{"id":2698,"date":"2017-03-04T08:56:39","date_gmt":"2017-03-04T08:56:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2698"},"modified":"2026-02-02T13:54:17","modified_gmt":"2026-02-02T13:54:17","slug":"tempo-30-im-ortsgebiet-freiwillig-jetzt-schon","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2698","title":{"rendered":"Tempo 30 im Ortsgebiet \u2013 freiwillig jetzt schon"},"content":{"rendered":"<p>In Tirol n\u00fctzt Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe ihre Kompetenz als Umwelt- und Verkehrslandesr\u00e4tin, um die KommunalpolitikerInnen zu ermuntern, sich f\u00fcr ein Tempo 30 im Ortsgebiet einzusetzen. Seit Jahrzehnten argumentieren Verkehrsexperten f\u00fcr ein solches Limit. Derzeit gilt generell 50km\/h im Ortsgebiet, wobei vielerorts auch Tempo 40 oder 30 je nach Situation gesetzlich geregelt worden ist. Eine entsprechende Regelung ist Aufgabe der Gemeinden.<\/p>\n<p>Die Argumente f\u00fcr Tempo 30-Zonen im Ortsgebiet sind seit langem bekannt. Die Vernunft spricht daf\u00fcr. Tempo 30 w\u00e4re mehr Sicherheit. 39 Prozent aller Verkehrsunf\u00e4lle, bei denen Personen mit Tempo 50 angefahren werden, enden t\u00f6dlich. Bei 30 km\/h sind es 8 Prozent. (Tiroler Tageszeitung, 4.3.2017) Generell w\u00fcrde das Unfallrisiko aufgrund des verk\u00fcrzten Anhalteweges sinken. Bei 50km\/h betr\u00e4gt der Anhalteweg fast 28 Meter. Bei Tempo 30 kommt ein Auto dagegen schon nach gut 13 Metern zum Stehen. Bei Tempo 30 k\u00f6nnen Gefahren besser erkannt werden, weil der Blickwinkel breiter ist und Bewegungen am Fahrbahnrand besser wahrgenommen werden k\u00f6nnen. Es bleibt mehr Zeit f\u00fcr Reaktionen. Dies ist gerade wichtig, wenn Kinder auf der Stra\u00dfe sind. Tempo 30 w\u00e4re weniger L\u00e4rm und weniger Abgase. Man k\u00f6nnte leichter eine Stra\u00dfe \u00fcberqueren. Die Lebensqualit\u00e4t in den D\u00f6rfern w\u00fcrde gewinnen. Langsamere Autos sind leiser.<\/p>\n<p>Die derzeitigen Regelungen sind jedenfalls \u00f6kologisch und verkehrspolitisch unvern\u00fcnftig. Ein konkretes Beispiel, das ich jeden Schultag vor Augen habe (und als radfahrender Mensch genauer beobachten kann). Auf der B 171 von Wattens nach Mils. Nach Tempo 40 im Ortsgebiet von Wattens gilt \u00a0ca 500m Tempo 50 \u2013 durch verbautes Ortsgebiet, wo auch Zebrastreifen sind, beidseitig Gesch\u00e4fte, dann nach Kreisverkehr in Volders Tempo 40, auch bei Schulen, Kinderg\u00e4rten, dann nach ca 500 Meter Ortsgebiet auf ca 200 Meter Tempo 50, dann beginnt 70er-Zone, Beschleunigung unmittelbar vor einem Zebrastreifen, wo oft Dutzende Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen die Stra\u00dfe \u00fcberqueren zum PORG Volders, unmittelbar vor einer Kurve und Innbr\u00fccke dann 70er ungef\u00e4hr 2 Kilometer, wo dann beim Reschenhof wieder eine 50er-Zone beginnt. Diese Regelungen f\u00fchren dazu, dass wir momentan einen st\u00e4ndigen Wechsel der Geschwindigkeiten haben. Tempo 40, 70 und 50 wechseln sich innerhalb weniger Kilometer mehrmals ab. Dieser zum Teil sehr kleinteilige Wechsel ist verwirrend. Er verhindert einen gleichm\u00e4\u00dfigen Verkehrsfluss. Beschleunigungsm\u00f6glichkeiten unmittelbar vor Zebrastreifen bei Schulen bringen ein Gef\u00e4hrdungspotenzial mit sich. Wenn kleinr\u00e4umig zwischen Tempo 70, 50 und 40 gewechselt wird, bedeutet dies oftmaliges Beschleunigen. Den h\u00f6chsten Verbrauch hat ein Auto w\u00e4hrend der Beschleunigungsphase. Mit durchg\u00e4ngigen 30er-Zonen k\u00f6nnte daher eine Emissionsreduktion erreicht werden: Weniger Stickoxid, weniger Reizgase, weniger Feinstaub, weniger Luftbelastung. Die Konsequenz aus diesem kleinen Beispiel: Es br\u00e4uchte gro\u00dffl\u00e4chige Tempo-30-Zonen, die vermehrte Brems- und Beschleunigungsvorg\u00e4nge reduzieren w\u00fcrden. Tempo 30 m\u00fcsste also als Regelgeschwindigkeit f\u00fcr Ortsgebiete eingef\u00fchrt werden. Nebenbei bemerkt: Als Radfahrer in 30er-Zone m\u00fcsste ich weniger Angst haben. Der Platzbedarf schnell fahrender Autos ist wesentlich gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Als Katholische Jugend haben wir uns bereits vor 35 Jahren f\u00fcr Tempolimits 100\/80\/30 engagiert und sind daf\u00fcr mit Flugbl\u00e4ttern und Abziehbildern auf die Stra\u00dfen gegangen. Damals gab es von Seiten der Politik kein Verst\u00e4ndnis. Es tut so gut nun wahrzunehmen, dass es endlich in einer Landesregierung Einsicht und Engagement f\u00fcr diese Sache gibt. Die Einsicht und die Bereitschaft lokaler Politiker und Politikerinnen f\u00fcr Tempo 30 einzutreten, d\u00fcrfte leider nicht so schnell kommen. B\u00fcrgermeister werden sich scheuen, Solches umzusetzen, weil sie mit dem Widerstand der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger rechnen. Weitere Beschr\u00e4nkungen im ach-so-freien Automobilverkehr gelten als tabu. Die Stra\u00dfenverkehrsordnung, die generell Tempo 50 als Basisgeschwindigkeit f\u00fcr das verbaute Ortsgebiet vorgibt, m\u00fcsste so ge\u00e4ndert werden, dass nicht Tempo 30 als Ausnahme gilt, sondern umgekehrt eine erh\u00f6hte Geschwindigkeit.<\/p>\n<p>Auf solche gesetzlichen \u00c4nderungen m\u00fcssen wir wohl noch l\u00e4nger warten. Daher bleibt jenen, die noch Auto fahren, die M\u00f6glichkeit, selbst durch freiwilliges Einhalten von Tempo 30 im Ortsgebiet zu zeigen, vern\u00fcnftig und verantwortungsvoll zu sein und zu handeln. Autonomie vor Gesetz. Daher gilt: Freiwillig Tempo 30! Es ist als Basisgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften ein klares Bekenntnis f\u00fcr mehr Sicherheit und Lebensqualit\u00e4t in unseren St\u00e4dten und D\u00f6rfern \u2014 \u00fcberall dort, wo wir unterwegs sind und uns aufhalten. Jene, die dann hinter einem 30 km\/h fahrenden Auto beginnen zu fuchteln und zu hupen, demonstrieren lediglich \u00f6kologische Unvernunft und Verantwortungslosigkeit.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 4. M\u00e4rz 2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Tirol n\u00fctzt Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe ihre Kompetenz als Umwelt- und Verkehrslandesr\u00e4tin, um die KommunalpolitikerInnen zu ermuntern, sich f\u00fcr ein Tempo 30 im Ortsgebiet einzusetzen. Seit Jahrzehnten argumentieren Verkehrsexperten f\u00fcr ein solches Limit. Derzeit gilt generell 50km\/h im Ortsgebiet, wobei vielerorts auch Tempo 40 oder 30 je nach Situation gesetzlich geregelt worden ist. 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