{"id":3583,"date":"2018-11-18T08:09:28","date_gmt":"2018-11-18T08:09:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3583"},"modified":"2022-08-22T07:39:35","modified_gmt":"2022-08-22T07:39:35","slug":"kopftuchdiskurs-reloaded-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3583","title":{"rendered":"Kopftuchdiskurs reloaded  \u00a0"},"content":{"rendered":"<h1><a name=\"_Toc511107862\"><\/a>1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kopftuchdiskussion als Dauerthema<img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3584 alignright\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Kopftuch-Maria.jpg\" alt=\"\" width=\"101\" height=\"279\" \/><\/h1>\n<p><strong>Mein Ausgangspunkt<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich in meiner Nachbarschaft, im Dorf, irgendwo auf der Stra\u00dfe oder auch in der Schule ein M\u00e4dchen oder eine Frau mit Kopftuch sehe, nehme ich es zun\u00e4chst als Zeichen ihrer Religionszugeh\u00f6rigkeit, als Teil ihrer Identit\u00e4t und selbst gesetzter Grenze ihrer Intimit\u00e4t wahr. Es ist f\u00fcr mich Ausdruck f\u00fcr Religionsfreiheit und ich bin dankbar, in einem Staat zu leben, in dem Religionsfreiheit garantiert wird.<\/p>\n<p><strong>November 2018: Kopftuchverbot in Schulen<\/strong><\/p>\n<p>Die t\u00fcrkis-blaue Regierung brachte am 21. November 2018 im Parlament einen Entwurf f\u00fcr eine neue Verfassungsbestimmung im Schulunterrichtsgesetz ein, mit dem in den Volksschulen ein Kopftuchverbot eingef\u00fchrt werden soll. Bei Vergehen sollen drastische Ma\u00dfnahmen gesetzt werden: Vorstellung der Eltern bei der Bildungsdirektion und Strafen von bis zu 440 Euro. Es soll bis zum Ende des Schuljahres gelten, in dem das Kind das zehnte Lebensjahr vollendet. Begr\u00fcndet wird das Vorhaben<br \/>\na) mit dem Ziel der bestm\u00f6glichen Entwicklung und Entfaltung aller Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler<br \/>\nb) der sozialen Integration von Kindern gem\u00e4\u00df den lokalen Gebr\u00e4uchen und Sitten,<br \/>\nc) der Wahrung der verfassungsrechtlichen Grundwerte und Bildungsziele der Bundesverfassung sowie<br \/>\nd) der Gleichstellung von Mann und Frau.<br \/>\nDas Kopftuchverbot entspricht einer alte Forderung der FP\u00d6. Diese Partei treibt quasi die \u00d6VP in Sachen Islamfeindlichkeit vor sich her.<\/p>\n<p><strong>Die Dauerdiskussion<\/strong><\/p>\n<p>Seit ich in der Schule unterrichte, seit nun 20 Jahren, entsteht in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden eine \u00f6ffentliche Diskussion dar\u00fcber, ob Musliminnen ein Kopftuch tragen m\u00fcssen oder ob sie dies in bestimmten Situationen oder im Zusammenhang mit ihrem Alter nicht tragen d\u00fcrfen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Das Tuch braucht tats\u00e4chlich eine ernsthaft gef\u00fchrte Auseinandersetzung, weil es von zwei ganz entgegengesetzten Richtungen missbraucht wird: Zum einen von jenen, die darin generell eine Unterdr\u00fcckung von M\u00e4dchen und Frauen sehen, und zum anderen von jenen muslimischen Communities, die ein M\u00e4dchen oder eine Frau gegen ihren Willen zum Kopftuchtragen zwingen wollen.<\/p>\n<p>Die Pro- und Contradebatten bzgl. Kopftuchverbot sind f\u00fcr viele bereits nervend, weil immer wieder die gleichen Argumentationsmuster bedient werden und alles eigentlich schon geschrieben und gesagt worden ist.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> F\u00fcr mich als Lehrer, der jedes Jahr neue Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler hat, bleibt diese Auseinandersetzung aber wichtig, weil damit politische, gesellschaftliche und religi\u00f6se Grundfragen kompetenzorientiert gelernt werden k\u00f6nnen. Einige der zentralen Fragen lauten: Welche Rechte haben Frauen im Islam und was bedeutet in diesem Kontext die Kopftuchfrage? Was ist mit der Aussage gemeint, dass ein Kopftuch im Widerspruch zur Integration sei? Wie steht es mit Religionsfreiheit? Was bedeutet Religionsfreiheit und wo sind ihre Grenzen zu sehen? Welche Stellung darf Religion in \u00f6ffentlichen R\u00e4umen wie der Schule haben? F\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern muss ich Auskunftsperson sein zu Fragen wie: Was sagt der Islam wirklich zum Kopftuch? Wird es im Koran vorgeschrieben? Stimmt es wirklich, dass mit dem Kopftuch automatisch eine Herabw\u00fcrdigung der Frauen verbunden sei? Ist das Kopftuch von Musliminnen vor allem ein Zeichen f\u00fcr den islamischen Fundamentalismus? Obwohl also kein Kopftuchexperte, obwohl nicht Frau und nicht Muslim, bin ich trotzdem zur Stellungnahme herausgefordert, wobei es mir vor allem wichtig ist hinzuh\u00f6ren, was Musliminnen zu dieser Thematik sagen. F\u00fcr den Unterricht in der Schule und die Diskussionen dazu dient vor allem dieses Papier.<\/p>\n<p><strong>Bewegung gegen Kopftuchzwang<\/strong><\/p>\n<p>Im Dezember 2017 war im Aufmerksamkeitsblickwinkel jene Bewegung im Iran, in der Frauen ihre Kopft\u00fccher abnahmen und demonstrativ als Fahne verwendeten, um so gegen einen Kopftuchzwang in ihrem Land zu protestieren. In Europa wurde diese Bewegung von rechtspopulistischen Kr\u00e4ften instrumentalisiert. Dabei ging es diesen mutigen Frauen nicht darum, das Kopftuch zu verbieten, sondern ihr Widerstand war vor allem ein Zeichen gegen repressive Zust\u00e4nde im Iran.<\/p>\n<p><strong>Vom Burka- oder Niqabverbot zum Kopftuchverbot<\/strong><\/p>\n<p>Im Sommer 2016 gab es europaweit Diskussionen \u00fcber ein Burka- oder Niqabverbot. Ein solches Verbot wurde in einigen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern beschlossen. Frankreich erlie\u00df an manchen Str\u00e4nden dar\u00fcber hinaus ein Burkini-Verbot. Es war nur eine Frage der Zeit, bis diese Frage f\u00fcr das Kopftuch thematisiert werden w\u00fcrde. Im Herbst 2016 tauchte dann aufgrund eines Vorschlags von der damaligen Bildungsministerin Sonja Hammerschmid zur Schulautonomie die Frage auf, ob nicht generell alle demonstrativ religi\u00f6sen Symbole in der Schule, also auch das Kreuz in den Klassenzimmern, ein Widerspruch zur religi\u00f6sen Neutralit\u00e4t der Schulen seien.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Der Ausl\u00f6ser f\u00fcr eine neue Kopftuchdiskussion in \u00d6sterreich war ein Papier des damaligen Regierungsberaters Heinz Fa\u00dfmann zum Integrationsgesetz. Er schlug vor, das Kopftuchverbot im \u00f6ffentlichen Dienst in das Integrationsgesetz aufzunehmen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Aus heutiger Sicht ist es nicht unwichtig, die Position des jetzigen Bundeskanzlers Sebastian Kurz genauer anzusehen. Er meinte damals als zust\u00e4ndiger Integrationsminister, dass er sich ein solches Verbot f\u00fcr den Schulbereich vorstellen k\u00f6nne.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Nur Lehrerinnen im bekenntnisorientierten Religionsunterricht sollen, so Sebastian Kurz, von einem solchen Verbot ausgenommen werden. Die Argumentation von Kurz f\u00fcr ein Kopftuchverbot in der Schule lautete: \u201eWeil es dort um Vorbildwirkung f\u00fcr junge Menschen geht. \u00d6sterreich ist zwar ein religionsfreundlicher, aber ein s\u00e4kularer Staat.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Mit diesem Sager entlarvte sich der damalige Integrationsminister selbst. Hei\u00dft dies, dass Frauen mit Kopftuch keine Vorbildwirkung f\u00fcr junge Menschen haben k\u00f6nnten? Hei\u00dft dies zweitens, dass Kopftuchtragen im \u00f6ffentlichen Bereich eine Verletzung der S\u00e4kularit\u00e4t sei. Eine solche Haltung, und hier ist der Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in \u00d6sterreich (IGG\u00d6), Carla Amina Baghajati zuzustimmen, ist \u201eanti-integrativ\u201c und \u201ediskriminierend\u201c.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Innerhalb der \u00d6VP bekam Sebastian Kurz damals sofort breite Unterst\u00fctzung bedeutsamer Parteikollegen. Der steirische Landeshauptmann Hermann Sch\u00fctzenh\u00f6fer leistete mit den Worten Sch\u00fctzenhilfe: \u201eWir m\u00fcssen unsere Werte wie Freiheit, Demokratie und auch Gleichberechtigung verteidigen.\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Wiens \u00d6VP-Chef Gernot Bl\u00fcmel streute Blumen f\u00fcr den Vorschlag des Au\u00dfenministers. Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner pl\u00e4dierte ebenfalls f\u00fcr ein Verbot. Ex-Justizminister Wolfgang Brandstetter erg\u00e4nzte f\u00fcr seinen Bereich und wollte Kleidung, die auf Religion schlie\u00dfen l\u00e4sst, in der Justiz verbieten.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Auf den Einwand, dass man ja Kreuze in Schulen oder auch im Gerichtssaal nicht verbieten w\u00fcrde, meinte Brandstetter: \u201eIn der christlichen Kultur ist man Kreuze gew\u00f6hnt. Deshalb hat ein Kreuz in einem Verhandlungssaal bei uns keinen Auff\u00e4lligkeitswert \u2013 im Gegensatz zu Kopftuch oder Kippa bei Amtstr\u00e4gern. Das darf man nicht vermengen.\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Gegen das angedachte Kopftuchverbot sprach sich die Islamische Glaubensgemeinschaft aus. Dies sei ein v\u00f6llig falsches \u201eanti-integratives\u201c und \u201ediskriminierendes Signal\u201c. Ex-SP\u00d6-Staatssekret\u00e4rin Muna Duzdar bremste ihre damaligen Regierungskollegen ein und verlangte vor allem, dass man sich nicht eine einzelne Religion, in diesem Fall den Islam, herauspicken d\u00fcrfe.<\/p>\n<p>In den Monaten zuvor hatten sich bereits zahlreiche Repr\u00e4sentanten aller kirchlichen Gemeinschaften und Organisationen gegen ein Kopftuchverbot ausgesprochen. Erinnert sei beispielsweise auch an die klaren Worte von Papst Franziskus. Im Mai 2016 hatte er sich im Interview mit der franz\u00f6sischen Tageszeitung \u201eLa Croix\u201c gegen ein Kopftuchverbot ausgesprochen. Er kritisierte \u201e\u00fcbertriebene Laizit\u00e4t\u201c und warnte davor, nur die christlichen Wurzeln Europas zu betonen. \u201eWenn eine muslimische Frau ein Kopftuch tragen will, muss sie das tun k\u00f6nnen, ebenso wie ein Katholik, der ein Kreuz tragen will\u201c <a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>, sagte der Papst. Jeder m\u00fcsse die Freiheit haben, seinen Glauben zum Ausdruck bringen zu k\u00f6nnen, meinte er mit Blick auf das Kopftuchverbot in Frankreich. Dies m\u00fcsse auch im kulturellen Zentrum erlaubt sein und nicht nur am Rand der Gesellschaft. Mit dem Kopftuch w\u00fcrde auch deutlich, dass Europa nicht nur eine christliche Wurzel habe. Es g\u00e4be viele Wurzeln.<\/p>\n<p>Kurz nach seiner Angelobung als Bundespr\u00e4sident wurde Van der Bellen auch zu diesem Thema befragt und antwortete mit dem Hinweis auf seine liberale Anschauung: \u201eWas die Debatte \u00fcber religi\u00f6se Symbole betrifft, vertrete ich einen m\u00f6glichst liberalen Standpunkt. Wenn ich ohne Krawatte hier s\u00e4\u00dfe, w\u00fcrden Sie trotzdem das Interview mit mir f\u00fchren, und ich w\u00fcrde Ihre Frage nat\u00fcrlich auch beantworten, wenn Sie ein Kopftuch tr\u00fcgen. Ich gebe schon zu, es gibt, wie Ex-Verfassungsgerichtshofpr\u00e4sident Ludwig Adamovich neulich gemeint hat, Situationen, wo religi\u00f6se Symbole dazu verleiten k\u00f6nnten, die Unvoreingenommenheit eines Richters, einer Richterin in Zweifel zu ziehen. Das w\u00fcrde aber f\u00fcr alle religi\u00f6sen Symbole gelten m\u00fcssen \u2013 auch f\u00fcr den Davidstern oder das Kreuz.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Und, so Van der Bellen, wenn es ein Kopftuchverbot f\u00fcr Richterinnen geben w\u00fcrde, dann w\u00e4re die juristische Konsequenz, dass es auch kein Kreuz im Gerichtssaal geben d\u00fcrfte.<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc511107863\"><\/a><a name=\"_Toc472867142\"><\/a>2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kopftuchverbote als verschleierte Politik gegen den Islam<\/h1>\n<p>Wer ein Kopftuchverbot einfordert, bedient zun\u00e4chst meist die g\u00e4ngigen Vorurteile. Man fordert es in der Meinung, dass ein Kopftuch prinzipiell ein Symbol islamischer Frauenfeindlichkeit w\u00e4re, das von fundamentalistischer Seite propagiert w\u00fcrde. Wenn Politiker wie Vizekanzler HC Strache oder Bundeskanzler Sebastian Kurz auf der einen Seite am Kreuz in den Klassenzimmern festhalten und andererseits das Kopftuch in manchen Bereichen verbieten m\u00f6chten, dann liegt die Vermutung nicht fern, dass hier zumindest mit zwei Ma\u00dfst\u00e4ben gemessen wird. Dies meinte jedenfalls auch Moritz Moser in einem Kommentar in der Neuen Z\u00fcrcher Zeitung.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Gleichfalls argumentierte Otto Friedrich in einem Leitartikel der Furche. Wenn die Verbots-Bef\u00fcrworter gleichzeitig weder am Kreuz in den Klassenzimmern noch im Gerichtssaal r\u00fctteln wollen, w\u00fcrden sie sich unglaubw\u00fcrdig machen. Das sei \u201eentlarvend\u201c, weil es \u201enicht um den religionsneutralen Staat, sondern um eine Bestimmung, die ausschlie\u00dflich die Muslime im Blick hat\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a>, ginge. Hierzulande ist die Forderung nach einem Kopftuchverbot meist von islamfeindlichen Kr\u00e4ften erhoben worden und z\u00e4hlte zu den Standardforderungen der FP\u00d6. Man tritt mit liberalem Pathos f\u00fcr die Rechte der Frauen und f\u00fcr eine weltanschauliche Neutralit\u00e4t der Schulen ein, will aber eigentlich den Islam damit treffen.<\/p>\n<p>Das Kopftuch zu verbieten und andere religi\u00f6se Symbole zu erlauben, w\u00e4re jedenfalls diskriminierend gegen\u00fcber dem Islam. Vorurteile gegen\u00fcber dem Islam und verbunden damit das Gef\u00fchl, man m\u00fcsse sich vor ihm h\u00fcten und ihn eind\u00e4mmen, w\u00fcrden best\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p>Die Argumentation der Bef\u00fcrworter eines Kopftuchverbots, man k\u00f6nne dieses f\u00fcr \u00f6ffentlich Bedienstete wie Lehrerinnen verlangen und zugleich die Anbringung eines Kreuzes in Gerichtss\u00e4len oder Schulen weiterhin zulassen, ist in sich widerspr\u00fcchlich. Entweder sind alle religi\u00f6sen Symbole erlaubt \u2013 oder eben keine.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p>Zugleich gibt es schon die M\u00f6glichkeit einer Differenzierung, in welchen hohheitlichen Kernbereichen ein Ausschluss religi\u00f6ser Symbole wie Kreuz oder Kopftuch aufgrund der Neutralit\u00e4tsverpflichtung des Staates angebracht ist.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> W\u00e4hrend die religi\u00f6s-weltanschauliche Neutralit\u00e4t ein Kopftuchverbot f\u00fcr den Richterberuf noch argumentierbar sein k\u00f6nnte, ist dies aber gerade f\u00fcr den Schulbereich nicht notwendig.<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc511107864\"><\/a><a name=\"_Toc472867143\"><\/a>3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Laizistische Engf\u00fchrungen oder religionsfreundliche S\u00e4kularit\u00e4t<\/h1>\n<p>Frankreich als Musterland einer eng verstandenen S\u00e4kularit\u00e4t und Laizit\u00e4t verbietet jegliche religi\u00f6se Symbolik im Bereich der Schule \u2013 egal ob Kreuz oder Kopftuch. Eine religionsfreundliche S\u00e4kularit\u00e4t ist dies aber nicht. Der Innsbrucker Moraltheologieprofessor Wolfgang Palaver sprach sich in einem Facebook-Eintrag deutlich gegen Kopftuchverbote aus. Er meinte: \u201eNur ein laizistisch verengtes Verst\u00e4ndnis des s\u00e4kularen Staates w\u00fcrde eine solche Position rechtfertigen. Die Religionsfreiheit verbietet n\u00e4mlich einen Zwang zur Assimilation und zielt auf eine Integration, die ein \u201aLebenk\u00f6nnen aus den eigenen Wurzeln\u2018 voraussetzt. Ernst-Wolfgang B\u00f6ckenf\u00f6rde, der deutsche Verfassungsrechtler, hat deshalb schon 2004 in einem Brief an den damaligen Kardinal Joseph Ratzinger gegen ein Kopftuchverbot Stellung genommen. Mit guten Argumenten pl\u00e4dierte B\u00f6ckenf\u00f6rde f\u00fcr eine \u00fcbergreifende offene Neutralit\u00e4t des Staates. Das f\u00fcr \u00d6sterreich vorgeschlagene Kopftuchverbot w\u00e4re hingegen ein Schritt in eine laizistische Sackgasse.\u201c<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p>All jene, die nun nach einem Kopftuchverbot im Namen der Trennung von Kirche und Staat rufen, sind Fahnentr\u00e4ger des S\u00e4kularismus, der im Laufe der letzten Jahrhunderte \u2013 vor allem mit Beginn der s\u00e4kularistischen Interpretation von Aufkl\u00e4rung \u2013 viel Gewalt und Zerst\u00f6rung mit sich brachte und das grundlegende Recht auf Religions- und Meinungsfreiheit angriff.<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc511107865\"><\/a><a name=\"_Toc472867144\"><\/a>4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Religionsfreiheit und das Grundrecht auf freie Religionsaus\u00fcbung<\/h1>\n<p>Religi\u00f6se Bekleidungsvorschriften \u2013 dazu geh\u00f6ren der Priestertalar, der Ordenshabit, die Kippa, das islamische Kopftuch oder der Turban der Sikh \u2013 z\u00e4hlen zum Grundrecht auf freie Religionsaus\u00fcbung. Wer heute Kopftuchverbote f\u00fcr Lehrerinnen oder f\u00fcr Kinder fordert, bedient jene Argumentationsmuster, die auch ein Kreuzverbot in den Schulklassen nahelegen. Tats\u00e4chlich ist dieser Zusammenhang mit der Kopftuchdebatte immer wieder genannt worden. Wenn schon ein Kopftuchverbot, dann m\u00fcsse auch das Kreuz in den Klassenzimmern zur Disposition stehen, wurde argumentiert.<\/p>\n<p>Der Umgang mit religi\u00f6sen Symbolen bedarf h\u00f6chster Sensibilit\u00e4t. Bilderst\u00fcrmerei rei\u00dft nicht nur L\u00f6cher in die W\u00e4nde, sondern auch in die Seelen von Menschen, f\u00fchrt zu Spiralen feindschaftlicher Auseinandersetzungen, zu Trennungen und Unterstellungen. Noch bevor gefragt wird, was denn das Kopftuch f\u00fcr deren Tr\u00e4gerinnen bedeutet oder welche Hintergr\u00fcnde ein Kreuz in den Klassenzimmern hat, verlangen Gruppierungen mit einem aufgekl\u00e4rten Pathos, dass ein Kopftuchverbot erlassen und die Kreuze aus den Schulklassen entfernt werden.<\/p>\n<p>Religionsfreiheit ist von ihrer Bestimmung her zun\u00e4chst nicht negativ gemeint als Freiheit von Religion, sondern als Freiheit zur Religionsaus\u00fcbung. Weltweit werden gegenw\u00e4rtig 200 Millionen Christen verfolgt. In L\u00e4ndern wie Pakistan werden Christen aus religi\u00f6sen Motiven kaltbl\u00fctig ermordet. Kirchen werden abgebrannt. Es sind Beispiele, die uns immer wieder neu vor Augen f\u00fchren, dass die Freiheit der Religionsaus\u00fcbung ein zentraler Wert in dieser Welt sein sollte. Wenn es verboten w\u00fcrde, im \u00f6ffentlichen Dienst religi\u00f6se Symbole zu tragen, dann w\u00e4re das eine Verletzung der Religions- und Meinungsfreiheit. Wenn dies nur das Symbol des Kopftuchs betreffen w\u00fcrde, dann w\u00e4re es jedenfalls eine Diskriminierung von gl\u00e4ubigen Musliminnen. F\u00fcr die Menschenrechtsorganisation SOS-Mitmensch w\u00e4re es \u201ereligi\u00f6se Ungleichbehandlung\u201c<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a>. In Deutschland hatte das Bundesverfassungsgericht bereits im M\u00e4rz 2015 entschieden, dass ein generelles Kopftuchverbot an \u00f6ffentlichen Schulen, wie es unter anderem in Nordrhein-Westfalen gilt, gegen die Religionsfreiheit versto\u00dfen w\u00fcrde.<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc511107866\"><\/a><a name=\"_Toc472867145\"><\/a>5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ein Kopftuchverbot ist diskriminierend und anti-integrativ<\/h1>\n<p>Niki Glattauer schreibt mit Blick auf die Wirklichkeit in Paris von der desintegrativen Wirkung von Verboten wie folgt: \u201eIn Paris, wo sie das <a href=\"https:\/\/kurier.at\/themen\/kopftuch\">Kopftuch<\/a> (und jedes andere religi\u00f6se Symbol) seit jeher auf allen Schulstufen verbieten, sind die Gr\u00e4ben zwischen den Kulturen tiefer als in jeder anderen Stadt Europas. In Wien, wo man in guter, alter Tradition (und mit viel Schm\u00e4h) zu \u00fcberzeugen versucht, aber sonst mit Ma\u00df und Ziel gew\u00e4hren l\u00e4sst, was nun einmal ist, sind solche Gr\u00e4ben unbekannt, auch wenn uns das manche immer wieder weiszumachen versuchen, leider auch in meinen Reihen. Da wird also gerade mit viel Rambazamba ein Problem gel\u00f6st, wo gar keines ist, Trommelwirbel f\u00fcr ein Verbot, das landesweit wie viele M\u00e4dchen betreffen wird? 20? 30? 50?\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a><\/p>\n<p>Die Frauenreferentin der IGG\u00d6 weist auf die Doppelmoral hin: &#8222;Wenn Frauen mit Kopftuch putzen gehen, ist das okay. Aber sobald eine Muslimin h\u00f6her qualifiziert und an ihrem Arbeitsplatz sichtbar ist, ist es ein Problem.&#8220; Gerade Bedienstete des \u00f6ffentlichen Dienstes h\u00e4tten &#8222;eine positive Grundeinstellung zum Staat nicht nur verinnerlicht&#8220;, sondern seien &#8222;Multiplikatorinnen der Rechtsstaatlichkeit und Loyalit\u00e4t zu \u00d6sterreich&#8220;. Ihnen diese Eignung abzusprechen, sei &#8222;ein Signal in die v\u00f6llig falsche Richtung&#8220;. Das Diskriminierungsverbot am Arbeitsplatz untersagt Arbeitgebern seit 2004, einer Bewerberin aufgrund ihres Kopftuchs abzulehnen.<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc511107867\"><\/a><a name=\"_Toc472867146\"><\/a>6\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die religi\u00f6se Bedeutung des Kopftuchs im Islam \u2013 ein Ausdruck islamischer Identit\u00e4t<\/h1>\n<p>Als Christ und Mann ma\u00dfe ich mir nicht an, \u00fcber die religi\u00f6se Bedeutung des Kopftuchs selbst ein Urteil zu treffen. Fakt ist jedenfalls, dass f\u00fcr viele muslimische Frauen das Kopftuch eine gro\u00dfe Bedeutung hat, w\u00e4hrend beispielsweise die alevitische Glaubensgemeinschaft bewusst keinen Zusammenhang zwischen Koran und Kopftuchgebot sieht. Wenn das Kopftuch f\u00fcr Musliminnen aber als Teil ihrer religi\u00f6sen Identit\u00e4t gewertet wird, ist es zu respektieren, es sei denn, es w\u00e4re gegen die grundlegenden Freiheitsrechte von Frauen. Nie und niemals darf ein M\u00e4dchen oder eine Frau gezwungen werden, gegen den eigenen Willen ein Kopftuch zu tragen. In den Religionen wurde ein Kopftuchgebot immer wieder gefordert. Im orthodoxen Judentum galt eine Kopfbedeckung f\u00fcr Frauen bis ins 19. Jahrhundert. Im Christentum haben die meisten Frauenorden eine Kopfbedeckung praktiziert. Nirgends \u2013 und das muss hier auch erw\u00e4hnt werden \u2013 geht es jedoch dabei um die Formen von Vollverschleierung wie Burka, Tschador oder Niqab. Das ist eine andere Diskussion.<\/p>\n<p>Nicht das Kopftuch ist das Problem, sondern der Zwang, der damit verbunden sein k\u00f6nnte. M\u00e4dchen und Frauen k\u00f6nnen freiwillig oder unter Zwang das Kopftuch tragen. Somit gilt: Nicht das Kopftuch ist zu verbieten, sondern der Zwang!<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p>Aus den Grundlagen des Islams heraus k\u00f6nne jedenfalls ein Zwang nicht begr\u00fcndet werden, so der Islamwissenschaftlicher Mouhanad Khorchide, der es wie folgt auf den Punkt bringt: \u201eAus dem Koran geht kein explizites Kopftuchgebot hervor, aber laut der prophetischen Tradition hat Mohammed verk\u00fcndet, dass die Frauen ihre Haare bedecken sollten. Theologisch l\u00e4sst sich dar\u00fcber sehr viel debattieren. Das Problem ist aber auch nicht das Kopftuch selbst. \u2026 Die Frage lautet: Ist das Tragen eines Kopftuches eine Entscheidung, die eine Frau selbst getroffen hat? Wenn eine Frau sagt, sie f\u00fchlt sich mit einem Kopftuch unwohl und benachteiligt, dann sollten Theologen und die muslimische Gesellschaft nichts dagegen sagen. Wenn sie das Kopftuch aber aus eigener \u00dcberzeugung tragen m\u00f6chte, muss man auch das akzeptieren.\u201c<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> Khorchide leitet diese Position aus der tiefsten Grundlage des Islam ab, aus dem Glauben an Gott, der absolute Barmherzigkeit ist, der seine Liebe mit uns teilen m\u00f6chte, ohne selbst etwas von uns zu verlangen.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> Jeglicher Zwang ist daher im tiefsten als Widerspruch zum Islam zu werten. Die Frage des Kopftuchs ist aus theologischer Sicht zu beantworten: Glaube ich an einen strafend-r\u00e4chenden Gott im Sinne einer Herr-Knecht-Beziehung oder an einen liebevollen, barmherzigen Gott im Sinne einer Liebesbeziehung zwischen Gott und Mensch.<\/p>\n<p>Auch emanzipierte M\u00e4dchen und Frauen k\u00f6nnen ein Kopftuch tragen. Das St\u00fcck Stoff l\u00e4sst nicht automatisch auf die Geisteshaltung schlie\u00dfen, die darunter liegt. F\u00fcr Musliminnen kann es auch ein Ausdruck ihrer bewusst gew\u00e4hlten Religiosit\u00e4t sein, die sie sich in einer christlichen Mehrheitskultur sichern wollen. Eine Lehrerin wird nicht deswegen ein Problem f\u00fcr den Unterricht an einer Schule sein, weil sie ein Kopftuch tr\u00e4gt, sondern sie w\u00fcrde es sein, wenn sie demokratiefeindliche und dem Schulleitbild widersprechende Positionen verk\u00f6rpern w\u00fcrde. Hier w\u00fcrde allerdings das bestehende Disziplinarrecht weitaus gen\u00fcgen, um einen fundamentalistischen Missbrauch der Pr\u00e4senz an den Schulen zu verhindern.<\/p>\n<p>Eine besondere Aufmerksamkeit braucht freilich die Frage, ab welchem Alter M\u00e4dchen ein Kopftuch tragen sollten. Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide schreibt dazu eindeutig, dass kein M\u00e4dchen im Alter von unter zehn Jahren sich freiwillig dazu entscheide, ein Kopftuch zu tragen. Vor allem aber will Khorchide nicht, dass ein Kopftuch mit sexualisierten Argumenten begr\u00fcndet wird: \u201eKein M\u00e4dchen im Alter von unter zehn Jahren entscheidet sich freiwillig und aus freien St\u00fccken dazu, ein Kopftuch zu tragen. Kein Kind in diesem Alter denkt von sich aus in der Kategorie \u201aIch muss meine Haare vor den M\u00e4nnern verdecken\u2018 und schon gar nicht in der Kategorie \u201aMeine Haare sind Reize, die die M\u00e4nner anmachen\u2018. Es ist meines Erachtens ohnehin hochproblematisch, das Kopftuchgebot mit solchen sexualisierten Argumenten begr\u00fcnden zu wollen. Denn dadurch werden Frauen zu sexuellen Objekten stigmatisiert und M\u00e4nnern wird unterstellt, lustgetriebene Wesen zu sein, die nicht in der Lage sind, Frauen jenseits von sexuellen Kategorien zu begegnen. Gerade diese Argumentation ist Teil eines sexistischen und diskriminierenden Diskurses, in dem ich die Stimmen der muslimischen Frauen vermisse, die sich gegen solche Argumentationsstrukturen stellen und stattdessen ihrem Kopftuch eine spirituelle Deutung und Bedeutung geben.\u201c<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> Khorchide kennt die Argumente, mit denen M\u00e4dchen von ihren Eltern zum Tragen eines Kopftuches gezwungen w\u00fcrden und schreibt sogar von einer \u201eemotionalen Erpressung\u201c, wenn etwa das Kopftuchtragen mit Anst\u00e4ndigkeit begr\u00fcndet w\u00fcrde oder gar mit der Angst vor der H\u00f6lle. Khorchide wehrt sich daher nicht gegen ein Kopftuchverbot f\u00fcr Kinder, weil diese dadurch gesch\u00fctzt w\u00fcrden.<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc511107868\"><\/a><a name=\"_Toc472867149\"><\/a>7\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die L\u00f6sung: Religionsfreundliche S\u00e4kularit\u00e4t<\/h1>\n<p>Am Beispiel der Diskussionen um ein Kopftuchverbot oder des Verbleibs von Kreuzen in der Schule wird das prinzipielle Verh\u00e4ltnis von Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften einerseits und Staat andererseits angesprochen. Die Fragen werden gestellt: Was darf ein demokratischer Staat gegen\u00fcber den Religionen tun bzw. was muss er unterlassen?<\/p>\n<p>Es gilt erstens das Prinzip der Neutralit\u00e4t eines Staates gegen\u00fcber den Kirchen und Religionsgemeinschaften. Der Staat darf weder eine Kirche oder Religionsgemeinschaft benachteiligen oder grundlos in ihrer Religionsaus\u00fcbung hindern, noch darf eine Glaubensinstitution bevorzugt werden. Die evangelische Theologin Maria Katharina Moser schreibt dazu: \u201eDer demokratische Staat darf keine Option privilegieren, die seine B\u00fcrger oder B\u00fcrgerinnen treffen \u2013 weder eine bestimmte religi\u00f6se Option noch die Option, nicht zu glauben. Aufgabe des Staates ist es, sich produktiv auf die Vielfalt der \u00dcberzeugungen einzustellen und daf\u00fcr Sorge zu tragen, dass alle \u00dcberzeugungen an der \u00f6ffentlichen Debatte teilhaben k\u00f6nnen.\u201c<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a><\/p>\n<p>Der \u00f6sterreichischen Schule ist jedenfalls zu w\u00fcnschen, dass in ihr Religionsfreiheit sichtbar wird. Die Buntheit der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, ob mit einem Kreuz, mit Kopftuch, Turban oder Kippa, darf auch f\u00fcr alle sichtbar werden. Es gelten f\u00fcr alle die gleichen Rechte und Pflichten und der Gesetzgeber hat die demokratischen und schulrechtlichen Spielregeln festgelegt, die ohnehin f\u00fcr alle in gleicher Weise G\u00fcltigkeit besitzen. Ein religionsfreundlicher s\u00e4kularer Staat tritt f\u00fcr Toleranz gegen\u00fcber allen Religionen und Gl\u00e4ubigen ein und bek\u00e4mpft sie nicht. Zum Gl\u00fcck gibt es an \u00f6sterreichischen Schulen einen Religionsunterricht, wo \u00fcber diese Fragen auch informiert und diskutiert werden kann, damit sich Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ihre eigene Meinung bilden k\u00f6nnen und so den rechtspopulistischen Spr\u00fccheklopfern und islamophoben Grundstimmungen begegnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc511107869\"><\/a><a name=\"_Toc472867150\"><\/a>8\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Authentische und innere Religiosit\u00e4t einerseits und \u00e4u\u00dfere Wirklichkeiten<\/h1>\n<p>Mit Blick auf die \u00e4u\u00dferen Symbole von Religiosit\u00e4t braucht es immer wieder den relativierenden Blick, dass es letztlich immer \u00c4u\u00dferlichkeiten sind, die einer inneren Grundhaltung und einer Praxis entsprechen m\u00fcssen. \u00c4u\u00dfere Symbole wie Kreuz oder Kopftuch ohne entsprechenden gl\u00e4ubigen Vollzug k\u00f6nnen letztlich zu einem blo\u00dfen Modeschmuck verkommen oder aber auch zur L\u00fcge. Man gibt vor, etwas zu sein, was nicht der religi\u00f6sen Wirklichkeit entspricht. Wer mit dem Zeichen des Kreuzes Krieg f\u00fchrt und Gewalttaten begeht, verr\u00e4t die Wirklichkeit des Kreuzes. Wer aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden ein Kopftuch tr\u00e4gt und in ihrem Herzen aber Groll und Feindschaft gegen andere Menschen pflegt, verr\u00e4t das Wesen des Islams als Religion der Barmherzigkeit und Liebe. Wer, wie Donald Trump es tat, sogar auf zwei Bibeln den Amtseid ablegt, dann aber zugleich einer massiven milit\u00e4rischen Aufr\u00fcstung einerseits und einer K\u00fcrzung in den Sozialprogrammen andererseits das Wort redet, muss sich wohl die scharfen Worte aus der Bibel, sei es aus den Prophetenb\u00fcchen oder den Worten Jesu, gefallen lassen: \u201eWehe euch, ihr Scheinheiligen \u2026 Ihr verzehntet Minze und Dill und K\u00fcmmel und habt das preisgegeben, was in der Tora mehr Gewicht hat: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Vertrauen.\u201c (Mt 23,23) Was die Propheten des Alten Bundes und Jesus immer wieder kritisieren, ist eine reine Ver\u00e4u\u00dferlichung von Religion. So lautet ein Jesuswort: \u201eIhr reinigt Becher und Sch\u00fcssel von au\u00dfen, doch innen sind sie mit Raub und Gier gef\u00fcllt.\u201c (Mt 23,25)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 21. November 2018<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/autoren\/S\/Mansur_Seddiqzai\/index\">Seddiqzai<\/a> Mansur (2018): Kopftuch: Wie freiwillig ist die Entscheidung?, in:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2018-03\/kopftuch-islam-frauen-freiheit-unterdrueckung-zukunft\">www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2018-03\/kopftuch-islam-frauen-freiheit-unterdrueckung-zukunft<\/a>, abgerufen am 9.4.2018.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>[2]Vgl. <a href=\"http:\/\/www.dasbiber.at\/users\/dudu-k\">K\u00fcc\u00fckg\u00f6l<\/a> Dudu (2017): Kopftuch-Debatten oder: \u201eUnd t\u00e4glich gr\u00fc\u00dft das Murmeltier\u201c, in: <a href=\"http:\/\/www.dasbiber.at\/blog\/kopftuch-debatten-oder-und-taeglich-gruesst-das-murmeltier\">http:\/\/www.dasbiber.at\/blog\/kopftuch-debatten-oder-und-taeglich-gruesst-das-murmeltier<\/a>, abgerufen am 8.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. dazu: Heidegger Klaus (2016): Das Kreuz mit dem Kreuz in den Klassenzimmern, in: <a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2467\">http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2467<\/a>, abgerufen am 8.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/innenpolitik\/5149817\/Integrationsexperte-will-KopftuchVerbot-fuer-Staatsdiener\">http:\/\/diepresse.com\/home\/innenpolitik\/5149817\/Integrationsexperte-will-KopftuchVerbot-fuer-Staatsdiener<\/a>, abgerufen am 25.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/2000050316523\/Kurz-fuer-Kopftuchverbot-im-oeffentlichen-Dienst\">http:\/\/derstandard.at\/2000050316523\/Kurz-fuer-Kopftuchverbot-im-oeffentlichen-Dienst<\/a>, abgerufen am 7.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a>Zit.in: Salzburger Nachrichten, 7.1.2017,2.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Zit.in: KURIER, 6.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Zit.in: Tiroler Tageszeitung, 7.1.2017, 11.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. KURIER, 8.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Ebd. Innerhalb des Justizministeriums gibt es allerdings eine Arbeitsgruppe, die der Argumentation des Justizministers widerspricht. Das Ergebnis: \u201eEine Differenzierung zwischen Symbolen verschiedener Religionen ist verfassungsrechtlich nicht zul\u00e4ssig.\u201c Dazu Sabine Mageijka, Vizepr\u00e4sidentin der \u00f6sterreichischen Richtervereinigung: \u201eEntweder man verbietet religi\u00f6se und weltanschauliche Symbole bei Richtern und im Gerichtssaal, oder man l\u00e4sst alle zu.\u201c Zit. in: Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> <a href=\"http:\/\/religion.orf.at\/stories\/2774694\/\">http:\/\/religion.orf.at\/stories\/2774694\/<\/a>, abgerufen am 7.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> In: Tiroler Tageszeitung,<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Moser Moritz (2017): Kurz geht es nicht um S\u00e4kularit\u00e4t, in: <a href=\"http:\/\/religion.orf.at\/stories\/2774694\/\">http:\/\/religion.orf.at\/stories\/2774694\/<\/a>, abgerufen am 7.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Friedrich Otto (2017): Zur\u00fcck an den Start, in: Die Furche, 12.1.2017,1.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Vgl. dazu den Bericht in: DER STANDARD, 18.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Vgl. dazu: Potz Richard, Schinkele Brigitte (2017): Kopftuch und Kreuz im Klassenzimmer, in: DIE FURCHE, 19.1.2017, 14.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/wolfgang.palaver?fref=ts\">https:\/\/www.facebook.com\/wolfgang.palaver?fref=ts<\/a>, 7.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/2000050375442\/Oberrabbiner-und-Imam-krtisieren-OeVP-Forderung-nach-Kopftuchverbot\">http:\/\/derstandard.at\/2000050375442\/Oberrabbiner-und-Imam-krtisieren-OeVP-Forderung-nach-Kopftuchverbot<\/a>, abgerufen am 9.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> In: Kurier, 8.4.2018.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Vgl. dazu die Position von einem jener Islam-Experten, den ich besonders sch\u00e4tze und in allen Fragen des Islams zu Rate ziehe: <a href=\"http:\/\/www.stadtgefluester-muenster.de\/interview\/mouhanad-khorchide\/\">http:\/\/www.stadtgefluester-muenster.de\/interview\/mouhanad-khorchide\/<\/a>, abgerufen am 8.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Vgl. Khorchide Mouhanad (2012): Islam ist Barmherzigkeit: Grundz\u00fcge einer modernen Religion, Herder: Freiburg i. Br. Khorchide weist beispielsweise daraufhin, dass von den 114 Suren im Koran 113 mit der Formel \u201eIm Namen Gottes des Allbarmherzigen, des Allerbarmers\u201c beginnen. Er beschreibt den koranischen Gott als liebenden Gott und die\u00a0 Beziehung zwischen Gott und Mensch als eine Liebesbeziehung \u00e4hnlich wie die zwischen einer Mutter und ihrem Kind.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Khorchide Mouhanad (2018): Und was sagen die betroffenen Kinder dazu, in: Der Standard, 8. April 2018.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Moser Maria Katharina (2017): Religion, sie geh\u00f6rt in die \u00d6ffentlichkeit!, in: DER STANDARD, 17.1.2017, 27.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Kopftuch-Maria.jpg' class='thumbnail' \/>1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kopftuchdiskussion als Dauerthema Mein Ausgangspunkt Wenn ich in meiner Nachbarschaft, im Dorf, irgendwo auf der Stra\u00dfe oder auch in der Schule ein M\u00e4dchen oder eine Frau mit Kopftuch sehe, nehme ich es zun\u00e4chst als Zeichen ihrer Religionszugeh\u00f6rigkeit, als Teil ihrer Identit\u00e4t und selbst gesetzter Grenze ihrer Intimit\u00e4t wahr. 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