{"id":2907,"date":"2017-08-23T11:18:30","date_gmt":"2017-08-23T11:18:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2907"},"modified":"2026-02-02T14:03:09","modified_gmt":"2026-02-02T14:03:09","slug":"ueber-das-kirchliche-engagement-fuer-umwelt-und-tierschutz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2907","title":{"rendered":"\u00dcber das kirchliche Engagement f\u00fcr Umwelt- und Tierschutz"},"content":{"rendered":"<p>Den Artikel von Hans Winkler \u00fcber das Engagement der Kirche und kirchlicher Vertreter f\u00fcr die Bewahrung der Sch\u00f6pfung, ver\u00f6ffentlicht in DIE PRESSE, 21.8.2017, k\u00f6nnte ich in meinem schulischen Unterricht gut als Exempel f\u00fcr Demagogie verwenden. Es geht dem Autor nicht um eine n\u00fcchtern-sachliche Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass sich die Kirchen in \u00d6sterreich aber auch weltweit f\u00fcr Fragen des Umwelt- und Tierschutzes engagieren, sondern um ein wildes Herumschlagen mit verletzenden und abwertenden Begrifflichkeiten. Einige Beispiele seien hier genannt.<\/p>\n<p>In der einleitenden \u00dcberschrift hei\u00dft es bereits, dass sich die Kirche die \u201eUmweltideologie aufschwatzen\u201c lasse. Damit geschieht bereits eine doppelt negative Zuschreibung. Wer sich f\u00fcr Umwelt einsetzt, ger\u00e4t unter den Winkler\u2019schen Ideologieverdacht. Wer sich f\u00fcr Umwelt einsetzt, lasse sich dies \u201eaufschwatzen\u201c.<\/p>\n<p>So ganz anders lesen sich hingegen die kirchlichen Dokumente und sind die Begr\u00fcndungen f\u00fcr das \u00f6kologische Engagement der Kirchen. Letzteres ist beileibe nicht so jung, wie es Hans Winkler in seinem Artikel suggeriert. In meinen ehren- und hauptamtlichen Funktionen \u2013 u.a. als Bundessekret\u00e4r der Katholischen Jugend in \u00d6sterreich \u2013 z\u00e4hlten Umweltinitiativen bereits vor mehr als 30 Jahren zum Herzensanliegen. In der Umweltenzyklika Laudato Si hat Papst Franziskus klar herausgearbeitet, dass ein \u00f6kologisches Engagement von Christinnen und Christen nicht einfach beliebig zur Nachfolge Jesu gef\u00fcgt werden k\u00f6nnte, sondern integraler Bestandteil des Glaubens und seiner Werke ist. Helga Kromp-Kolb hat deswegen Recht, wenn sie bei der \u00d6kumenischen Sommertagung in Kremsm\u00fcnster die Klimafrage als \u201eErnstfall des Glaubens\u201c bezeichnete. Unter den vielen eindeutigen Stellungnahmen sei eine besonders erw\u00e4hnt. Es ist auch jenes Argumentationsmuster, das wir in Laudato Si finden. Das Engagement gegen die Klimaver\u00e4nderung ist vor allem mit Blick auf die Option f\u00fcr die Armen zu sehen. Michael Landau hat erst vor kurzem wieder mit Blick auf die Hungerkatastrophen in Afrika davon gesprochen, dass diese die direkte Folge der Klimaerw\u00e4rmung seien. Wenn schon Hans Winkler ein kirchliches Umweltengagement nicht als Kernaufgabe sieht, so wird er sicherlich als bibelkundiger Mensch nicht leugnen k\u00f6nnen, dass Solidarit\u00e4t mit den \u00c4rmsten zur Wesensmitte des Christentums z\u00e4hlt. Was Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika, was auch der von Hans Winkler kritisierte Brixner Moraltheologe Pater Martin Lintner tut \u2013 sie sehen als politisch kundige Menschen die Zusammenh\u00e4nge. Es sei hier auch erw\u00e4hnt, dass Hans Winkler den Servitenpater und Professor f\u00fcr Moraltheologie despektierlich als \u201eMoralist\u201c oder als \u201eein Theologe aus S\u00fcdtirol\u201c bezeichnet,\u00a0 wird so als h\u00e4tte er keinen Namen. Auch sein Buch \u201eDer Mensch und das liebe Vieh\u201c bleibt unerw\u00e4hnt. Darin zeigt Martin Lintner u. a. auf, was der enorme Fleischverbrauch auch an \u00f6kologisch-\u00f6konomischen Konsequenzen in den L\u00e4ndern des S\u00fcdens zur Folge hat. Gerade heute \u2013 am 23.8.2017 \u2013 wurde ein Bericht von Statistik Austria \u00fcber den Tierbestand in \u00d6sterreich ver\u00f6ffentlicht. Der Bestand an Schweinen und Rindern ist 2017 hierzulande gesunken. Zugleich steigt der ohnehin auf einem hohen Niveau liegende Verbrauch an Fleisch. Die Schlussrechnung: Noch mehr Schweine- und Rindfleisch wird \u2013 vor allem aus den gro\u00dfen Schlachtbetrieben in osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern \u2013 importiert. Ja, in einem Land wie \u00d6sterreich, wo das Schnitzel oder der Schweinsbraten quasi zur \u201eLeitkultur\u201c z\u00e4hlen, regen tierethische Positionierungen wie jene von Martin Lintner auf. Mich erinnert es jedoch an die jesuanische Verk\u00fcndigung. Auch Jesus hat so gerne liebevolle Bez\u00fcge zur Sch\u00f6pfung gemacht. Wenn er vom Himmelreich spricht, dann spricht er in Bildern aus der Fauna und Flora.<\/p>\n<p>Hans Winkler kann es nur schwer verstehen, dass sich \u201eKirchenm\u00e4nner\u201c so sehr f\u00fcr Umweltanliegen engagieren. Ich m\u00f6chte ihn einladen, einen Tag entlang der Inntalautobahn zu wohnen. Kinder und Jugendliche erkranken aufgrund der Emissionen. Wie sollen Priester das Evangelium von einem guten Leben f\u00fcr alle verk\u00fcnden, ohne auf die Umweltmiseren zu sprechen zu kommen? Das hat nichts mit \u201eApokalyptik\u201c zu tun. Deswegen geh\u00f6ren sozial- und umweltethische Themen neben den vielen anderen Disziplinen wesentlich zur theologischen Ausbildung. Meine Diplomarbeit konnte ich beispielsweise bereits Anfang der Achtziger bei Prof. Hans Rotter \u00fcber \u00f6kologische Ethik schreiben. Nochmals also: So neu ist dieses Thema nicht, wie Hans Winkler suggeriert.<\/p>\n<p>Was ich jedoch wirklich nicht verstehe, ist die Anschuldigung an Pater Andreas Schmidt, ihm w\u00fcrde es mit seinem \u00f6kologischen Engagement um Stimmenmaximierung gehen. Damit verl\u00e4sst Hans Winkler, gleich wie mit der Bezeichnung der Aktion \u201eAutofasten\u201c als \u201ewichtigtuerische Pseudoaktion\u201c, die Ebene jeglicher sachlicher Argumentation und ger\u00e4t ins Feld der Beschimpfungen. Eine rhetorische Gegenfrage sei mir hier erlaubt: War die Vertreibung der Geldwechsler und H\u00e4ndler aus den Vorh\u00f6fen des Tempels durch Jesus auch eine \u201ewichtigtuerische Pseudoaktion\u201c?<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 23.8.2017, <a href=\"mailto:klaus.heidegger@aon.at\">klaus.heidegger@aon.at<\/a><\/p>\n<p>Vgl. zum Artikel von Hans Winkler: http:\/\/diepresse.com\/home\/meinung\/dejavu\/5272381\/Dejavu_Der-Weltuntergang-kommt-schon-noch-frueh-genug?from=suche.intern.portal, abgerufen am 23.8.2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Artikel von Hans Winkler \u00fcber das Engagement der Kirche und kirchlicher Vertreter f\u00fcr die Bewahrung der Sch\u00f6pfung, ver\u00f6ffentlicht in DIE PRESSE, 21.8.2017, k\u00f6nnte ich in meinem schulischen Unterricht gut als Exempel f\u00fcr Demagogie verwenden. 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