{"id":5732,"date":"2020-11-11T06:34:41","date_gmt":"2020-11-11T06:34:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5732"},"modified":"2022-08-22T07:38:14","modified_gmt":"2022-08-22T07:38:14","slug":"ein-licht-geht-auf-ich-heiliger-martin-als-inspiration","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5732","title":{"rendered":"\u201e\u2026ein Licht geht auf, ich \u2026\u201c \u2013 Heiliger Martin als Inspiration"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-5733\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Martin-Teilen.jpg\" alt=\"\" width=\"602\" height=\"605\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Martin-Teilen.jpg 602w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Martin-Teilen-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Martin-Teilen-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 602px) 100vw, 602px\" \/>Eine Bild als Ausgangspunkt<\/strong><\/p>\n<p>Von Sigmunda May stammt ein ber\u00fchrender Holzschnitt. Martin wird mit Mitra und bisch\u00f6flichem Umhang dargestellt, den er liebevoll und sch\u00fctzend um einen nackten Bettler legt. Dieser schmiegt sich in die angebotene Geborgenheit. Um ihm Schutz zu geben, stellt sich Martin auf die Zehenspitzen und legt einen Arm auf die Schultern des Hilfsbed\u00fcrftigen. Am auff\u00e4lligsten sind allerdings die Augen. Bischof Martin hat einen Blick f\u00fcr das, was der bittende Mensch von ihm braucht. Die Augen des Bettlers wiederum sind voll Zuversicht und Hoffnung, dass ihm Recht geschehen wird. Die beiden Personen sind wie verschmolzen durch diesen Akt der Barmherzigkeit, wobei in dieser Einheit beide sich zu beschenken scheinen. Auch der arme Bettler wird zur Person, die dem Martin W\u00e4rme schenken kann. Die braucht er ja nun selbst, weil er nur mehr eine H\u00e4lfte des w\u00e4rmenden Umhangs hat. Martin wird in seinem Schenken und Teilen zum Beschenkten. Er ist in dieser Darstellung der Prototyp f\u00fcr eine christliche Existenz und Verk\u00f6rperung einer jesuanischen Lebensweise, in der das Allerwichtigste sichtbar wird: Die Liebe zu jenen Menschen, die Hilfe und Schutz brauchen. Insofern kann der Heilige Martin wohl als Patron der Bettler bezeichnet werden.<\/p>\n<p>Die Not liegt \u2013 gerade mit Blick auf die besondere Situation, in der wir aufgrund der Folgen der Pandemie sind \u2013 jedoch nicht nur in der materiellen Armut und Bed\u00fcrftigkeit. Manchmal ist gerade in den H\u00e4usern des Wohlstands seelische Not zu finden und Sehnsucht nach w\u00e4rmender Z\u00e4rtlichkeit und Zuwendung. Die Bettelnden sind nicht nur jene, die uns mit einer Blechdose in der Hand auf den Stra\u00dfen begegnen.<\/p>\n<p><strong>Die Gestalt des Martin als Vorbild<\/strong><\/p>\n<p>Es f\u00e4llt in meinem Lebensumfeld nicht schwer, sich die Gestalt des Martin immer wieder als Ansporn und Inspiration in Erinnerung zu rufen. Viele Kapellen in der Umgebung haben ihn als Patron. Ich denke beispielsweise an die kleine Kirche in Gnadenwald, die mir besonders ans Herz gewachsen ist. Die Fresken erz\u00e4hlen von der Geschichte des Heiligen. Eine Statue zeigt ihn als Bischof, eine andere stellt ihn traditionell als reitenden r\u00f6mischen Soldaten dar, der sein Schwert ben\u00fctzt, um den Soldatenmantel mit einem Bettler zu teilen.<\/p>\n<p><strong>Kirchliche Option f\u00fcr das Teilen<\/strong><\/p>\n<p>Dankbar bin ich f\u00fcr eine Kirche, die so unmissverst\u00e4ndlich diese Option des Teilens und der Sorge f\u00fcr die Armen selbst eingeschlagen hat. Dies wird heute sichtbar \u00fcberall dort, wo Menschen in Notsituationen von kirchlichen Einrichtungen geholfen wird und Fl\u00fcchtlinge und Asylsuchende gegen\u00fcber einer inhumanen Asylpraxis in Schutz genommen werden. Wenn Papst Franziskus oder die \u00a0Caritas Notleidende in Schutz nehmen und f\u00fcr sie Partei ergreifen, dann sind sie in den Fu\u00dfstapfen jenes Bischofs aus Tours, der vor mehr als 1700 Jahren starb.<\/p>\n<p><strong>Kriegsdienstgegner Martin und die Friedensdividende<\/strong><\/p>\n<p>Die am meisten verbreitete ikonographische Darstellung des Heiligen aus dem Nordwesten des heutigen Frankreich stellt ihn als r\u00f6mischen Soldaten dar, meist auf einem Ross, mit Schwert und mit dem typischen roten Mantel. Martin \u2013 der dem Kriegsgott Mars \u201eGeweihte\u201c. Martin wird mit Soldatentum in Verbindung gebracht. Daher wurde er in der katholischen Kirche auch zum Patron der Soldaten und der Waffenschmiede gemacht.<\/p>\n<p>So anders ist jedoch die Vita des Heiligen Martin. Wenn er den Soldatenmantel nimmt und ihn mit dem Schwert zerschneidet, so ist dies nicht nur ein Akt der Barmherzigkeit, sondern auch eine Aktion mit einer tiefen Symbolik. Ein halber Mantel h\u00e4tte dem Bettler wohl auch nicht viel geholfen. Mit dem Mantelteilen wurde Milit\u00e4reigentum besch\u00e4digt, was einer Straftat gleichkam. Nominell geh\u00f6rte einem Soldaten nur eine H\u00e4lfte des Mantels, die andere aber dem r\u00f6mischen Staat. So war Martins Mantelteilen ein Akt der Rebellion und des Ungehorsams.<\/p>\n<p>Die Option f\u00fcr die Armen ist integral verbunden mit einem radikalen Schnitt. Der Arme l\u00f6st bei Martin eine Lebenswende aus. Der erfolgreiche Soldat entscheidet sich f\u00fcr Jesus Christus und den gewaltfreien Weg aufgrund seiner Begegnung mit den Armen. Sinnf\u00e4llig findet durch das Mantelteilen eine Friedensdividende statt. Martins Schwert dient nicht mehr zum K\u00e4mpfen, sondern zum Teilen von Besitz. Seine R\u00fcstung \u2013 der Mantel \u2013 wird aufgel\u00f6st, um die Armen damit zu kleiden. Er steigt vom Ross, um auf Augenh\u00f6he mit dem Bettler zu sein. Er weist Obdachlose nicht ins Nichts, sondern sch\u00fctzt sie mit dem Mantel vor der K\u00e4lte der Obdachlosigkeit. Mantelteilen heute bedeutet, Reichtum und Lebenschancen gerecht zu verteilen.<\/p>\n<p>Wer den Mantel teilt, macht sich freilich verletzlich. Auch Martin, so die Legenden, musste zun\u00e4chst mit dem Spott der Umstehenden rechnen, weil er mit einem halben Mantel sehr h\u00e4sslich ausgesehen habe.<\/p>\n<p>Der Heilige aus dem 4. Jahrhundert entspricht dem Pazifismus eines Martin Luther King. Es stimmt zwar, dass Martin zun\u00e4chst als Berufssoldat gedient hatte. Mehr und mehr aber d\u00fcrfte Martin seinen hohen Soldatendienst nicht mehr als vereinbar mit seiner Entscheidung zur Nachfolge Jesu empfunden haben, obwohl damals die Kaiser Soldatendienst und Christsein durchaus nicht mehr wie in der fr\u00fchen Kirche als Gegensatz gesehen hatten. Das pazifistische Prinzip \u201eIch kann nicht Christ und Soldat zugleich sein\u201c (\u201eNon possum militare, Christianus sum\u201c), das vor der Konstantinischen Wende G\u00fcltigkeit hatte und die Christenverfolgung durch die r\u00f6mischen Kaiser wesentlich verst\u00e4rkte, war aufgegeben worden. Sulpicius Severus berichtet in seiner Vita Sancti Martini, verfasst um 395, von Martins Verweigerung. Er soll dem Kaiser gesagt haben: \u201eBis heute habe ich dir gedient, Herr, jetzt will ich meinem Gott dienen und den Schwachen. Ich will nicht mehr l\u00e4nger k\u00e4mpfen und t\u00f6ten. Hiermit gebe ich dir mein Schwert zur\u00fcck. Wenn du meinst, ich sei ein Feigling, so will ich morgen ohne Waffen auf den Feind zugehen.\u201c<\/p>\n<p>Wenn sp\u00e4ter aus dem Heiligen Martin der Patron der Soldaten und Waffenschmiede gemacht wurde, so stimmt dies mit dem Leben des Bischofs von Tours nicht \u00fcberein.<\/p>\n<p><strong>Kulturhistorische Hinweise<\/strong><\/p>\n<p>Allein die Tatsache, dass der Name \u201eKapelle\u201c auf den Heiligen Martin zur\u00fcckgeht, symbolisiert seine Bedeutsamkeit f\u00fcr die gesamte Kirche. \u201eCappa\u201c war die lateinische Bezeichnung f\u00fcr einen mantelartigen Umhang. Die Cappa des Heiligen Martin hatte einen ganz besonderen Wert. F\u00fcr diese Reliquie wurde eine eigene Bewachung aufgestellt, die so genannten Kapellane, woraus sp\u00e4ter das Wort \u201eKapl\u00e4ne\u201c entstand. Weil die Cappa als Reliquie in Kriegszeiten auch mitgetragen wurde, wurden im ganzen Reich entsprechende Kapellen errichtet. Auch der Name von Musikkapellen leitet sich von daher ab, da es fr\u00fcher eigene Musikorganisationen gab, die bei diesen Kapellen Musik machten.<\/p>\n<p><strong>Martin kein narzisstischer Selbstdarsteller<\/strong><\/p>\n<p>Weil Martin vorlebte, was Sache ist, weil er vom \u201ehohen Ross\u201c gestiegen ist und Empathie und Solidarit\u00e4t zeigte, wollte ihn die vox populi, die Stimme des Volkes, zum Bischof machen. Bekannt ist seine anf\u00e4ngliche Weigerung, dem Ruf auf das Bischofsamt zu widerstehen. Ruhm, Macht und Karriere waren nicht sein Lebensziel und waren nicht der Grund, warum er sich f\u00fcr Jesus entschied. Weil ihm das episkopale Amt zu abgehoben vorkam, versteckte sich der Heilige laut Legende in einem G\u00e4nsestall. Er hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass ihn die G\u00e4nse verraten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Es gibt Bisch\u00f6fe im Stile des heiligen Martin, der jeglichen Prunk vermied und in seinem Lebensstil auf Insignien der Macht verzichtete. Der Bischof von Rom, Papst Franziskus, setzte von Beginn an viele Zeichen in diese Richtung. \u201eFratelli tutti\u201c \u2013 Martin und der Bettler sind Geschwister. Ein Bischof passt auf keinen Thron, darf sich nicht beweihr\u00e4uchern lassen und vor einem Bischof soll sich kein Mensch niederwerfen: Das war die Botschaft des Martin zu einer Zeit, als sich die Kirche mehr und mehr dem r\u00f6mischen Herrschaftsgehabe anzupassen begann.<\/p>\n<p><strong>Der Himmel geht auf<\/strong><\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte ein Kunstwerk von Claudia Treutlein ben\u00fctzen, um das Wunder des Mantelteilens abschlie\u00dfend zu illustrieren. Dort, wo geteilt wird, ist ein goldenes Band. Die K\u00fcnstlerin dazu: \u201eAn der Rei\u00dfwunde des Mantels geht der Himmel auf.\u201c<\/p>\n<p>Klaus Heidegger,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/\">www.klaus-heidegger.at<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Martin-Teilen.jpg' class='thumbnail' \/>Eine Bild als Ausgangspunkt Von Sigmunda May stammt ein ber\u00fchrender Holzschnitt. Martin wird mit Mitra und bisch\u00f6flichem Umhang dargestellt, den er liebevoll und sch\u00fctzend um einen nackten Bettler legt. Dieser schmiegt sich in die angebotene Geborgenheit. 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