{"id":2931,"date":"2017-09-08T15:23:27","date_gmt":"2017-09-08T15:23:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2931"},"modified":"2026-02-02T14:06:17","modified_gmt":"2026-02-02T14:06:17","slug":"von-der-konkreten-sorge-um-die-kranken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2931","title":{"rendered":"Von der konkreten Sorge um die Kranken"},"content":{"rendered":"<p>ANMELDUNG CHIRURGIE leuchtet mir seit nun fast drei Stunden das neonbeleuchtete Schild entgegen. Wartezimmer der Ambulanz. Ich habe viel Zeit, dieses Geb\u00e4ude und seine Geschichte zu ersp\u00fcren. Einerseits darf man sich in diesem Krankenhaus gleich angenommen f\u00fchlen. Das verspricht das Logo der Barmherzigen Schwestern beim Eingang. CARITAS CHRISTI URGET NOS (die t\u00e4tige Liebe Christi dr\u00e4ngt uns) steht unter dem bunten Herz aus verschiedenfarbig kleinen Fl\u00e4chen. Die Querbalken eines etwas aufgel\u00f6sten Kreuzes ruhen auf diesem Herz. Ein Logo mit einem gro\u00dfen Anspruch. Tats\u00e4chlich scheinen die Mitarbeiterinnen hier, \u00c4rztinnen und Pflegepersonal, Gro\u00dfes zu leisten und die Patientinnen und Patienten d\u00fcrften Trost in diesem Ambiente finden. Sie sind die bunten Flecken des liebenden Herzens. Ein Krankenhaus in der Obhut einer Ordensgemeinschaft sollten all jene erleben, die unter dem Banner einer religionskritischen S\u00e4kularit\u00e4t die Trennung von Staat und Religion erk\u00e4mpfen wollen. Hier \u2013 in concreto \u2013 wird deutlich, was eine Zusammenarbeit von Religion-Kirche einerseits und Staat-Gesundheitssystem andererseits an Positivem bedeuten kann. Ich denke an die gro\u00dfartige Zammerin Katharina Lins, auf deren Engagement das heutige Krankenhaus und die Geschichte der Barmherzigen Schwestern letztlich zur\u00fcckreicht. Da bin ich stolz auf eine vielfach geschm\u00e4hte Kirche, die sich so vorbehaltlos seit hunderten von Jahren in dieser Gegend um die Kranken k\u00fcmmerte. Andererseits werden auch die Grenzen sp\u00fcrbar. 30 Personen warten in dem k\u00fcnstlich erhellten Raum, der die H\u00e4lfte von einem Klassenzimmer hat. Unbestimmtes Warten. Warum kann den Patienten und Patientinnen, die nur zu einer Nachkontrolle kommen, kein genauerer Termin bekannt gegeben werden? Eine Frau spricht beim Anmeldeschalter von ihren H\u00e4morrhoiden. Diskretionszone gibt es hier nicht. Das \u00e4ltere Ehepaar in w\u00f6rtlicher Tuchf\u00fchlung neben mir spricht von eitrigen N\u00e4geln, die einer Behandlung bed\u00fcrfen. M\u00e4nner in weit fortgeschrittenem Alter unterhalten sich in breitestem Oberinntaler Dialekt mit Witzen \u00fcber das Blutabnehmen. Immer wieder werden Patientinnen und Patienten auf Krankenbetten hinein- und hinausgeschoben. Man sitzt eng. Ich mache mich noch schm\u00e4ler, als ich ohnehin bin. Ein anderer, etwas beleibterer Mann, entfernt kurzerhand den Stuhl neben ihm, um Platz zu finden. Die Luft ist verbraucht. \u00dcberraschenderweise nehmen alle das Warten sehr gelassen. \u201eUnter zwei Stunden geht es nie \u2026\u201c, meint eine \u00e4ltere Frau in den Raum hinein. Eine freundliche Klosterschwester legt liebevoll die neue Kirchenzeitung auf den Tisch in der Mitte, wo sonst noch ein unbenutzter Stapel einer \u00c4rztezeitschrift liegt. Ein Kruzifix h\u00e4ngt zwischen den Eingangst\u00fcren. Ein Krankenhaus jedenfalls, das daran erinnert, dass zu den christlich-j\u00fcdischen Werken der Barmherzigkeit die Sorge um die Kranken z\u00e4hlt. In mir fragt es sich: W\u00fcrde ein Klasse-Patient kurze Zeit nach einer OP mehr als zwei Stunden auf eine Nachkontrolle warten m\u00fcssen?\u00a0 Ist diese vormitt\u00e4gliche Erfahrung heute ein winziger Ausschnitt einer Wirklichkeit, die als \u201eZweiklassenmedizin\u201c bezeichnet wird? Die Lektion, die ich jedenfalls von dieser mir fremden Welt, in die ich als Begleitperson und nicht als Patient kam, lautet jedenfalls: Im Gesundheitswesen darf nicht bei den Patientinnen und Patienten gespart werden.\u00a0 Hier \u2013 die Spitalsambulanzen betreffend \u2013 ist nicht ein Sparstift anzusetzen.<\/p>\n<ol start=\"8\">\n<li>September 2017<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ANMELDUNG CHIRURGIE leuchtet mir seit nun fast drei Stunden das neonbeleuchtete Schild entgegen. Wartezimmer der Ambulanz. Ich habe viel Zeit, dieses Geb\u00e4ude und seine Geschichte zu ersp\u00fcren. Einerseits darf man sich in diesem Krankenhaus gleich angenommen f\u00fchlen. Das verspricht das Logo der Barmherzigen Schwestern beim Eingang. 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