{"id":3052,"date":"2017-12-14T04:57:55","date_gmt":"2017-12-14T04:57:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3052"},"modified":"2026-02-02T14:11:30","modified_gmt":"2026-02-02T14:11:30","slug":"fuer-eine-oeffnung-der-ehe-fuer-homosexuelle-aus-katholischer-sicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3052","title":{"rendered":"F\u00fcr eine \u00d6ffnung der Ehe f\u00fcr Homosexuelle aus katholischer Sicht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Katholische Kirche geschlossen gegen eine \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c?<\/strong><\/p>\n<p>Das Bild der katholischen Kirche in \u00d6sterreich erscheint einheitlich gegen die vom VfGH geforderte \u00d6ffnung der Ehe f\u00fcr homosexuelle Paare. Entschieden wird dessen Erkenntnis vom 4. 12. 2017, dass auf der Basis des Gleichheitsgrundsatzes und darauf aufbauend des Diskriminierungsverbotes gleichgeschlechtliche Paare im Eherecht mit verschiedengeschlechtlichen Paaren gleichgestellt werden sollen, von Bisch\u00f6fen, Theologen und Vorsitzenden der Laienverb\u00e4nde abgelehnt. Wenn ich im Religionsunterricht \u00fcber diese Frage rede, merke ich, wie meine Kirche in dieser Frage nicht verstanden wird. F\u00fcr fast alle Jugendlichen ist es gar keine Frage, warum gemischtgeschlechtliche Paare anders als gleichgeschlechtliche behandelt werden sollten. Als Religionslehrer begegnen mir dann sofort die berechtigten Anfragen von Seiten der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler: Warum stemmt sich die Kirche gegen eine Ehe f\u00fcr alle? Ist die Kirche im Kern nicht bleibend homophob eingestellt? Warum sind kirchliche Vertreter nicht froh dar\u00fcber, wenn Diskriminierungen gegen\u00fcber Schwulen und Lesben endlich aufgehoben werden? Warum mischt sich die Kirche ein, wenn es um eine zivile Ehe geht? Vergeblich warte ich auf innerkatholische Stellungnahmen, um sagen zu k\u00f6nnen: Nein, meine Kirche ist nicht so. Meine Kirche nimmt Schwule und Lesben in Schutz und signalisiert keine versteckte homophobe Grundtendenz. Meine Kirche begr\u00fc\u00dft die Judikatur des VfGH, damit Diskriminierungen aufgehoben werden. Meine Kirche geht vielleicht soweit, dass sie aufgrund ihrer positiven Bewertung von Treue, Verl\u00e4sslichkeit und ihrer wertsch\u00e4tzenden Haltung gegen\u00fcber der Sexualit\u00e4t auch die Sakramentalit\u00e4t gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in Erw\u00e4gung zieht.<\/p>\n<p><strong>Problematische Kritik am Verfassungsgerichtshof<\/strong><\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig vom konkreten Inhalt des VfGH ist es aus politischer Sicht nicht unbedenklich, wenn dessen Erkenntnisse so massiv infrage gestellt werden oder wenn er \u00fcberhaupt wegen seines Engagements kritisiert wird. Es liegt tats\u00e4chlich in der Kompetenz des H\u00f6chstgerichtes, die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit von Gesetzen auch in einer Weise interpretieren zu k\u00f6nnen, die im Widerspruch zu politischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen steht. Tats\u00e4chlich hat der VfGH immer wieder aufgrund seiner Kompetenzen sich quasi politisch eingemischt \u2013 und wohl fast ausnahmslos im Sinne dessen, was auch der Kirche wichtig war. Erinnert sei beispielsweise daran, dass der VfGH das Bettelverbot in Salzburg als unzul\u00e4ssig sah. Es k\u00f6nnte eine Zeit kommen, in der wir noch sehr froh sein k\u00f6nnten, wenn der VfGH auf der Basis von Menschenrechten tats\u00e4chlich ein W\u00e4chteramt aus\u00fcbt.<\/p>\n<p><strong>Gleichstellung, weil Gleichwertigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Wenn der Staat gleichgeschlechtliche Ehen erm\u00f6glicht, verdeutlicht er, dass schwule und lesbische Beziehungen nicht l\u00e4nger einen minderen Status haben. Dadurch k\u00f6nnen Vorurteile aufgebrochen werden und homosexuelle Paare stehen in einem Schutzverh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p><strong>Zeugungsf\u00e4higkeit als Kriterium f\u00fcr eine Ehe?<\/strong><\/p>\n<p>Die Hauptkritik an der kirchlichen Position gegen eine Ehe f\u00fcr alle betrifft in erster Linie das Junktim von Ehe und Zeugung von Nachkommenschaft. Gegner der Homoehe, von FP\u00d6 wie von Bisch\u00f6fen kommend, sagen: Weil Ehe immer mit der Zeugung von Nachkommenschaft verbunden sei, k\u00f6nne es eine Ehe auch nur zwischen einem Mann und einer Frau geben, weil nur aus einer solchen Verbindung Kinder entstehen k\u00f6nnen. Meine Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler wundern sich jedenfalls mit einfachem Hausverstand \u00fcber derlei Argumentationsweise. Da kann doch nicht die Fortpflanzungsf\u00e4higkeit als konstitutives Element von Ehe konstruiert werden, wenn diese auch bei vielen Heteropaaren l\u00e4ngst nicht mehr, beispielsweise aufgrund von Alter oder anderen Umst\u00e4nden, gegeben ist.<\/p>\n<p><strong>Wesensmerkmale der Ehe: Freiheit und Treue<\/strong><\/p>\n<p>Warum treten nun Bisch\u00f6fe auf, die von einer staatlichen Ehe reden, die sich von der kirchlichen immer weiter entferne? Auf die Gemeinsamkeiten wird kaum verwiesen. Dies ist erstens der Grundsatz der Freiheit. Eine Ehe kann nicht durch Zwang zustande kommen. Eine Homoehe w\u00fcrde prinzipiell nicht gegen diese Grunds\u00e4ule versto\u00dfen. Zweiter Wesenszug der Ehe ist die Treue. Untreue gilt auch aus staatlich-s\u00e4kularer Perspektive als gesetzlicher Regelbruch. Ausgehend von diesem Wesenszug der Ehe w\u00fcrden gleichgeschlechtliche Paare klar dokumentieren, dass auch ihre Beziehungen nicht auf Vorl\u00e4ufigkeit, sondern auf Dauer angelegt sind. Die Freude der Liebe, \u201eAmoris laetitia\u201c, von der Papst Franziskus in seinem p\u00e4pstlichen Rundschreiben so sch\u00f6n schreibt, ist kein ausschlie\u00dfliches Gut f\u00fcr Heteropaare. Wenn, so der Papst, Z\u00e4rtlichkeit als Bildnis f\u00fcr die Liebe Gottes gilt, so gilt dies wohl nicht nur f\u00fcr heterosexuelle Paare.<\/p>\n<p><strong>Sakramentalit\u00e4t der Ehe auch f\u00fcr homosexuelle Paare<\/strong><\/p>\n<p>Heute w\u00e4re es h\u00f6chst an der Zeit, wenn Vertreter der katholischen Kirche nicht nur davon ablassen w\u00fcrden, staatliche Regelungen und entsprechende h\u00f6chstgerichtliche Entscheidungen zu kritisieren, die gegen jegliche Diskriminierung schwuler und lesbischer Paare sind, sondern vielleicht sogar einen Schritt weitergehen w\u00fcrden und auch die Sakramentalit\u00e4t der Ehe nicht ausschlie\u00dflich auf heterosexuelle Paare beziehen w\u00fcrden. Das 1&#215;1 im katholischen Eheverst\u00e4ndnis lautet, dass die Ehe ein \u201eNatursakrament\u201c ist und insofern einen besonderen Charakter hat, weil es nicht von einem Priester oder Bischof gespendet wird, sondern die Eheleute sich dieses Sakrament durch die freie Zusage selbst spenden. Natursakrament bedeutet, dass in einer ehelichen Beziehung von sich aus Transzendenzerfahrungen m\u00f6glich sind, dass hier eine lebendige und wirksame Gegenwart des G\u00f6ttlichen im menschlichen Leben und Tun vorhanden ist. Ehe ist zugleich auch Sakrament, insofern es hier um einen kirchlichen Lebensvollzug geht. Sie ist Kernzelle christlicher Gemeinschaft und gilt als Ort personal gelebten Glaubens. Drittens schlie\u00dflich ist die Ehe auch Sakrament, insofern sie zeichenhaft die Liebe und Treue Gottes zu seinem Volk sichtbar macht. Das Einssein Gottes mit den Menschen dr\u00fcckt sich im Einssein der Sich-Liebenden aus. \u00a0Und wieder muss gefragt werden: Sind es nicht Wesensz\u00fcge, die in gleicher Weise f\u00fcr gleichgeschlechtlich Liebende gelten? W\u00fcrde daraus also nicht folgen, dass sich kirchliche Vertreter nicht nur l\u00e4nger gegen eine zivilrechtliche Ehe f\u00fcr alle stemmen, sondern auch in ihrem Bereich zumindest einmal Segensgottesdienste f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare erm\u00f6glichen w\u00fcrden, wie dies l\u00e4ngst schon in anderen Kirchen m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p><strong>Ehe als Institution f\u00fcr Vertrauen, Verl\u00e4sslichkeit und Verantwortung<\/strong><\/p>\n<p>Wer sich auf eine Ehe einl\u00e4sst, entscheidet sich ganz f\u00fcr einen Partner bzw. Partnerin \u2013 und dies auf \u201eLebenszeit\u201c. Das widerspricht dem Zeitgeist postmoderner Beliebigkeit und entspricht aber so ganz einem wesentlichen Punkt der traditionellen katholischen Ehelehre. Wer Ja zur Ehe sagt, stellt sein oder ihr Leben in den Dienst einer anderen Person, ist bereit, ganz f\u00fcr sie da zu sein in Gegenwart und Zukunft. In einer Zeit, in der mehr und mehr Menschen ohne Trauschein zusammenleben und in der fast die H\u00e4lfte aller Ehen wieder geschieden wird, ist es ein wundersch\u00f6nes Zeichen, dass Schwule und Lesben die eheliche Lebensform f\u00fcr sich entdecken.<\/p>\n<p><strong>Ein Traum finaler Gleichberechtigung<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte ist gepr\u00e4gt von einer Missachtung grundlegender Rechte f\u00fcr homosexuelle Menschen \u2013 und auch in der Geschichte der Kirche besch\u00e4digten homophobe und diskriminierende Urteile und Verhaltensweisen das Bild der Kirche. Umso mehr ist es zu bedauern, wenn die katholische Kirche in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung nun wieder so erscheint, als st\u00fcnde sie mit ihrer Lehre und Praxis einer Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben im Wege.<\/p>\n<p>Noch ist es nur eine Wunschvorstellung. Schwule und lesbische Paare k\u00f6nnen sich gleichberechtigt wie heterosexuelle Paare das Sakrament der Ehe spenden und die Kirche erkennt solche Verbindungen an. Es wird eine Kirche sein, die sich von der B\u00fcrde und Schuld einer homophoben Vergangenheit endg\u00fcltig befreit hat. Es wird deutlich sein, dass nie mehr Homosexualit\u00e4t und auch nicht homosexuelle Handlungen als solche als S\u00fcnde angesehen werden. S\u00fcnde ist der Missbrauch der Sexualit\u00e4t. S\u00fcnde ist der Sexismus und die Abwertung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts oder der sexuellen Orientierung.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 13.12.2017, dem Festtag der Hl. Lucia, <a href=\"mailto:klaus.heidegger@aon.at\">klaus.heidegger@aon.at<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Katholische Kirche geschlossen gegen eine \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c? Das Bild der katholischen Kirche in \u00d6sterreich erscheint einheitlich gegen die vom VfGH geforderte \u00d6ffnung der Ehe f\u00fcr homosexuelle Paare. 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