{"id":2782,"date":"2017-05-07T03:56:52","date_gmt":"2017-05-07T03:56:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2782"},"modified":"2026-02-02T13:56:18","modified_gmt":"2026-02-02T13:56:18","slug":"nach-oesterliches-tuerenoeffnen-versus-rechtspopulistisches-tuerenschliessen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2782","title":{"rendered":"Nach-\u00f6sterliches T\u00fcren\u00f6ffnen versus rechtspopulistisches T\u00fcrenschlie\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p>Die Osterbotschaft der Evangelien ist immer noch frisch. \u00a0Die Auferstehungsberichte in den Evangelien erz\u00e4hlen von der Furcht der J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger nach der Exekution von Jesus von Nazareth. In diese Situation der \u00c4ngste hinein wird das Wunder der Auferstehung geschildert. Christus ist eine Kraft, die selbst durch verschlossene T\u00fcren gehen kann. Ostern ist die \u00dcberwindung der geschlossenen T\u00fcren. Das klingt so ganz nach dem Psalmvers \u201emit meinem Gott \u00fcberspringe ich Mauern\u201c. Und 50 Tage nach der \u00f6sterlichen Zeit, nach vielen befreiend-bekr\u00e4ftigenden Erfahrungen, nach einer \u00dcberwindung von \u00c4ngsten und Furcht, machen die J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger Jesu ihre T\u00fcren sperrangelweit auf und beginnen in allen Sprachen zu reden. Farsi und Arabisch, Englisch und selbst Somali geh\u00f6rt zu ihren F\u00e4higkeiten, w\u00fcrden wir in die heutige Sprachenlandschaft \u00fcbersetzt sagen k\u00f6nnen.\u00a0 Am Vierten Sonntag nach Ostern h\u00f6ren wir das Evangelium von Jesus, der von sich als \u201edie T\u00fcr\u201c spricht. (Joh 10,1-10) Die Gemeinde des Johannes, obwohl schon beheimatet in der griechischen Antike, verwendet dieses Alltagsbild. In diesen Texten gibt es noch keinen Jesus, der \u201evom wahren Gott und wahren Menschen\u201c spricht. In dieser Zeit mussten sich die jungen Christengemeinden nicht intellektuell abqu\u00e4len mit einem Verst\u00e4ndnis von der Doktrin der hypostatischen Union, von der Art und Weise, wie in Jesus Gott und Mensch zugleich gegenw\u00e4rtig geworden ist. \u201eIch bin die T\u00fcr\u201c, basta.<\/p>\n<p>Die mehrfache T\u00fcrmetapher in den Evangelien kann wie eine Folie auf die herrschend-politische Wirklichkeit im Hier und Heute gelegt werden. Wir sehen, wie in den vergangenen Jahren sich die T\u00fcren geschlossen haben. \u00d6sterreich hat einen Au\u00dfenminister, der sich r\u00fchmt, als Schlie\u00dfer der Westbalkanroute in die Geschichtsb\u00fccher einzugehen und dies als Inspiration nimmt, auch die anderen Fl\u00fcchtlingsrouten noch zu schlie\u00dfen. Im Au\u00dfenamt regiert ein Mann, der Auffangzentren in Afrika als politische Antwort parat h\u00e4lt und zugleich meint, diese w\u00e4ren so wenig attraktiv, dass damit die Fl\u00fcchtlinge nicht mehr auf die Idee k\u00e4men, sich auf den Weg zu machen. Die nationalen Grenzen \u2013 so Sebastian Kurz \u2013 sollen st\u00e4rker kontrolliert werden, solange die EU-Au\u00dfengrenzen nicht besser gesch\u00fctzt seien. Damit spielt der heimische Au\u00dfenminister jene Klaviatur der \u00c4ngste, die in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstab auch eine Marine Le Pen f\u00fcr ihren Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf bediente. Je gr\u00f6\u00dfer die \u00c4ngste, desto mehr T\u00fcren werden geschlossen, desto fester werden sie geschlossen. Abschottung statt offenen T\u00fcren f\u00fcr jene, die in extremer Not sind.<\/p>\n<p>Wenn Jesus sich als T\u00fcr bezeichnet, so kann dies heute 1:1 auf jene Menschen und Organisationen gelegt werden, die Eingang gew\u00e4hren, die Menschen hereinlassen, statt drau\u00dfen zu halten. Die als \u201ewahnsinnig\u201c titulierten Rettungsinitiativen im Mittelmeer sind solche jesuanischen T\u00fcren. Auch f\u00fcr jene, die hierzulande noch nicht m\u00fcde geworden sind, Fl\u00fcchtlinge zu unterst\u00fctzen, die ihnen T\u00fcren durch Sprachunterricht, durch Integrationsm\u00f6glichkeiten in den Arbeitsmarkt oder Wohnm\u00f6glichkeiten \u00f6ffnen, gilt das Jesuslogion: \u201eIch bin die T\u00fcr.\u201c<\/p>\n<p>Das heutige Sonntagsevangelium gilt freilich auch f\u00fcr all jene \u201ezugeschlagenen T\u00fcren\u201c in unseren Lebenssituationen, die jeder und jede von uns kennt. Hier gilt es, entweder auf das leise oder laute Klopfen zu h\u00f6ren, das sich hinter den T\u00fcren verbirgt, oder selbst die Rolle des Klopfenden zu \u00fcbernehmen. Im Buch der Offenbarung, 3:20, hei\u00dft es dann sp\u00e4ter vom immer wiederkehrenden Christus: \u201eIch klopfe an die T\u00fcr.\u201c Manchmal ist die T\u00fcr, wie das ber\u00fchmte Gem\u00e4lde in der St. Paul\u2019s Kathedrale zeigt, schon mit Gestr\u00fcpp und Spinnweben zugewachsen und hat von au\u00dfen keine Klinke. Von au\u00dfen, so zeigt dieses Bild, klopft aber Jesus. Es liegt \u2013 so die bildlich umgesetzte Botschaft des Neuen Testaments \u2013 an uns selbst, Jesus die T\u00fcr zu \u00f6ffnen, damit er hereinkommen kann, um bei uns zu Tisch zu sitzen und wir miteinander essen und feiern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Osterbotschaft der Evangelien ist immer noch frisch. \u00a0Die Auferstehungsberichte in den Evangelien erz\u00e4hlen von der Furcht der J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger nach der Exekution von Jesus von Nazareth. In diese Situation der \u00c4ngste hinein wird das Wunder der Auferstehung geschildert. Christus ist eine Kraft, die selbst durch verschlossene T\u00fcren gehen kann. 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