{"id":2265,"date":"2016-05-12T14:16:31","date_gmt":"2016-05-12T14:16:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2265"},"modified":"2022-08-22T07:40:01","modified_gmt":"2022-08-22T07:40:01","slug":"militaermusik-und-die-frage-des-krieges-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2265","title":{"rendered":"Milit\u00e4rmusik und die Frage des Krieges"},"content":{"rendered":"<p>Erst vor einem Jahr wurden gegen den Widerstand von Teilen des Milit\u00e4rs Einsparungen und Umstrukturierungen f\u00fcr die Institution Milit\u00e4rmusik unter Ex-Verteidigungsminister Gerald Klug beschlossen. Die Milit\u00e4rmusik sollte um Zweidrittel der bestehenden Gr\u00f6\u00dfe reduziert werden.<\/p>\n<p>In vielen Bereichen gibt es seit dem Amtsantritt von Hans Peter Doskozil nun wieder eine Aufhebung der Pl\u00e4ne, das Milit\u00e4rische in unserer Gesellschaft einzuschr\u00e4nken. Dies passt zum aktuellen Beschluss, das Milit\u00e4rbudget \u00a0in den n\u00e4chsten Jahren um 1,3 Milliarden Euro zu erh\u00f6hen und geplante Schlie\u00dfungen von Kasernen nun doch nicht umzusetzen.\u00a0 Nun soll also die Neustrukturierung der Milit\u00e4rmusik r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden. Doskozil spricht von dem &#8222;gro\u00dfen kulturellen und gesellschaftlichen Wert&#8220; der Milit\u00e4rmusik. Geplante Einsparungen und K\u00fcrzungen sieht Doskozil als hinf\u00e4llig. Derzeit betragen die direkten Aufwendungen f\u00fcr die heimische Milit\u00e4rmusik 11 Millionen Euro, das sind 0,56 Prozent des Milit\u00e4rbudgets. Es ist kein unbetr\u00e4chtlicher Betrag, der sich f\u00fcr das Image und damit die Verankerung des Milit\u00e4rs in der Gesellschaft \u00a0jedoch lohnen d\u00fcrfte. Ich m\u00f6chte hier die zentrale Frage \u201ecui bono?\u201c \u2013 wem n\u00fctzen Musikkapellen in Heeresuniform \u2013 stellen.<\/p>\n<p>In der Geschichte hat die Milit\u00e4rmusik stets kriegerisches Geschehen unterst\u00fctzt. Das Gedenken an den Ersten Weltkrieg ist bereits wieder in den Hintergrund getreten. Hundertschaften von zwangsverpflichteten Soldaten zogen vor 100 Jahren in sinnlose Schlachten. Beim Abmarsch gingen ihnen Milit\u00e4rkapellen voraus. Gleichschrittmusik macht K\u00f6rper zu Gleichschrittmaschinen. Der Marsch wird zur musikalischen Kriegspropaganda. Die Aufgabe der Milit\u00e4rmusik war es immer schon, den \u201eguten Ton\u201c zum martialischen Get\u00f6se zu machen. Der Kampfeswille sollte gest\u00e4rkt werden. 1915 schrieb Kurt Tucholsky im Gedicht \u201eUnser Milit\u00e4r\u201c im letzten Vers: <em>\u201eAber noch \u00fcbert\u00f6nte den Jammer im Krieg: Milit\u00e4rmusik! Milit\u00e4rmusik!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auch heute ist der prim\u00e4re Zweck der Musiker in Tarnfarbe nicht, sch\u00f6ne Musik zu bieten, sondern Sympathietr\u00e4ger f\u00fcr das Heer zu sein. Es soll eine emotionale Br\u00fccke zwischen Bev\u00f6lkerung und Armee hergestellt werden. Der \u00f6sterreichische Spitzendiplomat der Nachkriegsjahre, Josef Sch\u00f6ner, schrieb in sein Tagebuch: \u201e\u00dcberhaupt finde ich, da\u00df trotz aller pazifistischen Vernunftargumente richtige Marschmusik etwas ist, das das Unterbewu\u00dftsein der Masse ganz direkt anr\u00fchrt und aufr\u00fcttelt, sie geht ohne den Umweg \u00fcber das Gehirn direkt an die Massenseele. Da kann die Vernunft noch so sch\u00f6ne Reden gegen den Militarismus halten \u2013 die Trompeten eines Milit\u00e4rmarsches r\u00fctteln die Herzen auf.\u201c Milit\u00e4rmusik verhindert auch Rekrutierungsprobleme. Ich k\u00f6nnte an dieser Stelle Dutzende meiner ehemaligen Sch\u00fcler aufz\u00e4hlen, die auf die Frage, warum sie zum Heer gingen, die Milit\u00e4rmusik nannten. Dies gab ihnen tats\u00e4chlich die M\u00f6glichkeit zu einer gediegenen musikalischen Weiterbildung.<\/p>\n<p>Sinn und Ziel der Milit\u00e4rmusik ist und bleibt, der milit\u00e4rischen Logik eine emotionale Basis zu geben und das milit\u00e4rische System zu st\u00e4rken. Ein Land mit mikrigem Entwicklungsbudget br\u00e4uchte jedoch andere T\u00f6ne: Es ginge nicht darum, in die milit\u00e4rischen Eskalationen \u00fcberall auf dieser Welt noch mehr auf Milit\u00e4r zu setzen, sondern auf eine Politik der Deeskalation, der friedlichen Konfliktl\u00f6sungsstrategien und, ja auch dies, der Entmilitarisierung. Daf\u00fcr steht eben eine Milit\u00e4rmusik nicht. In einer Welt voller Kriege fehlt es an Signalen gegen jede Form der Militarisierung. Daher w\u00e4re eine Abschaffung der Milit\u00e4rmusik ein kleiner Schritt in eine Welt des Friedens.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, <a href=\"mailto:klaus.heidegger@aon.at\">klaus.heidegger@aon.at<\/a> ,12. Mai 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst vor einem Jahr wurden gegen den Widerstand von Teilen des Milit\u00e4rs Einsparungen und Umstrukturierungen f\u00fcr die Institution Milit\u00e4rmusik unter Ex-Verteidigungsminister Gerald Klug beschlossen. Die Milit\u00e4rmusik sollte um Zweidrittel der bestehenden Gr\u00f6\u00dfe reduziert werden. 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