{"id":1911,"date":"2015-07-11T07:39:11","date_gmt":"2015-07-11T07:39:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=1911"},"modified":"2022-08-22T07:40:03","modified_gmt":"2022-08-22T07:40:03","slug":"grenzenueberwindende-ministrantinnen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=1911","title":{"rendered":"Grenzen\u00fcberwindende Ministrantinnen"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/bejna-lili.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1912\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/bejna-lili.jpg\" alt=\"bejna-lili\" width=\"540\" height=\"960\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/bejna-lili.jpg 540w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/bejna-lili-169x300.jpg 169w\" sizes=\"(max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a>Grenzen\u00fcberwindende Ministrantinnen oder: gelebte Interreligiosit\u00e4t beim Schulschlussgottesdienst<\/strong><\/p>\n<p>Freitag, 10. Juli 2015. Schulschlussgottesdienst in der Karlskirche zu Volders. Hier und zu dieser Stunde schreibt das PORG Volders Kirchen- und Religionsgeschichte. Bejna ist kurdische Alevitin, Nil\u00fcfer ist sunnitische Muslima, aber zun\u00e4chst vor allem definieren sich beide Sch\u00fclerinnen nicht von einer formellen Glaubenszugeh\u00f6rigkeit her, sondern beide sind Menschen mit der Freude am Leben, den W\u00fcnschen und Sehns\u00fcchten, wie sie von allen Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen geteilt werden.<br \/>\nWenn Gott Erfahrung von Wahrheit, Liebe und Z\u00e4rtlichkeit ist, wenn Allah Barmherzigkeit und Verzeihen ist, dann haben die beiden ministrierenden Deb\u00fctantinnen diese tragenden religi\u00f6sen Grunderfahrungen am PORG erleben k\u00f6nnen wie alle anderen Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen auch, die bei der Feier in Karlskirche dabei sind. Bei der Schulschlusseucharistie sollte es wesentlich darum gehen, abschlie\u00dfend f\u00fcr das Schuljahr 2014\/15 gemeinschaftliche Grunderfahrungen sp\u00fcrbar werden zu lassen, den Dank f\u00fcr die N\u00e4he Gottes \u2013 stets vermittelt durch die N\u00e4he von Menschen \u2013 auszudr\u00fccken. Zugleich ist es eine Schulgemeinschaft der bewusst gelebten Interreligiosit\u00e4t, gerade weil wir uns am PORG als katholische Privatschule und Ordensschule verstehen.<br \/>\nIn jenem kurdischen Gebiet, wo Bejna ihre Wurzeln hat, bek\u00e4mpfen sunnitische Extremisten Aleviten und werden Christen vom Islamischen Staat grausam verfolgt. Hier am PORG sind Bejna und Lili Freundinnen, hier k\u00f6nnen wir leben, dass nicht Mauern, sondern Br\u00fccken zwischen den Religionsgemeinschaften gebaut werden. W\u00e4hrend allerorts auf dieser Welt neue Mauern und Stacheldrahtverhaue aufgebaut werden, wird von Jugendlichen der Mauerfall gelebt.<br \/>\nBejna und Lili wollten ministrieren. Es war nicht die Idee ihres Religionslehrers. Freilich sind beide nun auch ein Jahr im katholischen Religionsunterricht gewesen, haben gelernt, was Heilige Messe ist und was dabei geschieht. Sie hatten sich sogar besonders oft in den Unterrichtsstunden eingebracht. Unvergesslich bleibt das Referat, in dem Bejna von der Verfolgung der Jesiden durch den Islamischen Staat erz\u00e4hlte. Wenn Bejna und Lili kurz nach dem Gottesdienst die Zeugnisse erhalten werden, so wird aber in der Spalte Religion \u2013 und sie ist ganz oben im Zeugnis \u2013 keine Note stehen. Das verhindern Gesetze und ihre fundamentalistische Interpretation. Kein Sch\u00fcler einer anderen Religionsgemeinschaft soll einen katholischen Religionsunterricht besuchen, so die Gesetzeslage. Es gibt zum Gl\u00fcck kein Gesetz, das f\u00fcr Sch\u00fclerinnen ein Ministrierverbot vorsieht.<br \/>\nBejna und Lili sind nicht einfach unvorbereitet in die Sakristei gestolpert, haben sich auch keinen Spa\u00df daraus gemacht, sind nicht von ihrem Lehrer instrumentalisiert worden. Die Frage kam von ihnen: \u201eK\u00f6nnen wir auch ministrieren?\u201c F\u00fcr mich war hier Gott im Spiel, so wie bei Schiphra und Pua am Beginn der Exodus-Befreiungsgeschichte.<br \/>\nIch denke nicht, dass es irgendwo auf der Welt schon jemals eine katholische Messfeier gegeben hat, wo ganz bewusst eine Alevitin und eine Muslima gemeinsam mit zwei Katholiken bei einer Eucharistiefeier als Ministrantinnen assistierten. Hier werden Schranken und Mauern aufgehoben, hier wird gezeigt: Die Religionen sind sich in ihrer tiefsten Mitte \u00e4hnlich, Menschen verschiedener Religionen k\u00f6nnen einander dienen, wir k\u00f6nnen miteinander und nicht nur \u2013 wie es eine merkw\u00fcrdige Diktion religi\u00f6ser Obrigkeiten von oben herab vorgibt \u2013 nebeneinander. So wie ich in einer Moschee beten oder in einem Cemhaus feiern kann, wenn ich dazu eingeladen werde, so k\u00f6nnen auch Muslime und Musliminnen in unseren Kirchen zeigen: Isa ibn Maryam, Jesus, Sohn der Mirjam, ist auch f\u00fcr den islamischen und alevitischen Glauben bedeutsam. Er kann als Prophet f\u00fcr alle Religionen gesehen werden. Die aktive Teilnahme von Gl\u00e4ubigen aus der islamischen Tradition ist nicht Vereinnahmung, sondern gelebte Inklusion. In der Begegnung miteinander wird die eigene Identit\u00e4t gest\u00e4rkt. Das, was die erwachsenen Fundamentalisten jeder Religion zutiefst verabscheuen, leben uns die beiden M\u00e4dchen mit Freude vor. Von Ali stammt der Satz: \u201eDas wichtigste Buch zu lesen ist der Mensch.\u201c Es sind nicht die Dogmen, die bei einer fundamentalistischen Auslegung von christlicher wie von islamischer Seite unser Leben bestimmen sollen. Es ist das gelebte Leben, wo Gott sp\u00fcrbar und Religion begreifbar wird, an den Orten und in der Zeit, in der wir sind.<br \/>\nF\u00fcr die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen ist die Tatsache, dass Bejna und Lili ministrieren, so normal, dass es gar nicht auff\u00e4llt. Es spricht f\u00fcr ihre Wahrnehmung, dass das, was in der Welt der Grenzzieher der Erwachsenengeneration als unerh\u00f6rte Grenz\u00fcberschreitung aufgefasst werden k\u00f6nnte, zu ihrem Leben dazugeh\u00f6rt, weil es auch Teil des Schulalltags in den Klassenzimmern geworden ist.<br \/>\nIn der Karlskirche beim Westeingang befindet sich der \u201eStein des Gehorsam\u201c. Es ist ein m\u00e4chtiger Felsblock, der mit einer Entstehungslegende dieser Kirche verkn\u00fcpft ist. Aus dem Blickwinkel der Fundamentalisten wird die Tatsache ministrierender Andersgl\u00e4ubiger (laut externer formaler Zuschreibung) in einem katholischen Gotteshaus bei einer katholischen Eucharistiefeier ein Akt des Ungehorsams sein. Aus dem Blickwinkel des Glaubens und des Lebens ist es ein Gehorsam gegen\u00fcber Gott, der ein Gott des Lebens ist, in dem Grenzen \u00fcberwunden und Br\u00fccken gebaut werden. Daf\u00fcr stehen f\u00fcr mich die Ministrantinnen des Jahres 2015.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/bejna-lili.jpg' class='thumbnail' \/>Grenzen\u00fcberwindende Ministrantinnen oder: gelebte Interreligiosit\u00e4t beim Schulschlussgottesdienst Freitag, 10. Juli 2015. Schulschlussgottesdienst in der Karlskirche zu Volders. Hier und zu dieser Stunde schreibt das PORG Volders Kirchen- und Religionsgeschichte. 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