{"id":5515,"date":"2020-09-10T12:24:19","date_gmt":"2020-09-10T12:24:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5515"},"modified":"2022-08-22T07:38:15","modified_gmt":"2022-08-22T07:38:15","slug":"kalkkoegel-erleben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5515","title":{"rendered":"Kalkk\u00f6gel-Erleben"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-5517\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/steingrubenkogel.jpg\" alt=\"\" width=\"1632\" height=\"1224\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/steingrubenkogel.jpg 1632w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/steingrubenkogel-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/steingrubenkogel-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/steingrubenkogel-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1632px) 100vw, 1632px\" \/>5.15 Uhr. 9. September. Beim Losfahren mit dem Mountainbike ist der Himmel voll funkelnder Sterne. Der abnehmende Mond strahlt hellwei\u00df. Die Strecke hinauf \u00fcber Froneben zur Schlickeralm ist mir bekannt von den winterlichen Abfahrten. K\u00fche grasen auf den taunassen Almb\u00f6den. Weit hinten im Osten verf\u00e4rbt sich der Himmel blutrot-orange. Sonne werden wir heute genug bekommen. Kein W\u00f6lklein ist sichtbar. Die Venus strahlt zuerst hellwei\u00df und nimmt dann eine r\u00f6tliche F\u00e4rbung ein. Sie wird als letzte Sternengestalt scheinbar verschwinden \u2013 nur Sonne und Mond begleiten uns im tiefblauen Himmel. Auf der Schlicker Alm ist zu so fr\u00fcher Morgenstunde noch alles ruhig.<\/p>\n<p>6.30 Uhr. Ein Bauer ist in einem der St\u00e4lle besch\u00e4ftigt. Die Mountainbikes werden beim Restaurant \u00a0abgestellt. Ganz unbesteigbar wirken von unten die nordwestseitigen Flanken der Kalkk\u00f6gel. Auf einem Naturlehrpfad geht es \u00fcber die Almb\u00f6den weiter. Die aufgehende Sonne zaubert oranges Licht auf die Kalkw\u00e4nde. Es ist warm genug, um dann ab dem Einstieg mit dem T-Shirt zu gehen.<\/p>\n<p>7.35 Uhr. Die \u00fcberh\u00e4ngende Einstiegsstelle erfordert Muskelkraft. Das wusste ich noch von meiner Begehung vor einigen Jahren. Das meiste vom Schlicker Klettersteig hatte ich merkw\u00fcrdiger Weise vergessen. 700 H\u00f6henmeter Kletterei sind es von der Einstiegsstelle auf 2000 m weg. Um diese Zeit ist sonst niemand unterwegs. So haben wir keinen Steinschlag zu bef\u00fcrchten. Z\u00fcgig geht es bergauf. Platten, Steilpassagen, manchmal etwas \u00fcberh\u00e4ngend. Der Klettersteig wird seinem Ruf gerecht, einer der sch\u00f6nsten zu sein und zugleich sehr anspruchsvoll. Einh\u00e4ngen, aush\u00e4ngen, umh\u00e4ngen, klettern, Griffe suchen, eine kurze Stelle weit oben ist noch einmal schwer, drei Mal kurze Gehstrecken im steilen Gel\u00e4nde, dann schon fast am Grat, ein Sprung \u00fcber einen Felsspalt, Gipfel. Viereinhalb Stunden vom Tal. Die m\u00e4chtige Riepenwand ist im S\u00fcden zum Greifen nahe. Und doch m\u00f6chte ich da nicht hinauf. Zu br\u00fcchig scheint mir die Flanke. In Gipfeln\u00e4he sind Anlagen zum Absprengen von Lawinen.<\/p>\n<p>9.45 Uhr. Ich bin froh, am Gipfel der Gro\u00dfen Ochsenwand zu sitzen, das unglaubliche Panorama aufzunehmen und hinauszublicken zum Nordgrat, hin\u00fcber zur Kleinen Ochsenwand, wo ein ausgesetzter Steig uns den Abstieg weist. Es hei\u00dft noch einmal vorsichtig gehen. Ich bin dankbar, nicht alleine unterwegs zu sein. Der Klettersteig hinunter zur Scharte, vorbei an den so markanten T\u00fcrmen und T\u00fcrmchen der Kalkk\u00f6gel, macht Spa\u00df. Die Kletterstellen durch die Felsw\u00e4nde, Felsrinnen und entlang von Felsb\u00e4ndern sind nicht schwierig. Oft geht es im Schatten der Nord-Ost-Flanke. Im Westen unten ist das Senderstal mit Kemater Alm und Adolf-Pichler-H\u00fctte.<\/p>\n<p>11.25 Uhr auf der Alpenklubscharte. (2400m) Wir entschlie\u00dfen uns spontan, noch den Klettersteig auf den Steingrubenkogel zu gehen. Dort hinauf sind andere unterwegs. Auf zahlreichen B\u00e4ndern schl\u00e4ngelt sich der Steig um die T\u00fcrme \u00fcber den S\u00fcdwestgrat bis zum Gipfel hinauf. Unangenehm sind eher die freien Gehpassagen.<\/p>\n<p>12.25. Steingrubenkogel. Bis vor kurzem wusste ich gar nicht, dass es diesen Gipfel \u00fcberhaupt gibt. 2633m. Wir sind nicht alleine dort oben. Vorsichtig-konzentriert wieder zur\u00fcck zur Alpenklub-Scharte.<\/p>\n<p>13.25 Uhr. Genug Kletterei und ausgesetztes Gehen f\u00fcr heute. Nach dem vielen Fels wirken die Almb\u00f6den unten noch sanfter. Ein St\u00fcck geht es dem Gsaller Steig entlang, dann in vielen Serpentinen ins Rosskar und zur\u00fcck zur Schlicker Alm, wo nun ein reges Treiben von Wanderern und Bikern ist, ein kurzes dankbares Gebet in der Clemens-Holzmeister-Schutzengelkapelle und es ist so angenehm, dann mit den Bikes ins Tal hinunter sausen zu k\u00f6nnen. 14.45 zur\u00fcck. Mit Pausen neuneinhalb Stunden.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in einer Wirklichkeit, die zugleich unendlich traurig macht: Der Massenverkehr auf der Autobahn, Lkw und Lkw und Sto\u00dfstange an Sto\u00dfstange, vom Gipfel aus konnte ich selbst an diesem Tag Smog \u00fcber dem Inntal sehen. Ich habe sch\u00f6nste Natur erlebt und anderswo ist so viel Zerst\u00f6rung und Leid. In meinen Gedanken ist das Schicksal der Fl\u00fcchtlinge von Moria auf Lesbos, deren Fl\u00fcchtlingslager in der Nacht abgebrannt ist. Ich bin zornig-w\u00fctend auf die t\u00fcrkise Regierungsh\u00e4lfte, die selbst angesichts dieser Not nicht bereit ist, zumindest unbegleitete minderj\u00e4hrige Fl\u00fcchtlinge aufzunehmen. Im Gegenteil: Der \u00f6sterreichische Innenminister redet davon, nicht Kriminelle aufnehmen zu wollen, die Fl\u00fcchtlingslager anz\u00fcnden. Ich bin dankbar f\u00fcr meine Kirche, die in dieser Frage anders tickt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/steingrubenkogel.jpg' class='thumbnail' \/>5.15 Uhr. 9. September. Beim Losfahren mit dem Mountainbike ist der Himmel voll funkelnder Sterne. Der abnehmende Mond strahlt hellwei\u00df. Die Strecke hinauf \u00fcber Froneben zur Schlickeralm ist mir bekannt von den winterlichen Abfahrten. K\u00fche grasen auf den taunassen Almb\u00f6den. Weit hinten im Osten verf\u00e4rbt sich der Himmel blutrot-orange. 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