{"id":3009,"date":"2017-11-11T07:57:45","date_gmt":"2017-11-11T07:57:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3009"},"modified":"2022-08-22T07:39:37","modified_gmt":"2022-08-22T07:39:37","slug":"pazifistische-mantelteiler-von-bischof-martin-zu-bischof-hermann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3009","title":{"rendered":"Pazifistische Mantelteiler: Von Bischof Martin zu Bischof Hermann"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bischof aus dem Volk und f\u00fcr das Volk<\/strong><\/p>\n<p>Vor einem Jahr wurden die Feierlichkeiten rund um die Erinnerung an 1700 Jahre Martin beendet. Ein Jahr danach hat die Di\u00f6zese Innsbruck nach langem Warten einen Nachfolger von Bischof Manfred Scheuer bekommen. Am 2. Dezember 2017 wird Hermann Glettler im Olympiastadion in Innsbruck zum Bischof der Di\u00f6zese Innsbruck geweiht werden. Vorangegangen sind viele Monate mit Spekulationen, Vermutungen und Ungewissheiten, wer den Bischofssitz in Innsbruck \u00fcbernehmen wird. Am Anfang stand ein Bem\u00fchen, aus einem basis- und ortskirchlich gepr\u00e4gten Di\u00f6zesanprozess einen Bischof zu finden, wie es in der Tradition des Martin von Tours liegen k\u00f6nnte. Seine authentische Weise der Christusnachfolge, zu der einerseits die Option f\u00fcr die Armen z\u00e4hlte und andererseits das Herabsteigen vom milit\u00e4rischen Ross, weckte in den Gl\u00e4ubigen den Wunsch, dass er ihr Bischof werden soll. Bekannt ist seine anf\u00e4ngliche Weigerung, dem Ruf auf das Bischofsamt zu widerstehen. Ruhm, Macht und Karriere waren nicht sein Lebensziel und nicht der Grund, warum er sich f\u00fcr Jesus entschied. Weil ihm das episkopale Amt zu abgehoben vorkam, versteckte sich der Heilige laut Legende in einem G\u00e4nsestall. Er hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass die G\u00e4nse ihn verraten w\u00fcrden. 1700 Jahre sp\u00e4ter m\u00fcssten sich Bischofsanw\u00e4rter wohl nicht mehr in einem G\u00e4nsestall verstecken, um dem Ruf des Volkes, Hirte zu sein, zu entgehen. L\u00e4ngst schon werden Bisch\u00f6fe nicht mehr \u2013 wie zu Martins Zeiten \u2013 vom Volk und auf Wunsch des Volkes bestellt, sondern Entscheidungen fallen hinter dicken vatikanischen Mauern. Und dennoch \u2013 wohl Dank Papst Franziskus \u2013 scheint mit Bischof Hermann auch unsere Di\u00f6zese wieder einen Volksbischof so ganz im Stil des heiligen Martin zu bekommen. Die bevorstehende Weihe in der Olympiahalle ist so ein Signal. Es soll Platz f\u00fcr alle sein und so wird das ganze Volk zur Mitfeier eingeladen, was rein platzm\u00e4\u00dfig im Dom zu St. Jakob gar nicht m\u00f6glich w\u00e4re. 4000 bis 6000 Leute k\u00f6nnten in der Olympiahalle mitfeiern. Schon lange vor dieser Feier nahm sich der designierte Bischof Zeit, um \u2013 wie er es nannte \u2013 \u201eTirol zu lernen\u201c, besuchte landauf landab auf bescheidene Weise Orte und Einrichtungen, als H\u00f6render und nicht als allwissender Wunderwuzzi. Sein bisch\u00f6flicher Wahlspruch \u201egeht, heilt und verk\u00fcndet!\u201c passt zu diesem Stil. Vor jeder Verk\u00fcndigung geschieht das Zugehen auf die Menschen, das zur Heilung f\u00fchren kann. In diesen Prozess hinein geschieht das Kerygma, die Verk\u00fcndigung. Mich erinnert es an meinen Beruf als Religionslehrer, wo im Unterrichtsalltag immer zuerst die Offenheit gegen\u00fcber den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern stehen muss, die Hinwendung zu ihren Fragen und Sehns\u00fcchten und in diese hinein die Verk\u00fcndigung geschehen kann.<\/p>\n<p><strong>Bescheidenheit<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt Bisch\u00f6fe im Stile des heiligen Martin, der jeglichen Prunk vermied und in seinem Lebensstil auf Insignien der Macht verzichtete. Der Bischof von Rom, Papst Franziskus, der auf einer FP\u00d6-nahen Website als \u201ePapa horribilis\u201c gebrandmarkt wird, setzte von Beginn an viele Zeichen in diese Richtung. Ein Bischof passt auf keinen Thron, darf sich nicht beweihr\u00e4uchern lassen und vor einem Bischof soll sich kein Mensch niederwerfen: Das war die Botschaft des Martin zu einer Zeit, als sich die Kirche mehr und mehr dem r\u00f6mischen Herrschaftsgehabe anzupassen begann.<\/p>\n<p><strong>Mantelteilen als antike Friedensdividende<\/strong><\/p>\n<p>Der Heilige aus dem 4. Jahrhundert entspricht auch dem Pazifismus eines Martin Luther King. Ein Bild k\u00f6nnte auch t\u00e4uschen. Landauf landab wird Martinus als r\u00f6mischer Soldat hoch zu Ross dargestellt. Martin \u2013 der dem Kriegsgott Mars \u201eGeweihte\u201c. Diese Wahrnehmung passt besser zu einer milit\u00e4rischen Kultur als ein Christ, der sich aufgrund seines Glaubens entscheidet, keine Waffe mehr zu tragen. Es stimmt zwar, dass Martin zun\u00e4chst als Berufssoldat gedient hatte. Mehr und mehr aber d\u00fcrfte Martin diesen Dienst nicht mehr als vereinbar mit seinem Christsein empfunden haben, obwohl damals die Kaiser Soldatendienst und Christsein durchaus nicht mehr wie in der fr\u00fchen Kirche als Gegensatz gesehen hatten. Sulpicius Severus berichtet in seiner Vita Sancti Martini, verfasst um 395, von dessen Absage an den Kaiser. Martin soll ihm gesagt haben: \u201eBis heute habe ich dir gedient, Herr, jetzt will ich meinem Gott dienen und den Schwachen. Ich will nicht mehr l\u00e4nger k\u00e4mpfen und t\u00f6ten. Hiermit gebe ich dir mein Schwert zur\u00fcck. Wenn du meinst, ich sei ein Feigling, so will ich morgen ohne Waffen auf den Feind zugehen.\u201c Wenn sp\u00e4ter aus dem Martin der Patron der Soldaten und Waffenschmiede gemacht wurde, so stimmt dies mit dem Leben des Bischofs von Tours nicht \u00fcberein. Wohl ganz im Sinne der Konversion des Martinus hat Papst Franziskus am Tag vor dem Martinsfest, am 10. November 2017, bei einer internationalen Abr\u00fcstungskonferenz nicht nur die Drohung, sondern auch den Besitz von Atomwaffen scharf verurteilt. Der Papst meinte: \u201eWenn man allein an die Gefahr einer versehentlichen Explosion als Folge irgendeines Fehlers oder Missverst\u00e4ndnisses denkt, sind die Drohung mit Atomwaffen wie schon ihr Besitz mit Nachdruck zu verurteilen.\u201c Hermann Glettler hat in der Steiermark auch bei Pax Christi mitgewirkt. Eine Arbeitsgruppe dieser kirchlichen Friedensbewegung besch\u00e4ftigt sich aktuell damit, Verwicklungen \u00f6sterreichischer Firmen in der Produktion von R\u00fcstungsg\u00fctern aufzuzeigen. Seit 30 Jahren bem\u00fcht sich Pax Christi darum, dass \u00d6sterreich wie jeder einzelne und jede einzelne Wege der Gewaltfreiheit w\u00e4hlt.<\/p>\n<p><strong>Option f\u00fcr die Armen<\/strong><\/p>\n<p>Ein dritter Wesenszug des beliebten Volksheiligen Martin ist integral mit den zuvor genannten verkn\u00fcpft. Er entscheidet sich f\u00fcr Jesus Christus und den gewaltfreien Weg aufgrund seiner Begegnung mit den Armen. Sinnf\u00e4llig findet durch das Mantelteilen eine Friedensdividende statt. Sein Schwert dient nicht mehr zum K\u00e4mpfen, sondern zum Teilen von Besitz. Seine R\u00fcstung \u2013 der Mantel \u2013 wird aufgel\u00f6st, um die Armen damit zu kleiden. Er spricht kein Bettelverbot aus, sondern steigt vom Ross, um auf Augenh\u00f6he mit dem Bettler zu sein. Er weist Obdachlose nicht ins Nichts, sondern sch\u00fctzt sie mit dem Mantel vor der K\u00e4lte der Obdachlosigkeit. Wer den Mantel teilt, macht sich freilich verletzlich. Auch Martin, so die Legenden, musste zun\u00e4chst mit dem Spott der Umstehenden rechnen, weil er mit einem halben Mantel sehr h\u00e4sslich ausgesehen habe.<\/p>\n<p>Dem Ruf des neuen Bischofs von Innsbruck geht voraus, dass er in der Pfarre St. Andr\u00e4 und als Bischofsvikar der Caritas die Sorge um die an den Rand Gedr\u00e4ngten in den Mittelpunkt seines Wirkens stellte. Und schon die ersten \u00f6ffentlichen Stellungnahmen von Hermann Glettler erinnern so deutlich an den Martin von Tours. Er kritisierte die Entscheidung des Innsbrucker Gemeinderates zum N\u00e4chtigungsverbot im Freien. Das Interesse der Medien an seiner Ernennung n\u00fctzte der designierte Bischof mehrfach, um vor der \u201eaggressiven Abwehrhaltung gegen\u00fcber Migranten\u201c zu warnen oder die aktuelle Asylpolitik zu kritisieren, weil damit \u201ebewusst \u00c4ngste gesch\u00fcrt\u201c w\u00fcrden. Solche Worte w\u00fcrde wohl auch Martin heute sprechen: \u201eNur Z\u00e4une hochziehen und Menschen zur\u00fcckdr\u00e4ngen, die aus einer aussichtslosen Notlage kommen, w\u00e4re zumindest l\u00e4ngerfristig keine L\u00f6sung, die dem Evangelium entspr\u00e4che.\u201c<\/p>\n<p>Dr. Klaus Heidegger, Vorsitzender der Katholischen Aktion der Di\u00f6zese Innsbruck, 11. November 2017<\/p>\n<table style=\"height: 32px;\" width=\"726\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bischof aus dem Volk und f\u00fcr das Volk Vor einem Jahr wurden die Feierlichkeiten rund um die Erinnerung an 1700 Jahre Martin beendet. Ein Jahr danach hat die Di\u00f6zese Innsbruck nach langem Warten einen Nachfolger von Bischof Manfred Scheuer bekommen. Am 2. 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