{"id":4393,"date":"2019-11-21T17:10:48","date_gmt":"2019-11-21T17:10:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=4393"},"modified":"2026-02-02T15:08:09","modified_gmt":"2026-02-02T15:08:09","slug":"gotttesdienste-in-vielfalt-ganzheitlich-feiern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=4393","title":{"rendered":"Gotttesdienste in Vielfalt ganzheitlich feiern"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wort- und Brotteilhaftigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Die Gegenw\u00e4rtigkeit Jesu Christi \u2013 als Aktual- und Realpr\u00e4senz \u2013 kann im geteilten Wort und im geteilten Brot sichtbar und erlebbar werden. Es soll kein Auseinanderdividieren vom Mitteilen und Teilen des Wortes Gottes einerseits und dem symbolischen und realen Teilen des Brotes andererseits geben. Das geteilte Brot kann insbesondere in den Sonntagsgottesdiensten bzw. in den zentralen Gottesdiensten zu bestimmten Anl\u00e4ssen wesentlich zu einer liturgischen Feier geh\u00f6ren. Im Segnen des Brotes, dem Teilen des Brotes und dem gemeinsamen Mahlhalten verdichtet und verst\u00e4rkt sich nochmals, worum es beim \u201eWort Gottes\u201c geht bzw. das Brotteilen selbst wird zum Wort Gottes. In der Art und Weise, wie wir miteinander feiern, kann die Ganzheit der Kirche Jesu Christi sichtbar werden und nicht ein Mangel. Hier gibt es sicherlich je nach Situation und Kontext der Feiernden vor Ort unterschiedliche M\u00f6glichkeiten. Jedenfalls entspricht dieses gemeinsame Essen &#8211; symbolisch verdichtet im geteilten Brot &#8211; so ganz unseren Erfahrungen, unserem Hunger und Durst nach einem ganzen Leben in Gemeinschaft mit anderen.<\/p>\n<p><strong>Die Heilige Messe<\/strong><\/p>\n<p>Da ist erstens die traditionelle Form der Eucharistie mit ihren beiden Teilen des Wortgottesdienstes und der Eucharistiefeier. Jeder Gl\u00e4ubige und jede G\u00e4ubige w\u00fcrde wohl verwundert den Kopf sch\u00fctteln, bliebe die Heilige Messe ohne eucharistischen Gebete, ohne Wandlung und ohne Kommunionspendung \u2013 w\u00e4re also mit der Predigt etwa die Messe schon aus. Die Liturgie der Eucharistie sieht beide Teile als wesentlich aufeinander bezogen. Die Heilige Messe ist aber untrennbar auf den geweihten Priester bezogen. Nur er darf eine Messe lesen, nur er kann die Wandlungsworte sprechen. Damit freilich sind wir beim Faktum, dass vielerorts am Sonntag keine Messe gefeiert werden kann, weil es zuwenig Priester gibt, oder dass eben die Zahl der Messfeiern gek\u00fcrzt wird. Mehr noch aber gibt es ein anderes Problem: Besonders von jungen Menschen wird die Liturgie einer traditionellen Messfeier nicht mehr verstanden. Sie ist ihnen fremd geworden. Was laut kirchlicher Lehre im Zentrum des kirchlichen Lebens steht, ist f\u00fcr viele inzwischen zur Form erstarrt. Daher gibt es einen doppelten Auftrag, nach neuen Formen ganzheitlichen Feierns zu suchen.<\/p>\n<p><strong>Wortgottesdienste<\/strong><\/p>\n<p>Da sind zweitens Wortgottesdienste, bei denen auf den eucharistischen Charakter verzichtet wird. Hier ist ein Gef\u00fchl von Mangel. \u201eNur Wort Gottes?\u201c Genau dieses Empfinden entsteht praktisch manchmal in den priesterlosen Wortgottesdiensten am Sonntag, die vermehrt in den Gemeinden stattfinden. Man sp\u00fcrt den Mangel bzw. das, was Paul Zulehner als \u201eeucharistischen Hunger\u201c bezeichnet. Die Gl\u00e4ubigen haben das Empfinden, dass zu einem sonnt\u00e4glichen Gottesdienst ein eucharistisches Element geh\u00f6rt. Diesem Empfinden widerspricht es jedenfalls, wenn vielerorts versucht worden ist, den eucharistischen Charakter aus den Wort-Gottes-Feiern herauszulassen.<\/p>\n<p><strong>Wortgottesdienste mit Kommunionsspendung<\/strong><\/p>\n<p>Dieser \u201eeucharistische Hunger\u201c wird versucht zu stillen, in dem drittens Wortgottesdienst mit Kommunionsspendung verkn\u00fcpft wird. Die Verbindung von Wortgottesdienst und Kommuniongottesdienst ist theologisch gut begr\u00fcndet und wird seit langem in vielen Gemeinden praktiziert. Allerdings hat es auch einen befremdlichen Charakter, wenn im Anschluss an den Wort-Gottes-Teil f\u00fcr die Kommunionfeier die geweihten Hostien aus dem Tabernakel wie aus einem Art Tiefk\u00fchlregal geholt werden, um sie dann f\u00fcr die Feier aufzubacken. Ginge es nicht auch anders?<\/p>\n<p><strong>Brotsegen und Brotteilen im Gottesdienst<\/strong><\/p>\n<p>Bei vielen unseren Gottesdiensten f\u00fcr die gesamte Schulgemeinschaft steht in der Mitte auch die Erfahrung des Brotteilens. Meist sind es kleine Brote, die von der Integrationsk\u00fcche gebacken wurden, die von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern in K\u00f6rben nach vorne gebracht werden, die im Rahmen des Gottesdienstes gesegnet werden \u2013 zuletzt wieder vom katholischen Schulgeistlichen, der evangelischen Pastorin und dem islamischen Religionslehrer \u2013 und dann im Gottesdienst geteilt werden. So merkw\u00fcrdig daneben erschiene die Frage, d\u00fcrfen Brote am Altar stehen, darf ein islamischer Religionslehrer dazu ein Segenswort rezitieren und der Ordenspriester gemeinsam mit der evangelischen Pastorin am Altar die Brote segnen. Viele scheinbare Probleme l\u00f6sen sich dann auf. Es stellt sich nicht mehr die Frage, wer darf die Brote segnen, ist dies eine verbotene Interzelebration oder Interkommunion, wer darf zur Kommunion gehen und wer nicht \u2013 es ist gemeinsames Teilen m\u00f6glich geworden, das auch von den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern und den Lehrpersonen als befreiend erlebt wird. Erfahrbar wird: Religionen trennen nicht, sondern im geteilten Brot k\u00f6nnen wir uns begegnen.<\/p>\n<p><strong>Die anderen eucharistischen Erfahrungen au\u00dferhalb des Gottesdienstes<\/strong><\/p>\n<p>\u201eTeebeben\u201c lautet der Titel eines preisgekr\u00f6nten franz\u00f6sischen Kurzfilms. Ein Rechtsextremer betritt den Laden eines arabischen Gemischtwarenh\u00e4ndlers in einer franz\u00f6sischen Kleinstadt. Ver\u00e4chtlich spuckt er dort auf den Boden. Der Ladenbesitzer \u2013 so w\u00e4re die normale Reaktion gewesen \u2013 h\u00e4tte nun wohl als ehemaliger Profiboxer zum gewaltt\u00e4tigen Gegenschlag ausholen k\u00f6nnen. Doch es geschieht eine radikale Wende. Er b\u00fcckt sich vor dem Aggressor, um den Boden zu reinigen. Dann l\u00e4dt er den Angreifer zu einer Tasse Minztee im Untergescho\u00df seines Gesch\u00e4ftes ein. Wandlung wird m\u00f6glich. Das B\u00fccken ist wie die Fu\u00dfwaschung im Kontext des letzten Abendmahls bei Jesus. Eucharistische Praxis hat seither immer mit dem gewaltfrei-dem\u00fctigen Niederb\u00fccken zu tun, in dem Solidarit\u00e4t und Entfeindung geschehen k\u00f6nnen. Die Einladung zum Teetrinken im genannten Kurzfilm ist wie die Einladung Jesu: \u201eNehmt und esst und trinkt \u2026!\u201c Wo diese Praxis fortgef\u00fchrt wird, werden bewusst Grenzen aufgehoben, nicht aber gezogen. Eucharistische Wirklichkeiten haben auch mit Alltagserfahrungen zu tun, bei den famili\u00e4ren K\u00fcchentischen bis zum Teilen einer Pizza in einer Pizzeria oder einem freundschaftlichen Picknick am Inn, dem Jausenbrot in der Schule oder dem gemeinsamen Essen in der Kantine. Solche Grunderfahrungen schenken das, was in der Eucharistie verdichtet wird. Kinder haben von Beginn an gesp\u00fcrt: Gott ist wie eine stillende Mutter. Dieser Topos findet sich in jeder Religion. Maria lactans, die stillende Mutter Gottes, sehen wir hierzulande in vielen bildlichen Darstellungen. Gerade die kindlichen Erfahrungen sind gepr\u00e4gt davon, dass sich Eltern ohne Berechnung und aus reiner Liebe hingeben k\u00f6nnen. F\u00fcr Jugendliche sind es dann die Partys, f\u00fcr Verliebte das erste Date mit gemeinsamem Essen, f\u00fcr Ehepaare der Besuch in einem Restaurant und \u00e4ltere Menschen sch\u00e4tzen es, wenn ihre Verwandten gelegentlich am Sonntag zu Kaffee und Kuchen vorbeikommen. Die Gegenw\u00e4rtigkeit \u2013 Realpr\u00e4senz \u2013 Christi kann so im Alltag Wirklichkeit werden \u2013 und gemeinsam dann auch in den verschiedenen Formen von Gottesdiensten am Sonntag in den Kirchen zum Ausdruck kommen und gefeiert werden.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 21.11.2019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wort- und Brotteilhaftigkeit Die Gegenw\u00e4rtigkeit Jesu Christi \u2013 als Aktual- und Realpr\u00e4senz \u2013 kann im geteilten Wort und im geteilten Brot sichtbar und erlebbar werden. Es soll kein Auseinanderdividieren vom Mitteilen und Teilen des Wortes Gottes einerseits und dem symbolischen und realen Teilen des Brotes andererseits geben. 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