{"id":3078,"date":"2017-12-28T16:23:34","date_gmt":"2017-12-28T16:23:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3078"},"modified":"2026-02-02T14:10:38","modified_gmt":"2026-02-02T14:10:38","slug":"respektvolle-argumentation-ueber-ehe-fuer-alle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3078","title":{"rendered":"Respektvolle Argumentation \u00fcber \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Notwendiger Dialog statt pauschaler Unterstellungen<\/strong><\/p>\n<p>Auf meinen Artikel im derstandard.at zur \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c aus katholischen Blickwinkeln erhielt ich etliche, meist positive E-Mails. Namen und genauere Andeutungen kann ich hier keine nennen. Ein schwules Paar aus einem benachbarten Bundesland bedankte sich. Sie w\u00fcrden sich, so die beiden, in ihrem Dorf st\u00e4ndig ausgegrenzt und schlecht f\u00fchlen, weil sie als Paar zusammenleben. Die Reaktionen der katholischen Kirche zur \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c haben sie verletzt. Umso mehr freuten sich beide \u00fcber meine Argumentation, dass die Kirchen eine gleichgeschlechtliche Ehe akzeptieren sollten und dar\u00fcber hinaus auch die Sakramentalit\u00e4t einer solchen Beziehung anerkennen sollten. Ein anderes schwules Paar aus einer Landeshauptstadt schrieb mir, dass sie mit ihren Pflegekindern darauf hoffen, dass die Kirche auch ihre Partnerschaft gleich wie eine Ehe eines Tages anerkennen werde.<\/p>\n<p><strong>Gleiches soll gleich behandelt werden<\/strong><\/p>\n<p>Das VfGH-Erkenntnis in \u00d6sterreich ging vom Gleichheitsgrundsatz aus, mit dem das Diskriminierungsverbot verkn\u00fcpft ist. Demnach m\u00fcssten gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht nur eine \u201eEingetragene Partnerschaft\u201c eingehen d\u00fcrfen, sondern auch eine Ehe abschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Der gro\u00dfe Dissens zwischen den Vertretern der katholischen Kirchenleitung besteht nun in der Frage, ob Heteroehen wirklich gleich sind wie Homoehen. Erstere, so das Hauptargument katholischer Bisch\u00f6fe, seien anders zu beurteilen, weil nur eine gemischtgeschlechtliche Ehe Zeugungsf\u00e4higkeit und damit Offenheit f\u00fcr Kinder beinhalte.<\/p>\n<p>\u00dcber dieses Argument sollte ein Dialog stattfinden, ohne dass der einen oder der anderen Seite der gute Wille abgesprochen wird und ohne dass beispielsweise Bisch\u00f6fe gleich wieder ein homophobes M\u00e4ntelchen umgeh\u00e4ngt bekommen, so als seien sie schwulen- oder lesbenfeindlich, weil sie sich gegen die \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c aussprechen. Mein Heimatbischof, Hermann Glettler, beabsichtigt sicherlich nicht, schwule oder lesbische Beziehungen in ein s\u00fcndhaftes und homophobes Eck zu stellen. Im Gegenteil: Er bedauert ausdr\u00fccklich die jahrhundertealte Diskriminierung von Homosexuellen. Wer Bischof Hermann kennt, wei\u00df, wie sehr ihm Diversit\u00e4t und Andersseind\u00fcrfen ein Anliegen sind, wie sehr er beispielsweise besonders zu Menschen Br\u00fccken schl\u00e4gt, die oftmals weit weg von der Kirche sind. Es ist bedauerlich, wenn nun von einigen (wenigen!) Bef\u00fcrwortern der \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c undifferenziertes Kirchenbashing betrieben oder kirchlichen Vertretern geraten wird, sich besser in diesen Dingen nicht \u00f6ffentlich zu \u00e4u\u00dferen. \u00a0Auf der anderen Seite sind auch so manche Worte der Kritiker einer \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c nicht geeignet, um Wege zueinander zu finden. Wer von Gleichmacherei oder gar Gleichschaltung spricht, verwendet Begriffe, die verletzend sind, weil sie dem berechtigten Anliegen der Gleichbehandlung nicht gerecht werden. Es geht eben nicht um Gleichmacherei, sondern im Gegenteil darum, dass das Anderssein in der Frage sexueller Orientierungen gleich behandelt wird.<\/p>\n<p><strong>Sch\u00f6pfungsordnung bejahen<\/strong><\/p>\n<p>In den bisch\u00f6flichen Stellungnahmen wird gerne von der \u201eSch\u00f6pfungsordnung\u201c gesprochen und argumentiert, dass diese eben vorgibt, dass nur ein Mann und eine Frau miteinander Kinder zeugen k\u00f6nnen. Gerade das Argument von der Sch\u00f6pfungsordnung k\u00f6nnte aber auch eine gleichgeschlechtliche Ehe begr\u00fcnden. Homosexualit\u00e4t, so die Erkenntnisse von Humanmedizin oder Psychologie, ist immer wesentlich biologisch bestimmt, was letztlich hei\u00dft, ein schwules oder lesbisches Paar findet auch aufgrund der eigenen Veranlagung zusammen, nicht jedoch, um miteinander Kinder zu zeugen, sondern um eine dauerhafte Partnerschaft mit Rechten und Pflichten einzugehen.<\/p>\n<p><strong>Zeugungsf\u00e4higkeit als Postulat f\u00fcr Ehef\u00e4higkeit<\/strong><\/p>\n<p>Letztlich gibt es einen einzigen Punkt, der im Dialog gekl\u00e4rt werden m\u00fcsste. Geh\u00f6rt die F\u00e4higkeit, Kinder zu zeugen, tats\u00e4chlich zum unumst\u00f6\u00dflichen Merkmal einer Ehe? In mehrfacher Hinsicht ist eine postulierte Verkn\u00fcpfung von Ehe mit Zeugungsf\u00e4higkeit in sich nicht aufrechtzuerhalten. So d\u00fcrfen gemischtgeschlechtliche Ehen geschlossen werden, auch wenn aufgrund verschiedener Umst\u00e4nde eine Offenheit bzw. Zeugungsf\u00e4higkeit nicht gegeben ist. Der prim\u00e4re Ehezweck besteht stets in dem Eingehen einer dauerhaften Beziehung mit Rechten und Pflichten, zu denen wesentlich die Treue und das F\u00fcreinandersorgen geh\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>Heterosexualit\u00e4t und Homosexualit\u00e4t mit g\u00f6ttlichem Qualit\u00e4tsausweis<\/strong><\/p>\n<p>Die Diskussion \u00fcber eine Ehe f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare findet in der Weihnachtszeit statt. Christen denken an die Menschwerdung. Die Theologie spricht von der Inkarnation. Sexualit\u00e4t geh\u00f6rt zum ganzen Menschsein. Verkn\u00fcpft mit Achtsamkeit, Liebe, Verantwortungsbewusstsein, Treue und Verl\u00e4sslichkeit wird sie als g\u00f6ttliches Geschenk erfahren. \u00a0Es geht immer um ein ganzes Mensch sein d\u00fcrfen. Das gilt auch f\u00fcr Homosexuelle. Wir leben aber weiterhin in einer Gesellschaft, in der laut Studien jeder vierte LGB-Jugendliche einmal Suizidgedanken hatte. Wir leben in einem Staat, in der Vertreter und Vertreterinnen einer Regierungspartei wiederholt mit homophoben \u00c4u\u00dferungen aufgefallen sind. Wir leben in einer Welt, in der in vielen Staaten Homosexuelle mit Kerker und Tod bedroht werden. Da k\u00f6nnte und m\u00fcsste die katholische Kirche gemeinsam mit anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften klar signalisieren, dass sie gegen jegliche Diskriminierung von homosexuellen Menschen auftritt und deren Akzeptanz in Religionsgemeinschaften, Kirchen und Gesellschaft mit allem Nachdruck bef\u00fcrwortet. Leider ist dieser Wunsch in den letzten Wochen nicht in Erf\u00fcllung gegangen und es ist ein Bild entstanden, als h\u00e4tten sich katholische Kirche und LGB-Organisationen weit voneinander entfernt. Es ist also h\u00f6chste Zeit, wieder neue Br\u00fccken zu bauen.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 28.12.2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Notwendiger Dialog statt pauschaler Unterstellungen Auf meinen Artikel im derstandard.at zur \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c aus katholischen Blickwinkeln erhielt ich etliche, meist positive E-Mails. Namen und genauere Andeutungen kann ich hier keine nennen. Ein schwules Paar aus einem benachbarten Bundesland bedankte sich. 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