{"id":5102,"date":"2020-05-14T12:40:54","date_gmt":"2020-05-14T12:40:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5102"},"modified":"2022-08-22T07:38:17","modified_gmt":"2022-08-22T07:38:17","slug":"5102","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5102","title":{"rendered":"Sozialhistorischer Blick auf Maria"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-5103 alignright\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Maria-Guadalupe.jpg\" alt=\"\" width=\"181\" height=\"287\" \/><\/span><\/span><strong><span style=\"font-size: medium;\">Der Name Maria<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Maria war zur Zeit Jesu einer der h\u00e4ufigsten Namen im j\u00fcdischen Volk. Der Name \u201eMaria\u201c ist die griechische und lateinische Form vom hebr\u00e4ischen Wort Mirjam oder Mariam. Verschiedene Bedeutungen werden f\u00fcr dieses Wort angegeben:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Erstens l\u00e4sst sich eine \u00e4gyptische Herkunft herleiten. Demnach kommt es von mry, was \u201egeliebt\u201c bedeutet. Der Name k\u00f6nnte auch auf \u00e4gyptisch <i>merit-amun<\/i>, \u201edie von Amun Geliebte\u201c zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Damit erinnert \u00fcber die Wortbedeutung hinaus dieser Name an Mirjam, die Schwester Mose. Mirjam ist eine Erinnerung an das Schicksal und an die Befreiung Israels aus der Knechtschaft in \u00c4gypten. Mit der Namensgebung verkn\u00fcpften Juden und J\u00fcdinnen ihr eigenes Schicksal und ihre Hoffnungen an dieses wichtigste Ereignis in der Geschichte des Volkes Israel. Wer diesen Namen trug, sollte auch ein \u201eBefreierin\u201c sein, so wie heute die Unterdr\u00fcckten in ihren Gebeten an Maria um Befreiung beten. Dar\u00fcber hinaus ist es nicht unbedeutend, dass Namen \u00e4gyptischer Herkunft, also eigentlich \u201eausl\u00e4ndische\u201c Namen \u2013 wie Mose oder Mirjam \u2013 zu den wichtigsten Namen im Judentum wurden. Aufgrund der Rebellion der Schwester von Moses bedeutet Miriam auch \u201edie Ungez\u00e4hmte\u201c oder \u201edie Widerspenstige\u201c.Andere Worterkl\u00e4rungen lauten: Die Erhabene \u2013 mirjam \u2013 als Partizip des hebr\u00e4ischen Verbs f\u00fcr \u201eaufstehen, erheben\u201c; die Weise \u2013 marjiam &#8211; als Form des aram\u00e4ischen Verbes \u201eweise sein, gedankenverloren, nachdenklich sein\u201c; auch wird an ein Kompositum von hebr.\/aram mir \u201ebitter\u201c und jam (\u201eWasser\u201c) gedacht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Die vielfachen bzw. mehrfachen Bedeutungen dieses Wortes mit gro\u00dfen religi\u00f6sen und politischen Bedeutungen m\u00f6gen dazu gef\u00fchrt haben, dass dieser Name so bedeutsam ist und im Umfeld Jesu zu den h\u00e4ufigsten Frauennamen z\u00e4hlt. Maria, die Mutter Jesu, und Maria Magdalena sind die bedeutsamsten Frauen unter diesen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><b>Maria und die sozio-\u00f6konomische Situation von Frauen in Israel zur Zeit Jesu<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Die historische Forschung, beginnend mit der Leben-Jesu-Forschung, gibt uns heute ein genaues Bild von den sozialen, kulturellen, politischen und \u00f6konomischen Umst\u00e4nden des Lebens im 1. Jahrhundert in Pal\u00e4stina. Um das Leben der Frauen um Jesus im allgemeinen und jenes seiner Mutter zu verstehen, m\u00fcssen wir sie in diesem Zusammenhang betrachten. Insbesondere die feministische Forschung hat die Rolle der M\u00e4dchen und Frauen in den antiken Gesellschaften des Mittelmeerraumes herausgearbeitet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Weit mehr als in unserer Gesellschaft waren Frauen in der mediterranen Umwelt der Antike von ihren Rollenzuweisungen bestimmt. Die Erwartung eines geschlechtskonformen Rollenverhaltens war besonders hoch. Dieses wurde zum einen als gottgegeben bzw. religi\u00f6s begr\u00fcndet und zum anderen von der Natur her. Als typisch weibliche Attribute galten schwach, \u00e4ngstlich, kleinlich, geschw\u00e4tzig, irrational, emotional und unkontrolliert. Frauen sollten sich im Wesentlichen auf die T\u00e4tigkeiten der Haus- und Kinderarbeit beschr\u00e4nken. Sie waren von der Gestaltung des \u00f6ffentlichen Lebens ausgeschlossen. Das war reine M\u00e4nnerdom\u00e4ne. Freilich kann auch der Haushalt in gewisser Weise als politischer Ort gesehen werden. Zus\u00e4tzlich war die Stellung der Frau noch einmal abh\u00e4ngig von der Klassen- bzw. Schichtzugeh\u00f6rigkeit. Frauen der Oberschicht hatten mehr Rechte als jene der Unterschicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">In diesem sozial-historischen Kontext ist es umso erstaunlicher, wenn in den Evangelien Maria, die Mutter Jesu, oder Maria Magdalena als \u00e4u\u00dferst aktiv, klug, \u00fcberlegen, mutig und zielstrebig geschildert werden. Sie scheinen die weiblichen Stereotypen bewusst zu durchbrechen und werden von Jesus dazu ermutigt. <\/span><\/p>\n<p align=\"RIGHT\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Maria-Guadalupe.jpg' class='thumbnail' \/>Der Name Maria Maria war zur Zeit Jesu einer der h\u00e4ufigsten Namen im j\u00fcdischen Volk. Der Name \u201eMaria\u201c ist die griechische und lateinische Form vom hebr\u00e4ischen Wort Mirjam oder Mariam. Verschiedene Bedeutungen werden f\u00fcr dieses Wort angegeben: Erstens l\u00e4sst sich eine \u00e4gyptische Herkunft herleiten. 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