{"id":2021,"date":"2015-11-08T06:18:46","date_gmt":"2015-11-08T06:18:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2021"},"modified":"2026-02-06T08:04:33","modified_gmt":"2026-02-06T08:04:33","slug":"brief-an-die-nicht-willkommensministerin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2021","title":{"rendered":"Brief an die Nicht-Willkommensministerin"},"content":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Frau Nicht-Willkommensministerin Johanna Mikl-Leitner!<br \/>\nIhre Statements zur Fl\u00fcchtlingskrise haben mich in den vergangenen Monaten immer wieder irritiert. Am Samstag, dem 7. November, las ich in den Tageszeitungen von Ihrer Aussage, dass sie keine \u201eWillkommensministerin\u201c sein m\u00f6chten. Mit diesem schnippischen Begriff distanzieren Sie sich von einer Willkommenskultur, die in gro\u00dfen Teilen der Zivilbev\u00f6lkerung in den vergangen Monaten so eindrucksvoll sichtbar geworden ist. Mit Ihrer Wortwahl bringen Sie treffend auf den Punkt, warum ich mich als Staatsb\u00fcrger und Christ von Ihnen so gar nicht vertreten f\u00fchle.<br \/>\nIch frage mich, wie Sie sich positiv definieren k\u00f6nnten. Als \u201eAbschottungsministerin\u201c, die im Stile von Viktor Orb\u00e0n Fl\u00fcchtlinge \u00fcberhaupt nicht aufnehmen will und sich mit messerscharfen Stacheldrahtklingen und menschenrechtswidrigen Asylbedingungen h\u00f6chst erfolgreich vor der Not der Fl\u00fcchtenden abgrenzt? Sie f\u00fchren an, dass man nicht Sicherheitsministerin und Willkommensministerin zugleich sein k\u00f6nne. Damit unterstellen Sie implizit, dass Fl\u00fcchtlinge unsere Sicherheit und Ordnung gef\u00e4hrden w\u00fcrden. Wenn ich an meine Kontakte mit den Fl\u00fcchtlingen denke, dann habe ich keine Angst vor ihnen. Angst und damit Unsicherheit verbreiten vielmehr jene, die mit hasserf\u00fcllten Parolen gegen Fl\u00fcchtlinge auftreten. Mit Ihrer Zaun-Politik tragen Sie dazu bei, dass \u00c4ngste vor Fl\u00fcchtlingen gen\u00e4hrt werden, weil diese als \u201eBedrohung\u201c wahrgenommen werden.<br \/>\nWollen Sie als \u201eAbschiebungsministerin\u201c gesehen werden, die mit neue Gesetzen wie \u201eAsyl auf Zeit\u201c und versch\u00e4rfter Abschiebepraxis auftritt? So jedenfalls signalisieren Sie, dass Fl\u00fcchtende in der Alpenrepublik eben nicht willkommen sind. Eine von Ihnen geplante \u201eAsyl auf Zeit\u201c-Politik wird zu inhumanen Zust\u00e4nden f\u00fchren, wird f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge die Chance auf eine Integration in den Arbeitsmarkt erschweren, wird Angst, wieder abgeschoben zu werden, verbreiten, wird bereits integrierte Menschen aus ihrer neuen Heimat, den Schulen oder Arbeitsst\u00e4tten, rei\u00dfen.<br \/>\nWollen Sie als \u201eFestungsministerin\u201c gelten, in der sich die Europ\u00e4ische Union nach au\u00dfen mit martialischen Mitteln abgrenzt? Damit aber wird das Sterben im Mittelmeer und auf den Schlepperrouten weiter gehen. Wer die Grenzen dicht macht, wird es zu verantworten haben, wenn Leichen im Mittelmeer schwimmen. Wer einen Familiennachzug erschweren will, wird auch verursachen, dass sich noch mehr Kinder und Frauen auf die gef\u00e4hrliche Reise machen.<br \/>\nSehr geehrte Frau Was-auch-immer-Ministerin, ich m\u00f6chte Sie bitten, \u201eWillkommensministerin\u201c zu werden, damit die Fl\u00fcchtlingskrise national und auf europ\u00e4ischer Ebene nicht \u201eeinged\u00e4mmt\u201c, sondern gel\u00f6st wird; damit Fl\u00fcchtlinge nicht desintegriert, sondern integriert werden; damit sie nicht mehr auf gef\u00e4hrlichen Wegen ihr Leben aufs Spiel setzen m\u00fcssen, sondern legale Wege der Einreise er\u00f6ffnet werden; damit die Menschenrechte der Ma\u00dfstab europ\u00e4ischer Regierungen sind und nicht eine Orientierung an den R\u00fclpsern vom rechts-rechten Rand populistischer Parteien.<br \/>\nDann k\u00f6nnte ich sagen: Willkommen in einer \u00f6sterreichischen Willkommenskultur.<br \/>\nKlaus Heidegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Frau Nicht-Willkommensministerin Johanna Mikl-Leitner! Ihre Statements zur Fl\u00fcchtlingskrise haben mich in den vergangenen Monaten immer wieder irritiert. Am Samstag, dem 7. November, las ich in den Tageszeitungen von Ihrer Aussage, dass sie keine \u201eWillkommensministerin\u201c sein m\u00f6chten. 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