{"id":12401,"date":"2026-03-17T19:33:46","date_gmt":"2026-03-17T19:33:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12401"},"modified":"2026-03-17T19:56:10","modified_gmt":"2026-03-17T19:56:10","slug":"vom-glauben-an-die-macht-der-vernunft-an-die-wirkkraft-des-kommunikativen-verstaendnisses-und-an-den-gewaltfreien-zwang-des-besten-argumentes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12401","title":{"rendered":"Vom Glauben an die Macht der Vernunft, an die Wirkkraft des kommunikativen Verst\u00e4ndnisses und an den gewaltfreien Zwang des besten Argumentes"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/fanes-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/fanes-3-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12402\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/fanes-3-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/fanes-3-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/fanes-3-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/fanes-3-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/fanes-3.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>In der Schule des J\u00fcrgen Habermas<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer mein philosophisches Interesse kennt und wer selbst ein philosophisches Gesp\u00fcr hat, wei\u00df, wie sehr ich den gerade verstorbenen Philosophen J\u00fcrgen Habermas als geistigen Lehrvater sch\u00e4tze. Freilich habe ich ihn nur aus B\u00fcchern von und \u00fcber ihn kennengelernt. Da gibt es viele biographische und denkerische Ankn\u00fcpfungspunkte, die das in mir bekr\u00e4ftigen, was ich selbst f\u00fcr richtig und wichtig halte. Ein paar Punkte m\u00f6chte ich hervorheben, die mit meiner eigenen Lebensgeschichte zu tun haben und aus dem Blickwinkel Habermas\u2019scher Gedanken in Beziehung gesetzt werden k\u00f6nnen. Ein kommunikativer Diskurs sozusagen anl\u00e4sslich des Todes des 96-j\u00e4hrigen gro\u00dfen Denkers.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1.: Vernunft und Ratio als normative Kraft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSeid vern\u00fcnftig\u201c, sagte ich meinen Kindern oder meinen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern immer wieder. Der Ruf zur Vernunft ist mein Mantra, das ich als Anspruch f\u00fcr mich und in meinen Beziehungen mit mir trage. Ich glaube an die Vernunft als Ma\u00dfstab f\u00fcr das allt\u00e4gliche Verhalten aber auch als Kompass f\u00fcr jedes soziale Gebilde und f\u00fcr das politische wie wirtschaftliche Geschehen. Unvernunft f\u00fchrt zu so viel Leid in den Mikro- wie in den Makroebenen. Ganz im Sinne von Kant und der Aufkl\u00e4rung lebte und lehrte J\u00fcrgen Habermas den aufkl\u00e4rerischen Grundsatz: \u201eHabe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!\u201c In meinem Leben hat dieser rebellische denkerische Ansatz freilich oft Widerspruch mit sich gebracht. Wenn meine Meinung von vorgegebenen Denkmustern und Haltungen abwich, musste ich erfahren, nicht mehr akzeptiert zu sein oder zwischen allen St\u00fchlen zu sitzen. Wie oft w\u00e4re es gerade in kirchlichen Kontexten bequemer gewesen, mich anzupassen! Mit meinen vom Mainstream oder Herrschaftsstrukturen abweichenden Verhalten f\u00fchlte ich mich zugleich immer wieder auch aufgehoben in Gruppen und bei Personen, die \u00e4hnlich kritisch dachten und handelten. Jedenfalls waren jene Menschen, mit denen wir damals die Partei der Gr\u00fcnalternativen gr\u00fcndeten, durchwegs begeisterte Anh\u00e4nger der Frankfurter Schule, in der J\u00fcrgen Habermas seinen philosophischen Ausgangspunkt nahm.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil Menschen nicht einer \u00f6kologischen Vernunft folgen, sondern sich treiben lassen von egoistischen und hedonistischen Phantasien, zerst\u00f6ren sie den Planeten Erde, rauben sie die Ressourcen und begehen ein Verbrechen an den k\u00fcnftigen Generationen. Die Unvernunft liegt in den Einkaufswagen, wo sich in Plastik verschwei\u00dftes Gefl\u00fcgelfleisch aus den Mastbetrieben im Osten Europas neben Getr\u00e4nken in Aludosen findet. Die Unvernunft erweist ihre Zerst\u00f6rungskraft an den Tankstellen und beim Druck auf das Gaspedal. Die Unvernunft zieht ihre Kondensstreifen am Himmel und im vielschichtigen Suchtverhalten von Jung und Alt. Die Unvernunft h\u00e4lt an sexistischen Strukturen in meiner Kirche fest und verhindert eine Gleichbehandlung der Geschlechter. Vor allem aber manifestiert sich die Unvernunft im Kriegsgeschehen dieser Tage. Die Kriegsherren von Putin bis Trump pflegen ihre Anti-Wokeness-Einstellung. Antiwoke ist aber nichts anderes als anti-aufkl\u00e4rerisch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.: Kommunikation als Schl\u00fcssel zum richtigen Handeln<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In seinem grundlegenden Werk \u201eTheorie des kommunikativen Handelns\u201c zeigte Habermas auf, wie Menschen und ihre sozialen Gebilde zu jenen Erkenntnissen kommen, die normgebend und richtig sein k\u00f6nnen. Der Schl\u00fcssel ist die Kommunikation, der Dialog \u2013 das Reden und H\u00f6ren, das Argumentieren. Hier liegt auch die Herrschaftskritik begr\u00fcndet. Aus einer Beziehung von Ich und Du entsteht das Handeln \u2013 nicht aus einem Diktat von oben. Nicht der einzelne wei\u00df, was richtig ist, sondern was richtig bzw. falsch ist ergibt sich aus dem Dialog, in dem auch ein Konsens gefunden werden kann. Das Denken von Habermas gleicht dem Ansatz der \u201eKommunikativen Theologie\u201c, wie ich sie in einem Masterlehrgang unter der Leitung von Matthias Scharer und seinem Team an der Katholischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Innsbruck studieren konnte. Theologie muss sich erden in den je konkreten Lebenserfahrungen \u2013 ohne dass aber die Weisheit der B\u00fccher aufgegeben wird. Auch mein Schreiben und meine Website sehe ich als eine Plattform, in der Kommunikation stattfinden kann: Daher freue ich mich stets \u00fcber R\u00fcckmeldungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.: Kritik an den postmodernen Lebensanschauungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Habermas war ein Verteidiger der Moderne in einer Zeit, in der sich zunehmend die postmoderne Lebenshaltung eines \u201eanything goes\u201c \u2013 alles ist m\u00f6glich eingeschlichen hat. Mit Habermas will ich an der Zuversicht festhalten, dass eine andere Welt m\u00f6glich ist \u2013 frei von den kapitalistischen Entfremdungen, frei von Kriegslogiken und der Zerst\u00f6rung von Lebensgrundlagen. Mit Habermas will ich mir die Zuversicht nicht nehmen lassen, dass es noch m\u00f6glich ist, diese Welt vor einem gro\u00dfen Armaggeddon zu bewahren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.: Religion und Vernunft miteinander verkn\u00fcpfen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Habermas hat vor allem am Ende seines Lebens den Religionen einen wichtigen epistemischen Wert zugemessen, wobei er immer wieder auch ihre Ambivalenz in den Blick nimmt. Einerseits warnte er zeitlebens vor einer fundamentalistisch gewandeten R\u00fcckkehr der Religionen und der Verdr\u00e4ngung einer aufkl\u00e4rerischen S\u00e4kularit\u00e4t, andererseits sind Religionen f\u00fcr ihn ein epistemischer Ernstfall, der zum Leben Wesentliches beitr\u00e4gt. Eine plumpe Religionskritik entspricht nicht dem deutschen Meisterdenker. In meinem Religionsunterricht ermutigte ich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler stets, dass sie ihren Glauben zu begr\u00fcnden lernen. Ein Glaube an das G\u00f6ttliche, der nicht empirisch begr\u00fcndet ist, der sich nicht auch im Lichte der Aufkl\u00e4rung \u201ebeweisen\u201c l\u00e4sst, kann leicht zu einem gef\u00e4hrlichen Aberglauben werden. Gerade in der Gegenwart erleben wir eine fatale R\u00fcckkehr einer fundamentalistisch gepr\u00e4gten Religiosit\u00e4t, wie sie von Donald Trump oder Pete Hegseth instrumentalisiert wird und von Technokraten wie Peter Thiel theoretisch entwickelt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>5.: Mit Habermas in der Bibel lesen und sie verstehen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am Todestag von Habermas las ich das aktuelle Sonntagsevangelium und wir redeten in unserer kleinen Gemeinde dar\u00fcber. Die Stelle aus dem 9. Kapitel des Johannesvangeliums ist f\u00fcr mich wie ein Lehrbeispiel f\u00fcr das, was ich im Denken von J\u00fcrgen Habermas finde und sch\u00e4tze. Die Begegnung zwischen dem Blindgeborenen und Jesus ereignet sich bewusst in der \u00d6ffentlichkeit. Habermas sprach immer wieder davon, dass es die \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr die Kommunikation brauche. \u00a0Die Heilung geschieht durch eine mehrfache verbale und nonverbale Kommunikation. Erstens in dem Gespr\u00e4ch zwischen dem Blinden und Jesus. Zweitens werden aber auch die Systeme rundherum mit einbezogen. Das f\u00fchrt zum Diskurs. Die Nachbarn und selbst die Pharis\u00e4er beginnen nun \u00fcber das Tun Jesu zu reden. Der Blinde wird geheilt und mit Habermas k\u00f6nnten wir davon sprechen, dass das bessere Argument wohl am Ende das Wort hat. Die Heilung des Blinden ist wie das Licht der Aufkl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n<p>klaus.heidegger<br>(Bild von m.m., kommunikativ unterwegs in der Fanesgruppe im aufkl\u00e4renden Licht)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/fanes-3-1024x768.jpg' class='thumbnail' \/>In der Schule des J\u00fcrgen Habermas Wer mein philosophisches Interesse kennt und wer selbst ein philosophisches Gesp\u00fcr hat, wei\u00df, wie sehr ich den gerade verstorbenen Philosophen J\u00fcrgen Habermas als geistigen Lehrvater sch\u00e4tze. Freilich habe ich ihn nur aus B\u00fcchern von und \u00fcber ihn kennengelernt. 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