{"id":2312,"date":"2016-06-11T07:43:54","date_gmt":"2016-06-11T07:43:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2312"},"modified":"2022-08-22T07:40:01","modified_gmt":"2022-08-22T07:40:01","slug":"rueckenwind-fuer-das-militaer-gegenwind-fuer-den-pazifismus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2312","title":{"rendered":"R\u00fcckenwind f\u00fcr das Milit\u00e4r, Gegenwind f\u00fcr den Pazifismus"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">T\u00e4glich und rund um meinen Heimatort Absam k\u00f6nnen die Ver\u00e4nderungen wahrgenommen werden: Das heimische Milit\u00e4r ist angesichts der politischen Lage im Aufwind, oder, um es in die Sprache des Radsports zu bringen, der mir so lieb ist: Das Milit\u00e4rische hat kr\u00e4ftigen R\u00fcckenwind, w\u00e4hrend pazifistisches Denken und Handeln mit proportionalem Gegenwind zu rechnen hat. Die produzierten \u00c4ngste in der Bev\u00f6lkerung sind ein guter N\u00e4hrboden f\u00fcr den milit\u00e4rischen Paradigmenwechsel, der sich verst\u00e4rkt in der ersten H\u00e4lfte des Jahres 2016 abzeichnet. Vor allem die Fl\u00fcchtlingskrise wird f\u00fcr eine Legitimation milit\u00e4rischer Aufr\u00fcstungsbem\u00fchungen instrumentalisiert. Hinzu kommen die \u00c4ngste vor terroristischen Anschl\u00e4gen. Wenn das Milit\u00e4r innerstaatliche Aufgaben ganz selbstverst\u00e4ndlich wahrnimmt, wenn das Wort von &#8222;zivilmilit\u00e4rischen Mechanismen&#8220; so selbstverst\u00e4ndlich verwendet wird, dann scheint das Bewusstsein vom besonderen Charakter des Milit\u00e4rischen immer mehr zu schwinden. &#8222;Das Bundesheer gilt wieder was im Staate \u00d6sterreich&#8220;, schreibt der stellvertretende Chefredakteur in der Tiroler Tageszeitung vom 11. Juni 2016. Im Zusammenhang mit der Fu\u00dfball-EM bekommen die Massen gegenw\u00e4rtig einen weiteren Anschauungsunterricht \u00fcber die zur Normalit\u00e4t gewordene Pr\u00e4senz des Milit\u00e4rs in europ\u00e4ischen Gro\u00dfst\u00e4dten oder an den Grenzen Europas und zwischen den Grenzen Europas.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Exverteidigungsminister Gerald Klug und sein Sparprogramm f\u00fcr das Bundesheer sind Geschichte. <\/span><span style=\"font-family: Arial,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">In vielen Bereichen gibt es seit dem Amtsantritt von Hans Peter Doskozil eine Aufhebung der Pl\u00e4ne, das Milit\u00e4rische in unserer Gesellschaft einzuschr\u00e4nken. Erinnert sei an den Beschluss, das Milit\u00e4rbudget in den n\u00e4chsten Jahren um 1,3 Milliarden Euro zu erh\u00f6hen und geplante Schlie\u00dfungen von Kasernen nun doch nicht umzusetzen. <\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\">Verteidigungsminister Doskozil will die Kaderpr\u00e4senzst\u00e4rke bis zum Jahr 2020 beinahe verdreifachen: von derzeit 2200 auf 6000 Soldaten und Soldatinnen. Durch bessere Bezahlung sollen junge Menschen f\u00fcr einen Beruf beim Heer angeworben werden. F\u00fcr das Heer sind eine Reihe von Neuanschaffungen an Kriegsger\u00e4t geplant. Die Auftragsb\u00fccher f\u00fcr die R\u00fcstungsschmieden werden sich auch mit den W\u00fcnschen aus \u00d6sterreich f\u00fcllen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die bisherige 6. J\u00e4gerbrigade, die in meinem Heimatort Absam stationiert ist, wird sinntreffend in &#8222;Kommando Gebirsgkampf&#8220; umbenannt werden. In meiner unmittelbaren N\u00e4he wird am Kasernenstandort Vomp gefeiert. Der milit\u00e4rische Hubschrauberstandort wird erhalten bleiben. Die einfache Argumentation aus dem &#8222;Volk&#8220; lautet: Man brauche dort eben Hubschrauber und das Milit\u00e4r f\u00fcr Katastropheneins\u00e4tze. Diese Logik wird nicht hinterfragt: Milit\u00e4r bei Hochwasser, Milit\u00e4r bei Murenabg\u00e4ngen usw. Warum, so aber die einfache Gegenfrage, kann diese Aufgabe nicht auch von den zivilen Einsatzorganisationen \u00fcbernommen werden, die mit ebendiesem Geld, das f\u00fcr das Milit\u00e4rische aufgewendet wird, vielleicht ein Vielfaches erreichen k\u00f6nnten? Ein Hubschrauber braucht keine milit\u00e4rische Tarnfarbe und kein Bundesheerlogo, um im Katastrophenernstfall eingesetzt werden zu k\u00f6nnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_GoBack\"><\/a><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Mein analoger Blick geht zu den \u00e4u\u00dferen Bergen der Wattener Lizum. In den letzten Tagen war dieses Gebiet, das in Vorkriegszeiten zum Truppen\u00fcbungsplatz umfunktioniert wurde und seither dem Milit\u00e4r als \u00dcbungsgebiet dient, wieder Schauplatz gro\u00dfangelegter milit\u00e4rischer \u00dcbungen unter dem \u00dcbungsnahmen Capricorn 2016. Ge\u00fcbt wurde f\u00fcr den \u201eErnstfall\u201c. Man scheut das Wort \u201eKriegs\u00fcbung\u201c und kaschiert es mit dem harmloseren Begriff \u201eErnstfall\u201c. Ernstfall meint aber immer Kriegseinsatz. Wenn innerhalb der EU solche Eins\u00e4tze gemacht werden, dann im Verbund mit anderen Staaten. Die \u00f6sterreichischen Soldaten konnten daher auch diesmal wieder gemeinsam mit Soldaten aus den NATO-L\u00e4ndern Deutschland, Polen und Deutschland \u201e\u00fcben\u201c. 1224 waren es insgesamt. Im Ernstfall \u2013 im Krieg \u2013 wird gemeinsam gek\u00e4mpft werden. Im Hintergrund stehen die l\u00e4ngst beschlossenen EU-Battlegroups. Im Dauergespr\u00e4ch sind die gemeinsamen Eins\u00e4tze zum Schutz der EU-Au\u00dfengrenze. Neutralit\u00e4t \u2013 als Verbot fremde Truppen auf heimischem Territorium zu haben und als Ausschluss von jedweder Kriegsbeteiligung \u2013 sie wird in diesen Junitagen am T\u00dcPL Wattener Lizum zur Bedeutungslosigkeit. Knapp sieben Tonnen Munition und Sprengmittel sollen in der Wattener Lizum bei dieser \u00dcbung verbraucht worden sein, 200 Armeefahrzeuge und etliche Hubschrauber waren im Einsatz. Un\u00fcberh\u00f6rbar waren in den letzten Tagen die Blackhawks. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die gr\u00f6\u00dfte heimische Zeitung verzichtet auf jede Kritik an diesem Spektakel und berichtet euphorisch \u00fcber Capricorn 16. Schlie\u00dflich hat die TT ja auch ein Partnerschaftsabkommen mit dem Milit\u00e4r. Eine Stimme der Kritik wird nicht h\u00f6rbar. Was w\u00e4re, wenn nur ein Teil der hier verwendeten finanziellen Ressourcen f\u00fcr Friedensarbeit umgelenkt werden w\u00fcrde? Was w\u00e4re, wenn die tats\u00e4chlichen und vorrangigen Bedrohungen angepackt w\u00fcrden, wie beispielsweise der Klimawandel? Was w\u00e4re, wenn \u00d6sterreich endlich seine Neutralit\u00e4t ernst nehmen w\u00fcrde, nicht mehr Eink\u00e4ufer von Kriegsmaterialien w\u00e4re und damit nicht mehr die Waffenproduktionsst\u00e4tten unterst\u00fctzen w\u00fcrde? Was w\u00e4re, wenn nicht mehr f\u00fcr den Krieg, sondern f\u00fcr den Frieden ge\u00fcbt w\u00fcrde? Letztere Frage stellte bereits ein Prophet des Alten Bundes vor 2500 Jahren \u2013 und sie bleibt weiterhin g\u00fcltig.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Klaus Heidegger, <a href=\"mailto:klaus.heidegger@aon.at\">klaus.heidegger@aon.at<\/a> ,11. Juni 2016<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 T\u00e4glich und rund um meinen Heimatort Absam k\u00f6nnen die Ver\u00e4nderungen wahrgenommen werden: Das heimische Milit\u00e4r ist angesichts der politischen Lage im Aufwind, oder, um es in die Sprache des Radsports zu bringen, der mir so lieb ist: Das Milit\u00e4rische hat kr\u00e4ftigen R\u00fcckenwind, w\u00e4hrend pazifistisches Denken und Handeln mit proportionalem Gegenwind zu rechnen hat. 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