{"id":2835,"date":"2017-06-27T07:15:09","date_gmt":"2017-06-27T07:15:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2835"},"modified":"2022-08-22T07:39:38","modified_gmt":"2022-08-22T07:39:38","slug":"ermutigende-und-troestliche-erinnerung-an-die-siebenschlaeferlegende","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2835","title":{"rendered":"Ermutigende und tr\u00f6stliche Erinnerung an die Siebenschl\u00e4ferlegende"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2836 alignright\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/sieben_schlafer_islam.jpg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"670\" \/>Siebenschl\u00e4fertag<\/strong><\/p>\n<p>Heute, 27. Juni, ist Siebenschl\u00e4fertag. Meinen Kindern, als noch klein, habe ich gerne diese Legende erz\u00e4hlt. Sie schenkt Zuversicht inmitten einer bedrohlichen Situation. Sie gibt jenen Mut, die zu ihrem Glauben stehen. Sie verbindet Religionen. Die Hauptpersonen sind junge Menschen mit Widerstandsgeist. Auch in der traditionellen religi\u00f6sen Kultur Tirols finden wir Spuren dieser Legende. In der Schlosskirche Mentlberg etwa gibt es eine H\u00f6hle, in der Figuren der Sieben Schl\u00e4fer dargestellt werden. Alte Bauernregeln sehen die besondere Bedeutung dieses Tages, weil sich an ihm das Wetter des kommenden Sommers ablesen lasse.<\/p>\n<p><strong>Die Legende<\/strong><\/p>\n<p>Die Fassung aus der wohl bekanntesten Legenden\u00fcberlieferung, der Legenda Aurea, geht so: Am H\u00f6hepunkt der Christenverfolgung im Jahr 251 unter Kaiser Decius gab es in der Stadt Ephesus sieben christliche S\u00f6hne aus vornehmem Haus, die sich weigerten, das befohlene Opfer f\u00fcr die G\u00f6tter zu vollbringen. Wer dies nicht tat, wurde mit Marter und Tod bestraft. Der Plan der sieben widerspenstigen Christen war es, sich in einer H\u00f6hle zu verstecken. Ihr Glaube war ihnen so wichtig, dass sie nie und nimmer vor dem Kaiser in die Knie gehen w\u00fcrden. Er gew\u00e4hrte ihnen zun\u00e4chst eine Frist, die sie f\u00fcr ihren Plan n\u00fctzten. Ihr Verm\u00f6gen verteilten sie unter den Armen. Als Bettler verkleidet ging einer von ihnen in die Stadt, um Essen zu erbitten. Am Ende der Frist, die ihnen der Kaiser gesetzt hatte, waren sie wieder beim Mahl in ihrer H\u00f6hle. Da, so Gottes Wille, fielen sie in einen tiefen Schlaf. Der Kaiser erfuhr vom Versteck der Sieben und lie\u00df den Eingang zur H\u00f6hle zumauern, damit sie ebendort verhungern sollten. Zwei christliche Sympathisanten brachten dort eine Tafel an, um auf dieses Ereignis aufmerksam zu machen. Fast 200 Jahre sp\u00e4ter lie\u00df ein B\u00fcrger der Stadt Ephesus auf g\u00f6ttliche Eingebung den Eingang der H\u00f6hle wieder freimachen. Das weckte die Sieben auf. Sie glaubten, nur eine Nacht geschlafen zu haben. Als sie hinaustraten, wunderten sie sich sehr. Nun gab es in dieser Stadt Kreuze und Kirchen und \u00fcberall konnte man frei und ohne Angst von Jesus Christus sprechen.<\/p>\n<p><strong>Die Legende als christlich-muslimische Br\u00fcckengeschichte<\/strong><\/p>\n<p>Die Legende von den sieben Schl\u00e4fern ist eine der vielen Br\u00fccken im christlich-islamischen Dialog. Wir finden die Legende von den sieben Schl\u00e4fern in \u00e4hnlicher Form auch im Koran. Die 18. Sure tr\u00e4gt den Titel \u201edie H\u00f6hle\u201c. Liebevoll wird dort geschildert, wie Gott ihre K\u00f6rper immer wieder wendet, damit die Leiber nicht verwesen, und wie ein Hund vor der H\u00f6hle Wache h\u00e4lt. Als sie nach 300 Jahren auferweckt werden, verk\u00fcnden sie den Glauben an den einen Gott. Angesichts der Feindschaften, die von fundamentalistischen Richtungen in beiden Religionen ges\u00e4t werden, tut es gut, auch am Beispiel dieser Legende Gemeinsames zwischen Christentum und Islam zu pflegen. Deswegen wurde vor einiger Zeit in der Siebenschl\u00e4ferkirche Vieux-Marche in Frankreich eine christlich-muslimische Wallfahrt angeregt. Goethe hat im west-\u00f6stlichen Divan vor allem die islamische Tradition der Sieben-Schl\u00e4fer aufgegriffen und in genialer Weise gezeigt, wie sich in diesem \u201eStoff\u201c das allgemein Humanistische und Religionenumfassende verdichtet.<\/p>\n<p><strong>Die Legende als die zu lesende Trostgeschichte<\/strong><\/p>\n<p>Christenverfolgungen gab es nicht nur zur Zeit von Kaiser Decius. In vielen Staaten dieser Welt werden heute Christinnen und Christen diskriminiert, bedroht und verfolgt. Weltweit sind bis zu 100 Millionen Christen betroffen und die Tendenz ist steigend. Das Recht auf Religionsfreiheit als grundlegendes Menschenrecht wird weiterhin verletzt und eingeschr\u00e4nkt. Am Siebenschl\u00e4fertag ist es notwendig, sowohl auf die gro\u00dfen Formen der Verfolgung hinzuweisen wie auf all jene Einschr\u00e4nkungen der Religionsfreiheit, die wir auch hierzulande finden k\u00f6nnen. Wenn eine Partei im Wahlkampfmodus mit dem Slogan wirbt, dass der Islam nicht Teil unserer Kultur sei, wenn einseitig und populistisch islamische Kinderg\u00e4rten als Problem bezeichnet werden oder ein Verschleierungsverbot erlassen wird, wenn das Kreuz in den Klassenzimmern oder der Religionsunterricht infrage gestellt werden, dann wird damit das Recht auf freie Religionsaus\u00fcbung zumindest ansatzweise angetastet.<\/p>\n<p><strong>Siebenschl\u00e4fer-Epilog<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich an diesem Tag mit den heiligen wie muslimischen Siebenschl\u00e4fern im Kopf erwache, dann freue ich mich \u00fcber das Kreuz, das ich in den Klassenzimmern sehe, \u00fcber den Religionsunterricht \u2013 der freilich wesentlich mehr interreligi\u00f6s sein m\u00fcsste, \u00fcber eine Frau, die mit Kopftuch in die Arbeit gehen kann, weil sie das selbst so will, \u00fcber junge Menschen, die wissen, was ihnen der Glaube wert ist und daf\u00fcr auch gerade stehen werden.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, am Siebenschl\u00e4fertag 2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/sieben_schlafer_islam.jpg' class='thumbnail' \/>Siebenschl\u00e4fertag Heute, 27. 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