{"id":2621,"date":"2017-01-07T20:34:26","date_gmt":"2017-01-07T20:34:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2621"},"modified":"2026-02-02T13:48:43","modified_gmt":"2026-02-02T13:48:43","slug":"kopftuchverbot-fuer-lehrerinnen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2621","title":{"rendered":"Kopftuchverbot f\u00fcr Lehrerinnen?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kopftuchverbot f\u00fcr Lehrerinnen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Grundfragen werden gestellt und wollen immer neu beantwortet werden<\/strong><\/p>\n<p>Seit ich in der Schule unterrichte, seit nun 20 Jahren, entsteht in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden die Diskussion \u00fcber das Kopftuch, das von Lehrerinnen oder Sch\u00fclerinnen in Schulen getragen werden darf oder nicht. Solche Debatten sind\u00a0 f\u00fcr viele bereits nervend, weil immer wieder die gleichen Argumentationsmuster bedient werden und alles eigentlich schon geschrieben und gesagt worden ist.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> F\u00fcr mich als Lehrer, der jedes Jahr neue Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler hat, bleibt diese Auseinandersetzung aber wichtig, weil damit politische, gesellschaftliche und religi\u00f6se Grundfragen kompetenzorientiert gelernt werden k\u00f6nnen. Wie steht es mit Religionsfreiheit? Was bedeutet Religionsfreiheit und wo sind ihre Grenzen zu sehen? Welche Stellung darf Religion in \u00f6ffentlichen R\u00e4umen wie der Schule haben? F\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern muss ich Auskunftsperson sein zu Fragen wie: Was sagt der Islam wirklich zum Kopftuch? Wird es im Koran vorgeschrieben? Stimmt es wirklich, dass mit dem Kopftuch automatisch eine Herabw\u00fcrdigung der Frauen verbunden sei? Ist das Kopftuch von Musliminnen vor allem ein Zeichen f\u00fcr den islamischen Fundamentalismus? Obwohl also kein Kopftuchexperte, obwohl nicht Frau und nicht Muslim, bin ich trotzdem zur Stellungnahme herausgefordert, wobei es mir vor allem wichtig ist hinzuh\u00f6ren, was Musliminnen zu dieser Thematik sagen. F\u00fcr den Unterricht in der Schule und die Diskussionen dazu dient vor allem dieses Papier.<\/p>\n<p><strong>Ausl\u00f6ser f\u00fcr neue Kopftuchdiskussion zu Beginn des Jahres 2017<\/strong><\/p>\n<p>Im Sommer 2016 gab es europaweit die Diskussion \u00fcber ein Burka- oder Niqabverbot. Dies wurde in einigen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern beschlossen. Frankreich erlie\u00df an manchen Str\u00e4nden dar\u00fcber hinaus ein Burkini-Verbot. Es war nur eine Frage der Zeit, bis diese Frage nun auch f\u00fcr das Kopftuch thematisiert werden w\u00fcrde. Im Herbst 2016 tauchte dann aufgrund eines Vorschlags von Bildungsministerin Sonja Hammerschmid zur Schulautonomie die Frage auf, ob das Kreuz in den Klassenzimmern ein Widerspruch zur religi\u00f6sen Neutralit\u00e4t der Schulen sein w\u00fcrde.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Der Ausl\u00f6ser f\u00fcr die neue Kopftuchdiskussion in \u00d6sterreich war ein Papier des Regierungsberaters Heinz Fa\u00dfmann zum geplanten Integrationsgesetz, das in den n\u00e4chsten Monaten beschlossen werden soll. Er schlug vor, das Kopftuchverbot im \u00d6ffentlichen Dienst in das Integrationsgesetz aufzunehmen. Darauf meinte der zust\u00e4ndige Integrationsminister Sebastian Kurz, dass er sich ein solches Verbot f\u00fcr den Schulbereich vorstellen k\u00f6nne.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Nur Lehrerinnen im bekenntnisorientierten Religionsunterricht sollen, so Sebastian Kurz, von einem solchen Verbot ausgenommen werden. Die Argumentation von Kurz f\u00fcr ein Kopftuchverbot in der Schule lautete: \u201eWeil es dort um Vorbildwirkung f\u00fcr junge Menschen geht. \u00d6sterreich ist zwar ein religionsfreundlicher, aber ein s\u00e4kularer Staat.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Mit diesem Sager entlarvte sich der Integrationsminister selbst. Hei\u00dft dies, dass Frauen mit Kopftuch keine Vorbildwirkung f\u00fcr junge Menschen haben k\u00f6nnten? Eine solche Haltung, und hier ist der Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in \u00d6sterreich (IGG\u00d6), Carla Amina Baghajati zuzustimmen, ist \u201eanti-integrativ\u201c und \u201ediskriminierend\u201c.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Innerhalb der \u00d6VP bekam Sebastian Kurz sofort breite Unterst\u00fctzung bedeutsamer Parteikollegen. Der steirische Landeshauptmann Hermann Sch\u00fctzenh\u00f6fer leistete mit den Worten Sch\u00fctzenhilfe: \u201eWir m\u00fcssen unsere Werte wie Freiheit, Demokratie und auch Gleichberechtigung verteidigen.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Wiens \u00d6VP-Chef Gernot Bl\u00fcmel streute Blumen f\u00fcr den Vorschlag des Au\u00dfenministers. Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner pl\u00e4dierte ebenfalls f\u00fcr ein Verbot. Justizminister Wolfgang Brandstetter erg\u00e4nzte f\u00fcr seinen Bereich und will Kleidung, die auf Religion schlie\u00dfen l\u00e4sst, in der Justiz verbieten.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Auf den Einwand, dass man ja Kreuze in Schulen oder auch im Gerichtssaal nicht verbieten w\u00fcrde, meinte der Justizminister: \u201eIn der christlichen Kultur ist man Kreuze gew\u00f6hnt. Deshalb hat ein Kreuz in einem Verhandlungssaal bei uns keinen Auff\u00e4lligkeitswert \u2013 im Gegensatz zu Kopftuch oder Kippa bei Amstr\u00e4gern. Das darf man nicht vermengen.\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Gegen ein solches Verbot sprach sich die Islamische Glaubensgemeinschaft aus. Dies sei ein v\u00f6llig falsches \u201eanti-integratives\u201c und \u201ediskriminierendes Signal\u201c. SP\u00d6-Staatssekret\u00e4rin Muna Duzdar bremste ihre Regierungskollegen ein und verlangte vor allem, dass man sich nicht eine einzelne Religion, in diesem Fall den Islam, herauspicken d\u00fcrfe.<\/p>\n<p>In den Monaten zuvor hatten sich bereits zahlreiche Repr\u00e4sentanten aller kirchlichen Gemeinschaften und Organisationen gegen ein Kopftuchverbot ausgesprochen. Erinnert sei beispielsweise auch an die klaren Worte von Papst Franziskus. Im Mai 2016 hatte er sich im Interview mit der franz\u00f6sischen Tageszeitung \u201eLa Croix\u201c gegen ein Kopftuchverbot ausgesprochen. Er kritisierte \u201e\u00fcbertriebene Laizit\u00e4t\u201c und warnte auch davor, nur die christlichen Wurzeln Europas zu betonen. \u201eWenn eine muslimische Frau ein Kopftuch tragen will, muss sie das tun k\u00f6nnen, ebenso wie ein Katholik, der ein Kreuz tragen will\u201c, sagte der Papst. Jeder m\u00fcsse die Freiheit haben, seinen Glauben zum Ausdruck bringen zu k\u00f6nnen, meinte er mit Blick auf das Kopftuchverbot in Frankreich. Dies m\u00fcsse auch im kulturellen Zentrum erlaubt sein und nicht nur am Rand der Gesellschaft. Mit dem Kopftuch w\u00fcrde auch deutlich, dass Europa nicht nur eine christliche Wurzel habe. Es gebe viele Wurzeln.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p><strong>Verschleierte Politik gegen den Islam<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Sebastian Kurz auf der einen Seite am Kreuz in den Klassenzimmern festh\u00e4lt und andererseits das Kopftuch f\u00fcr Lehrerinnen verbieten m\u00f6chte, dann liegt die Vermutung nicht fern, dass hier zumindest mit zwei Ma\u00dfst\u00e4ben gemessen wird. Dies meint jedenfalls auch Moritz Moser in einem Kommentar in der Neuen Z\u00fcrcher Zeitung.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Hierzulande ist die Forderung nach einem Kopftuchverbot meist von islamfeindlichen Kr\u00e4ften erhoben worden und z\u00e4hlte zu den Standardforderungen der FP\u00d6. Man tritt mit liberalem Pathos f\u00fcr die Rechte der Frauen ein und f\u00fcr eine weltanschauliche Neutralit\u00e4t der Schulen ein, will aber eigentlich den Islam damit treffen.<\/p>\n<p>Frankreich als Musterland einer eng verstandenen S\u00e4kularit\u00e4t und Laizit\u00e4t verbietet jegliche religi\u00f6se Symbolik im Bereich der Schule \u2013 egal ob Kreuz oder Kopftuch. Eine religionsfreundliche S\u00e4kularit\u00e4t ist dies aber nicht.<\/p>\n<p><strong>Laizistische Engf\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Der Dekan der theologischen Fakult\u00e4t Innsbruck, Wolfgang Palaver, sprach sich in einem Facebook-Eintrag deutlich gegen ein Verbot aus. Er meinte: \u201eNur ein laizistisch verengtes Verst\u00e4ndnis des s\u00e4kularen Staates w\u00fcrde eine solche Position rechtfertigen. Die Religionsfreiheit verbietet n\u00e4mlich einen Zwang zur Assimilation und zielt auf eine Integration, die ein \u201aLebenk\u00f6nnen aus den eigenen Wurzeln\u2018 voraussetzt. Ernst-Wolfgang B\u00f6ckenf\u00f6rde, der deutsche Verfassungsrechtler, hat deshalb schon 2004 in einem Brief an den damaligen Kardinal Joseph Ratzinger gegen ein Kopftuchverbot Stellung genommen. Mit guten Argumenten pl\u00e4dierte B\u00f6ckenf\u00f6rde f\u00fcr eine \u00fcbergreifende offene Neutralit\u00e4t des Staates. Das f\u00fcr \u00d6sterreich vorgeschlagene Kopftuchverbot w\u00e4re hingegen ein Schritt in eine laizistische Sackgasse.\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>All jene, die nun nach einem Kopftuchverbot im Namen der Trennung von Kirche und Staat rufen, sind Fahnentr\u00e4ger des S\u00e4kularismus, der im Laufe der letzten Jahrhunderte \u2013 vor allem mit Beginn der s\u00e4kularistischen Interpretation von Aufkl\u00e4rung \u2013 viel Gewalt und Zerst\u00f6rung mit sich brachte und das grundlegende Recht auf Religions- und Meinungsfreiheit angriff.<\/p>\n<p><strong>Ein Kopftuchverbot ist gegen die Religionsfreiheit<\/strong><\/p>\n<p>Wer heute \u2013 wie Au\u00dfen- und Integrationsminister Sebastian Kurz \u2013 ein Kopftuchverbot f\u00fcr Lehrerinnen fordert, bedient jene Argumentationsmuster, die auch ein Kreuzverbot in den Schulklassen nahelegen. Tats\u00e4chlich ist dieser Zusammhang nun mit der Kopftuchdebatte immer wieder genannt worden. Wenn schon ein Kopftuchverbot, dann m\u00fcsse auch das Kreuz in den Klassenzimmern zur Disposition stehen.<\/p>\n<p>Der Umgang mit religi\u00f6sen Symbolen bedarf h\u00f6chster Sensibilit\u00e4t. Bilderst\u00fcrmerei rei\u00dft nicht nur L\u00f6cher in die W\u00e4nde, sondern auch in die Seelen von Menschen, f\u00fchrt zu Spiralen feindschaftlicher Auseinandersetzungen, zu Trennungen und Unterstellungen. Noch bevor gefragt wird, was denn das Kopftuch f\u00fcr deren Tr\u00e4gerinnen bedeutet oder welche Hintergr\u00fcnde ein Kreuz in den Klassenzimmern hat, verlangen Gruppierungen mit einem aufgekl\u00e4rten Pathos, dass ein Kopftuchverbot erlassen und die Kreuze aus den Schulklassen entfernt werden.<\/p>\n<p>Religionsfreiheit ist von ihrer Bestimmung her zun\u00e4chst nicht negativ gemeint als Freiheit von Religion, sondern als Freiheit zur Religionsaus\u00fcbung. In diesen Tagen, in denen in etlichen L\u00e4ndern Millionen Christen und Christinnen verfolgt oder in ihrer Religionsaus\u00fcbung gehindert werden, ist es so wichtig, die Freiheit der Religionsaus\u00fcbung auch hierzulande als \u201eheilig\u201c zu betrachten.<\/p>\n<p>Wenn es verboten w\u00fcrde, im \u00d6ffentlichen Dienst religi\u00f6se Symbole zu tragen, dann w\u00e4re das eine Verletzung der Religions- und Meinungsfreiheit. Wenn dies nur das Symbol des Kopftuchs betreffen w\u00fcrde, dann w\u00e4re es jedenfalls eine Diskriminierung von gl\u00e4ubigen Musliminnen. F\u00fcr die Menschenrechtsorganisation SOS-Mitmensch w\u00e4re es \u201ereligi\u00f6se Ungleichbehandlung\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>In Deutschland hatte das Bundesverfassungsgericht bereits im M\u00e4rz 2015 entschieden, dass ein generelles Kopftuchverbot an \u00f6ffentlichen Schulen, wie es unter anderem in Nordrhein-Westfalen gilt, gegen die Religionsfreiheit versto\u00dfe.<\/p>\n<p><strong>Ein Kopftuchverbot ist diskriminierend und anti-integrativ<\/strong><\/p>\n<p>Die Frauenreferentin der IGG\u00d6 weist auf die Doppelmoral hin: &#8222;Wenn Frauen mit Kopftuch putzen gehen, ist das okay. Aber sobald eine Muslimin h\u00f6her qualifiziert und an ihrem Arbeitsplatz sichtbar ist, ist es ein Problem.&#8220; Gerade Bedienstete des \u00d6ffentlichen Dienstes h\u00e4tten &#8222;eine positive Grundeinstellung zum Staat nicht nur verinnerlicht&#8220;, sondern seien &#8222;Multiplikatorinnen der Rechtsstaatlichkeit und Loyalit\u00e4t zu \u00d6sterreich&#8220;. Ihnen diese Eignung abzusprechen, sei &#8222;ein Signal in die v\u00f6llig falsche Richtung&#8220;.<\/p>\n<p>Das Diskriminierungsverbot am Arbeitsplatz untersagt Arbeitgebern seit 2004, einer Bewerberin aufgrund ihres Kopftuchs abzulehnen.<\/p>\n<p>Wer ein Kopftuch einfordert, bedient zun\u00e4chst die g\u00e4ngigen Vorurteile: Ein Kopftuch w\u00e4re prinzipiell ein Symbol islamischer Frauenfeindlichkeit, das von fundamentalistischer Seite propagiert wird.<\/p>\n<p><strong>Die religi\u00f6se Bedeutung des Kopftuchs<\/strong><\/p>\n<p>Als Christ und Mann ma\u00dfe ich mir nicht an, \u00fcber die religi\u00f6se Bedeutung des Kopftuchs selbst ein Urteil zu treffen. Fakt ist jedenfalls, dass f\u00fcr viele muslimische Frauen das Kopftuch eine gro\u00dfe Bedeutung hat, w\u00e4hrend beispielsweise die Aleviten bewusst keinen Zusammenhang zwischen Koran und Kopftuchgebot sehen wollen. Wenn das Kopftuch f\u00fcr Musliminnen aber als Teil ihrer religi\u00f6sen Identit\u00e4t gewertet wird, ist es zu respektieren, es sei denn, es w\u00e4re gegen die grundlegenden Freiheitsrechte von Frauen. Nie und niemand darf ein M\u00e4dchen oder eine Frau gezwungen werden, gegen den eigenen Willen ein Kopftuch zu tragen.<\/p>\n<p>In den Religionen wurde ein Kopftuchgebot immer wieder gefordert. Im orthodoxen Judentum galt eine Kopfbedeckung f\u00fcr Frauen bis ins 19. Jahrhundert. Im Christentum haben die meisten Frauenorden eine Kopfbedeckung praktiziert. Nirgends \u2013 und das muss hier auch erw\u00e4hnt werden \u2013 geht es jedoch dabei um die Formen von Vollverschleierung wie Burka, Tschador oder Niqab. Das ist eine v\u00f6llig andere Diskussion.<\/p>\n<p><strong>Kopftuch als Problem?<\/strong><\/p>\n<p>Nicht das Kopftuch ist das Problem, sondern der Zwang, der damit verbunden sein k\u00f6nnte. M\u00e4dchen und Frauen k\u00f6nnen freiwillig oder unter Zwang das Kopftuch tragen. Somit gilt: Nicht das Kopftuch ist zu verbieten, sondern der Zwang!<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Aus den Grundlagen des Islams heraus k\u00f6nne jedenfalls ein Zwang nicht begr\u00fcndet werden, so der Islamwissenschaftlicher Mouhanad Khorchide, der es wie folgt auf den Punkt bringt: \u201eAus dem Koran geht kein explizites Kopftuchgebot hervor, aber laut der prophetischen Tradition hat Mohammed verk\u00fcndet, dass die Frauen ihre Haare bedecken sollten. Theologisch l\u00e4sst sich dar\u00fcber sehr viel debattieren. Das Problem ist aber auch nicht das Kopftuch selbst. \u2026 Die Frage lautet: Ist das Tragen eines Kopftuches eine Entscheidung, die eine Frau selbst getroffen hat? Wenn eine Frau sagt, sie f\u00fchlt sich mit einem Kopftuch unwohl und benachteiligt, dann sollten Theologen und die muslimische Gesellschaft nichts dagegen sagen. Wenn sie das Kopftuch aber aus eigener \u00dcberzeugung tragen m\u00f6chte, muss man auch das akzeptieren.\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Khorchide leitet diese Position aus der tiefsten Grundlage des Islam ab, aus dem Glauben an Gott, der absolute Barmherzigkeit ist, der seine Liebe mit uns teilen m\u00f6chte, ohne selbst etwas von uns zu verlangen.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Jeglicher Zwang ist daher im tiefsten als Widerspruch zum Islam zu werten. Die Frage des Kopftuchs ist aus theologischer Sicht zu beantworten: Glaube ich an einen strafend-r\u00e4chenden Gott im Sinne einer Herr-Knecht-Beziehung oder an einen liebevollen, barmherzigen Gott im Sinne einer Liebesbeziehung zwischen Gott und Mensch.<\/p>\n<p>Auch emanzipierte M\u00e4dchen und Frauen k\u00f6nnen ein Kopftuch tragen. Das St\u00fcck Stoff l\u00e4sst nicht automatisch auf die Geisteshaltung schlie\u00dfen, die darunter liegt. F\u00fcr Musliminnen kann es auch ein Ausdruck ihrer bewusst gew\u00e4hlten Religiosit\u00e4t sein, die sie sich in einer christlichen Mehrheitskultur sichern wollen. Eine Lehrerin wird nicht deswegen ein Problem f\u00fcr den Unterricht an einer Schule sein, weil sie ein Kopftuch tr\u00e4gt, sondern sie w\u00fcrde es sein, wenn sie demokratiefeindliche und dem Schulleitbild widersprechende Positionen verk\u00f6rpern w\u00fcrde. Hier w\u00fcrde allerdings das bestehende Disziplinarrecht weitaus gen\u00fcgen, um einen fundamentalistischen Missbrauch der Pr\u00e4senz an den Schulen zu verhindern.<\/p>\n<p><strong>Religionsfreundliche S\u00e4kularit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Der \u00f6sterreichischen Schule ist jedenfalls zu w\u00fcnschen, dass in ihr Religionsfreiheit sichtbar wird. Die Buntheit der religi\u00f6sen Lehrerinnen und Lehrer, ob mit einem Kreuz, mit Kopftuch, Turban oder Kippa, darf auch f\u00fcr alle sichtbar werden. Es gelten f\u00fcr alle die gleichen Rechte und Pflichten und der Gesetzgeber hat die demokratischen und schulrechtlichen Spielregeln festgelegt, die ohnehin f\u00fcr alle in gleicher Weise G\u00fcltigkeit besitzen. Ob jemand eine gute Lehrerin ist oder nicht, dar\u00fcber befindet nicht ein Kopftuch. Ein religionsfreundlicher s\u00e4kularer Staat tritt f\u00fcr Toleranz gegen\u00fcber allen Religionen und Gl\u00e4ubigen ein und bek\u00e4mpft sie nicht. Zum Gl\u00fcck gibt es an \u00f6sterreichischen Schulen einen Religionsunterricht, wo \u00fcber diese Fragen auch informiert und diskutiert werden kann, damit sich Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ihre eigene Meinung bilden k\u00f6nnen und so den rechtspopulistischen Spr\u00fccheklopfern und islamophoben Grundstimmungen begegnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 9.1.2017<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. <a href=\"http:\/\/www.dasbiber.at\/users\/dudu-k\">K\u00fcc\u00fckg\u00f6l<\/a> Dudu (2017) Kopftuch-Debatten oder: \u201eUnd t\u00e4glich gr\u00fc\u00dft das Murmeltier, in: <a href=\"http:\/\/www.dasbiber.at\/blog\/kopftuch-debatten-oder-und-taeglich-gruesst-das-murmeltier\">http:\/\/www.dasbiber.at\/blog\/kopftuch-debatten-oder-und-taeglich-gruesst-das-murmeltier<\/a>, abgerufen am 8.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. dazu: Heidegger\u00a0 Klaus (2016): Das Kreuz mit dem Kreuz in den Klassenzimmern, in: <a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2467\">http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2467<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/2000050316523\/Kurz-fuer-Kopftuchverbot-im-oeffentlichen-Dienst\">http:\/\/derstandard.at\/2000050316523\/Kurz-fuer-Kopftuchverbot-im-oeffentlichen-Dienst<\/a>, abgerufen am 7.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Zit.in: Salzburger Nachrichten, 7.1.2017,2.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Zit.in: KURIER, 6.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Zit.in: Tiroler Tageszeitung, 7.1.2017, 11.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. KURIER, 8.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> <a href=\"http:\/\/religion.orf.at\/stories\/2774694\/\">http:\/\/religion.orf.at\/stories\/2774694\/<\/a>, abgerufen am 7.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Moser Moritz (2017): Kurz geht es nicht um S\u00e4kularit\u00e4t, in: <a href=\"http:\/\/religion.orf.at\/stories\/2774694\/\">http:\/\/religion.orf.at\/stories\/2774694\/<\/a>, abgerufen am 7.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/wolfgang.palaver?fref=ts\">https:\/\/www.facebook.com\/wolfgang.palaver?fref=ts<\/a>, 7.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/2000050375442\/Oberrabbiner-und-Imam-krtisieren-OeVP-Forderung-nach-Kopftuchverbot\">http:\/\/derstandard.at\/2000050375442\/Oberrabbiner-und-Imam-krtisieren-OeVP-Forderung-nach-Kopftuchverbot<\/a>, abgerufen am 9.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. dazu die Position von einem jener Islam-Experten, den ich besonders sch\u00e4tze und in allen Fragen des Islams zu Rate ziehe: <a href=\"http:\/\/www.stadtgefluester-muenster.de\/interview\/mouhanad-khorchide\/\">http:\/\/www.stadtgefluester-muenster.de\/interview\/mouhanad-khorchide\/<\/a>, abgerufen am 8.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Vgl. Khorchide Mouhanad (2012): Islam ist Barmherzigkeit: Grundz\u00fcge einer modernen Religion, Herder: Freiburg i. Br. Khorchide weist beispielsweise daraufhin, dass von den 114 Suren im Koran 113 mit der Formel \u201eIm Namen Gottes des Allbarmherzigen, des Allerbarmers\u201c beginnen. Er beschreibt den koranischen Gott als liebenden Gott und die \u00a0Beziehung zwischen Gott und Mensch als eine Liebesbeziehung \u00e4hnlich wie die zwischen einer Mutter und ihrem Kind.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-2623 alignright\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/kopftuchverbot_tafel_schule_diskriminierung.jpg\" alt=\"\" width=\"418\" height=\"173\" \/><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/kopftuchverbot_tafel_schule_diskriminierung.jpg' class='thumbnail' \/>Kopftuchverbot f\u00fcr Lehrerinnen? Grundfragen werden gestellt und wollen immer neu beantwortet werden Seit ich in der Schule unterrichte, seit nun 20 Jahren, entsteht in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden die Diskussion \u00fcber das Kopftuch, das von Lehrerinnen oder Sch\u00fclerinnen in Schulen getragen werden darf oder nicht. Solche Debatten sind\u00a0 f\u00fcr viele bereits nervend, weil immer wieder die gleichen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,183],"tags":[314,313],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2621"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2621"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2621\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11969,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2621\/revisions\/11969"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2621"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2621"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}