{"id":3387,"date":"2018-09-04T18:54:36","date_gmt":"2018-09-04T18:54:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3387"},"modified":"2026-02-02T14:30:13","modified_gmt":"2026-02-02T14:30:13","slug":"ehe-fuer-gleichgeschlechtlich-liebende-aus-einer-katholischen-sichtweise","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3387","title":{"rendered":"\u201eEhe f\u00fcr gleichgeschlechtlich Liebende\u201c \u00a0aus einer katholischen Sichtweise"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ausgangspunkt: Erkenntnis des VfGH vom Dezember 2017 und die Umsetzung<\/strong><\/p>\n<p>Bald j\u00e4hrt sich das Erkenntnis des VfGH (4.12.2017), dass eine Unterscheidung zwischen Ehe und eingetragener Partnerschaft das Diskriminierungsverbot verletzt. Mit Beginn des Jahres 2019 werden in \u00d6sterreich somit gleichgeschlechtliche Paare den verschiedengeschlechtlichen Paaren in der Frage der Eheschlie\u00dfung gleichgestellt werden. Gleichzeitig steht dann die eingetragene Partnerschaft auch verschiedengeschlechtlichen Paaren offen. Der VfGH begr\u00fcndete sein Urteil damit, dass zwei unterschiedliche Rechtsinstitute \u2013 Ehe f\u00fcr Heteropaare und eingetragene Partnerschaft f\u00fcr Homosexuelle \u2013 letztlich fortschreiben, dass homosexuelle Paare zum Unterschied von Heteropaaren weniger wert seien und damit diskriminiert w\u00fcrden. Justizminister Moser k\u00fcndigte k\u00fcrzlich an, die Vorgaben des VfGH bald umsetzen zu lassen. Dies f\u00fchrte zu Kritik einiger Organisationen aus der katholischen Kirche und k\u00f6nnten das Bild entstehen lassen, als sei die gesamte katholische Kirche gegen eine \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c. Die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verb\u00e4nde (AKV), die wesentlich von den Kartellverbindungen gepr\u00e4gt werden, schrieb in einer Stellungnahme, dass es gen\u00fcgen w\u00fcrde, die eingetragene Partnerschaft f\u00fcr alle Paare zu erm\u00f6glichen. (Kathpress 4.9.2018) Die Ehe allerdings, so die AKV, sei untrennbar damit verkn\u00fcpft, eine Verbindung von Mann und Frau zu sein und offen f\u00fcr den Kindernachwuchs zu sein. Eine fast gleichlautende Argumentation w\u00e4hlte der Pr\u00e4sident des Katholischen Familienverbandes (KF\u00d6), Alfred Trendl. Zus\u00e4tzlich, so der KF\u00d6, k\u00f6nnte durch die \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c die Leihmutterschaft eingef\u00fchrt werden. Auch der Katholische Laienrat \u00d6sterreichs \u00e4u\u00dferte sich bei der Vollversammlung gegen eine \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c.<\/p>\n<p>Was aber sagen und schreiben katholische Theologinnen und Theologen? Wo sind die anderen Stimmen innerhalb der katholischen Kirche, die angesichts eines jahrhundertealten furchtbaren Unrechts, das Schwule und Lesben erfahren mussten, sehr achtsam sind, wenn es um die gleichen Rechte homosexueller Menschen geht? Als Vorsitzender der Katholischen Aktion der Di\u00f6zese Innsbruck ist es mir ein Anliegen, gerade auch auf das hinzuh\u00f6ren, was Schwule und Lesben heute im Sinne der Gleichberechtigung erwarten.<\/p>\n<p><strong>Achtsamkeit gegen\u00fcber Homosexualit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Papst Franziskus hat es im vergangenen Sommer nach seiner Irlandreise gut auf den Punkt gebracht: Stille und Schweigen ist in Sachen Homosexualit\u00e4t der falsche Weg, auch wenn es in diesem Bereich innerhalb der katholischen Kirche Polarisierungen gibt. Mit Blick auf das folgende Zitat w\u00e4re es falsch, dem Papst zu unterstellen, er w\u00fcrde Homosexualit\u00e4t verurteilen. W\u00f6rtlich meinte er zu den Eltern, wenn sie erfahren, dass ihr Sohn schwul oder ihre Tochter lesbisch ist: \u201eAber ich w\u00fcrde nie sagen, dass Stille ein Heilmittel ist. Einen Sohn oder eine Tochter mit homosexuellen Tendenzen zu ignorieren, ist ein Mangel an V\u00e4terlichkeit oder M\u00fctterlichkeit. Du bist mein Sohn, du bist meine Tochter, so wie du bist! Ich bin dein Vater, deine Mutter. Lass uns reden! Und wenn du, Vater und Mutter, nicht dazu f\u00e4hig bist, frag um Hilfe. Aber immer im Dialog, denn dieser Sohn oder diese Tochter hat das Recht auf eine Familie und nicht aus dieser herausgejagt zu werden. Das ist eine ernste Herausforderung, aber das macht V\u00e4terlichkeit und M\u00fctterlichkeit aus.&#8220;<\/p>\n<p>Die zivilrechtliche Einf\u00fchrung der \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c b\u00f6te Gelegenheit, eine jahrundertealte Schuld gegen\u00fcber gleichgeschlechtlich Liebenden aufzuarbeiten und sich ganz deutlich von jeglichen Diskriminierungen abzusetzen. Bedauernswert ist, wenn kirchlich-katholische Organisationen die zivilrechtliche Einf\u00fchrung einer \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c ablehnen bzw. sich dazu negativ \u00e4u\u00dfern. Es w\u00e4re gerade aus theologischer Sicht wichtig, andere Dimensionen ins Spiel zu bringen, als sich an dem \u00fcberholten Diktum festzubei\u00dfen, dass nur eine heterosexuelle Partnerschaft verbunden mit der Offenheit f\u00fcr Kinder Ehe genannt werden d\u00fcrfe.<\/p>\n<p><strong>Ehe in christlichen Sichtweisen<\/strong><\/p>\n<p>Martin Luther hatte es in seiner pointierten Sprache im Jahr 1530 in einer Schrift \u00fcber die Ehe so formuliert: \u201eDie Ehe ist ein weltlich Ding.\u201c Seit der Reformation ist Ehe aus evangelischer Sicht kein Sakrament mehr wie die Taufe oder das Abendmahl. Anders in der katholischen Kirche. Die Ehe hat \u2013 kirchlich gesehen \u2013 als eines der sieben Sakramente einen ganz besonderen Wert und eine herausragende Bedeutung im kirchlichen Leben. Doch auch f\u00fcr Martin Luther war die Ehe zugleich ein \u201eheiliger Stand\u201c und damit ist diese Lebensform weit mehr als ein \u201eweltlich Ding\u201c. Sie ist eine \u201eheilige Angelegenheit\u201c.<\/p>\n<p>In der folgenden Darstellung geht es mir darum, aus einem theologischen Blickwinkel zu begr\u00fcnden, warum die r\u00f6misch-katholische Kirche nicht nur die geplante zivilrechtliche Einf\u00fchrung der Ehe f\u00fcr alle in \u00d6sterreich ab 2019 positiv annehmen sollte, sondern selbst auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften als Ehen in einem christlichen Sinne werten und ihnen damit auch kirchliche Trauungen erm\u00f6glichen sollte. Mir ist bewusst, dass eine solche Positionierung bislang innerkatholisch kaum diskutiert worden ist. Im besten Falle wurden Segnungsfeiern f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare angedacht. Kirchliche Repr\u00e4sentanten verschanzen sich weiterhin hinter den traditionellen Positionen, die eine Ehe exklusiv als Beziehung zwischen Mann und Frau definieren, die noch dazu auf die Zeugung von Nachkommenschaft angelegt sei.<\/p>\n<p>Auf politischer Ebene setzte auch die neue \u00d6VP auf solche Positionen, wenn beispielsweise Gudrun Kugler als Menschenrechtssprecherin der \u00d6VP im Nationalrat ernannt worden ist. Die Nationalr\u00e4tin wurde als Aktivistin bekannt, die gegen gleiche Rechte f\u00fcr Homosexuelle k\u00e4mpfte und unter anderem meinte, dass christliche Standesbeamte auch eine eingetragene Partnerschaft aus Glaubensgr\u00fcnden ablehnen d\u00fcrfen. Dies zeigt, dass es Kr\u00e4fte gibt, die gezielt die errungene Gleichstellung wieder r\u00fcckg\u00e4ngig machen m\u00f6chten.<\/p>\n<p><strong>Ehe als Realsymbol der Liebe Gottes<\/strong><\/p>\n<p>Laut Lehre der katholischen Kirche wird die Ehe als umfassende personale und partnerschaftliche Lebensgemeinschaft gesehen. Der Ehebund kommt durch das Ja-Wort zustande. Damit schenken sich die Partner selbst dieses Sakrament. Es ist das einzige der sieben Sakramente, in dem nicht ein Diakon, Priester oder Bischof der Spender ist \u2013 mit Ausnahme von einer Nottaufe. Tragende Elemente der Ehe sind die gegenseitige Hingabe, das F\u00fcreinander-da-Sein, das Sich-selber-Schenken. Theologisch gewendet wird die Ehe immer als sinnlich-begreifbares Abbild der Liebe Gottes zu uns Menschen gesehen. Treue wiederum ist das Markenzeichen dieser Liebe.<\/p>\n<p>Die katholische Kirche stellt den Jesusbezug zu allen Sakramenten her. Der normative R\u00fcckbezug auf Jesus von Nazareth bedeutet in diesem Fall, dass in der Partnerschaft das Handeln Jesu zum Ausdruck kommen sollte. In diesem Sinne \u2013 nicht in einem institutionell-formalen Sinn \u2013 wurde die Ehe als Sakrament von Jesus Christus eingesetzt. Die Sakramentalit\u00e4t der Ehe ist nicht so sehr die Hochzeit bzw. kirchliche Trauung, sondern wirkt sich im allt\u00e4glichen Eheleben aus, wo heilende Begegnungen stattfinden, die Gott ersp\u00fcren lassen. Ehe geschieht im Dienst f\u00fcreinander. Ehe geschieht dann, wenn sich die Partner annehmen, wie sie sind, sich verzeihen k\u00f6nnen, sich aufeinander verlassen k\u00f6nnen. Ehen sind deswegen, wie es das Zweite Vatikanum nennt, \u201eHauskirchen\u201c.<\/p>\n<p>Diese christliche Sicht von Ehe finden wir auch bei Martin Luther und den evangelischen Kirchen. Da z\u00e4hlt es, st\u00e4ndig neu an seiner Partnerschaft zu arbeiten, sich immer wieder neu zu vers\u00f6hnen. Es geht um Achtung, Respekt und gegenseitiges Vertrauen. Ein evangelischer Theologe hat es einmal so formuliert: \u201eNach reformatorischer Auffassung hat eine Partnerschaft erst dann das Zeug zu einer christlichen Ehe, wenn beide Partner zu der Gewissheit gelangen k\u00f6nnen: Das gef\u00e4llt Gott!\u201c<\/p>\n<p>Die Theologie des Ehesakramentes, all die positiven Aspekte, die \u00fcber Ehe formuliert worden sind, gelten sie nun nur f\u00fcr gemischtgeschlechtliche Paare? Daf\u00fcr gibt es letztlich keine Begr\u00fcndung. Im Gegenteil. Jeder theologische Aspekt der Ehe gilt in gleicher Weise auch f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare. Auch in ihrer Liebe kann die Liebe Gottes sichtbar werden. Auch sie k\u00f6nnen die Treue Gottes zu uns Menschen versinnbildlichen. Auch sie k\u00f6nnen den Christusbezug verk\u00f6rpern, indem ihre Partnerschaft zur Nachfolgegemeinschaft wird. Auch in ihr kann sich die Gnade entfalten und auch in ihr kann die heilige Geistkraft wirksam werden. Wenn diese Aspekte auch f\u00fcr gleichgeschlechtlich Liebende gesehen werden, dann h\u00f6rt sich jene diskriminierende Sichtweise auf, die gleichgeschlechtlich Liebende auf Sexualit\u00e4t reduziert. Es wird sichtbar, wie viele andere Dimensionen \u2013 gleich wie bei Heteropaaren \u2013 gleichgeschlechtliche Paare haben.<\/p>\n<p>Eine Ehe und Partnerschaft wird aus dieser Perspektive nicht vorrangig unter dem Aspekt der sexuellen Orientierung beurteilt, sondern es geht um einen respektvollen Umgang, um Liebe, Verantwortung und Verl\u00e4sslichkeit als Grundlagen von Partnerschaft und Familie.<\/p>\n<p><strong>Die Kirche bekr\u00e4ftigt und st\u00e4rkt das Ja der Liebenden<\/strong><\/p>\n<p>Das Besondere an der kirchlichen Trauung ist, dass auch die Kirche das Ja zur Liebesgemeinschaft der beiden Ehepartner ausspricht. Es ist nicht nur Sache des Liebespaares, nicht nur Sache des Standesamtes, nicht nur zivilrechtlich geregelt und nicht nur bedeutsam f\u00fcr das Finanzamt. Zum Ja-Wort der Liebenden kommt das Ja-Wort der Kirche, die das Ja Gottes f\u00fcr das Paar erbittet. Ob das gemeinsame Leben gelingt, liegt nicht nur im Paar selbst begr\u00fcndet, sondern auch im Zuspruch von Freunden und Freundinnen und Familien. Gerade in einer Zeit, in der es vielfach einen R\u00fcckzug ins Private gibt, ist dieser soziale Aspekt sehr wichtig. Die Gemeinschaft wird das Paar st\u00e4rken \u2013 gerade dann, wenn eine Ehe einmal in schwierige Phasen kommen sollte. Genauso bringt eine Ehe ihre geb\u00fcndelte Kraft in die Gemeinschaft ein.<\/p>\n<p>Wiederum ist dieser ekklesiologische Aspekt bedeutsam f\u00fcr gleichgeschlechtlich Liebende. So wird deutlich, dass die Kirche den Wert solcher Partnerschaften voll anerkennt \u2013 und nicht nur ein wenig oder unter dem Aspekt herablassender Toleranz. Nein, gleichwertig!<\/p>\n<p><strong>Segensfeier f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare<\/strong><\/p>\n<p>Bereits im Jahr 2001 hatte die Katholische M\u00e4nnerbewegung \u00d6sterreichs (KMB\u00d6) im Anschluss an eine Konferenz um die Erm\u00f6glichung von Segensfeiern f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare in der katholischen Kirche gebeten. Allerdings machte die KMB\u00d6 den Unterschied: Segnung ja, kirchliche Trauung nein, denn, so die Argumentation: \u201eDem Wunsch nach der Ehe k\u00f6nnen wir nicht zustimmen, da das Sakrament der Ehe f\u00fcr uns per definitionem \u201af\u00fcr die Liebe der Partner zueinander und zur Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft\u2018 eingesetzt wurde.\u201c Eine Segensfeier sollte allerdings dazu dienen, dass Schwule und Lesben eine \u00f6ffentliche und verantwortete Partnerschaft erm\u00f6glicht werde.<\/p>\n<p>Damals wurden die KMB\u00d6-Funktion\u00e4re vom zust\u00e4ndigen Referatsbischof Christian Werner sowie vom St. P\u00f6ltner Di\u00f6zesanbischof Kurt Krenn auf Sch\u00e4rfste zur\u00fcckgewiesen. Letzterer verlangte, dass die \u201eIrrt\u00fcrmer\u201c \u00f6ffentlich widerrufen werden m\u00fcssten und dass die \u00c4u\u00dferungen der M\u00e4nnerbewegung \u201eschwerwiegend gegen die Glaubens- und Sittenlehre der Kirche versto\u00dfen\u201c. Eine Organisation, die solche Positionen vertrete, k\u00f6nne und d\u00fcrfe das Wort \u201ekatholisch\u201c nicht in Anspruch nehmen. Christian Werner sprach sich ebenfalls wie der f\u00fcr Familienangelegenheiten zust\u00e4ndige Bischof Klaus K\u00fcng klar gegen eine Segnung aus, weil dies als Trauung missverstanden werden k\u00f6nnte \u2013 diese aber Mann und Frau vorbehalten sei. Egon Kapellari, damals Di\u00f6zesanbischof von Graz-Seckau, meinte im Gleichklang, \u201edass eine kirchliche Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften von allen katholischen Bischofskonferenzen einhellig abgelehnt wird, weil sie der kirchlichen Lehre klar widerspricht\u201c.<\/p>\n<p>Diese negative Sicht von Segnungsfeiern f\u00fcr gleichgeschlechtlich Liebende wird gespeist aus den jahrhundertealten Vorurteilen gegen\u00fcber homosexuellen Menschen. Tats\u00e4chlich wurde \u2013 und wird \u2013 meist das Wort von der \u201eSch\u00f6pfungsordnung\u201c verwendet, womit gemeint ist: Schwule und Lesben w\u00fcrden gegen die Sch\u00f6pfungsordnung handeln, wenn sie eine Partnerschaft eingehen. Vereinfacht gesagt hei\u00dft dies: Wer Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare ablehnt, bringt damit seine Verurteilung von Homosexualit\u00e4t zum Ausdruck.<\/p>\n<p><strong>Kirchliche Trauung ist mehr als Segensfeier<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich haben die Gegner einer kirchlichen Segensfeier f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare in einer gewissen Weise Recht. Solche Segensfeiern d\u00fcrften sich doch im Wesentlichen von einer Trauung nicht wesentlich unterscheiden. Die Unterschiede zwischen Segensfeier und Trauung sind in der praktischen Durchf\u00fchrung jedenfalls verschwommen. Darf beispielsweise bei einer Segnungsfeier der so wichtige Satz \u201eich nehme dich an als meine Frau\/meinen Mann. Ich will dich lieben, ehren und achten, solange ich lebe\u201c nur exklusiv bei einer Trauung verwendet werden? Welche Zeichen werden verwendet? Der Kuss? Die Ringe? Die priesterliche Stola, die \u00fcber die vereinten H\u00e4nde gelegt wird? Segnungsfeiern im Bereich der evangelischen Kirche, wie sie bereits stattfinden, unterscheiden sich jedenfalls vielfach nicht mehr von kirchlichen Trauungen.<\/p>\n<p><strong>Die Aufhebung von schwulen- und lesbenfeindlichen Aussagen<\/strong><\/p>\n<p>Kirchliche Segensfeiern und Trauungen f\u00fcr schwule und lesbische Paare w\u00fcrden letztlich dazu f\u00fchren, dass die Sexualmoral in einigen Aspekten neu geschrieben und gelesen werden m\u00fcsste. Unselige S\u00e4tze wie jener aus dem Weltkatechismus, die homosexuelle Handlungen mit S\u00fcnde gleichsetzen, m\u00fcssten endlich verschwinden.<\/p>\n<p><strong>Ehe auch ohne Zeugungsf\u00e4higkeit<\/strong><\/p>\n<p>Zum meistgenannten Argument gegen eine Ehe f\u00fcr alle bzw. aus katholischer Sicht gegen die M\u00f6glichkeit einer gleichgeschlechtlichen Ehe als Sakrament und damit gegen kirchliche Segnungsfeiern oder Trauungen f\u00fcr homosexuelle Paare z\u00e4hlt die Behauptung, dass f\u00fcr eine Ehe die F\u00e4higkeit zur Nachkommenschaft konstitutiv sei. Diese wiederum sei daran gekn\u00fcpft, dass biologisch eben nur eine gemischtgeschlechtliche Partnerschaft diese F\u00e4higkeit zur Nachkommenschaft beinhalte. Kurz gesagt lautet das Ehe-Bild: Ehe ist eine Verbindung von Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen. Oder anders ausgedr\u00fcckt: Die Potentialit\u00e4t zur Lebensweitergabe ist nur durch eine solche Beziehung gegeben. Die Dreierbeziehung der leiblichen Eltern zu ihrem Kind\/ihren Kindern sei untrennbares Wesensmerkmal der Ehe. Damit k\u00f6nne eine Ehe nicht f\u00fcr Homosexuelle ge\u00f6ffnet werden.<\/p>\n<p>Olivier Dantine, Superintendent der evangelischen Kirche von Tirol und Salzburg, unterstrich die Argumentation, dass Ehe nicht untrennbar mit Nachkommenschaft in Verbindung gebracht werden sollte. Dies w\u00fcrde erstens dem Wesen der Ehe nicht gerecht und k\u00f6nnte zweitens f\u00fcr kinderlose Paare einen Druck bedeuten, ihre Ehe als weniger wertvoll zu sehen, weil einer der postulierten Ehezwecke nicht erf\u00fcllt sei. Kinder wiederum, so Dantine, k\u00f6nnten sich in manchen F\u00e4llen ausgen\u00fctzt f\u00fchlen, wenn sie sich als Zweck einer Ehe verstehen m\u00fcssten. Michael B\u00fcnker, Bischof der Evangelischen Kirche, hat sich in gleicher Weise daher auch f\u00fcr die Institution einer \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c ausgesprochen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sieht auch die katholische Kirche im kirchlichen Recht eine \u201eZeugungsunf\u00e4higkeit\u201c nicht als Ehehindernis an \u2013 zum Unterschied von der \u201eBeischlafunf\u00e4higkeit\u201c, die \u00fcberholterweise noch als Ehehindernis in konservativ-fundamentalistischen Diktionen angegeben wird, in dieser Form jedoch l\u00e4ngst schon im Widerspruch zu anderen kirchlichen Texten steht. Eine Argumentation, die also die Offenheit gegen\u00fcber der Nachkommenschaft \u2013 und implizit ist damit immer Zeugungsf\u00e4higkeit gemeint \u2013 als Kardinalargument gegen eine Ehe f\u00fcr alle anf\u00fchrt, widerspricht der Tatsache, dass dies auch kirchenrechtlich nicht mehr vorgesehen ist.<\/p>\n<p><strong>Ermutigungen zum Schluss<\/strong><\/p>\n<p>Wenn gleichgeschlechtlich Liebende in einer Partnerschaft leben, sich selbst schon ein unbedingtes Ja geschenkt haben, dann leben sie \u2013 sakramentaltheologisch gesehen \u2013 jetzt schon die Ehe, auch wenn ihnen kirchliche Strukturen noch das Ritual der Trauung verweigern. S\u00fcnde ist nicht, wenn Menschen gleichgeschlechtlich lieben, sondern die S\u00fcnde liegt in den Strukturen und Geisteshaltungen, die weiterhin dazu f\u00fchren, dass Menschen aufgrund ihrer homosexuellen Veranlagungen ausgegrenzt oder diffamiert werden. In der Tradition eines Jesus von Nazaret, der sich in seinem Leben und seiner Botschaft nie scheute, Gesetze im Sinne des Menschlichen zu deuten, braucht es heute Verantwortliche, die vorangehen in eine Kirche, in der lesbische und schwule Partnerschaften gleichberechtigt anerkannt und an jenem Ma\u00dfstab gemessen werden \u2013 dem Ma\u00dfstab der Liebe und Treue \u2013 mit dem auch gemischtgeschlechtliche Partnerschaften gemessen werden. Die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Viele andere Kirchen zeigen heute der r\u00f6misch-katholischen Kirche, dass f\u00fcr Schwule und Lesben l\u00e4ngst nicht mehr das S\u00fcndeneck und Beichtstuhl und Askese vorgesehen sind.<\/p>\n<p>Mag. Dr. Klaus Heidegger, MAS<br \/>\nVorsitzender der Katholischen Aktion der Di\u00f6zese Innsbruck<br \/>\nPr\u00e4sidiumsmitglied der Katholischen M\u00e4nnerbewegung<br \/>\nReligionslehrer am Privaten ORG Volder St. Karl<\/p>\n<p>\u00dcberarbeitete Fassung vom 4. 9. 2018<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\">www.klaus-heidegger.at<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausgangspunkt: Erkenntnis des VfGH vom Dezember 2017 und die Umsetzung Bald j\u00e4hrt sich das Erkenntnis des VfGH (4.12.2017), dass eine Unterscheidung zwischen Ehe und eingetragener Partnerschaft das Diskriminierungsverbot verletzt. Mit Beginn des Jahres 2019 werden in \u00d6sterreich somit gleichgeschlechtliche Paare den verschiedengeschlechtlichen Paaren in der Frage der Eheschlie\u00dfung gleichgestellt werden. 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