{"id":2028,"date":"2015-11-15T07:02:02","date_gmt":"2015-11-15T07:02:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2028"},"modified":"2026-02-02T13:11:27","modified_gmt":"2026-02-02T13:11:27","slug":"islam-ist-die-lehre-vom-frieden-und-von-barmherzigkeit-und-nicht-von-terror-und-gewalt-oder-imagine-no-religion","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2028","title":{"rendered":"Islam ist die Lehre vom Frieden und von Barmherzigkeit und nicht von Terror und Gewalt oder \u201eimagine no religion\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eImagine\u201c spielte der Stra\u00dfenmusiker Davide Martello auf seinem Fl\u00fcgel direkt vor dem Konzerthaus Bataclan, in dem tags zuvor 100 Menschen kaltbl\u00fctig ermordet worden sind. \u201eImagine no religion \u2026\u201c ist ein Teil dieses Songs von John Lennon. Und viele f\u00fchlen sich nun wieder best\u00e4tigt. Ohne Religion \u2013 zumindest ohne Islam \u2013 w\u00e4re die Welt eine friedlichere. Im J\u00e4nner 2015, nach den Anschl\u00e4gen auf Charlie Hebdo, hatte ich mit meinen Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen viele Gespr\u00e4che \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Islam und Krieg, Islam und Gewalt, Islam und Terror. Jetzt, unmittelbar nach dem neuen Terror von Paris vom Freitag, dem 13. November, tauchen die gleichbleibenden Fragen auf. Wieder wird \u201eder Islam\u201c als Religion in Frage gestellt. Wieder wird die Angst vor Muslimen gesch\u00fcrt. Fl\u00fcchtlinge, die als Muslime zu uns gekommen sind, werden als potentielle Gefahr gewertet. Einen Beitrag, den ich in den J\u00e4nnertagen dieses Jahres schrieb, habe ich f\u00fcr meine Website aus aktuellem Anlass \u00fcberarbeitet und aktualisiert. Es ist meine Antwort auf das, was in Paris, Bagdad und Beirut in den letzten Tagen geschehen ist.<br \/>\n<strong>Terror im Namen des Islam ist Blasphemie<\/strong><br \/>\n&#8222;Die Terroristen f\u00fchren Krieg gegen den Islam&#8220;: Muslimische Verb\u00e4nde reagieren schockiert auf die Anschl\u00e4ge von Paris. Bei Twitter trendet das Hashtag #NotInMyName.&#8220; Der iranische Au\u00dfenamtssprecher Hussein Dschaberi erkl\u00e4rte in Teheran: &#8222;Diese Terroristen sind keine Muslime und haben nichts gemeinsam mit den Kriterien und Werten des Islam.&#8220;Die Attent\u00e4ter von Paris sind Kriminelle &#8230; keine Muslime&#8220;, &#8222;&#8230;die Wesenseigenschaft des Islam ist die Sanftmut&#8220; &#8211; so sprach der f\u00fchrende Imam aus Paris, Chabbar Taieb, nach den Anschl\u00e4gen auf Charlie Hebdo. Was in Paris im J\u00e4nner 2015 und zuletzt im November 2015 durch Terroristen geschah, das ist tiefste Gottlosigkeit, das ist tiefste Unkenntnis vom Wesen des Islam und seinem Glauben an die Allbarmherzigkeit Gottes. Dabei erinnere ich aber auch an die Bomben, die nur zwei Tage vor den Anschl\u00e4gen Paris in Beirut von Terroristen des IS gez\u00fcndet wurden und 40 Menschen in den Tod rissen, an die Bomben in Bagdad, die so oft Menschen t\u00f6ten, ohne dass es zu jenem Entsetzen f\u00fchren w\u00fcrde, das wir jetzt nach den Anschl\u00e4gen von Paris kollektiv empfinden.<br \/>\nNicht der Glaube an Gott ist bei den Gr\u00e4ueln der Geschichte, bei den Kreuzz\u00fcgen, den Konfessionskriegen, bei den Gr\u00e4ueln des Islamischen Staates, der Shabab-Milizen in Somalia, der Al-Kaida oder von Boko Haram heute Ursache f\u00fcr die unermesslichen Grausamkeiten, sondern der Unglaube an die Kraft des G\u00f6ttlichen in den Menschen und in der Welt, die eine Kraft der Liebe, der Vergebung, der Barmherzigkeit und der Sanftmut ist. Dort, wo mit Berufung auf den Namen Gottes gemordet wird, dort wird der Name Gottes missbraucht. Das j\u00fcdisch-christlich-muslimische Grundgebot, \u201edu wirst nicht morden!\u201c, h\u00e4ngt wesentlich mit dem Grundgebot der Gottesliebe und der Heiligung seines Namens zusammen.<br \/>\n<strong>Einhellige Verurteilung des Terrors im Namen des Islam<\/strong><br \/>\nDie Reaktion auf die Terrorattentate gleicht in diesen dunklen Novembertagen jenen vom J\u00e4nner 2015. Die demokratischen und vern\u00fcnftigen Kr\u00e4fte in Europa sind geeint. Auch die Repr\u00e4sentanten der Religionsgemeinschaften treten gemeinsam auf und sagen heute. Die Gewalt hat nicht das letzte Wort.<br \/>\nUnmittelbar Nach den Charlie-Hebdo-Anschl\u00e4gen wurde ein richtiges Verst\u00e4ndnis von Auferstehung in einer Karikatur dargestellt. Sie zeigt einen Bleistift, der durch ein Maschinengewehr in zwei H\u00e4lften geteilt wird. Nun ist die Kraft von zwei Bleistiften da. Die Antwort auf Gewalt kann nicht ein Noch-mehr-Gewalt sein. \u201eMarianne 2015\u201c soll nicht mehr wie die ber\u00fchmte Vorlage im Gem\u00e4lde von Eug\u00e8ne Delacroix f\u00fcr die Julirevolution 1830 mit Schie\u00dfgewehr und aufgesetztem Bajonett auftreten. Die barbusige Frau, die zu einem Nationalsymbol Frankreichs wurde, muss heute Zeichen des gewaltfreien Widerstands in die H\u00f6he halten: Die Erkl\u00e4rung der Menschenrechte und den freien Stift der Meinungsfreiheit, vor allem aber die ausgestreckte Hand zum Friedenstiften.Mit Ausnahme der terroristischen Organisationen, die sich auf den Islam berufen, haben weltweit alle f\u00fchrenden islamischen Repr\u00e4sentanten und Organisationen einhellig und unmissverst\u00e4ndlich immer wieder die Terroraktionen verurteilt. Der gemeinsame Nenner in der islamischen Welt gegen\u00fcber dem islamistischen Terror lautet: \u201eNicht in unserem Namen!\u201c \u201eNicht im Namen Gottes!\u201c<br \/>\n<strong>Die Feinde des Islam sind Kriegstreiber und Angstmacher<\/strong><br \/>\nIslamfeindliche Kr\u00e4fte in Europa sehen sich durch die Terroranschl\u00e4ge best\u00e4tigt. Ob Marine le Pen in Frankreich, die Pegida-Bewegung in Deutschland \u2013 mit ihren blauen Ablegern in \u00d6sterreich \u2013 oder die FP\u00d6 in \u00d6sterreich: Die islamistischen Anschl\u00e4ge in Paris werden offen oder sublim mit dem Wesen des Islam in Verbindung gebracht. Ich erinnere an eine Stellungnahme des EU-Abgeordneten Harald Vilimsky: \u201eIslamismus hat mit Islam nichts zu tun, schreibt ihr. Ja, denn Alkoholismus braucht ja schlie\u00dflich auch keinen Alkohol, oder? \u2026 Gerade ihr Linken habt die Aufkl\u00e4rung verraten an eine Religion, deren Anh\u00e4nger damit zu oft nichts zu tun haben wollen.\u201c (http:\/\/www.fpoe.eu\/)<br \/>\n<strong>Die bleibende Frage: Der Islam und der Frieden<\/strong><br \/>\nIn den Gespr\u00e4chen und im Unterricht in der Schule wird nun wieder die Frage auftauchen, ob Anschl\u00e4ge wie jene von Paris, Beirut oder Bagdad, ob das Morden des Islamischen Staates in Syrien, von Boko-Haram oder der Shabab-Mililzen in Afrika nicht doch mit DEM ISLAM in Verbindung gebracht werden m\u00fcssten. Ich w\u00fcrde zu \u201epositivistisch\u201c denken, so eine Reaktion auf ein Posting von mir, in dem ich Islam mit Sanftmut in Verbindung brachte. Wieder wird das Christliche gegen den Islam in der Friedensfrage ausgespielt und die folgende Denkschablone bedient: Wir Christen glauben an Jesus Christus und seinen Gewaltverzicht, was vor allem durch die Torheit des Sterbens Jesu am Kreuz zum Ausdruck gekommen sei, etwas, was von den Muslimen abgelehnt w\u00fcrde \u2013 oder, um es direkter zu formulieren, etwas, das die Muslime nicht verstehen w\u00fcrden. Hier aber l\u00e4ge letztlich der Schl\u00fcssel zum Gewaltverzicht. So wurde beispielsweise in einer der f\u00fchrenden katholischen Wochenzeitschriften, \u201eChrist in der Gegegenwart\u201c, in einem Leitkommentar mit dem Propheten Muhammad wie folgt verglichen: \u201eJesus Christus war ein gewaltfreier, herrschaftskritischer Religionsstifter. Er war kein Kriegsherr und kein Kriegstreiber wie Mohammed. Der Geburtsfehler des Islam liegt in seiner Gr\u00fcndungsfigur, seinem \u201aPropheten\u2018. Das Christentum als von der Wurzel her selbstkritische und herrschaftskritische Religion ist \u2013 wie seine (Befreiungs-)Theologie beweist \u2013 geistig im Jahr 2014 angekommen, der Islam in breitesten Teilen nicht. F\u00fcr Letzteres gibt es keine historische Entschuldigung mehr.\u201c<br \/>\nReligionskritische Medien und Journalisten nehmen die islamistischen Anschl\u00e4ge stets zum Anlass, um insbesondere vor \u201edem Islam\u201c zu warnen. Ich erinnere an eine Aussage von Christian Rainer in der Ausgabe mit dem Titelbild \u201eWas den Islam so gef\u00e4hrlich macht.\u201c Im Leitartikel schreibt der Chefredakteur vom \u201eBedrohungsfall Islam\u201c. Und weiters: \u201eJeder Glaube an das Irrationale \u2013 also jede Religion \u2013 n\u00e4hrt die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen irrational handeln. Beim Islam wird das zur Gefahr \u2026\u201c Was in Paris nun wieder geschah, k\u00f6nnte f\u00fcr ihn wie eine Best\u00e4tigung sein.<br \/>\n<strong>Islam ist Unterwerfung unter den Willen eines barmherzigen Gottes<\/strong><br \/>\nMuslime, die sich an Allah orientieren, wenden sich in ihrem Glauben an jenen Gott, zu dem auch ein Christ bzw. eine Christin eine Beziehung haben. Daraus folgt: Wenn mein Gott auch Allah ist, dann kann aus meiner christlichen &#8222;Unterwerfung&#8220; unter Gott doch nichts anderes herauskommen, als wenn sich Muslime ihrem Gott unterwerfen. Beide unterwerfen sich dem gleichen Gott! Das ist mein Grundansatz, aus dem dann konsequent logisch gefolgert werden kann: Wenn der barmherzige Abba-Gott Jesu Christi Feindesliebe und Gewaltverzicht fordert, so kann der Allah-Gott Mohammeds doch letztlich nicht etwas anderes fordern, es sei denn, dieser Gott leide an ausgepr\u00e4gter Schizophrenie. Dies gilt in gleicher Weise zumindest auch f\u00fcr das Judentum, meines Erachtens aber f\u00fcr jede Religion. Es gilt also die Formel: Islam = Unterwerfung unter Gott = Unterwerfung unter den Gott der Liebe und Gewaltfreiheit.<\/p>\n<p>Die Misbaha und nicht die Kalashnikow oder ein Sprengsatz ist das Symbol des Islam. Wer die 99 Namen Gottes rezitiert, kann die Wesensmitte des Islam sp\u00fcren. \u201eAr-Rahman\u201c \u2013 \u201eder Gn\u00e4dige\u201c, \u201eder Wohlt\u00e4tige\u201c, \u201eder Mitleidsvolle\u201c \u2013 so der erste Name, der fast wie eine \u00dcberschrift ist. Gewalt, Krieg, Terror \u2013 das hat so gar nichts mit diesem Namen zu tun. Das ist wie die Antithese zu \u201eAr-Rahman\u201c. Allah ist auch \u201eAl-Quddus\u201c, \u201eder Friede\u201c, so der vierte der sch\u00f6nsten Namen. Und weiters: Allah ist \u201eAl-Ghaffaar\u201c, \u201eder Vergebende\u201c. Allah ist \u201eAl-Hhafuur\u201c, wieder \u00fcbersetzt mit \u201eDer Vergebende\u201c. Allah ist \u201eAl-Waduud\u201c, der \u201eLiebende\u201c, \u201eAr-Ra-uuf\u201c, der \u201eMitleidsvolle\u201c genauso wie \u201eAs-Sabuur\u201c, der \u201eGeduldige\u201c. Wenn Gott unter diesen Namen auch als \u201eErzeuger der Not\u201c oder \u201eder Vergelter\u201c bezeichnet wird, so kann dies nicht im Sinne eines Widerspruchs zur Barmherzigkeit, Mildt\u00e4tigkeit, Liebe und Vergebung interpretiert werden.<br \/>\nWenn die islamistischen Gotteskrieger die Waffen in die H\u00e4nde nehmen, so m\u00fcssen sie im buchst\u00e4blichen Sinn des Wortes die Gebetsschnur weit weglegen. Dann verraten sie die Mitte ihrer Religion. \u201eAllahu-akbar\u201c zu rufen und zu morden und zu massakrieren ist im Widerspruch zu den sch\u00f6nsten Namen Gottes. Wenn vor vielen Jahren Ayatollah Khomeini seinen Anh\u00e4ngern verordnete, die Gebetsschnur wegzulegen und das Gewehr in die Hand zu nehmen, so ist dies genau jene anti-g\u00f6ttliche Strategie, die bei Boko Harem, den Terrormilizen des Islamischen Staates oder den islamistischen Terrorzellen in Europa endet. Allah ist nicht die Rache! Dann k\u00f6nnen wir auch als Christen zu den selbsternannten \u201eGotteskriegern\u201c sagen: Ihr seid gar keine Muslime! Sie sind, wie es ein islamischer Theologe formulierte, \u201eent-muslimisiert\u201c. In diesem stehen Muslime weltweit auf uns sagen als Reaktion auf den Terror: \u201eNicht in unserem Namen!\u201c<br \/>\n<strong>Jesus als Prophet und damit Vorbild im Islam<\/strong><br \/>\nZu wenig wird meist bedacht, dass f\u00fcr die Muslime auch Jesus als Prophet und damit als Vorbild im Glauben gilt. Damit freilich, so der einfache logische Schluss, ist auch Jesus mit seiner klaren Gewaltverzichtsstrategie und seiner Feindesliebe Vorbild im Glauben.<br \/>\n<strong>Gewaltfreie Aspekte im Leben des Propheten Muhammad<\/strong><br \/>\nEin Muslim oder eine Muslima orientiert sich am Leben des Propheten Muhammad. Wenn er wirklich ein &#8222;Gesandter Gottes&#8220; ist, dann m\u00fcsste er in Fortsetzung des zuvor genannten Arguments vom gewaltfreien Gott auch ein Gesandter der Gewaltfreiheit sein. Damit ergibt sich freilich das Problem der Interpretation des Lebens des Propheten Muhammad. In diesem Punkt treffen wir auf zwei unterschiedliche Interpretationsmuster.<br \/>\nWer dem Islam eine inh\u00e4rente aggressive und kriegerische Eigenschaft zuschreibt, beschreibt das Leben des Propheten als Feldherr, seine Niederlagen und Siege in den bewaffneten Auseinandersetzungen, oder erw\u00e4hnt beispielsweise, dass der Prophet einmal den Befehl gegeben h\u00e4tte, 600 Gegner zu t\u00f6ten. Dem k\u00f6nnte nun das pazifistische Auftreten des Jesus von Nazaret entgegengehalten werden, und siehe da, schon wird wieder die Fahne der \u00dcberlegenheit des Christlichen emporgehalten.<br \/>\nIst aber nicht auch eine vorsichtigere Interpretation des historischen Muhammad m\u00f6glich, in der die friedensliebende Seite des &#8222;Gesandten Gottes&#8220; entdeckt werden k\u00f6nnte? Das Anliegen des Propheten war nicht der Kampf, sondern die Hinf\u00fchrung der Menschen zu Gott und einem gottesf\u00fcrchtigen Leben. Hier schlie\u00dft sich der Kreis zum erstgenannten Argument. Bekannt ist aus der Fr\u00fchgeschichte des Propheten seine F\u00e4higkeit, bei Streitigkeiten zu schlichten. Zu den gewaltsamen Auseinandersetzungen kam es erst aufgrund der Verfolgungssituation des Propheten und seiner Gemeinde. Immer wieder versuchte der Prophet Frieden zu stiften und sich mit den Mekkanern zu vers\u00f6hnen. Als Muhammad mit einem gro\u00dfen Heer um 630 nach Mekka zog, fiel die Stadt letztlich ohne Schwertstreich. Der Prophet Muhammad bot den Mekkanern sofort Vers\u00f6hnung an und verzichtete auf die Besitzt\u00fcmer, die sie zuvor weggenommen hatten. In den 10 Kriegsjahren hatten die Nicht-Muslime nicht mehr als 250 Tote zu beklagen.&#8220;<br \/>\n<strong>Friedensbotschaften im Koran<\/strong><br \/>\nUm die aggressiven Absichten des Koran aufzudecken, wird zumeist mit dem so genannten &#8222;Schwertvers&#8220;, der Sure 9, argumentiert, die den Kampf gegen die Feinde vorschreibt. Solche und \u00e4hnliche Stellen werden zum &#8222;Totschlagargument&#8220;, wenn sie einseitig aus dem Zusammenhang gerissen und f\u00fcr allgemeing\u00fcltig betrachtet werden, ohne sie einer Korrektur durch die friedlichen Stellen zu unterziehen und ohne die geschichtlichen Umst\u00e4nde sowie die dahinter stehenden Anliegen ins Kalk\u00fcl zu nehmen. Tats\u00e4chlich muss der der Koran als Chronik der Ereignisse in Arabien w\u00e4hrend der islamischen Religionsstiftung gelesen werden. Wegen dieser wechselvollen Zeit kann man vom Koran kein konsistentes Konzept zur Bestimmung von Frieden und Krieg erhalten. Historisch gesehen ist es kein Widerspruch, dass es im Koran Verse gibt, die zum Frieden aufrufen, wie auch solche, die nach Krieg rufen. Der Koran ist in gewisser Hinsicht ein arabisches Geschichtsbuch der Jahre 610-632. Alle Koranpassagen, die aus der Zeit vor der Hidjra (622) stammen &#8211; also aus der Mekka-Epoche &#8211; enthalten keine Aufrufe oder Bestimmungen zum Krieg.<br \/>\nDer Koran enth\u00e4lt viele Stellen, die heute als friedliche Gespr\u00e4chsstrategie tituliert werden k\u00f6nnten. Es hei\u00dft beispielsweise: &#8222;Ruf zum Weg deines Herrn mit Weisheit und sch\u00f6ner Ermahnung, und streite mit ihnen auf die beste Art.&#8220; (16,125) &#8222;Es ist nicht deine Aufgabe, sie rechtzuleiten, sondern Gott leitet recht, wen Er will.&#8220; (2,272) &#8222;Und wenn du diejenigen siehst, die auf unsere Zeichen (spottend) eingehen, dann wende dich von ihnen ab, bis sie auf ein anderes Gespr\u00e4ch eingehen.&#8220; (6,68) &#8222;&#8230; Gott wei\u00df besser, was ihr tut. Gott wird am Tag der Auferstehung zwischen euch \u00fcber das urteilen, wor\u00fcber ihr uneins wart.&#8220; (22,67-69) F\u00fcr das Verhalten der muslimischen Gemeinschaft bedeutet dies, dass sie den so genannten &#8222;Ungl\u00e4ubigen&#8220; mit Milde entgegenkommen sollten und nicht als gnadenlose Richter. Der Gewaltaus\u00fcbung werden im Koran klare Vorschriften und enge Grenzen gesetzt. Sie haben das Ziel, nicht Gewalt zu legitimieren, sondern Gerechtigkeit und Frieden durch eine Eind\u00e4mmung von Gewalt zu erreichen. Zwei Beispiele m\u00f6gen an dieser Stelle gen\u00fcgen: &#8222;Wenn jemand einen t\u00f6tet, &#8230; so ist es, als h\u00e4tte er alle Menschen get\u00f6tet. Und wenn ihn jemand am Leben erh\u00e4lt, so ist es, als h\u00e4tte er alle Menschen am Leben erhalten.&#8220; (5,31) &#8222;&#8230;wenn die Gegner sich dem Frieden zuneigen, dann neige auch du dich ihm zu und vertrau auf Gott. Er ist der, der alles h\u00f6rt und wei\u00df: Und wenn sie dich betr\u00fcgen wollen, dann gen\u00fcgt dir Gott.&#8220; (8,61.62)<br \/>\n<strong>Islamische Friedenstheorie<\/strong><br \/>\nEine islamische Friedenstheorie beginnt schon mit der Achtsamkeit in der Sprache. Djihad bedeutet demnach nicht &#8222;Krieg&#8220;, sondern &#8222;Anstrengung&#8220;. Nicht von ungef\u00e4hr gibt es im Arabischen ein anderes Wort f\u00fcr Krieg (Harb) einerseits und bewaffnete Auseinandersetzung (Qital anderersits. Djihad muss deswegen als die &#8222;Heilige Anstrengung&#8220; bezeichnet werden und kann als Eintreten f\u00fcr die Sache Gottes gewertet werden, sprich: f\u00fcr Frieden und Gerechtigkeit.<br \/>\n<strong>\u201eHeilige Anstrengung\u201c f\u00fcr Frieden und Gerechtigkeit als Antwort<\/strong><br \/>\nDie wirklichen Ursachen f\u00fcr Terror und Gewalt liegen nicht in der Religion. Es sind die neuen Spaltungen in diesem Europa und in der Welt, die zum N\u00e4hrboden f\u00fcr Gewalt werden. Es ist ein Komplex von \u00f6konomischen und politischen Faktoren der Verarmung in den Banlieues von Paris oder der Hoffnungslosigkeit von Hunderttausenden angesichts von Arbeitslosigkeit und Armut in den Maghrebstaaten. Es sind die mangelnden Inklusionsm\u00f6glichkeiten, die zu Parallelwelten f\u00fchren. Wenn diese Faktoren gesehen werden, dann aber wird a) nicht mehr DER Islam zum S\u00fcndenbock f\u00fcr Gewalt gemacht und b) werden nicht die falschen Ma\u00dfnahmen ergriffen. Fragw\u00fcrdig ist es n\u00e4mlich, wenn die Innen- und Verteidigungsministerien der EU-Staaten eine gro\u00dfangelegte innere Aufr\u00fcstung fortf\u00fchren. W\u00fcrden die Millionen in sozialpolitische Programme und Inklusionsprogramme gesteckt, w\u00e4re dem Frieden und der Sicherheit um so viel mehr gedient! Falsch sind die neuen Z\u00e4une und Mauern, mit denen sich europ\u00e4ische L\u00e4nder \u2013 und nun auch \u00d6sterreich \u2013 gegen die Not in dieser Welt abschotten. Wer Z\u00e4une baut, spaltet dieses Europa. Wer die Anschl\u00e4ge von Paris nun in Verbindung bringt mit der Fl\u00fcchtlingskrise, verurteilt gerade jene, die zu Abertausenden auch vor dem islamistischen Terror in ihren Heimatl\u00e4ndern geflohen sind.<br \/>\nKlaus Heidegger, 15.11.2015<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eImagine\u201c spielte der Stra\u00dfenmusiker Davide Martello auf seinem Fl\u00fcgel direkt vor dem Konzerthaus Bataclan, in dem tags zuvor 100 Menschen kaltbl\u00fctig ermordet worden sind. \u201eImagine no religion \u2026\u201c ist ein Teil dieses Songs von John Lennon. Und viele f\u00fchlen sich nun wieder best\u00e4tigt. 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