{"id":3567,"date":"2018-11-10T18:13:08","date_gmt":"2018-11-10T18:13:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3567"},"modified":"2022-08-22T07:39:35","modified_gmt":"2022-08-22T07:39:35","slug":"martini-inspirationen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3567","title":{"rendered":"Martini Inspirationen"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3568 alignright\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Martin-Mantel.jpg\" alt=\"\" width=\"335\" height=\"339\" \/>Eine Kirche der Armen und an der Seite der Armen<\/strong><\/p>\n<p>Von der Franziskanerin Sr. Sigmunda May stammt ein sehr ber\u00fchrender Holzschnitt. Es zeigt den Mantelteiler Martin, der nicht \u2013 wie \u00fcblich dargestellt \u2013 seinen Soldatenmantel mit einem Schwert durchschneidet, um ihn mit einem Bettler zu teilen, sondern mit Mitra und bisch\u00f6flichem Umhang, den er ganz liebevoll und sch\u00fctzend um einen nackten Bettler legt. Dieser schmiegt sich in die angebotene Geborgenheit. Um ihm ganz Schutz zu geben, stellt sich Martin noch etwas auf die Zehenspitzen und legt einen Arm auf die Schultern des Hilfsbed\u00fcrftigen. Am auff\u00e4lligsten sind allerdings die Augen. Bischof Martin hat einen Blick f\u00fcr das, was der bittende Mensch von ihm braucht, die Augen des Bettlers wiederum sind voll Zuversicht und Hoffnung, dass ihm Recht geschehen wird.<\/p>\n<p>Martin ist in dieser Darstellung der Prototyp f\u00fcr eine christliche Existenz und Verk\u00f6rperung einer jesuanischen Lebensweise, in der das allerwichtigste sichtbar wird: Die Liebe zu jenen Menschen, die Hilfe und Schutz brauchen.<\/p>\n<p>Dankbar bin ich f\u00fcr eine Kirche, die so unmissverst\u00e4ndlich diese Option selbst eingeschlagen hat. Dies wird heute sichtbar \u00fcberall dort, wo kirchliche Vertreter Fl\u00fcchtlinge und Asylsuchende gegen\u00fcber einer inhumanen Asylpraxis in Schutz nehmen. Der neugew\u00e4hlte Pr\u00e4sident der Katholischen Aktion \u00d6sterreichs, Leopold Summerauer, genauso wie Kardinal Sch\u00f6nborn und mit ihm die bisch\u00f6flichen Kollegen in den Di\u00f6zesen, sie reden wie jener Bischof von Tours, der vor 1700 Jahren starb. Dort, wo die Notstandshilfe gestrichen wird und die Mindestsicherung radikal beschnitten werden soll \u2013 es sind die Vorgaben der \u00f6sterreichischen Bundesregierung \u2013 dort ist nicht das Denken des Hl. Martin am Werk.<\/p>\n<p><strong>Martin und die Friedensdividende<\/strong><\/p>\n<p>Es f\u00e4lllt in meinem Lebensumfeld nicht schwer, sich die Gestalt des Martin immer wieder als Ansporn und Inspiration in Erinnerung zu rufen. Auf einer Mountainbikerunde entdeckte ich gerade, dass eine neue Bauernhof-Kapelle im Farbental ihm geweiht ist. In Gnadenwald l\u00e4dt die Kirche St. Martin am Vorabend zum Martinsfest zum Verweilen und Nachdenken ein. Die Fresken erz\u00e4hlen von der Geschichte des Heiligen und eine Statue zeigt ihn als Bischof, die andere Statue stellt ihn traditionell als reitenden r\u00f6mischen Soldaten dar, der sein Schwert ben\u00fctzt, um den Soldatenmantel mit einem Bettler zu teilen.<\/p>\n<p>Die Option f\u00fcr die Armen ist integral verbunden mit einem radikalen Schnitt. Der Arme l\u00f6st bei Martin eine Lebenswende aus. Der erfolgreiche Soldat entscheidet sich f\u00fcr Jesus Christus und den gewaltfreien Weg aufgrund seiner Begegnung mit den Armen. Sinnf\u00e4llig findet durch das Mantelteilen eine Friedensdividende statt. Martins Schwert dient nicht mehr zum K\u00e4mpfen, sondern zum Teilen von Besitz. Seine R\u00fcstung \u2013 der Mantel \u2013 wird aufgel\u00f6st, um die Armen damit zu kleiden. Er steigt vom Ross, um auf Augenh\u00f6he mit dem Bettler zu sein. Er weist Obdachlose nicht ins Nichts, sondern sch\u00fctzt sie mit dem Mantel vor der K\u00e4lte der Obdachlosigkeit. Heute w\u00fcrden wir sagen: Martin steht f\u00fcr ein \u201eChristlich geht anders\u201c. Mantelteilen heute bedeutet, nicht die Notstandshilfe zu streichen und selbst die Mindestsicherung noch zu beschneiden, sondern Reichtum und Lebenschancen gerecht zu verteilen.<\/p>\n<p>Wenn der Generalsekret\u00e4r der FP\u00d6, Harald Vilimsky, bei einem Martini-Ganslessen mit seinen Parteigetreuen und G\u00e4sten der AfD, populistisch meinte, der Hl. Martin sei wenigstens kein &#8222;Linker&#8220; gewesen, weil er seinen eigenen Mantel und keinen fremden geteilt h\u00e4tte, so t\u00e4uscht er sich. Dieser Mantel war Eigentum Roms. Das Mantelteilen des Martin war somit ein Akt des zivilen Ungehorsams.<\/p>\n<p>Wer den Mantel teilt, macht sich freilich verletzlich. Auch Martin, so die Legenden, musste zun\u00e4chst mit dem Spott der Umstehenden rechnen, weil er mit einem halben Mantel sehr h\u00e4sslich ausgesehen habe.<\/p>\n<p>Der Heilige aus dem 4. Jahrhundert entspricht dem Pazifismus eines Martin Luther King. Eine Darstellungsform des Hl. Martin k\u00f6nnte auch t\u00e4uschen. Landauf landab wird Martinus als r\u00f6mischer Soldat hoch zu Ross dargestellt. Martin \u2013 der dem Kriegsgott Mars \u201eGeweihte\u201c. Diese Wahrnehmung passt besser zu einer milit\u00e4rischen Kultur als ein Christ, der sich aufgrund seines Glaubens entscheidet, keine Waffe mehr zu tragen. Es stimmt zwar, dass Martin zun\u00e4chst als Berufssoldat gedient hatte. Mehr und mehr aber d\u00fcrfte Martin diesen Dienst nicht mehr als vereinbar mit seinem Christsein empfunden haben, obwohl damals die Kaiser Soldatendienst und Christsein durchaus nicht mehr wie in der fr\u00fchen Kirche als Gegensatz gesehen hatten. Das pazifistische Prinzip \u201eIch kann nicht Christ und Soldat zugleich sein\u201c (\u201eNon possum militare, Christianus sum\u201c), das vor der Konstantinischen Wende G\u00fcltigkeit hatte und die Christenverfolgung durch die r\u00f6mischen Kaiser entfachte, war l\u00e4ngst aufgegeben worden. Sulpicius Severus berichtet in seiner Vita Sancti Martini, verfasst um 395, von dessen Absage an den Kaiser. Martin soll ihm gesagt haben: \u201eBis heute habe ich dir gedient, Herr, jetzt will ich meinem Gott dienen und den Schwachen. Ich will nicht mehr l\u00e4nger k\u00e4mpfen und t\u00f6ten. Hiermit gebe ich dir mein Schwert zur\u00fcck. Wenn du meinst, ich sei ein Feigling, so will ich morgen ohne Waffen auf den Feind zugehen.\u201c Wenn sp\u00e4ter aus dem Martin der Patron der Soldaten und Waffenschmiede gemacht wurde, so stimmt dies mit dem Leben des Bischofs von Tours nicht \u00fcberein.<\/p>\n<p><strong>Martin kein narzisstischer Selbstdarsteller<\/strong><\/p>\n<p>Weil Martin vorlebte, was Sache ist, weil er vom \u201ehohen Ross\u201c gestiegen ist und Empathie und Solidarit\u00e4t zeigte, wollte ihn die vox populi, die Stimme des Volkes, zum Bischof machen. Bekannt ist seine anf\u00e4ngliche Weigerung, dem Ruf auf das Bischofsamt zu folgen. Ruhm, Macht und Karriere waren nicht sein Lebensziel und waren nicht der Grund, warum er sich f\u00fcr Jesus entschied. Weil ihm das episkopale Amt zu abgehoben vorkam, versteckte sich der Heilige laut Legende in einem G\u00e4nsestall. Er hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass die G\u00e4nse ihn verraten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Es gibt Bisch\u00f6fe im Stile des heiligen Martin, der jeglichen Prunk vermied und in seinem Lebensstil auf Insignien der Macht verzichtete. Der Bischof von Rom, Papst Franziskus, der auf einer FP\u00d6-nahen Website als \u201ePapa horribilis\u201c gebrandmarkt wird, setzte von Beginn an viele Zeichen in diese Richtung. Ein Bischof passt auf keinen Thron, darf sich nicht beweihr\u00e4uchern lassen und vor einem Bischof soll sich kein Mensch niederwerfen: Das war die Botschaft des Martin zu einer Zeit, als sich die Kirche mehr und mehr dem r\u00f6mischen Herrschaftsgehabe anzupassen begann.<\/p>\n<p><strong>Der Himmel geht auf<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3569 alignright\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Martin-Mantel-1.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"299\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Martin-Mantel-1.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Martin-Mantel-1-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Ich k\u00f6nnte ein Kunstwerk von Claudia Treutlein ben\u00fctzen, um das Wunder des Mantelteilens abschlie\u00dfend zu illustrieren. Dort, wo geteilt wird, ist ein goldenes Band. Die K\u00fcnstlerin dazu: \u201eAn der Rei\u00dfwunde des Mantels geht der Himmel auf.\u201c<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, Martinsfest 2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Martin-Mantel.jpg' class='thumbnail' \/>Eine Kirche der Armen und an der Seite der Armen Von der Franziskanerin Sr. Sigmunda May stammt ein sehr ber\u00fchrender Holzschnitt. 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