{"id":2448,"date":"2016-10-23T19:51:25","date_gmt":"2016-10-23T19:51:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2448"},"modified":"2026-02-02T13:37:17","modified_gmt":"2026-02-02T13:37:17","slug":"du-wirst-den-namen-gottes-nicht-missbrauchen-oder-der-missbrauch-der-religion-fuer-den-stimmenfang","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2448","title":{"rendered":"\u201eDu wirst den Namen Gottes nicht missbrauchen\u2026\u201c oder: der Missbrauch der Religion f\u00fcr den Stimmenfang"},"content":{"rendered":"<p>Was die Ben\u00fctzung zentraler christlicher Werte und Signalw\u00f6rter f\u00fcr Wahlkampfzwecke anlangt, ist die FP\u00d6 in den letzten Jahren zur Wiederholungst\u00e4terin geworden. Der Schriftzug \u201eso wahr mir Gott helfe\u2026\u201c auf den j\u00fcngsten Plakaten von Norbert Hofer f\u00fcr die Bundespr\u00e4sidentschaftswahlen ist eine Fortsetzung vom Nationalratswahlkampf 2013 mit dem \u201eN\u00e4chstenliebe\u201c-Narrativ und von den vielen Plakaten und Slogans vom christlichen Abendland, das es vor allem gegen\u00fcber dem Islam zu sch\u00fctzen gelte. Unvergesslich eingepr\u00e4gt hat sich das Bild von HC Strache, der bei einer Rede zum Wiener Landtagswahlkampf mit einem Kreuz fuchtelte, als w\u00e4re er eine Inkarnation eines mittelalterlichen Kreuzritters.<\/p>\n<p>Wenn die FP\u00d6 schon mit einem offensiv plakatierten christlichen Anspruch um W\u00e4hlerstimmen wirbt, so muss sie auch an diesem Ma\u00dfstab gemessen werden. \u00a0In der Bergpredigt bei Matth\u00e4us (7,20f) spricht Jesus davon, dass nicht die gro\u00dfen Worte z\u00e4hlen, sondern \u201ean den Fr\u00fcchten\u201c werden wir erkennen, wie sehr jemand den \u201eWillen Gottes\u201c wirklich erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Repr\u00e4sentanten und Organisationen der r\u00f6misch-katholischen und evangelischen Kirche in \u00d6sterreich haben in den letzten Jahren unmissverst\u00e4ndlich klargemacht, was es bedeutet, die christlichen Werte im politischen Alltag umzusetzen.<\/p>\n<p>Erstens: Es w\u00fcrde bedeuten, wie Jesus auf die Schw\u00e4chsten und die Hilflosen zuzugehen. Daher engagieren sich die Kirchen und Abertausende Christen und Christinnen in diesem Land f\u00fcr Asylsuchende und Fl\u00fcchtlinge, eben f\u00fcr Menschen, die von Norbert Hofer gleich zu Beginn seines Wahlkampfauftakts mit dem Begriff \u201eInvasoren\u201c in Verbindung gebracht worden sind. Keine Partei tritt vehementer f\u00fcr die Abschiebung von Fl\u00fcchtlingen und f\u00fcr eine rigorose Abd\u00e4mmungspolitik ein als die FP\u00d6 mit ihrem Vizebundesparteiobmann Hofer. Der biblische Gott offenbart sich in den Fl\u00fcchtlingsgeschichten, von Abraham \u00fcber Josef und das Volk Israel in \u00c4gypten, zu Ruth und Noomi, den Exilszeiten bis zur Jesusgeschichte.<\/p>\n<p>\u201eEs ist Heuchelei, wenn man sich als Christ bezeichnet und gegen Menschen ist, die bei uns Zuflucht suchen\u201c, hatte Papst Franziskus auf die Frage eines M\u00e4dchens aus Halle an der Saale geantwortet, das die Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland angesprochen hatte.<\/p>\n<p>Was es bedeuten k\u00f6nnte, christliche Werte wirklich zu leben, hat uns Angela Merkel in den letzten Monaten eindrucksvoll demonstriert. Mit dem ausdr\u00fccklichen Verweis auf das C in ihrer Partei l\u00e4sst sie sich von ihrer \u201ewir-schaffen-das-Fl\u00fcchtlingspolitik\u201c nicht abbringen.<\/p>\n<p>Zweitens: Aus theologischem Blickwinkel ist es nicht m\u00f6glich, sich auf Gott zu berufen und zugleich permanent mit der Angst vor dem Islam zu spielen. Der Gott, an den wir Christen glauben, ist der Gott von Abraham und Sarah und Hagar, Isaaks und Ismaels, es ist Jahwe, Gott und Allah, an den Juden, Christen wie Muslime glauben, ein Glaube letztlich, der uns verbindet.<\/p>\n<p>Wenn Norbert Hofer heute behauptet, er h\u00e4tte wegen der Frage der Frauenordination die Mitgliedschaft in der katholischen Kirche beendet und sei deswegen in die evangelische Kirche gewechselt, so entspricht dies wohl nicht den Tatsachen. Sein Austritt erfolgte 2009, als sich vornehmlich Professoren und Professorinnen der katholischen Fakult\u00e4ten in \u00d6sterreich in einem offenen Brief gegen die fremdenfeindliche Politik gestellt hatten. Daraufhin rezitierte Norbert Hofer die ganze Polemik gegen die katholische Kirche, angefangen von der Inquisition und den Kreuzz\u00fcgen bis zu den Missbrauchsskandalen, und antwortete mit einem Kirchenaustritt.<\/p>\n<p>Vertreter der evangelischen Kirche distanzieren sich heute jedoch von der Wahlkampfstrategie von Hofer, Strache und Kickl. Sowohl der Bischof der Evangelischen Kirche in \u00d6sterreich, Michael B\u00fcnker, also auch der Superintendent von Tirol und Salzburg, Olivier Dantine, kritisierten offen die Vereinnahmung Gottes auf den Hofer-Wahlplakaten.<\/p>\n<p>Wie sollen wir mit der bewusst kalkulierten Vereinnahmung des christlichen Glaubens durch Hofer und sein Wahlkampfteam also umgehen? Falsch w\u00e4re es vorschnell zu postulieren, Religion und Politik m\u00fcssten klar voneinander getrennt werden, so als h\u00e4tte das eine nichts mit dem anderen zu tun. Ich habe auf Merkel verwiesen, die auch aus christlicher Motivation handelt, aber in der Fl\u00fcchtlingsfrage zu ganz anderen Optionen findet als etwa ihr CSU-Pendant aus M\u00fcnchen. Mit anderen Worten. Wenn eine Politik mit aufgekl\u00e4rtem Blick sich der christlichen Werte besinnt und nicht nur wahlkampfstrategisch einen Glaubensbezug konstruiert, dann steht es weder im Widerspruch zur Trennung von Staat und Kirche und einer freien Religionsaus\u00fcbung in einem freien Staat, noch verstauben die Glaubensinhalte unfruchtbar in Sakristeien, leerer werdenden Kirchen und theologischen Zirkeln. Glaube und Religion zielen immer auch auf Gestaltung dieser Welt ab. Das Reich Gottes, das Jesus und seine Bewegung im Blick hatten, ist keine Vertr\u00f6stung auf das Jenseits, sondern will Wirklichkeit werden im Hier und im Jetzt. Der Religionsmissbrauch, von dem heute mit Blick auf \u201eso wahr mir Gott helfe\u201c auf den Hofer-Plakaten geschrieben wird, liegt also in der Tiefe darin, welche Politik damit verkn\u00fcpft wird. Im gro\u00dfen Stil geschieht das beim russischen Pr\u00e4sidenten Putin, der die orthodoxe Kirche als Schutzmantel f\u00fcr seine Herrschaftspolitik ben\u00fctzt, oder beim wahlk\u00e4mpfenden Donald Trump, der sich immer wieder strategisch als gl\u00e4ubigen und k\u00e4mpferischen Christen mit der Bibel in der Hand inszeniert. Papst Franziskus hat ihm bei seinem USA-Besuch in Fr\u00fchjahr 2016 mitgeteilt, wer eine solche Mauer gegen die Armutsfl\u00fcchtlinge aus den USA baue, wie sie gegenw\u00e4rtig zwischen den USA und Mexiko entsteht, k\u00f6nne sich nicht als Christ bezeichnen.<\/p>\n<p>Hoffnungsvoll stimmt mich das Datum der Bundespr\u00e4sidentschaftswahlen. Christen denken am 4. Dezember an die Heilige Barbara. Barbara hei\u00dft auf Deutsch: \u201edie Fremde\u201c. Mit ihr werden an diesem Tag die Fremden in unserem Land zu Heiligen.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 23.10.2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was die Ben\u00fctzung zentraler christlicher Werte und Signalw\u00f6rter f\u00fcr Wahlkampfzwecke anlangt, ist die FP\u00d6 in den letzten Jahren zur Wiederholungst\u00e4terin geworden. Der Schriftzug \u201eso wahr mir Gott helfe\u2026\u201c auf den j\u00fcngsten Plakaten von Norbert Hofer f\u00fcr die Bundespr\u00e4sidentschaftswahlen ist eine Fortsetzung vom Nationalratswahlkampf 2013 mit dem \u201eN\u00e4chstenliebe\u201c-Narrativ und von den vielen Plakaten und Slogans vom&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[183],"tags":[230,274,273],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2448"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2448"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2448\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11953,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2448\/revisions\/11953"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2448"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2448"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2448"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}