{"id":3357,"date":"2018-08-15T04:05:14","date_gmt":"2018-08-15T04:05:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3357"},"modified":"2022-08-22T07:39:35","modified_gmt":"2022-08-22T07:39:35","slug":"companera-maria-gebet-zu-maria-am-fest-mariae-himmelfahrt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3357","title":{"rendered":"Compa\u00f1era Maria &#8211; Gebet zu Maria am Fest Mari\u00e4 Himmelfahrt"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3358 alignright\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Mariazell-Gnadenstatue.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"358\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Mariazell-Gnadenstatue.jpg 250w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Mariazell-Gnadenstatue-209x300.jpg 209w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>Mirjam, dein j\u00fcdischer Name, er erinnert an das \u201eWiderspenstige\u201c und \u201eUngez\u00e4hmte\u201c und an jene Befreiungsgeschichte mit Mose und seiner Schwester, ich bete zu dir. Maryam, wie du im Koran genannt wirst, ich verehre dich. Maria, dein griechischer und zugleich r\u00f6mischer Name und damit ein Name f\u00fcr die Weite des damaligen Reiches wie f\u00fcr die Weite der heutigen Welt, mit all den Namen, mit denen du angebetet, angerufen und verehrt wirst, du Mutter und Gef\u00e4hrtin des Jesus von Nazareth, ich m\u00f6chte, dass du meine Compa\u00f1era bist, meine Begleiterin, mit dir durch diese Welt gehen, deine Kraft im Leben und in dieser Welt sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Du \u00f6ffnest mir den Blick in die Himmel, ohne diese Welt zu vergessen. Das Aufgenommen-in-den-Himmel lenkt mich nicht ab vom Irdischen, sondern l\u00e4sst die Himmel im Hier und Heute erkennen, l\u00e4sst mich danach sehnen, dass ein St\u00fcck des Himmels auch lebendig wird, wo ich lebe. Mit Haut und Haaren \u2013 so hei\u00dft es im Dogma \u2013 bist du aufgenommen im Himmel, mit deiner ganzen Leiblichkeit. Das passt zu dir und meiner Sehnsucht: Kein manich\u00e4isches Trennen von Geist und Leib, kein gnostisches Verachten all dessen, was mit K\u00f6rper verbunden ist. Das taugt als politisches Programm gegen all die Vertr\u00f6stungen und Weltfl\u00fcchte.<\/p>\n<p>Du bist die Mutter Jesu, Mutter des Heilands, und doch sehe ich dich f\u00fcr mich bewusst nicht in der M\u00fctterlichkeit, weil ich nicht dein Kind bin, weil ich auf Augenh\u00f6he mit dir sein m\u00f6chte, dich von den \u00fcberh\u00f6hten Alt\u00e4ren herunter in diese Welt holen m\u00f6chte, dich befreien vom Gold und Silber und den schweren Gew\u00e4ndern, von Sternenkr\u00e4nzen und Kronen und vor allem von der Vereinnahmung durch kriegerische Machthaber, von M\u00e4nnern, die bis zum heutigen Tage in Soldatenuniformen und mit Waffen in den H\u00e4nden ihre Gel\u00f6bnisse vor dir sprechen.<\/p>\n<p>Ich sehe dich als j\u00fcdische Frau, gef\u00fcllt mit Tr\u00e4umen nach einem erf\u00fcllten Leben und jenem Traum nach dem messianischen Friedensreich, der von Prophetinnen und Propheten formuliert worden ist. Dazu hast du dein \u201ees m\u00f6ge geschehen\u201c gesprochen. Wie jede fromme J\u00fcdin hast du an den Schalom geglaubt. Je mehr Unfrieden und Ungerechtigkeit zu deiner Zeit erfahrbar waren, desto st\u00e4rker wurde zugleich dieser Traum umgem\u00fcnzt in politischen Widerstandsgeist. Diesen Traum hast du in deinem Sohn gro\u00df werden lassen. Jehoschua hast du ihn genannt, \u201eGott rettet\u201c.<\/p>\n<p>Als M\u00e4dchen schon wirst du damals mit einem Mann verlobt worden sein. So sahen es Br\u00e4uche, Gesetze und Kultur vor. Du hattest Gl\u00fcck mit deinem Verlobten. Josef ist zu dir gestanden, als du, die Erniedrigte, viel zu jung schwanger geworden bist. Der Bauhandwerker aus Nazaret hat dich nicht versto\u00dfen, weil er verliebt war in dich, weil er dich liebte, weil er wie du an die Botschaften der Engel glaubte. Solidarit\u00e4t als Wurzel der Befreiung. Auch in Elisabeth, die dir Deckung gab, hattest du frauensolidarische St\u00fctze. So konnte dann in deinem Leib jenes Kind gro\u00df werden, das als Retter der Welt, als Heiland, als Menschensohn, als Messias, ja sogar als Sohn Gottes gilt.<\/p>\n<p>Du warst in den Augen der M\u00e4chtigen, der r\u00f6mischen Besatzer und ihrer Kollaborateure eine Rebellin. \u201eDie M\u00e4chtigen st\u00fcrzt er vom Thron und erh\u00f6ht die Erniedrigten \u2026 die Verarmten wird er beschenken und die Reichen werden leer ausgehen\u2026 \u201c So hast du gesungen. Es war das revolution\u00e4re Wiegenlied f\u00fcr deinen Sohn.<\/p>\n<p>Die M\u00e4chtigen haben im Laufe der Jahrhunderte etwas anderes aus dir gemacht. Du wurdest zur Magna Mater Austriae, und in Mariazell verdichtet sich die ganze Ambivalenz deiner Verehrung. Ich sehe dich als Marizeller Madonna in der \u00fcber und \u00fcber mit Silberschmuck gef\u00fcllten Kapelle. Schade, dass jener \u00fcberlange Zeigefinger deiner linken Hand durch das Prunkgewand verdeckt ist. Mit ihm weist du auf Jesus hin, der einen Apfel in der Hand h\u00e4lt. Mit Jesus kann die Erbs\u00fcnde \u00fcberwunden werden. Jesus, der neue Adam. Erbs\u00fcnde bedeutet damals wie heute: Die Versuchung, Gewalt mit Gewalt bek\u00e4mpfen zu wollen, Feindschaft mit Feindschaft zu beantworten, auf ein b\u00f6ses Wort mit einem b\u00f6sen Wort zu reagieren. Dein ausgestreckter Zeigefinger in der gotischen Figur will uns sagen: Lebt und handelt so, wie es Jesus gelebt und gelehrt hat. Dazu z\u00e4hlt Gewaltverzicht und der t\u00e4glich neue Auftrag, sich zu verzeihen und zu vers\u00f6hnen mit all dem Unvers\u00f6hnten. Es gilt auch f\u00fcr mein Leben.<\/p>\n<p>Wie kontr\u00e4r ist allerdings dann das, was sie aus dir gemacht haben. Man behauptete, du h\u00e4ttest K\u00f6nige zu grausamen Schlachten ermutigt. So wurdest du instrumentalisiert als Aufruf zum kriegerischen Gemetzel. In der Gegenreformation wurdest du als Maria von Mariazell zur \u201eGeneralissima\u201c und die Steiermark, die damals zu Zweidrittel evangelisch war, wurde zwangskatholisiert. Unter deinem Schutz? Du wurdest mit dem Epitheton \u201eSiegerin in allen Schlachten\u201c versehen. Du Maryam, die von den Muslimen verehrte Mutter des Propheten und Gesandten Isa, wurdest zur Galionsfigur im Kampf gegen Muslime.<\/p>\n<p>Dir zu Ehren wird in meinem Land der Hohe Frauentag festlich begangen. Verbunden mit ihm ist aber auch die Erinnerung an 1809 und das grausame Schlachten, an Elend und Armut, das darauf folgte. Das war bestimmt nicht in deinem Sinne, die die Feinde liebte, um sie zu entfeinden.<\/p>\n<p>Du wurdest mit dem Titel \u201eJungfrau\u201c versehen und so in der Phantasie vieler Menschen bis zum heutigen Tag von erotischer Leiblichkeit getrennt \u2013 dabei hattest du doch mit Josef noch einige Kinder. Mit dir verbunden wurde das Wort \u201eunbefleckte Empf\u00e4ngnis\u201c und wieder wird f\u00e4lschlich assoziiert, dass all dies, was mit Sexualit\u00e4t und der biologischen Wirklichkeit zu tun hat, negativ sei. Wei\u00df-blass-bl\u00e4ulich-entr\u00fcckt und mit unterw\u00fcrfigem Hundeblick \u2013 so sehe ich dich nicht. Als mit dem Leib in den Himmel Aufgenommene bist du die befreiungstheologische Kraftquelle gegen jegliche Repression.<\/p>\n<p>Maryam, Mirjam, Maria \u2013 die Herrschaftsgeschichte hat dich \u00fcbel missbraucht. Heute sage ich: Du bist, wie es Martin Luther formulierte, die \u201ezarte Mutter Christi\u201c und Botin jener Z\u00e4rtlichkeit Gottes, von der Papst Franziskus in seinen Worten immer wieder spricht. Du trittst aus den Bildern und von den Alt\u00e4ren und bist mir Schwester im Glauben mit deinem subversiven Gesang, wie es einst Kurt Marti formulierte.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 15. 8. 2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Mariazell-Gnadenstatue.jpg' class='thumbnail' \/>Mirjam, dein j\u00fcdischer Name, er erinnert an das \u201eWiderspenstige\u201c und \u201eUngez\u00e4hmte\u201c und an jene Befreiungsgeschichte mit Mose und seiner Schwester, ich bete zu dir. Maryam, wie du im Koran genannt wirst, ich verehre dich. 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