{"id":3471,"date":"2018-10-03T08:14:10","date_gmt":"2018-10-03T08:14:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3471"},"modified":"2022-08-22T07:39:35","modified_gmt":"2022-08-22T07:39:35","slug":"versuch-einer-klaerung-ueber-zoelibat-und-oeffnung-der-weiheaemter-reden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3471","title":{"rendered":"Versuch einer Kl\u00e4rung \u2013  \u00dcber Z\u00f6libat und \u00d6ffnung der Weihe\u00e4mter reden!"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3475 alignright\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Z\u00f6libat-TT.jpg\" alt=\"\" width=\"475\" height=\"671\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Z\u00f6libat-TT.jpg 475w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Z\u00f6libat-TT-212x300.jpg 212w\" sizes=\"(max-width: 475px) 100vw, 475px\" \/><\/p>\n<p><strong>Debatte \u00fcber Z\u00f6libat und Missbrauch entkoppeln<\/strong><\/p>\n<p>Ein Nachdenken, Schreiben und Reden \u00fcber den Z\u00f6libat sollte unabh\u00e4ngig von der Debatte \u00fcber Missbrauchsf\u00e4lle\u00a0gef\u00fchrt werden. Nicht der Z\u00f6libat ist die Ursache f\u00fcr die schrecklichen Vorf\u00e4lle, sondern das kriminelle Fehlverhalten einiger weniger Kleriker. W\u00fcrden Z\u00f6libat und Missbrauch in einen direkten Zusammenhang gebracht werden, w\u00fcrden alle z\u00f6libat\u00e4r lebenden Menschen quasi unter Generalverdacht geraten.<\/p>\n<p>Mit Blick auf die die Priester in unserem Land, die sich unerm\u00fcdlich und vorbildlich f\u00fcr die Menschen und die Gesellschaft einsetzen, ist es wichtig, dass durch die schrecklichen Vorf\u00e4lle einiger weniger die Lebensform der Ehelosigkeit nicht an sich als negativ bewertet wird. In diesem Punkt kann ich ganz der Positionierung von Bischof Hermann folgen. Alexandra Plank hat mich in ihrem Artikel vom 30. September 2018 in der Tiroler Tageszeitung dazu korrekt wiedergegeben.<\/p>\n<p>Nur in wenigen Ausnahmef\u00e4llen kann unter dem Deckmantel des Z\u00f6libats eine Person ihre Sexualit\u00e4t in einer Weise verdr\u00e4ngen, dass sie zur Gefahr f\u00fcr andere wird und zu kriminellen Handlungen f\u00fchrt. Diese kriminelle Energie und sexuelles Fehlverhalten k\u00f6nnte aber auch unabh\u00e4ngig vom Z\u00f6libat auftreten.<\/p>\n<p>Die #MeToo-Bewegung hat deutlich gezeigt: Sexuelle Gewalt und \u00dcbergriffe sind nicht urs\u00e4chlich mit einer bestimmten Lebensweise zu verkn\u00fcpfen. Missbrauch geschah durch Ehem\u00e4nner und durch allein lebende M\u00e4nnern, ist unabh\u00e4ngig jeder sozialen Stellung und von jedem Alter.<\/p>\n<p><strong>Motive f\u00fcr die Aufhebung des Z\u00f6libats<\/strong><\/p>\n<p>Wenn der Z\u00f6libat in Diskussion ger\u00e4t, so braucht es dennoch den Mut, \u00fcber dieses Gesetz unabh\u00e4ngig von der Missbrauchsdiskussion nachzudenken und das Gespr\u00e4ch dar\u00fcber mit Blick auf die Pastoral und die theologischen Implikationen zu suchen.<\/p>\n<ol>\n<li>Die Aufhebung des Z\u00f6libats k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass die vielf\u00e4ltigen Berufungen zu einem priesterlichen Dienst ernst genommen werden. M\u00e4nner, die sich zwar zu einem priesterlichen Leben berufen f\u00fchlen, den Z\u00f6libat aber nicht leben k\u00f6nnen, k\u00f6nnten die gro\u00dfen L\u00fccken f\u00fcllen, die in unseren Pfarren sowie in der kategorialen Gebieten bestehen.<\/li>\n<li>Der Blick auf die priesterlosen Gemeinden, die immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Seelsorgsr\u00e4ume, die Reduzierung der Eucharistiefeiern oder auf\u00a0 Priester, die bis ins hohe Alter f\u00fcr immer noch mehr Gl\u00e4ubige zust\u00e4ndig sind, wirft nicht erst heute die Frage auf, ob die verpflichtende Ehelosigkeit f\u00fcr r\u00f6misch-katholische Priester wirklich die Antwort f\u00fcr eine missionarische Kirche der Gegenwart und Zukunft ist. Solange jedenfalls die Sakramente als Wesensmerkmale der r\u00f6misch-katholischen Kirche an das Priesteramt gekn\u00fcpft sind, werden immer weniger Priester daf\u00fcr sorgen m\u00fcssen, dass das Recht der Gemeinden auf die Sakramente von der sonnt\u00e4glichen Eucharistiefeier bis zur Krankensalbung gew\u00e4hrleistet werden kann. Gl\u00e4ubige in diesem Land brauchen die Sakramente, v.a. die Eucharistie &#8211; aber auch die Krankensalbung. Sie brauchen keine anonyme Versorgung mit Sakramenten von &#8222;Blaulichtpriestern&#8220;, sondern Seelsorger, die ihre Situation kennen und sich so ganz auf sie einlassen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Freilich ist der Mangeln an Priestern &#8211; diesen gibt es tats\u00e4chlich und kann nicht wegdiskutiert werden &#8211; nicht das einzige Motiv, warum Z\u00f6libat und Priesteramt entflochten werden sollten.<\/li>\n<li>Die Entkoppelung von Priesteramt und Z\u00f6libat w\u00fcrde weiters bedeuten, dass das Charisma der Ehelosigkeit, das manche in der Nachfolge Jesu w\u00e4hlen, durch den Charakter der Freiwilligkeit st\u00e4rker akzentuiert w\u00fcrde. Die Bedeutung der freigew\u00e4hlten Ehelosigkeit f\u00fcr Ordensleute w\u00fcrde ebenfalls unterstrichen und nicht vermischt mit dem Z\u00f6libatsgesetz f\u00fcr weltliche Priester.<\/li>\n<li>Priester, die ihrer Berufung treu bleiben und zugleich aber f\u00fcr sich den Wert von Partnerschaft erfahren, w\u00fcrden nicht in untragbare Widerspr\u00fcche geraten. Hinter der Z\u00f6libats-Frage stehen Lebensschicksale von M\u00e4nnern und deren Beziehungen \u2013 also auch die Schicksale von Priester-Frauen und deren Kinder. Es sind Biographien von M\u00e4nnern, \u00a0f\u00fcr die ein Leben als Priester nicht auch gleichbedeutend war mit einem Leben ohne eheliche Partnerschaft.<\/li>\n<li>Unabh\u00e4ngig von pastoralen Erw\u00e4gungen w\u00fcrde auch der Stellenwert der Sexualit\u00e4t in der r\u00f6misch-katholischen Kirche eine besondere positive Aufmerksamkeit erlangen. Wenn Sexualit\u00e4t und Spiritualit\u00e4t auseinandergerissen werden, kann das Herz zerrei\u00dfen. Wenn es stimmt, dass Sexualit\u00e4t eine Quelle der Spiritualit\u00e4t sein kann, dann kann diese Dimension auch positiv in das Leben von Priestern integriert werden.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Ordination von Frauen<\/strong><\/p>\n<p>Wenn nun \u00fcber die Entkoppelung von Weihe und Ehelosigkeit f\u00fcr M\u00e4nner nachgedacht wird, so muss dies zugleich immer verbunden werden mit der Forderung,\u00a0Frauen den Zugang zum Diakonat und Priesteramt zu erm\u00f6glichen. Die Verdr\u00e4ngung der Frauen von diesen \u00c4mtern ist Sexismus, weil es eine Selektion aufgrund des Geschlechts ist, bleibt somit eine Wunde in der Kirche, die v\u00f6llig im Widerspruch steht zur Stellung der Frauen im Neuen Testament und der Jesusbewegung.<\/p>\n<p>Damit soll die Zulassung der Frauen zum Weiheamt nicht so sehr aufgrund eines Weihemangels geschehen, sondern aus Gr\u00fcnden einer viel tieferliegenden Gendergerechtigkeit, die dem Wesen des Evangeliums entspricht.<\/p>\n<p><strong>Kein Klerikalismus<\/strong><\/p>\n<p>Gleichzeitig mit ge\u00e4nderten Zugangsbedingungen zum Weiheamt muss zurecht vor der Gefahr des Klerikalismus gewarnt werden, die Papst Franziskus schon \u00f6fters angesprochen hat. Nur Frauen als Priesterinnen zu weihen und M\u00e4nnern im Priesterdienst die Ehe zu erm\u00f6glichen k\u00f6nnte tats\u00e4chlich auch bedeuten, dass Aufgaben, die gegenw\u00e4rtig aufgrund des Mangels an Priestern auf viele Gl\u00e4ubige verteilt werden, wieder auf Kleriker konzentriert werden.<\/p>\n<p><strong>Bereitschaft zur Reform und Konzil<\/strong><\/p>\n<p>Ob es die Abschaffung des Z\u00f6libats ist oder die Frage der Ordination der Frauen: Es sind Anliegen, die Laienorganisationen an die Ortsbisch\u00f6fe vorlegen. Theologen und Theologinnen, kirchliche Reformbewegungen, Pfarrerinitiativen und Laienorganisationen verlangen seit vielen Jahren ein Konzil, in dem die Kirche den Mut hat, sich den neuen Herausforderungen auf der Basis des Evangeliums anzupassen. Als einer der W\u00fcnsche f\u00fcr die Jugendsynode im Vatikan wurde von einem jugendlichen Teilnehmer formuliert: &#8222;Pfarrer sollen heirate d\u00fcrfen, auch Frauen sollten Pfarrer werden.&#8220; Das sei notwendig f\u00fcr die Glaubw\u00fcrdigkeit und Ehrlichkeit der Kirche. Eine \u00c4nderung der Kirchenstrukturen kann Hand in Hand gehen mit dem missionarischen Aufbruch, der jetzt schon m\u00f6glich ist. Z\u00f6libat und der Ausschluss der Frauen von den Weihe\u00e4mtern bleiben gro\u00dfe Stolpersteine, die im Weg dieses Aufbruchs liegen.<\/p>\n<p>Es ist \u00fcberaus positiv, wenn in der Di\u00f6zese Innsbruck ein neuer Aufbruch gewagt wird und wenn die gro\u00dfe Bereitschaft von so vielen Gl\u00e4ubigen, die Kirche mitzutragen und mitzugestalten, sp\u00fcrbar wird. Dieser Aufbruch braucht aber gleichzeitig den Willen zur Strukturver\u00e4nderung.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, mit Stand vom 6. Oktober 2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Z\u00f6libat-TT.jpg' class='thumbnail' \/>Debatte \u00fcber Z\u00f6libat und Missbrauch entkoppeln Ein Nachdenken, Schreiben und Reden \u00fcber den Z\u00f6libat sollte unabh\u00e4ngig von der Debatte \u00fcber Missbrauchsf\u00e4lle\u00a0gef\u00fchrt werden. Nicht der Z\u00f6libat ist die Ursache f\u00fcr die schrecklichen Vorf\u00e4lle, sondern das kriminelle Fehlverhalten einiger weniger Kleriker. W\u00fcrden Z\u00f6libat und Missbrauch in einen direkten Zusammenhang gebracht werden, w\u00fcrden alle z\u00f6libat\u00e4r lebenden Menschen quasi&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3475,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,183],"tags":[442,336],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3471"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3471"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3471\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3486,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3471\/revisions\/3486"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3475"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3471"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3471"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3471"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}