{"id":1889,"date":"2015-06-25T05:22:43","date_gmt":"2015-06-25T05:22:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=1889"},"modified":"2026-02-02T12:47:48","modified_gmt":"2026-02-02T12:47:48","slug":"habemus-klima-papam-laudato-si","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=1889","title":{"rendered":"Habemus Klima-Papam &#8211; Laudato Si"},"content":{"rendered":"<p><strong>Umweltengagement hat den Segen des Papstes<br \/>\n<\/strong><br \/>\nAls Jugendlicher und Vorsitzender einer Projektgruppe der Kath. Jugend Tirol und dann einige Jahre sp\u00e4ter als Bundessekret\u00e4r der Kath. Jugend und Kath. Jugend Land \u00d6sterreichs musste ich vor mehr als 30 Jahren wieder und wieder das umweltpolitische Engagement der katholischen Jugendorganisationen verteidigen. Mein damaliger Heimatbischof h\u00e4tte es lieber gesehen, wenn wir Jugendliche weniger gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf demonstriert h\u00e4tten, wenn wir mehr gebetet und weniger f\u00fcr die Zwentendorf-AKW-Volksabstimmung geworben h\u00e4tten, wenn wir nicht mit dem Bus der Kath. Arbeiterjugend in die Donauauen nach Hainburg gefahren w\u00e4ren und nicht Tempo 80\/100-Pickerl unter den Autofahrern verteilt h\u00e4tten. Das alles sei nicht die prim\u00e4re Aufgabe einer kirchlichen Organisation, h\u00f6rte ich dann vom \u00f6sterreichischen Jugendbischof, der mich zu sich in den Bischofshof nach Klagenfurt zitiert hatte. Eine kirchliche Organisation sei nicht Greenpeace &amp; Co. Auch noch als Religionslehrer bin ich oftmals herausgefordert zu begr\u00fcnden, warum in den Religionsstunden \u00fcber die Zerst\u00f6rung der Umwelt, das Ausrotten von Tierarten oder ein umweltgerechtes Verhalten diskutiert wird. Mit der \u00d6ko-Enzyklika \u201eLaudato Si\u201c kann ich nun zun\u00e4chst einfach sagen: Papst Franziskus will, dass wir uns gerade von unserem Christsein und auf der Basis unseres Glaubens mit Umweltthemen besch\u00e4ftigen. Sie sind keine Randnotiz der kirchlichen Verk\u00fcndigung, Praxis und Liturgie, sondern geh\u00f6ren zu ihrer Mitte.<\/p>\n<p><strong>Die Erde wie eine Schwester und Mutter<\/strong><\/p>\n<p>Laudato Si beginnt gleich mit einem finalen Auftakt. Die Erde ist in den Augen des Papstes nicht mehr etwas, das vom Menschen getrennt ist, nicht mehr reine Sache, kein Ding, das in der Verf\u00fcgungsgewalt des Menschen st\u00fcnde. Nein, der Papst schreibt ganz zu Beginn mit Bezug auf den Sonnengesang des Franziskus, dass \u201eunser gemeinsames Haus wie eine Schwester ist, mit der wir das Leben teilen, und wie eine sch\u00f6ne Mutter, die uns in ihre Arme schlie\u00dft\u201c.(1) Das ist ein Auftakt, der einem Ansatz der Naturv\u00f6lker entspricht. Unsere Beziehung zur Natur ist schwesterlich. Dies bringt Empathie ins Spiel, die eine n\u00fcchterne Betrachtung weit \u00fcbersteigt. Immer wieder finden sich daher in der Enzyklika emotionale Statements, etwa dann, wenn Franziskus vom \u201eSchrei der Erde\u201c schreibt.<\/p>\n<p><strong>Option f\u00fcr die Armen<\/strong><\/p>\n<p>Wie es sich f\u00fcr kirchliche Dokumente geziemt, wird die moralisch-ethische Seite besonders betont. Der Papst redet ins Gewissen. Die \u00d6ko-Misere resultiere aus dem Verhalten der Machthaber, aus der Interesselosigkeit der vielen und aus der Leugnung der Problematik. Vor allem aber kritisiert Franziskus die Ideologie, dass das Spiel der Marktkr\u00e4fte dem Segen der Menschheit diene. Es sind die Technokraten des Kapitalismus und die weltbeherrschende Diktatur des Finanzkapitals, die zu den Totengr\u00e4bern des Planeten Erde geworden sind. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Enzyklika die befreiungstheologische Option f\u00fcr die \u00c4rmsten. Der Schrei der Erde ist durchmischt mit dem Schrei der Verelendeten. Der Umkehrruf richtet sich daher in erster Linie an die Erste Welt. Hier argumentiert Franziskus beispielsweise, dass der Klimawandel, der jetzt schon so viel Elend in den L\u00e4ndern des S\u00fcdens mit sich bringt, auf das Konto der Industriel\u00e4nder des Nordens zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/p>\n<p><strong>Die \u201eGlobal Commons\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Franziskus definiert das Klima als etwas, das nicht in die Verf\u00fcgungsgewalt einiger weniger f\u00e4llt. Im Gegenteil. Es z\u00e4hlt zu den globalen Gemeinschaftsg\u00fctern. Der Papst: &#8222;Das Klima ist gemeinschaftliches Gut von allen und f\u00fcr alle.&#8220; Mit diesem richtungsweisenden Satz wird verdeutlicht, dass die Atmosph\u00e4re nicht l\u00e4nger als weltweite M\u00fcllkippe f\u00fcr CO-2-Abf\u00e4lle missbraucht werden darf.<\/p>\n<p><strong>Hoffnung schl\u00e4gt Pessimismus<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich den Zustand dieser Welt ernsthaft in Erw\u00e4gung ziehe, wenn ich an die fortschreitende Erderhitzung, die Ausbeutung der Ressourcen oder das Aussterben der Tier- und Pflanzenarten denke, wenn ich \u00fcber all dies t\u00e4glich neu in den Medien lese, wenn ich mir dann zugleich das kollektive Verhalten der Massen vergegenw\u00e4rtige und die herrschende Politik, dann zweifle ich an der M\u00f6glichkeit einer Rettung f\u00fcr diese Welt.&nbsp;Franziskus richtet anders als seine Vorg\u00e4nger im Petrusamt seine Worte der Umkehr nicht nur an die Gl\u00e4ubigen der katholischen Kirche, sondern wendet sich ausdr\u00fccklich \u201ean alle Menschen\u201c . Eine Abwendung des \u00d6kozids braucht eine kollektive Anstrengung aller Menschen. Der Papst traut sich zu sagen, was auf den ersten Augenblick so unbequem zu sein scheint: Er spricht von \u201eAskese\u201c und \u201eM\u00e4\u00dfigung\u201c, Worte, die so quer sind zur Wachstumsideologie, die nicht zur \u201eShopping-Night\u201c-Stimmung u. \u00e4. passen. Wird eine Umkehr m\u00f6glich sein? Letztlich, so der Papst, ist es eine Frage des Glaubens. Franziskus vertraut auf Gott, der die Sch\u00f6pfung in seinen H\u00e4nden h\u00e4lt und wie damals, nach der Gro\u00dfen Flut, mit der Hilfe von Noah und seiner Familie der Sch\u00f6pfung unter dem Zeichen des Regenbogens und der Friedenstaube einen neuen Anfang schenkte.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Umweltengagement hat den Segen des Papstes Als Jugendlicher und Vorsitzender einer Projektgruppe der Kath. Jugend Tirol und dann einige Jahre sp\u00e4ter als Bundessekret\u00e4r der Kath. 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