{"id":3880,"date":"2019-03-12T07:44:17","date_gmt":"2019-03-12T07:44:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3880"},"modified":"2026-02-02T14:47:26","modified_gmt":"2026-02-02T14:47:26","slug":"ehe-fuer-gleichgeschlechtlich-liebende-katholisch-interpretiert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3880","title":{"rendered":"\u201eEhe f\u00fcr gleichgeschlechtlich Liebende\u201c theologisch interpretiert"},"content":{"rendered":"<p><strong>Begrifflichkeiten<\/strong><\/p>\n<p>Mit 1. J\u00e4nner 2019 ist in \u00d6sterreich zivilrechtlich die \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c gesetzlich m\u00f6glich gemacht worden. Eine Ehe von heterosexuellen Paaren wird damit einer Ehe von schwulen und lesbischen Paaren gleichgesetzt. Die \u201eEhe f\u00fcr gleichgeschlechtlich Liebende\u201c kann\u00a0 nun standesamtlich geschlossen werde. Der Begriff \u201eEhe f\u00fcr gleichgeschlechtlich Liebende\u201c dr\u00fcckt jedenfalls besser aus, worum es mit \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c geht.<\/p>\n<p><strong>Gleichbehandlung<\/strong><\/p>\n<p>Legaler Ausgangspunkt f\u00fcr die rechtliche Gleichstellung von Hetero- und Homopartnerschaften war das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes (VfGH) vom 4.12.2017. Dort wurde judiziert, dass eine Unterscheidung zwischen Ehe und Eingetragener Partnerschaft das Diskriminierungsverbot verletze. W\u00e4hrend Heteropaare eine Ehe eingehen d\u00fcrfen, sah die bisherige Regelung f\u00fcr Homopaare lediglich seit 2010 die Eingetragene Partnerschaft vor. Umgekehrt gab es diese M\u00f6glichkeit aber nicht f\u00fcr verschiedengeschlechtliche Paare. Mit Beginn des Jahres 2019 wurden in \u00d6sterreich nun gleichgeschlechtliche Paare den verschiedengeschlechtlichen Paaren in der Frage der Eheschlie\u00dfung bzw. Verpartnerung gleichgestellt. Gleichzeitig steht die Eingetragene Partnerschaft auch verschiedengeschlechlichen Paaren offen.<\/p>\n<p>Der VfGH begr\u00fcndete sein Urteil damit, dass zwei unterschiedliche Rechtsinstitute \u2013 Ehe f\u00fcr Heteropaare und eingetragene Partnerschaft f\u00fcr Homosexuelle \u2013 letztlich fortschreiben, dass homosexuelle Paare zum Unterschied von Heteropaaren weniger wert seien und damit diskriminiert w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>Ehe f\u00fcr alle als Sakrament<\/strong><\/p>\n<p>Aus einem theologischen Blickwinkel kann begr\u00fcndet werden, warum die r\u00f6misch-katholische Kirche nicht nur die zivilrechtliche Einf\u00fchrung der Ehe f\u00fcr alle in \u00d6sterreich positiv annehmen sollte, sondern selbst auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften als Ehen in einem christlichen Sinne werten und ihnen damit auch kirchliche Trauungen erm\u00f6glichen m\u00fcsste. Mir ist bewusst, dass eine solche Positionierung bislang innerkatholisch kaum diskutiert worden ist. Im besten Falle wurden Segnungsfeiern f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare angedacht. In offiziellen kirchlichen \u00c4u\u00dferungen finden sich weiterhin die traditionellen Positionen, die eine Ehe exklusiv als Beziehung zwischen Mann und Frau definieren, die noch dazu auf die Zeugung von Nachkommenschaft angelegt sei.<\/p>\n<p><strong>Politische Positionierungen<\/strong><\/p>\n<p>Von Beginn an machte sich die t\u00fcrkis-blaue Regierung nur ungern an die Aufgabe, die Rahmenbedingungen zur \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c zu kl\u00e4ren. Besonders pointiert stellten sich FP\u00d6-Funktion\u00e4re gegen die Vorgaben des VfGH. Aber auch innerhalb der \u00d6VP gibt es Positionen, die der \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c kritisch bzw. ablehnend gegen\u00fcberstehen. So meinte beispielsweise Gudrun Kugler, Menschenrechtssprecherin der \u00d6VP, dass christliche Standesbeamte selbst eine Eingetragene Partnerschaft aus Glaubensgr\u00fcnden ablehnen d\u00fcrften.<\/p>\n<p><strong>Kritische Stimmen von Vertretern katholischer Organisationen<\/strong><\/p>\n<p>Als Justizminister Moser Ende des Jahres 2018 ank\u00fcndigte, die Vorgaben des VfGH umsetzen zu lassen, f\u00fchrte dies zur Kritik einiger Organisationen aus der katholischen Kirche. Die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verb\u00e4nde (AKV), die wesentlich von den Kartellverbindungen gepr\u00e4gt wird, schrieb in einer Stellungnahme, dass es gen\u00fcgen w\u00fcrde, die Eingetragene Partnerschaft f\u00fcr alle Paare zu erm\u00f6glichen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Die Ehe allerdings, so die AKV, sei untrennbar damit verkn\u00fcpft, eine Verbindung von Mann und Frau zu sein, die weiters offen f\u00fcr den Kindernachwuchs sei. Eine fast gleichlautende Argumentation w\u00e4hlte der Pr\u00e4sident des Katholischen Familienverbandes (KF\u00d6), Alfred Trendl. Zus\u00e4tzlich, so warnte der KF\u00d6, k\u00f6nnte durch die \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c die Leihmutterschaft eingef\u00fchrt werden. Auch der Katholische Laienrat \u00d6sterreichs \u00e4u\u00dferte sich bei der Vollversammlung gegen eine \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c.<\/p>\n<p>Zu Beginn des Jahres 2019, als die ersten gleichgeschlechtlichen Ehen geschlossen wurden, sah Kardinal Sch\u00f6nborn zwar einen positiven Aspekt darin, dass aus der Perspektive der Homoehe die Ehe generell eine gro\u00dfe Wertigkeit bekomme, was angesichts der Tatsache, dass so vielen ein Zusammenleben ohne Trauschein gen\u00fcgt, besonders bedeutsam sei. Allerdings bekr\u00e4ftigte er einmal mehr sein Nein zu gleichgeschlechtlichen Ehen, weil Eheschlie\u00dfungen nur zwischen Mann und Frau und im Zusammenhang mit Nachkommen gesehen werden d\u00fcrften. Sein bekanntes Diktum lautet: &#8222;Ich pers\u00f6nlich bleibe dabei, dass die Ehe einfach eine dauerhafte Beziehung von einem Mann und einer Frau ist, die offen ist f\u00fcr neues Leben.&#8220;<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Der Vorsitzende der \u00d6sterreichischen Bischofskonferenz verwies dabei auf die prinzipielle M\u00f6glichkeit der Fortpflanzung eines Paares. So h\u00e4tten alle Menschen Eltern. &#8222;Das wichtigste ist die Generationenfolge. Es gibt keine Generationen ohne Eltern und ohne Familie und ohne Ehe.&#8220;<\/p>\n<p>Im innerkatholischen Diskurs fehlen pointierte Stimmen, die vor allem aus theologischen Gr\u00fcnden es begr\u00fc\u00dfen w\u00fcrden, wenn gleichgeschlechtliche Paare heiraten k\u00f6nnen. Dar\u00fcber gibt es keinen theologischen Diskurs. Dabei m\u00fcsste gerade die katholische Kirche ein Anliegen haben, sich von dem Image zu befreien, dass sie weiterhin schwulen- bzw. lesbenfeindlich sei. Die Frage lautet daher: Wo sind die anderen Stimmen innerhalb der katholischen Kirche, die angesichts eines jahrhundertealten furchtbaren Unrechts, das Schwule und Lesben erfahren mussten, sehr achtsam sind, wenn es um die gleichen Rechte homosexueller Menschen geht? Als Vorsitzender der Katholischen Aktion der Di\u00f6zese Innsbruck ist es mir ein Anliegen, gerade auch auf das hinzuh\u00f6ren, was Schwule und Lesben heute im Sinne der Gleichberechtigung erwarten.<\/p>\n<p><strong>Divergierende Einstellungen zur Homosexualit\u00e4t werden sichtbar<\/strong><\/p>\n<p>Die Frage, wie \u00fcber \u201eEhe f\u00fcr gleichgeschlechtlich Liebende\u201c gedacht und geschrieben wird, h\u00e4ngt untrennbar mit der Einstellung zur Homosexualit\u00e4t zusammen. Dies betrifft insbesondere den innerkatholischen Diskurs. M.a.W.: Gegner einer \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c sind oftmals gepr\u00e4gt von einer zumindest impliziten Ablehnung der Homosexualit\u00e4t. Wer Homosexualit\u00e4t als abnormal oder gar s\u00fcndhaft abstempelt, wird auch eine \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c verurteilen. Andererseits betonen bef\u00fcrwortende Stimmen der \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c die Gleichwertigkeit von hetero- und homosexuellen Beziehungen und sehen in der Institution einer \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c den Weg, bestehende Diskriminierungen zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Die zivilrechtliche Einf\u00fchrung der \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c b\u00f6te Gelegenheit, eine jahrhundertealte Schuld gegen\u00fcber gleichgeschlechtlich Liebenden aufzuarbeiten und sich ganz deutlich von jeglichen Diskriminierungen abzusetzen. Bedauernswert ist, wenn kirchlich-katholische Organisationen die zivilrechtliche Einf\u00fchrung einer \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c ablehnen bzw. sich dazu negativ \u00e4u\u00dfern. Es w\u00e4re gerade aus theologischer Sicht wichtig, andere Dimensionen ins Spiel zu bringen, als sich an dem \u00fcberholten Diktum festzubei\u00dfen, dass nur eine heterosexuelle Partnerschaft verbunden mit der Offenheit f\u00fcr Kinder als Ehe gelten d\u00fcrfe.<\/p>\n<p><strong>Papst Franziskus<\/strong><\/p>\n<p>Papst Franziskus hatte im Sommer 2017 nach seiner Irlandreise gemeint: Stille und Schweigen sei in Sachen Homosexualit\u00e4t der falsche Weg, auch wenn es in diesem Bereich innerhalb der katholischen Kirche Polarisierungen gibt. W\u00f6rtlich meinte er zu den Eltern, wenn sie erfahren, dass ihr Sohn schwul oder ihre Tochter lesbisch ist: \u201eAber ich w\u00fcrde nie sagen, dass Stille ein Heilmittel ist. Einen Sohn oder eine Tochter mit homosexuellen Tendenzen zu ignorieren, ist ein Mangel an V\u00e4terlichkeit oder M\u00fctterlichkeit. Du bist mein Sohn, du bist meine Tochter, so wie du bist! Ich bin dein Vater, deine Mutter. Lass uns reden! Und wenn du, Vater und Mutter, nicht dazu f\u00e4hig bist, frag um Hilfe. Aber immer im Dialog, denn dieser Sohn oder diese Tochter hat das Recht auf eine Familie und nicht aus dieser herausgejagt zu werden. Das ist eine ernste Herausforderung, aber das macht V\u00e4terlichkeit und M\u00fctterlichkeit aus.&#8220; Schon etwas fr\u00fcher hatte Papst Franziskus auf die Frage nach einer Positionierung zur Homosexualit\u00e4t gemeint: &#8222;Wer bin ich, andere zu verurteilen?&#8220;<\/p>\n<p>Es gibt auch vatikanische Dokumente aus Rom, aus denen eine positive Bewertung der Homosexualit\u00e4t abgeleitet werden k\u00f6nnte, wie das nachsynodale Schreiben &#8222;Amoris laetitia&#8220; von Papst Franziskus. Dort steht, dass die erste Option f\u00fcr alle Entscheidungen immer die Liebe sein sollte.<\/p>\n<p>Freilich sorgte Papst Franziskus Ende 2018 selbst f\u00fcr Irritationen, als neuerlich eine kirchliche Instruktion zur Priesterausbildung bekr\u00e4ftigt wurde, die schwulen M\u00e4nnern generell die Zulassung zur Priesterausbildung verweigert. Wenn Schwulsein als \u201eWeihehindernis\u201c dargestellt wird, ger\u00e4t Homosexualit\u00e4t unter Generalverdacht, vor allem dann, wenn es noch in Beziehung zu Missbrauchsgeschichten in der katholischen Kirche gebracht wird.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber Homosexualit\u00e4t und Kirche reden<\/strong><\/p>\n<p>Martin Lintner, Professor f\u00fcr Moraltheologie in Brixen, hat bereits vor einigen Jahren ein wertvolles Buch mit dem Titel \u201eDen Eros entgiften\u201c geschrieben. Mit diesem Titel greift er die Kritik von Friedrich Nietzsche auf, der meinte:\u201eDas Christentum gab dem Eros Gift zu trinken: &#8211; er starb zwar nicht daran, aber entartete zum Laster.\u201c In besonderer Weise ist jener Eros vergiftet worden, der sich auf gleichgeschlechtlich Liebende bezieht. Die r\u00f6misch-katholische Kirche hat sich bei dieser Giftmischerei in der Geschichte vielfach schuldig gemacht. Auch heute noch mixt so mancher zumindest im Hintergrund seine Giftfl\u00e4schchen und bedient sich dabei l\u00e4ngst \u00fcberholter Textpassagen aus dem Weltkatechismus, der Instruktion zur Priesterausbildung, mittelalterlicher Beichtspiegel oder einer fundamentalistisch-verengten Bibelinterpretation. Umso mehr braucht es daher ein zeitgem\u00e4\u00dfes Reden und Handeln der Verantwortlichen der Kirche und eine Praxis in den kirchlichen Gemeinden sowie eine Verk\u00fcndigung, die gepr\u00e4gt ist von Achtsamkeit gegen\u00fcber \u2026<\/p>\n<p>In meinen Anfangsjahren als Lehrer kam es noch h\u00e4ufiger vor, dass Jugendliche andere meist unbedachtals \u201eschwule Sau\u201c bezeichneten. Ob Erwachsene oder Jugendliche, noch immer f\u00e4llt es schwer, sich als Schwuler zu outen, denn, so die begr\u00fcndete Bef\u00fcrchtung, dann w\u00fcrde man vielleicht nicht mehr so sehr als Person, als Mitsch\u00fcler, als Kollege, als Nachbar \u2026 gesehen werden, sondern als der Schwule. Jahrhundertelange giftige Homophobien haben sich in die kollektiven Muster eingefressen, sodass Schwulsein immer noch verbunden wird mit einem \u201eDas ist nicht ganz normal\u201c. Wer schwul oder lesbisch ist, muss sich als \u201eanders\u201c empfinden; er oder sie ist eben nicht, wie es im Englischen f\u00fcr Heteros hei\u00dft, \u201estraight\u201c, was gleichbedeutend mit \u201ebrav\u201c, \u201ekorrekt\u201c oder \u201erichtig\u201c ist.<\/p>\n<p><strong>Die Kirchen und biblische Texte sind nicht gegen Homosexualit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Jedes kirchliche Moralbuch wird damit \u00fcbereinstimmen: Eros und Sexualit\u00e4t dienen den Menschen, um so Liebe und Partnerschaft erfahren zu k\u00f6nnen. Sie sind gut, wenn sie mit Liebe und Partnerschaft verkn\u00fcpft werden, sie werden missbraucht, wenn sie egoistischer Triebbefriedigung dienen. In den biblischen Schriften gibt es nur wenige Stellen, die sich \u00fcberhaupt explizit \u00fcber Homosexualit\u00e4t \u00e4u\u00dfern. Wo in der Bibel ausdr\u00fccklich Homosexualit\u00e4t genannt wird, geht es um homosexuelle Handlungen von M\u00e4nnern, die nicht auf der Basis von Liebe sind, sondern beispielsweise mit Lustknaben und Prostitution zu tun haben. Die Frage lesbischer Beziehungen wird an keiner einzigen Stelle ausdr\u00fccklich thematisiert. Zugleich aber \u2013 und daf\u00fcr steht beispielsweise die Beziehung zwischen David und Jonatan \u2013 werden gleichgeschlechtlich Liebende nicht verurteilt. Ein kritischer Blick auf die Bibel zeigt somit, dass die Behauptung, in der Bibel w\u00fcrde Homosexualit\u00e4t verurteilt, nicht haltbar ist. In den Schriften des Neuen Testaments finden wir lediglich in den Briefen des Apostels Paulus Hinweise zur Homosexualit\u00e4t, w\u00e4hrend in den Evangelien dies kein Thema ist. Auch in den paulinischen Texten geht es aber entweder um sexuelle Ausbeutung und Entartungen mit Lustknaben \u2013 heute w\u00fcrden wir von P\u00e4dophilie sprechen \u2013 oder um kulturell bedingte Reinheitssituationen. Das Vorzeichen der paulinischen Schriften lautet in dieser Frage aber wohl: \u201eDer Leib ist ein Tempel Gottes!\u201c Dies hei\u00dft auch: Im Eros und der menschlichen Sexualit\u00e4t k\u00f6nnen sich g\u00f6ttliche Qualit\u00e4ten manifestieren.<\/p>\n<p>Die sp\u00e4rlichen biblischen Aussagen \u00fcber Homosexualit\u00e4t bei M\u00e4nnern d\u00fcrfen keinesfalls wortw\u00f6rtlich gedeutet werden, was den biblischen Texten nicht gerecht w\u00fcrde. Gerade bei diesen Stellen ist eine historisch-kritische Exegese notwendig. Wo also von Homosexualit\u00e4t in der Bibel die Rede ist, geht es nicht um Liebesbeziehungen, sondern um das Thema kultureller Reinheit oder um die Frage von Tempelprostitution in nicht-j\u00fcdischen Kulturkreisen. W\u00fcrde beispielsweise die Bibel wortw\u00f6rtlich genommen werden, so m\u00fcsste ja mit Bezug auf eine Stelle im Buch Leviticus 20,13 (\u201eSchl\u00e4ft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schl\u00e4ft, dann haben sie eine Gr\u00e4ueltat begangen. Beide werden mit dem Tod bestraft.\u201c) f\u00fcr Homosexuelle die Todesstrafe vollzogen werden.<\/p>\n<p>Zur Zeit der Abfassung solcher Passagen gab es kein medizinisch-psychologisches Wissen \u00fcber das Faktum nat\u00fcrlicher sexueller Veranlagungen. Dies trifft auch auf eine jahrhundertelange Interpretation solcher Stellen zu. Heute w\u00fcsste man es besser, dass Homosexualit\u00e4t in gewisser Weise Bestandteil der menschlichen Natur ist \u2013 also letztlich in der Sprache der Kirchen \u2013 ein Bestandteil der g\u00f6ttlichen Sch\u00f6pfungsordnung. Wer diesen Terminus ben\u00fctzt, d\u00fcrfte ihn heute nicht mehr gegen Homosexualit\u00e4t richten.<\/p>\n<p>Im Religionsunterricht und in der Verk\u00fcndigung m\u00fcssen wir heute jene Stelle im Weltkatechismus korrigieren, die zwar die Notwendigkeit der Achtung gegen\u00fcber Homosexuellen einfordert, dann aber zugleich zur Enthaltsamkeit auffordert und homosexuelle Handlungen verurteilt. Dort hei\u00dft es: \u201eGest\u00fctzt auf die Heilige Schrift, die sie (die Homosexualit\u00e4t) als schlimme Abirrung bezeichnet, hat die kirchliche \u00dcberlieferung stets erkl\u00e4rt, dass die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind\u2018.\u201c (KKK 2357) Und weiters: \u201eHomosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung \u2026 k\u00f6nnen und sollen sie sich \u2026 der christlichen Vollkommenheit ann\u00e4hern.\u201c (KKK 2359)<\/p>\n<p>Wenn sich heute kirchliche Vertreter kritisch bis ablehnend gegen\u00fcber der Ehe f\u00fcr alle stellen, dann schwingt hier doch auch die Vermutung mit, dass das \u201eAusleben der Homosexualit\u00e4t\u201c laut kirchlicher Lehre doch noch zumindest mit Vorbehalt gesehen wird. Dies passt zu einigen anderen r\u00f6misch-katholischen Entwicklungen, wenn etwa erst im Jahr 2005 eine Bestimmung erlassen wurde, die homosexuellen M\u00e4nnern eine Ausbildung zu Priestern untersagt. W\u00f6rtlich hei\u00dft es in der vatikanischen Instruktion: \u201eDie genannten Personen befinden sich n\u00e4mlich in einer Situation, die in schwerwiegender Weise daran hindert, korrekte Beziehungen zu M\u00e4nnern und Frauen aufzubauen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Ehe aus der Perspektive der evangelisch-lutherischen Kirche<\/strong><\/p>\n<p>Martin Luther hatte es in seiner pointierten Sprache im Jahr 1530 in einer Schrift \u00fcber die Ehe so formuliert: \u201eDie Ehe ist ein weltlich Ding.\u201c Seit der Reformation ist Ehe aus evangelischer Sicht kein Sakrament mehr wie die Taufe oder das Abendmahl. Anders in der katholischen Kirche. Die Ehe hat \u2013 katholisch gesehen \u2013 als eines der sieben Sakramente einen besonderen Wert und eine herausragende Bedeutung im kirchlichen Leben. Doch auch f\u00fcr Martin Luther war die Ehe zugleich ein \u201eheiliger Stand\u201c und damit ist diese Lebensform weit mehr als ein \u201eweltlich Ding\u201c. Sie ist eine \u201eheilige Angelegenheit\u201c.<\/p>\n<p>Anfang Dezember 2018 setzte die Synode A.B. \u00d6sterreichs eindeutige Schritte, die eine Trauung f\u00fcr alle im Kontext ihrer Kirche erm\u00f6glichen sollte. Die evangelisch-lutherische Kirche regte zun\u00e4chst in ihrer demokratischen Verfasstheit dazu an, die Gemeinden zu befragen. Allerdings gab die Synode eine Empfehlung mit dem folgenden Wortlaut: \u201eDie Bedingungen, unter denen Menschen heute ihre Beziehungen in verl\u00e4sslicher und verbindlicher Form leben, haben sich gegen\u00fcber den Entstehungszeiten von Bibel und Bekenntnisschriften ge\u00e4ndert\u201c. Die Kirche solle auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften w\u00fcrdigen, \u201esofern sie auf lebenslange Treue, gegenseitige F\u00fcrsorge und Beistand ausgerichtet sind\u201c. Um unterschiedlichen Auffassungen zu homosexuellen Partnerschaften innerhalb der Kirche Rechnung zu tragen, sollen kirchliche Trauungen f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare nur in solchen Pfarrgemeinden durchgef\u00fchrt werden, in denen Gemeindevertretung und Pfarrerin bzw. Pfarrer sich daf\u00fcr aussprechen. Die Gemeinschaft der Kirche, hei\u00dft es in dem Papier, werde durch diese unterschiedlichen Auffassungen und die Entscheidungsautonomie der Pfarrgemeinden \u201enicht in Frage gestellt\u201c.<\/p>\n<p>Dass es f\u00fcr eingetragene Partnerschaften sowohl hetero- als auch homosexueller Paare keine kirchliche Trauung oder Segnung in einem \u00f6ffentlichen Gottesdienst geben soll, wird in der Empfehlung des Theologischen Ausschusses mit ihrer geringeren Verbindlichkeit begr\u00fcndet, daher seien diese Partnerschaften \u201enicht auf der gleichen Ebene wie die Ehe\u201c zu sehen.<\/p>\n<p>Bei der au\u00dferordentlichen Synode der Evangelisch-lutherischen Kirche A.B. am 9. M\u00e4rz 2019 fand die Kirche zu einem Kompromiss. Zum einen sollte eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in einem \u00f6ffentlichen Gottesdienst m\u00f6glich gemacht werden, zum anderen aber auch ein Unterschied zu verschiedengeschlechtlichen Paaren aufrecht erhalten werden. Homosexuelle Partnerschaften werden als \u201eeheanalog\u201c verstanden. Anders als ei der Ehe k\u00f6nnen Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Gemeinden die Segnungen in ihren Gottesh\u00e4usern auch ablehnen. So wurde der Begriff \u201eEhe\u201c als \u201eder auf lebenslange Treue angelegten Lebensgemeinschaft von Mann und Frau\u201c weiterhin fortgeschrieben. Eine vollst\u00e4ndige Gleichstellung erfolgte also noch nicht, wenngleich Schwulen- und Lesbenverb\u00e4nde sehr wohl in der Entscheidung der Evangelischen Kirche einen Schritt in diese Richtung feststellten.<\/p>\n<p><strong>Ehe als Realsymbol der Liebe Gottes<\/strong><\/p>\n<p>Laut Lehre der katholischen Kirche wird die Ehe als umfassende personale und partnerschaftliche Lebensgemeinschaft gesehen. Der Ehebund kommt durch das Ja-Wort zustande. Damit schenken sich die Partner selbst dieses Sakrament. Es ist das einzige der sieben Sakramente, in dem nicht ein Diakon, Priester oder Bischof der Spender ist \u2013 mit Ausnahme von einer Nottaufe. Tragende Elemente der Ehe sind die gegenseitige Hingabe, das F\u00fcreinander-da-Sein, das Sich-selber-Schenken. Theologisch gewendet wird die Ehe immer als sinnlich-begreifbares Abbild der Liebe Gottes zu uns Menschen gesehen. Treue wiederum ist das Markenzeichen dieser Liebe.<\/p>\n<p>Die katholische Kirche stellt den Jesusbezug zu allen Sakramenten her. Der normative R\u00fcckbezug auf Jesus von Nazareth bedeutet in diesem Fall, dass in der Partnerschaft das Handeln Jesu zum Ausdruck kommen sollte. In diesem Sinne \u2013 nicht in einem institutionell-formalen Sinn \u2013 wurde die Ehe als Sakrament von Jesus Christus eingesetzt. Die Sakramentalit\u00e4t der Ehe ist nicht so sehr die Hochzeit bzw. kirchliche Trauung, sondern wirkt sich im allt\u00e4glichen Eheleben aus, wo heilende Begegnungen stattfinden, die Gott ersp\u00fcren lassen. Ehe geschieht im Dienst f\u00fcreinander. Ehe geschieht dann, wenn sich die Partner annehmen, wie sie sind, sich verzeihen k\u00f6nnen, sich aufeinander verlassen k\u00f6nnen. Ehen sind deswegen, wie es das Zweite Vatikanum nannte, \u201eHauskirchen\u201c.<\/p>\n<p>Diese christliche Sicht von Ehe finden wir auch bei Martin Luther und den evangelischen Kirchen. Da z\u00e4hlt es, st\u00e4ndig neu an seiner Partnerschaft zu arbeiten, sich immer wieder neu zu vers\u00f6hnen. Es geht um Achtung, Respekt und gegenseitiges Vertrauen. Ein evangelischer Theologe hat es einmal so formuliert: \u201eNach reformatorischer Auffassung hat eine Partnerschaft erst dann das Zeug zu einer christlichen Ehe, wenn beide Partner zu der Gewissheit gelangen k\u00f6nnen: Das gef\u00e4llt Gott!\u201c<\/p>\n<p>Die Theologie des Ehesakramentes, all die positiven Aspekte, die \u00fcber Ehe formuliert worden sind, gelten nicht nur f\u00fcr gemischtgeschlechtliche Paare. Jeder theologische Aspekt der Ehe gilt in gleicher Weise auch f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare. Auch in ihrer Liebe kann die Liebe Gottes sichtbar werden. Auch sie k\u00f6nnen die Treue Gottes zu uns Menschen versinnbildlichen. Auch sie k\u00f6nnen den Christusbezug verk\u00f6rpern, indem ihre Partnerschaft zur Nachfolgegemeinschaft wird. Auch in ihr kann sich die Gnade entfalten und auch in ihr kann die heilige Geistkraft wirksam werden. Wenn diese Aspekte auch f\u00fcr gleichgeschlechtlich Liebende gesehen werden, dann h\u00f6rt jene diskriminierende Sichtweise auf, die gleichgeschlechtlich Liebende auf Sexualit\u00e4t reduziert. Es wird sichtbar, wie viele andere Dimensionen \u2013 gleich wie bei Heteropaaren \u2013 gleichgeschlechtliche Paare haben.<\/p>\n<p>Eine Ehe und Partnerschaft wird aus dieser Perspektive nicht vorrangig unter dem Aspekt der sexuellen Orientierung beurteilt, sondern es geht um einen respektvollen Umgang, um Liebe, Verantwortung und Verl\u00e4sslichkeit als Grundlagen von Partnerschaft und Familie.<\/p>\n<p><strong>Die Kirche bekr\u00e4ftigt und st\u00e4rkt das Ja der Liebenden<\/strong><\/p>\n<p>Das Besondere an der kirchlichen Trauung ist, dass auch die Kirche das Ja zur Liebesgemeinschaft der beiden Ehepartner ausspricht. Es ist nicht nur Sache des Liebespaares, nicht nur Sache des Standesamtes, nicht nur zivilrechtlich geregelt und nicht nur bedeutsam f\u00fcr das Finanzamt. Zum Ja-Wort der Liebenden kommt das Ja-Wort der Kirche, die das Ja Gottes f\u00fcr das Paar erbittet. Ob das gemeinsame Leben gelingt, liegt nicht nur im Paar selbst begr\u00fcndet, sondern auch im Zuspruch von Freunden und Freundinnen und Familien. Gerade in einer Zeit, in der es vielfach einen R\u00fcckzug ins Private gibt, ist dieser soziale Aspekt sehr wichtig. Die Gemeinschaft wird das Paar st\u00e4rken \u2013 gerade dann, wenn eine Ehe einmal in schwierige Phasen kommen sollte. Genauso bringt eine Ehe ihre geb\u00fcndelte Kraft in die gr\u00f6\u00dfere Gemeinschaft von Welt und Kirche ein.<\/p>\n<p>Wiederum ist dieser ekklesiologische Aspekt bedeutsam f\u00fcr gleichgeschlechtlich Liebende. So wird deutlich, dass die Kirche den Wert solcher Partnerschaften voll anerkennt \u2013 und nicht nur ein wenig oder unter dem Aspekt herablassender Toleranz. Nein, gleichwertig!<\/p>\n<p><strong>Segensfeier f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare<\/strong><\/p>\n<p>Bereits im Jahr 2001 hatte die Katholische M\u00e4nnerbewegung \u00d6sterreichs (KMB\u00d6) im Anschluss an eine Konferenz um die Erm\u00f6glichung von Segensfeiern f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare in der katholischen Kirche gebeten. Allerdings machte die KMB\u00d6 den Unterschied: Segnung ja, kirchliche Trauung nein, denn, so die klassisch katholische Argumentation: \u201eDem Wunsch nach der Ehe k\u00f6nnen wir nicht zustimmen, da das Sakrament der Ehe f\u00fcr uns per definitionem \u201af\u00fcr die Liebe der Partner zueinander und zur Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft\u2018 eingesetzt wurde.\u201c Eine Segensfeier sollte allerdings dazu dienen, dass Schwule und Lesben eine \u00f6ffentliche und verantwortete Partnerschaft erm\u00f6glicht werde.<\/p>\n<p>Damals wurden die KMB\u00d6-Funktion\u00e4re vom zust\u00e4ndigen Referatsbischof Christian Werner sowie vom St. P\u00f6ltner Di\u00f6zesanbischof Kurt Krenn auf Sch\u00e4rfste zur\u00fcckgewiesen. Letzterer verlangte, dass die \u201eIrrt\u00fcrmer\u201c \u00f6ffentlich widerrufen werden m\u00fcssten und dass die \u00c4u\u00dferungen der M\u00e4nnerbewegung \u201eschwerwiegend gegen die Glaubens- und Sittenlehre der Kirche versto\u00dfen\u201c. Eine Organisation, die solche Positionen vertrete, k\u00f6nne und d\u00fcrfe das Wort \u201ekatholisch\u201c nicht in Anspruch nehmen. Christian Werner sprach sich ebenfalls wie der f\u00fcr Familienangelegenheiten zust\u00e4ndige Bischof Klaus K\u00fcng klar gegen eine Segnung aus, weil dies als Trauung missverstanden werden k\u00f6nnte \u2013 diese aber Mann und Frau vorbehalten sei. Egon Kapellari, damals Di\u00f6zesanbischof von Graz-Seckau, meinte im Gleichklang, \u201edass eine kirchliche Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften von allen katholischen Bischofskonferenzen einhellig abgelehnt wird, weil sie der kirchlichen Lehre klar widerspricht\u201c.<\/p>\n<p>Diese negative Sicht von Segnungsfeiern f\u00fcr gleichgeschlechtlich Liebende wird gespeist aus den jahrhundertealten Vorurteilen gegen\u00fcber homosexuellen Menschen. Tats\u00e4chlich wurde \u2013 und wird \u2013 meist das Wort von der \u201eSch\u00f6pfungsordnung\u201c verwendet, womit gemeint ist: Schwule und Lesben w\u00fcrden gegen die Sch\u00f6pfungsordnung handeln, wenn sie eine Partnerschaft eingehen. Vereinfacht gesagt hei\u00dft dies: Wer Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare ablehnt, bringt damit seine Verurteilung von Homosexualit\u00e4t zum Ausdruck.<\/p>\n<p><strong>Kirchliche Trauung ist mehr als Segensfeier<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich haben die Gegner einer kirchlichen Segensfeier f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare in einer gewissen Weise Recht. Solche Segensfeiern d\u00fcrften sich doch von einer Trauung nicht wesentlich unterscheiden. Die Unterschiede zwischen Segensfeier und Trauung sind in der praktischen Durchf\u00fchrung jedenfalls verschwommen. Darf beispielsweise bei einer Segnungsfeier der so wichtige Satz \u201eich nehme dich an als meine Frau\/meinen Mann. Ich will dich lieben, achten und ehren, solange ich lebe\u201c nur exklusiv bei einer Trauung verwendet werden? Welche Zeichen werden verwendet? Der Kuss? Die Ringe? Die priesterliche Stola, die \u00fcber die vereinten H\u00e4nde gelegt wird? Segnungsfeiern im Bereich der evangelischen Kirche, wie sie bereits stattfinden, unterscheiden sich jedenfalls vielfach nicht mehr von kirchlichen Trauungen.<\/p>\n<p><strong>Die Aufhebung von schwulen- und lesbenfeindlichen Aussagen<\/strong><\/p>\n<p>Kirchliche Segensfeiern und Trauungen f\u00fcr schwule und lesbische Paare w\u00fcrden letztlich dazu f\u00fchren, dass die Sexualmoral in einigen Aspekten neu geschrieben und gelesen werden m\u00fcsste. Unselige S\u00e4tze wie jener aus dem Weltkatechismus, die homosexuelle Handlungen mit S\u00fcnde gleichsetzen, m\u00fcssten endlich verschwinden.<\/p>\n<p><strong>Ehe auch ohne Zeugungsf\u00e4higkeit<\/strong><\/p>\n<p>Zum meistgenannten Argument gegen eine Ehe f\u00fcr alle bzw. aus katholischer Sicht gegen die M\u00f6glichkeit einer gleichgeschlechtlichen Ehe als Sakrament und damit gegen kirchliche Segnungsfeiern oder Trauungen f\u00fcr homosexuelle Paare z\u00e4hlt die Behauptung, dass f\u00fcr eine Ehe die F\u00e4higkeit zur Nachkommenschaft konstitutiv sei. Diese wiederum sei daran gekn\u00fcpft, dass biologisch eben nur eine gemischtgeschlechtliche Partnerschaft diese F\u00e4higkeit zur Nachkommenschaft beinhalte. Kurz gesagt lautet das Ehe-Bild: Ehe ist eine Verbindung von Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen. Oder anders ausgedr\u00fcckt: Die Potentialit\u00e4t zur Lebensweitergabe ist nur durch eine solche Beziehung gegeben. Die Dreierbeziehung der leiblichen Eltern zu ihrem Kind\/ihren Kindern sei untrennbares Wesensmerkmal der Ehe. Damit k\u00f6nne eine Ehe nicht f\u00fcr Homosexuelle ge\u00f6ffnet werden.<\/p>\n<p>Olivier Dantine, Superintendent der evangelischen Kirche von Tirol und Salzburg, verneinte eine solche Argumentation. Eine Ehe soll nicht untrennbar mit Nachkommenschaft in Verbindung gebracht werden. Dies w\u00fcrde erstens dem Wesen der Ehe nicht gerecht und k\u00f6nnte zweitens f\u00fcr kinderlose Paare einen Druck bedeuten, ihre Ehe als weniger wertvoll zu sehen, weil einer der postulierten Ehezwecke nicht erf\u00fcllt sei. Kinder wiederum, so Dantine, k\u00f6nnten sich in manchen F\u00e4llen ausgen\u00fctzt f\u00fchlen, wenn sie sich als Zweck einer Ehe verstehen m\u00fcssten. Michael B\u00fcnker, Bischof der Evangelischen Kirche, hat sich in gleicher Weise daher auch f\u00fcr die Institution einer \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c ausgesprochen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sieht auch die katholische Kirche im kirchlichen Recht eine \u201eZeugungsunf\u00e4higkeit\u201c nicht als Ehehindernis an \u2013 zum Unterschied von der \u201eBeischlafunf\u00e4higkeit\u201c, die \u00fcberholterweise noch als Ehehindernis in konservativ-fundamentalistischen Diktionen angegeben wird, in dieser Form jedoch l\u00e4ngst schon im Widerspruch zu anderen kirchlichen Texten steht. Eine Argumentation, die also die Offenheit gegen\u00fcber der Nachkommenschaft \u2013 und implizit ist damit immer Zeugungsf\u00e4higkeit gemeint \u2013 als Kardinalargument gegen eine Ehe f\u00fcr alle anf\u00fchrt, widerspricht der Tatsache, dass dies auch kirchenrechtlich nicht mehr vorgesehen ist.<\/p>\n<p><strong>Ermutigungen zum Schluss<\/strong><\/p>\n<p>Wenn gleichgeschlechtlich Liebende in einer Partnerschaft leben, sich selbst schon ein unbedingtes Ja geschenkt haben, dann leben sie \u2013 sakramentaltheologisch gesehen \u2013 jetzt schon die Ehe, auch wenn ihnen kirchliche Strukturen noch das Ritual der Trauung verweigern, dann ist diese Beziehung nicht nur \u201eeheanalog\u201c, sondern selbst auch Ehe. S\u00fcnde ist nicht, wenn Menschen gleichgeschlechtlich lieben, sondern die S\u00fcnde liegt in den Strukturen und Geisteshaltungen, die weiterhin dazu f\u00fchren, dass Menschen aufgrund ihrer homosexuellen Veranlagungen ausgegrenzt oder diffamiert werden. In der Tradition eines Jesus von Nazareth, der sich in seinem Leben und seiner Botschaft nie scheute, Gesetze im Sinne des Menschlichen zu deuten, braucht es heute Verantwortliche, die vorangehen in eine Kirche, in der lesbische und schwule Partnerschaften gleichberechtigt anerkannt und an jenem Ma\u00dfstab gemessen werden \u2013 dem Ma\u00dfstab der Liebe und Treue \u2013 mit dem auch gemischtgeschlechtliche Partnerschaften gemessen werden. Die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Andere Kirchen zeigen heute der r\u00f6misch-katholischen Kirche, dass f\u00fcr Schwule und Lesben l\u00e4ngst nicht mehr das S\u00fcndeneck und Beichtstuhl und Askese vorgesehen sind.<\/p>\n<p>Indem nun auch in \u00d6sterreich gesetzlich eine Ehe f\u00fcr alle m\u00f6glich ist, kann sichtbar werden, dass Homosexualit\u00e4t normal ist und zu unserem Menschsein ganz selbstverst\u00e4ndlich dazu z\u00e4hlt. Die in Treue und gegenseitiger Liebe und Partnerschaft gelebte Beziehung von gleichgeschlechtlichen Paaren ist jetzt schon Sakrament und jener Ort, an dem die liebende Kraft Gottes sp\u00fcrbar und lebbar wird. Die Evangelische Kirche A.B. in \u00d6sterreich hat einen wesentlichen Schritt gemacht, in dem sie Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare in \u00f6ffentlichen Gottesdiensten erm\u00f6glicht. Jetzt ist es Zeit, dass sich auch die r\u00f6misch-katholische Kirche in diese Richtung bewegt.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger,<br \/>\nVorsitzender der Katholischen Aktion der Di\u00f6zese Innsbruck<br \/>\nPr\u00e4sidiumsmitglied der Katholischen M\u00e4nnerbewegung<br \/>\nReligionslehrer am Privaten ORG Volders St. Karl<\/p>\n<p>\u00dcberarbeitete Fassung vom 12. M\u00e4rz 2019<\/p>\n<p>Bachgasse 10, 6067 Absam, <a href=\"mailto:klaus.heidegger@aon.at\">klaus.heidegger@aon.at<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\">www.klaus-heidegger.at<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Kathpress, 4.9.2018.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Zit.in: <a href=\"https:\/\/www.katholisch.de\/aktuelles\/aktuelle-artikel\/kardinal-schonborn-ehe-fur-alle-hat-auch-positive-aspekte?utm_content=buffer73208&amp;utm_medium=social&amp;utm_source=facebook.com&amp;utm_campaign=buffer&amp;fbclid=IwAR3xB-IP1qPn_qvPhYT2gGFFu1H4TxYIbEkEvdUEhoxqt8AWGeapw26jbXw\">https:\/\/www.katholisch.de\/aktuelles\/aktuelle-artikel\/kardinal-schonborn-ehe-fur-alle-hat-auch-positive-aspekte?u<\/a>, online 5.1.2019. Ebenso: <a href=\"https:\/\/redaktion.kathpress.at\/action\/kpprod\/download?&amp;p=6775&amp;c=2072\">https:\/\/redaktion.kathpress.at\/action\/kpprod\/download?&amp;p=6775&amp;c=2072<\/a>, online 7.1.2019.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Begrifflichkeiten Mit 1. J\u00e4nner 2019 ist in \u00d6sterreich zivilrechtlich die \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c gesetzlich m\u00f6glich gemacht worden. Eine Ehe von heterosexuellen Paaren wird damit einer Ehe von schwulen und lesbischen Paaren gleichgesetzt. Die \u201eEhe f\u00fcr gleichgeschlechtlich Liebende\u201c kann\u00a0 nun standesamtlich geschlossen werde. 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