{"id":3714,"date":"2018-12-26T05:01:42","date_gmt":"2018-12-26T05:01:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3714"},"modified":"2022-08-22T07:38:38","modified_gmt":"2022-08-22T07:38:38","slug":"ring-the-bells-weihnachtliches-licht-leuchtet-durch-die-risse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3714","title":{"rendered":"Ring the bells \u2013 weihnachtliches Licht leuchtet durch die Risse"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3715 alignright\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Krippe-klein-riss.jpg\" alt=\"\" width=\"205\" height=\"410\" \/>Dunkelheit liegt \u00fcber den Feldern von Betlehem. Sklaven bewachen die Herde vor wilden Tieren. Die Sklaven, man wird sie dann Hirten nennen, tun es f\u00fcr ihre Herren, die in der nahen Stadt Jerusalem in Pal\u00e4sten und stattlichen H\u00e4usern residieren. Den Herren geh\u00f6ren die Schafe und Ziegen \u2013 und w\u00fcrde nur ein Tier verloren gehen, w\u00fcrden die Hirten grausam bestraft werden. Der Zutritt zum Tempel in Jerusalem war den Hirten verwehrt, galten sie doch wegen ihres Umgangs mit Tieren als unrein. Angst und Schrecken liegt \u00fcber den Feldern von Betlehem. Dunkelheit. Mittendrin Maria und Josef und der in Windeln Gewickelte. So beginnt in dem legendarischen Bericht des Lukasevangeliums die neue K\u00f6nigsherrschaft Gottes. Der Neugeborene wird zum K\u00f6nig stilisiert \u2013 deswegen die Stadt Davids. Josef stammt aus dem Geschlecht Davids. Betlehem und K\u00f6nig David sind eindeutige Codes. Damit wird ein politischer Anspruch erhoben. Die vermeintliche Peripherie wird zum Zentrum.<\/p>\n<p>Die lukanische Weihnachtslegende verpackt tiefe Wahrheiten in poetisch-politische Sprache und Codes. Die Metapher von Dunkelheit und Licht z\u00e4hlt dazu. Das Licht von Weihnachten dringt wie ein wundersamer Schein in diese N\u00e4chte. Der Stern von Betlehem. Der Glanz der Engel. Die himmlischen Scheinwerfer richten sich auf das neugeborene Kind von Mirjam und Josef. Die \u201eerniedrigte\u201c junge Frau singt das Lied vom politischen Umsturz inmitten von Schafen und einem Ochs und einem Esel, so die weitere Ausschm\u00fcckung in den Apokryphen. Wie die hebr\u00e4ischen Hebammen zu Beginn der Exodusgeschichte ist Mirjam aus Nazareth. Sie tr\u00e4gt den Namen Mirjam, das hei\u00dft \u201edie Widerspenstige\u201c. Wie Mirjam, die beim Auszug aus \u00c4gypten dem Volk voranging und auf die Pauke haute, so wiegt Mirjam in der weihnachtlichen Nacht ihr Neugeborenes und singt: \u201eDie Armen werden emporgehoben werden.\u201c Frauen treten aus ihrer Opferrolle und werden zu Akteurinnen und F\u00fchrerinnen. Die Lyrics des Magnificats ist das revolution\u00e4re Wiegenlied des Neugeborenen. Weihnachten ist die Realisierung dieses Liedes. Mirjam von Nazareth wird ihn Jesus, J\u00f6schua nennen, das hei\u00dft: \u201eGott rettet.\u201c In die ganze bedrohte Sch\u00f6pfung hinein wird er geboren, der Retter der Welt, der Friedensf\u00fcrst. Sp\u00e4ter einmal wird Leonard Cohen in dem Song \u201cAnthem\u201d singen und dichten: \u201eThere is a crack in everything, that\u2019s how the light gets in.\u201c Frei \u00fcbersetzt: Dort, wo die Br\u00fcche in unserer Gesellschaft sind, dort wo die Zerbrochenheiten in den verschiedensten Kontexten unseres Lebens sind, gerade dort kann das Friedenslicht von Weihnachten durchscheinen.<\/p>\n<p>Die politischen, sozialen und \u00f6konomischen Dunkelheiten von damals erinnern an die Dunkelheiten von heute. Die M\u00e4chtigen, ganz oben der Kaiser Augustus und seine brutalen Statthalter und die K\u00f6nige vor Ort \u2013 sie werden namentlich im Weihnachtsevangelium aufgez\u00e4hlt, sichern sich ihre Herrschaft mit Waffengewalt und Brutalit\u00e4t. Ein Gro\u00dfteil der Menschen lebte in bitterer Armut. Schuldsklaverei war an der Tagesordnung. Besonders M\u00e4dchen und Frauen waren Opfer der herrschenden Verh\u00e4ltnisse. Die r\u00f6mische Besatzungsherrschaft in Kooperation mit den Lokalaristokraten unterband jedes Aufbegehren mit noch sch\u00e4rferer Repression. Gerade in dieser Situation, gerade in diesen Zustand \u00e4u\u00dferster Bedrohtheit und Verletzlichkeit, kommt der himmlische Ruf \u201eund Frieden den Menschen auf Erden\u201c. Die biblischen Friedensstifter folgen einer anderen Logik und Strategie als die Herrschenden. Sie vertrauen der Kraft der Liebe und setzen nicht auf Gewalt. Wenn Maria dann sp\u00e4ter mit ihrem Sohn und vielen Gef\u00e4hrtinnen und Gef\u00e4hrten durch die Landschaften Jud\u00e4as und Galil\u00e4as zieht, vielleicht hat sie dann ihr altes Lied noch ver\u00e4ndert und mit ihm im Kreis der J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger gesungen: \u201eDie M\u00e4chtigen selbst steigen von ihren Thronen und beginnen mit den Niedrigen ein Fest zu feiern. Die Reichen beginnen zu teilen und niemand mehr wird leer ausgehen.\u201c \u201eThat\u2019s how the light gets in. Ring the bells.\u201c So kommt das Licht. Wir k\u00f6nnen die Weihnachtsglocken h\u00f6ren. H\u00f6rt die Signale, ihr nicht mehr Verdammten. Wacht auf.<\/p>\n<p>In den dunklen N\u00e4chten unserer Zeit wird zu Weihnachten einmal mehr sp\u00fcrbar, dass die letztsiegreiche Macht nicht von den Herrschaftszentren dieser Welt ausgeht, sondern von den St\u00e4llen. Der Erl\u00f6ser der Welt hat Stallgeruch. Seine Mutter riecht nicht nach teuren Parfums und Josef der Bauhandwerker tr\u00e4gt keine Ma\u00dfanz\u00fcge. Basisnah. Erdverbunden. Menschenverbunden. Tierverbunden. Sozial Deklassierte knien sich nieder und stehen auf und verk\u00fcnden. Und K\u00f6nige beugen ihre Knie und teilen ihre Sch\u00e4tze und ziehen hinaus in die Welt. Das wird dann ein Fest sein: Wo die Reicht\u00fcmer gerecht verteilt werden, so dass alle genug zum Leben haben. Wo nicht mehr mit noch mehr und noch besseren Waffen f\u00fcr Kriege ger\u00fcstet wird, sondern Menschen endlich beginnen, der Kraft der Gewaltfreiheit und Liebe zu vertrauen und lernen und ein\u00fcben, Konflikte ohne Gewalt zu l\u00f6sen. Weihnachten erz\u00e4hlt davon: Eine andere Welt ist m\u00f6glich und sie hat bereits begonnen. Ein 15-j\u00e4hriges M\u00e4dchen in Schweden fordert Hunderte Staatsm\u00e4nner zum Handeln gegen den Klimawandel auf. Ring the bells \u2013 das gilt auch f\u00fcr die vielen Dunkelheiten in pers\u00f6nlichen Situationen, wo Sehnsucht viel gr\u00f6\u00dfer als Erf\u00fcllung ist. Dann kann eine liebevolle Umarmung wie ein Lichtstrahl durch den Spalt scheinen, dann kann ein Besuch oder selbst ein Anruf oder ein Posting \u00fcber soziale Netzwerke zum weihnachtlichen Licht werden. Du, ich, wir, hier und heute \u2013 k\u00f6nnen Tr\u00e4ger von diesem Licht sein. That\u2019s how the light gets in.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Krippe-klein-riss.jpg' class='thumbnail' \/>Dunkelheit liegt \u00fcber den Feldern von Betlehem. Sklaven bewachen die Herde vor wilden Tieren. Die Sklaven, man wird sie dann Hirten nennen, tun es f\u00fcr ihre Herren, die in der nahen Stadt Jerusalem in Pal\u00e4sten und stattlichen H\u00e4usern residieren. 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