{"id":4403,"date":"2019-11-23T15:57:57","date_gmt":"2019-11-23T15:57:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=4403"},"modified":"2026-02-02T15:07:51","modified_gmt":"2026-02-02T15:07:51","slug":"gedanken-zum-christkoenigssonntag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=4403","title":{"rendered":"Gedanken zum Christk\u00f6nigssonntag"},"content":{"rendered":"<p>Am Ende eines Kirchenjahres k\u00f6nnen wir auf einen Mann blicken, der seine Herrschaft anders gestaltet hat als die K\u00f6nige und Herrscher dieser Welt: Auf einen K\u00f6nig ohne Selbstdarstellung, ohne Machtall\u00fcren, ohne narzisstisches Stargehabe. Das messianische K\u00f6nigtum Jesu ist keine Herrschaft, die mit Gewalt daherkommt. Der Christk\u00f6nig steht f\u00fcr aktive Gewaltfreiheit bis zum Kreuz. Der j\u00fcdische K\u00f6nig aus Nazareth ist kein Despot, der andere unterdr\u00fcckt, um selbst gro\u00df sein zu k\u00f6nnen. Kein Regimekritiker muss in der Herrschaft Christi f\u00fcrchten, inhaftiert, gefoltert oder umgebracht zu werden. Der Christk\u00f6nig ist kein Autokrat, der r\u00fccksichtslos seine Interessen durchsetzt. Er ist kein Narzisst, der auf der Welle des Populismus daher schwimmt. Christus, der K\u00f6nig, ist so ganz anders und stellt damit die heutigen Gro\u00dfm\u00e4nner radikal infrage. Infrage gestellt werden aber auch jene, die sich nicht ihm, sondern den Gro\u00dfm\u00e4nnern verschrieben haben und diese mit ihrem Wahlverhalten in die Macht hievten sowie mit ihrem Lebensstil unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Am Ende des Kirchenjahres, wenn wir das Christk\u00f6nigsfest feiern, werden wir getr\u00f6stet, dass das Ende der Welt nicht die finale Klimakatastrophe, nicht der atomare Supergau, nicht der Dritte Weltkrieg und nicht ein Orwellsches 1984 sein wird. Das neue Reich ist auch nicht ein fiktives Reich, das Fundamentalisten jeder Religion in eine jenseitige Wirklichkeit projizieren. Eine solche Vorstellung w\u00e4re gef\u00e4hrliche Vertr\u00f6stung, die die bestehende Herrschaft stabilisiert. Die Gegenbotschaft an diesem Festsonntag ist so ganz anders: Mit Blick auf Christus l\u00e4sst sich diese Welt retten: Dann gelten die Menschenrechte f\u00fcr alle \u2013 insbesondere aber f\u00fcr jene, die in Notlagen sind. Die Waffenarsenale werden abgebaut und damit die Kriege ausgehungert. Die \u00f6konomischen Schieflagen werden begradigt und damit Gerechtigkeit hergestellt. Der Klimawandel wird auf die Pariser Klimaziele begrenzt. Weil: Christus ist K\u00f6nig.<\/p>\n<p>Wie freilich kommt nun dieser K\u00f6nig? Dies ist zweifellos eine Frage mit politischem Anspruch, die auch so lauten k\u00f6nnte: Wie kommen Gerechtigkeit, Frieden und Vers\u00f6hnung mit der Sch\u00f6pfung? Christus, der K\u00f6nig, kommt nicht in eine heile Welt, sondern in eine Welt voller Gebrochenheiten, Zerst\u00f6rungen und Kriege. Er kommt nicht mit Gewalt, sondern absolut gewaltfrei. Christus, der K\u00f6nig, kommt heute in Gestalt von Hilfsorganisationen, die Fl\u00fcchtlinge im Mittelmeer retten. Christus als K\u00f6nig wird konkret greifbar in entwicklungspolitischen Organisationen, die sich nachhaltig gegen den Hunger durch Entwicklung eigener Ressourcen einsetzen. Christusk\u00f6nig ist eine Frau, die f\u00fcr die Caritas-Sammlung von Haus zu Haus geht, weil es ihr eben nicht egal ist, dass es Arme in diesem Land gibt. Christus ist zu Gast bei der Armutskonferenz, die uns darauf hinweist, dass jede siebte Person im reichen \u00d6sterreich armutsgef\u00e4hrdet oder von Armut betroffen ist. Christus schl\u00e4ft bei den Obdachlosen und gibt ihnen noch Hoffnung in St\u00e4dten, wo l\u00e4ngst um die Adventm\u00e4rkte Bettelverbote erlassen wurden. Christusk\u00f6nig wird lebendig, konkret und hier und heute \u00fcberall dort, wo im Kleinen wie im Gro\u00dfen am Reich Gottes gebaut wird. Da z\u00e4hlt jeder kleine Handgriff und jeder kleine Schritt. So viele Menschen k\u00f6nnen sich heute die Krone aufsetzen, die Not bek\u00e4mpfen \u2013 auch die seelischen N\u00f6te, die wohl zu den gr\u00f6\u00dften und h\u00e4ufigsten in unserem Land z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Christus ist f\u00fcr uns Christinnen und Christen ein k\u00f6niglicher Leithammel. Damit w\u00e4re es eindeutig, was christliche Leitkultur ausmachen w\u00fcrde. Der Wertekanon ist nicht beliebig: Da wird nicht mehr gestohlen. Weltweit werden heute 50 Prozent der Fl\u00e4chen in den Entwicklungsl\u00e4ndern f\u00fcr Futtermittel und damit f\u00fcr den hohen Fleischkonsum angebaut. Da wird nicht mehr f\u00fcr Kriege ger\u00fcstet und produziert. Pesco und damit die milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung in den EU-L\u00e4ndern sind ein Widerspruch zum Christk\u00f6nigssonntag. Da wird nicht mehr dem Konsum gefr\u00f6nt. Black-Friday-Hysterie ist ein Widerspruch zum Christk\u00f6nigssonntag, obwohl beides fast gleichzeitig stattfindet. Wer dem Leithammel Christus folgt, legt einen anderen Lifestyle an die Tagesordnung, der sich nicht an die herrschende Kultur anpasst und sich auch in einem entsprechenden Konsum- und Mobilit\u00e4tsverhalten zeigt, das ressourcen- und energieschonend ist. Die Kr\u00f6nchen und Kronen werden beim Weltklimastreik und bei den Fridays-for-Future-Aktivit\u00e4ten mitgetragen und man erkennt das K\u00f6nigliche im Einkaufs- und Mobilit\u00e4tsverhalten. Und nicht zu vergessen: Wer eine weinende Person tr\u00f6stet, hat selbst wie die andere ein Kr\u00f6nchen auf. Wer gegen die K\u00e4lte in der Welt mit Umarmungen nicht spart, der oder die tr\u00e4gt wie Christus heute das Kr\u00f6nchen auf dem Kopf.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, Christk\u00f6nigssonntag 2019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Ende eines Kirchenjahres k\u00f6nnen wir auf einen Mann blicken, der seine Herrschaft anders gestaltet hat als die K\u00f6nige und Herrscher dieser Welt: Auf einen K\u00f6nig ohne Selbstdarstellung, ohne Machtall\u00fcren, ohne narzisstisches Stargehabe. Das messianische K\u00f6nigtum Jesu ist keine Herrschaft, die mit Gewalt daherkommt. Der Christk\u00f6nig steht f\u00fcr aktive Gewaltfreiheit bis zum Kreuz. 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