{"id":2692,"date":"2017-02-25T17:10:07","date_gmt":"2017-02-25T17:10:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2692"},"modified":"2026-02-02T13:50:31","modified_gmt":"2026-02-02T13:50:31","slug":"opernball-nachlese-ueber-reichtum-und-armut-reden-koennen-und-darueber-wie-beides-zusammenhaengt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2692","title":{"rendered":"Opernball-Nachlese: \u00dcber Reichtum und Armut reden k\u00f6nnen und dar\u00fcber, wie beides zusammenh\u00e4ngt"},"content":{"rendered":"<p>Drau\u00dfen parken \u00fcberdimensioniert lange, wei\u00df gl\u00e4nzende Stretchlimousinen und aufgemotzte schwarz-gl\u00e4nzende Luxusfahrzeuge. F\u00fcr die Politiker werden die 6er-BMWs vor dem Eingang der Oper abgestellt. F\u00fcr eines dieser Autos m\u00fcssten manche hierzulande zehn Jahre lang ihren kargen Verdienst hinlegen. In Designer-Ballkleidern und ma\u00dfgeschneiderten Fracks entsteigen den Reichtumssymbolen jene, die es sich leisten k\u00f6nnen, f\u00fcr eine Ballnacht das auszugeben, was manche \u00d6sterreicher durchschnittlich in einem Monat verdienen. Es ist anzunehmen, dass selbst die Opernballausgaben aber noch als Werbekosten von der Steuer abgezogen werden und die Luxuslimousinen steuerbefreite Dienstautos sind, steuerbefreites Geld freilich, das dann im Staatsbudget fehlt und eine gerechte Verteilung von Einkommen und Verm\u00f6gen in \u00d6sterreich vereitelt. Kritik dringt in dieser Nacht nicht durch die Mauern der Staatsoper, wo alles seinen Glanz und seine Glorie hat. Die Repr\u00e4sentanten des Staates k\u00f6nnen sich stolz in der Mittelloge zeigen. Bei ihrem Anblick denke ich freilich an die deutlichen Worte des Generalsekret\u00e4rs von amnesty international, dass sich \u00d6sterreich mit seiner Asylpolitikgesetzgebung von Menschenrechtstandards immer mehr entferne. Die Pressekonferenz von amnesty war wohl nicht zuf\u00e4llig am Vorabend des \u00f6sterreichischen Staatsballs.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2694 alignright\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/reichtum-hilfeleistung.jpg\" alt=\"\" width=\"324\" height=\"461\" \/>Dass einige wenige im Luxus leben k\u00f6nnen und andere zu wenig haben, das habe doch nichts miteinander zu tun, wird nun so gerne argumentiert. Jene, die drinnen sind, haben es sich doch durch Leistung und Arbeit verdient, so zu sein und so zu leben. Was in dieser Logik dann nicht ausgesprochen wird, w\u00fcrde lauten: Jene, die aber am Rand der Gesellschaft sind, waren einfach zu faul, zu dumm, zu ungeschickt, jedenfalls: selbst schuld. Jeder ist seines Gl\u00fcckes Schmid usw. Wer so denkt, negiert jedoch die einfache und doch stimmige klassisch-marxistische Mehrwertanalyse. Kapitalbesitzer k\u00f6nnen aufgrund ihrer Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber die Produktionsmittel entscheiden, wie sie mit den Gewinnen verfahren. Unter kapitalistischen oder neokapitalistischen Produktionsverh\u00e4ltnissen wird ein mehr oder weniger gro\u00dfer Teil des erarbeiteten Wertes nicht den Besch\u00e4ftigten ausbezahlt, sondern verbleibt beim Kapitalbesitzenden und f\u00fchrt so zu einer Kapitalakkumulation. Es sind aber vor allem die Banken und Aktienbesitzer, die Hedgefonds und B\u00f6rsenspekulanten und Immobilienbesitzenden, die auf Kosten der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung ihre Gewinne machen. Wer bekommt das Geld, das beispielsweise eine Arbeiterfamilie in Innsbruck f\u00fcr eine Mietwohnung bezahlt? Nur ein Teil wohl geht in den realen Verm\u00f6genswert dieser Wohnung, den Rest streifen sich die Banken und Immobilienbesitzer ein. Je h\u00f6her die Mietpreise, desto gr\u00f6\u00dfer ihr Verdienst. Wer bekommt die Zinsen, die ein verschuldeter Mensch oft jahrelang f\u00fcr sein dringend ben\u00f6tigtes ausgeborgtes Geld zur\u00fcckzahlen muss?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2695 alignright\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/taxtherich.jpg\" alt=\"\" width=\"283\" height=\"228\" \/>\u201eTAX THE RICH\u201c steht auf einem Plakat einer jungen Demonstrantin vor der Oper. In diesem Dreiwortsatz, der so viel kreativer ist als das Demomotto \u201eeat the rich!\u201c l\u00e4ge die Alternative, f\u00fcr die aber der drinnen befindliche Finanzminister nur bedingt ein Verst\u00e4ndnis haben d\u00fcrfte. St\u00e4rkere Besteuerung von H\u00f6chsteinkommen mit effizienter Steuerprogression w\u00e4re eine L\u00f6sung, bed\u00fcrfte aber auch europ\u00e4ischer und internationaler Abkommen, um eine Abwanderung des Kapitals zu verhindern. Die IWF-Chefin war selbst Opernballgast und h\u00e4tte so viele M\u00f6glichkeiten, f\u00fcr Ma\u00dfnahmen wie Transaktionssteuern \u2013 die international gelten \u2013 einzutreten. Die Opernballlogen sind prominent besetzt von den Generaldirektoren und Bankiers. Jean Ziegler, lange Zeit Chef der FAO, nennt ebenjene \u201eMassenm\u00f6rder\u201c, \u201eWegelagerer\u201c und \u201eBanditen\u201c angesichts der Tatsache, dass alle f\u00fcnf Sekunden qualvoll ein Kind verhungert.<\/p>\n<p>Was wurde aber im Casino, das in einem der R\u00e4ume der Staatsoper eingerichtet worden ist, was wurde in den Logen und G\u00e4ngen von den Wirtschaftstreibenden, Bankiers und Politikern besprochen? Wohl eher d\u00fcrfte es oligopolistische Absprachen gegeben haben. Oder hat Finanzminister Schelling die Gunst der Stunde gen\u00fctzt, um mit der IWF-Chefin Christine Lagardere dar\u00fcber zu plaudern, wie die m\u00f6rderischen Nahrungsmittelspekulationen beendet werden k\u00f6nnten?<\/p>\n<p>Von Che Guevara stammt der Satz: \u201eDie st\u00e4rksten Mauern fallen, wenn sie Risse haben.\u201c F\u00fcr den ORF war es bei der Live\u00fcbertragung des Balls eine peinliche Panne, dass die Alarmanlage eines Autos \u00fcber die eigenen Mikrofone zu den Walzerkl\u00e4ngen hineingespielt worden ist. Kritiker der herrschenden Wirtschaftsordnung, werden diese Symbolik zu sch\u00e4tzen wissen. Es ist wie eine Warnung vor der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich hierzulande und weltweit und vor dem Hunger in der Welt, obwohl und weil es so viel Reichtum in den H\u00e4nden weniger gibt.<\/p>\n<p>Mir ist bewusst, dass der hier ausgedr\u00fcckte Blickwinkel differenzierter ausfallen k\u00f6nnte, mit vielen Argumenten noch untermauert werden m\u00fcsste, und dass vor allem die Welt nicht so schwarz-wei\u00df wie die Deb\u00fctantenpaare ist. Daher ist immer auch legitim, wenn nun irgendwer zu meinen Gedanken hinzuf\u00fcgt: Ja, aber \u2026<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 25.2.2017<\/p>\n<p>(Fotos wurden freundlicherweise von A. Reisenbichler zur Verf\u00fcgung gestellt)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/reichtum-hilfeleistung.jpg' class='thumbnail' \/>Drau\u00dfen parken \u00fcberdimensioniert lange, wei\u00df gl\u00e4nzende Stretchlimousinen und aufgemotzte schwarz-gl\u00e4nzende Luxusfahrzeuge. F\u00fcr die Politiker werden die 6er-BMWs vor dem Eingang der Oper abgestellt. F\u00fcr eines dieser Autos m\u00fcssten manche hierzulande zehn Jahre lang ihren kargen Verdienst hinlegen. In Designer-Ballkleidern und ma\u00dfgeschneiderten Fracks entsteigen den Reichtumssymbolen jene, die es sich leisten k\u00f6nnen, f\u00fcr eine Ballnacht das&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[180],"tags":[326,327,325],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2692"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2692"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2692\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11972,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2692\/revisions\/11972"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2692"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2692"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2692"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}