{"id":2844,"date":"2017-07-02T08:01:22","date_gmt":"2017-07-02T08:01:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2844"},"modified":"2026-02-02T14:02:17","modified_gmt":"2026-02-02T14:02:17","slug":"ehe-wem-ehe-gebuehrt-ehe-fuer-alle-aus-einer-christlich-kirchlichen-perspektive","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2844","title":{"rendered":"Ehe wem Ehe geb\u00fchrt \u2013 \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c aus einer christlich-kirchlichen Perspektive"},"content":{"rendered":"<p><strong>Abschaffung von Diskriminierungen f\u00fcr Homosexuelle<\/strong><\/p>\n<p>Am 30. Juni 2017 beschloss der Deutsche Bundestag ein Gesetz, das die Ehe von Homosexuellen mit jenen von Heterosexuellen gleichstellen soll. Damit wurde eine Diskriminierung von Lesben und Schwulen abgeschafft und ihre Gleichstellung bei ehelichen Beziehungen festgelegt. Unter anderem k\u00f6nnen gleichgeschlechtliche Paare nun in gleicher Weise Kinder adoptieren wie heterosexuelle Paare. Deutschland ist der 22. Staat auf dieser Welt, in dem nicht mehr nur mit sch\u00f6nen Worten gesagt wird, dass es keine Ungleichbehandlung aufgrund der sexuellen Orientierung geben darf, sondern dies auch gesetzlich abgesichert wird.<\/p>\n<p><strong>Tu felix Austria?<\/strong><\/p>\n<p>In \u00d6sterreich muss eine entsprechende Diskussion \u00fcber \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c weitergehen. FP\u00d6-Obmann Christian Strache machte sich erst j\u00fcngst in einer parlamentarischen Rede \u00fcber den deutschen Schritt zur Gleichstellung f\u00fcr Homosexuelle lustig und meinte, dann k\u00f6nne man genauso gut wieder den Forderungen der Islamisten nachgehen und die Polygamie einf\u00fchren. Innerhalb der \u00d6VP wird nach au\u00dfen hin dieses Thema tabuisiert. Auf der anderen Seite positionierte sich Bundeskanzler Kern mit der Meinung, dass eine \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c eigentlich selbstverst\u00e4ndlich sein sollte. Auch Gr\u00fcne und NEOS w\u00fcrden eine entsprechende Gesetzes\u00e4nderung begr\u00fc\u00dfen. Die Wahlkampfzeit k\u00f6nnte jetzt gen\u00fctzt werden, um einen inhaltlsleeren Personenwahlkampf mit einem solchen Thema zu bereichern.<\/p>\n<p><strong>Kritik von kirchlichen Vertretern<\/strong><\/p>\n<p>Von Seiten der Kirche gibt es widerspr\u00fcchliche Stellungnahmen. \u201eIch bedauere, dass der Gesetzgeber wesentliche Inhalte des Ehebegriffs aufgegeben hat, um ihn f\u00fcr gleichgeschlechtliche Partnerschaften passend zu machen\u201c: So kommentierte der f\u00fcr Familie in Deutschland zust\u00e4ndige Bischof Heiner Koch die Entscheidung. Er bedauere, dass eine \u201edifferenzierte Wahrnehmung unterschiedlicher Partnerschaftsformen\u201c aufgegeben werde, \u201eDifferenzierung aber ist keine Diskriminierung\u201c, so der Erzbischof von Berlin in einer Pressemeldung. Er verwies auf die Bedeutung von Ehe in der Verfassung Deutschlands, es sei um den Schutz und die St\u00e4rkung derer gegangen, die als Mutter und Vater Kindern das Leben schenken wollten. \u201eWird jetzt vor allem der Schutz von Beziehungen und die \u00dcbernahme gemeinsamer Verantwortung als Begr\u00fcndung f\u00fcr die \u00d6ffnung der Ehe vorgebracht, so bedeutet dies eine wesentliche inhaltliche Umgewichtung und eine Verw\u00e4sserung des klassischen Ehebegriffs\u201c, so Koch. Das Diktum, mit dem sich kirchliche Vertreter von der \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c abgrenzen, lautet. Hier das Konzept der \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c, bei uns eine \u201ekatholische\u201c oder \u201echristliche Ehe\u201c, die nur f\u00fcr Heterosexuelle gelten kann.<\/p>\n<p>So polemisierte ein deutscher Weihbischof \u00fcber die Sozialen Medien, nun m\u00fcsse man eben zwischen einer \u201echristlichen Ehe\u201c und einer anderen Ehe unterscheiden. Eine \u201echristliche Ehe\u201c gebe es erstens nur zwischen Mann und Frau und zweitens nur dann, wenn eine solche Verbindung auch Offenheit gegen\u00fcber Kindern ausdr\u00fccken w\u00fcrde. Diese traditionalistisch-fundamentalistische Position findet sich in den meisten ver\u00f6ffentlichten \u00c4u\u00dferungen. Solche Vertreter reden von der \u201eSch\u00f6pfungsordnung\u201c und reduzieren die Gesch\u00f6pflichkeit auf den Standpunkt, dass eben nur Mann und Frau in einem biologischen Sinne f\u00fcreinander bestimmt sein k\u00f6nnten, weil eben nur aus einer solchen Beziehung Kinder entspringen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Wer in diesen Kategorien denkt, missachtet letztlich aber die wichtigste Aussage im biblischen Sch\u00f6pfungsbericht. Dort hei\u00dft es \u201eund Gott sah, dass es gut war\u201c, als \u00a0Mann und Frau geschaffen wurden. Heute k\u00f6nnen wir auch sagen, es war gut, wie der Mann oder die Frau in ihrer Ganzheitlichkeit geschaffen wurden, mit Haut und Haaren, mit der ganzen Sexualit\u00e4t, die \u2013 wie humanmedizinisch wohl unwidersprochen \u2013 verbunden sein kann mit unterschiedlichen Orientierungen. Homosexualit\u00e4t ist eben keine Abweichung von der Natur, sondern Teil der Gesch\u00f6pflichkeit. Sie ist nicht eine Krankheit, die heilbar ist, wie vor einem Jahrzehnt Bischof Elmar aus Vorarlberg gemeint hatte.<\/p>\n<p>Argumentiert wird von kirchlichen Vertretern auch, dass die Polarit\u00e4t der Geschlechter ein unverzichtbarer Bestandteil in der Erziehung der Kinder sei. Deswegen sei es nicht gut, wenn homosexuelle Paare durch die Regelung der \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c Kinder adoptieren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Dem Hauptargument katholischer kirchlicher W\u00fcrdentr\u00e4ger, dass die Ehe immer eine \u201eLiebes- und Lebensbeziehung zwischen Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen k\u00f6nnen&#8220; sei, muss auch aus anderen Gr\u00fcnden widersprochen werden. Mit diesem Argument w\u00fcrden n\u00e4mlich all jene von der Ehe ausgeschlossen, die aufgrund verschiedener Umst\u00e4nde keine Kinder bekommen k\u00f6nnen, sei es aufgrund von Alter, Formen der Behinderung oder aufgrund von Krankheiten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c sprechen jedoch jene Werte, die \u2013 auch aus einer christlichen wie kirchlichen Perspektive \u2013die Wesensmitte von Ehe ausmachen: Verbindlichkeit durch gegenseitiges Versprechen, Partnerschaft, Liebe, Treue, F\u00fcrsorge und Zusammenhalt in \u201eguten wie in schlechten Zeiten\u201c. Das sind zugleich jene Werte, die Kinder in einer solchen Beziehung lernen k\u00f6nnen. Solche Partnerschaften wiederum sollen den Schutz des Staates haben. Und der Kirchen?<\/p>\n<p><strong>Widerspr\u00fcchlich katholische Positionierungen<\/strong><\/p>\n<p>Schwulen- und Lesbenorganisationen scheinen auf den ersten Blick also in der katholischen Kirche keinen B\u00fcndnispartner zu haben. Sind die Kirchen blind gegen\u00fcber der Tatsache, dass es unterschiedliche sexuelle Orientierungen gibt, die jene Menschen letztlich ausschlie\u00dft, die nicht in ein starres kirchliches Bild passen?<\/p>\n<p>Selbst die Glaubenskongregration der katholischen Kirche hat jedoch l\u00e4ngst das naturwissenschaftliche Faktum akzeptiert, dass Homosexualit\u00e4t auch angeboren ist. Daraus folgt f\u00fcr sie die bedingungslose und umfassende Achtung homosexueller Menschen in Kirche und Gesellschaft: Jegliche Form der Diskriminierung und erst recht der Gewalt gegen homosexuelle Menschen wird strikt abgelehnt. Vielmehr ermutigt die Glaubenskongregation die Bisch\u00f6fe zu pastoralen Programmen, die homosexuelle Personen \u201eauf allen Ebenen ihres geistlichen Lebens f\u00f6rdern\u201c \u2013 durch Spendung der Sakramente, Gebet, Zeugnis, Beratung und individuelle Mitsorge. Homosexuelle Personen sollen nicht in die Isolation getrieben, sondern in die Pfarrgemeinden integriert werden. Damit hebt sich die katholische Position von jener der Freikirchen ab, die in den USA mit gro\u00df angelegten Programmen versuchen, Homosexuelle zu \u201etransformieren\u201c und zu einem heterosexuellen Lebensstil zu motivieren. Katholisch bedeutet also aus der Perspektive des Lehramtes: Homosexuelle sollen ihre Orientierung annehmen und als Teil ihrer gesch\u00f6pflichen Konstitution bejahen. Sie dabei zu unterst\u00fctzen ist eine wichtige seelsorgliche Aufgabe jeder Pfarrgemeinde.<\/p>\n<p><strong>Ehe f\u00fcr alle wertet Konzept der Ehe auf<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich, so k\u00f6nne man argumentieren, m\u00fcssten laut kirchlicher Sakramentenlehre die Verantwortlichen der Kirche froh sein, wenn Schwule und Lesben die Institution Ehe als wichtiges Band f\u00fcr sich entdecken und leben wollen. Ganz in diesem Sinne argumentierte auch der Rat der Evangelische Kirche Deutschland, wenn er wie folgt formulierte: \u201eDie Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau wird dadurch keineswegs geschm\u00e4lert. Im Gegenteil \u2013 sie wird noch einmal unterstrichen.&#8220;<\/p>\n<p>Wer sich auf eine Ehe einl\u00e4sst, entscheidet sich ganz f\u00fcr einen Partner bzw. Partnerin \u2013 und dies auf \u201eLebenszeit\u201c. Das widerspricht dem Zeitgeist postmoderner Beliebigkeit und entspricht aber so ganz einem wesentlichen Punkt der traditionellen katholischen Ehelehre. Wer Ja zur Ehe sagt, stellt sein oder ihr Leben in den Dienst einer anderen Person, ist bereit, ganz f\u00fcr sie da zu sein in Gegenwart und Zukunft. In einer Zeit, in der mehr und mehr Menschen ohne Trauschein zusammenleben und in der mehr als die H\u00e4lfte aller Ehen wieder geschieden werden, ist es ein wundersch\u00f6nes Zeichen, dass Schwule und Lesben die eheliche Lebensform f\u00fcr sich entdecken. Es w\u00e4re l\u00e4ngst an der Zeit, wenn in diesem Sinne auch Schwule und Lesben ihre Beziehungen so ganz offiziell auch unter dem Segen der Kirchen leben k\u00f6nnten. Damit w\u00fcrden die Kirchen sich deutlich abgrenzen gegen\u00fcber den so schrecklichen homophoben Verirrungen in den vergangenen Jahrhunderten. Es w\u00fcrde deutlich, dass sich eine Verbindung von Menschen in einem religi\u00f6s-ethischen Sinn nicht am Etikett \u201em\u00e4nnlich\u201c oder \u201eweiblich\u201c orientiert, sondern an der zentralen Frage, wie hier die Liebe gelebt, Treue praktiziert und Verantwortung f\u00fcr andere realisiert wird.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger<\/p>\n<p>(Foto: Palosirkka \/ GFDL)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abschaffung von Diskriminierungen f\u00fcr Homosexuelle Am 30. Juni 2017 beschloss der Deutsche Bundestag ein Gesetz, das die Ehe von Homosexuellen mit jenen von Heterosexuellen gleichstellen soll. 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