnung stattfinden. Wo sich Menschen aber begegnen, werden die Feindbilder geschreddert und wird das Gemeinsame erkannt. In die Sprache der Friedensethik gepackt, kann es wie folgt beschrieben werden. Wo das helle Licht der jesuanischen Entfeindungsbotschaft strahlt, verlieren Waffen ihre Bedeutung. Diese Botschaft gilt es gerade heute gegen all die ganzen gigantischen R\u00fcstungsdynamik zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Feinde erweisen sich als Freunde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Laut Apostelgeschichte soll Paulus nach Damaskus geritten sein, um auch dort jene Menschen zu verfolgen, die in Jesus den erwarteten Messias sahen und sich trafen, um die Botschaft Jesu in ihrer Gemeinschaft lebendig sein zu lassen. Gerade sie sind es nun, die den gest\u00fcrzten und geblendeten Paulus in ihre Gemeinschaft holen. Sie taten, was sie sowohl von Jesus gelernt hatten und was in der Goldenen Regel als Herzst\u00fcck der hebr\u00e4ischen Bibel gilt. Ich denke an die wundersch\u00f6nen orthodoxen Ikonen, in denen diese Geschichte bildhaft beschrieben wird. In der Mitte einer solchen Ikone liegt der vom Pferd Gest\u00fcrzte am Boden, auf der rechten Bildh\u00e4lfte&nbsp;wird er liebevoll von einem J\u00fcnger Christi an der Hand genommen und in ihre Gemeinde gebracht. Das stellt die linke Bildh\u00e4lfte dar. Dort sitzt Paulus in der Gruppe der J\u00fcnger und liest in den heiligen Schriften. Da gingen Paulus wahrscheinlich die Augen auf \u2013 und wie ein Blinder konnte er sehen und vielmehr noch sp\u00fcren, was er aus den Schriften des Judentums kannte: Wie das Reich der Himmel beginnen kann und dass es Jeshua ben Mirjam war, der daf\u00fcr lebte und starb. Ich stelle mir vor, wie Paulus als Jude in Damaskus die j\u00fcdische Gemeinschaft von Menschen entdeckt hat, die in der Nachfolge Jesu das Brot teilten und f\u00fcreinander sorgten. Er lernte am eigenen Leib die Feindesliebe kennen. Obwohl er verfolgt hatte, oder vielleicht gerade deswegen, haben sie den vom Pferd Gest\u00fcrzten aufgenommen. Ihre Feindes- und N\u00e4chstenliebe hat Paulus wohl \u00fcberzeugt, dass die Auferstehung Jesu kein leeres Geschw\u00e4tz ist, sondern konkrete Eutopie. In seinen sp\u00e4teren Reisen zu den christlichen Gemeinden rings um das Mittelmeer erlebt er, wie sich die Anh\u00e4nger und Anh\u00e4ngerinnen dieses Jeschua selbst nach seiner Hinrichtung nicht kleinkriegen lie\u00dfen, sondern sp\u00fcrten: Er lebt dort, wo seine Botschaft gelebt wird, wo geteilt wird, wo die Armen und Hilfsbed\u00fcrftigen in die Mitte ger\u00fcckt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, zum Fest Pauli Bekehrung am 25. J\u00e4nner 2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Paulus-Ikone.jpg' class='thumbnail' \/>Saulus-Paulus war Jude und ist es geblieben \u00dcber viele Jahrhunderte n\u00e4hrte das Fest Pauli Bekehrung, das in der Kirche am 25. J\u00e4nner gefeiert wird, ein antij\u00fcdisches Narrativ. Der b\u00f6se Jude Saulus habe sich zum edlen Christen Paulus bekehrt. 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