{"id":5889,"date":"2020-12-16T10:08:02","date_gmt":"2020-12-16T10:08:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5889"},"modified":"2026-02-02T16:27:30","modified_gmt":"2026-02-02T16:27:30","slug":"nachdenken-ueber-das-leiden-und-die-sterblichkeit-der-menschen-in-einer-besonderen-zeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5889","title":{"rendered":"Nachdenken \u00fcber das Leiden und die Sterblichkeit der Menschen in einer besonderen Zeit"},"content":{"rendered":"<p>Heute, am 250. Geburtstag eines der gr\u00f6\u00dften Komponisten der Weltgeschichte, Ludwig van Beethoven, k\u00f6nnten wir mit seiner Biographie beginnen, wenn wir \u00fcber das Sterben von Menschen nachdenken. Das Leben von Beethoven, so steht es wahrscheinlich in den Tausenden musiktheoretischen Abhandlungen, war gepr\u00e4gt von Genie einerseits und dem Erfahren von k\u00f6rperlichem und seelischem Leid andererseits. Und sicherlich h\u00e4ngt auch beides zusammen. In einer der dunkelsten Phase seines Lebens, gezeichnet von seinem mit Blei vergifteten K\u00f6rper, Beethoven sp\u00fcrte wohl sein Sterben, ganz ertaubt, komponierte er noch sein grandioses Meisterwerk, die 9. Sinfonie mit dem so hoffnungsvollen Schluss der \u201eOde an die Freude\u201c. Das Musikst\u00fcck und seine literarische Vorlage von Friedrich Schiller bewegen bis zum heutigen Tag die Seelen von uns Menschen, gerade weil es die Kraft von Liebe und ungelebter Liebe, von einem Willen zum Leben und der Erfahrung von Leid, von beengender feudaler Gesellschaft und dem Streben nach Freiheit zum Ausdruck bringt.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnten an die Biographien vieler gro\u00dfartiger Menschen erinnern, die angesichts von gro\u00dfem Leid, angesichts der Tragik menschlichen Lebens und selbst bei gro\u00dfen k\u00f6rperlichen Beeintr\u00e4chtigungen nicht danach riefen: &#8222;beendet mein Leben und damit mein Leiden&#8220;.\u00a0\u00a0Sie schufen Gro\u00dfartiges. Ich denke an Stephen Hawking. Die st\u00e4ndige Aussicht auf seinen Tod sch\u00fcchterte ihn nicht ein, sie trieb ihn an. Noch gefangen in einem kraftlosen K\u00f6rper strotzte sein Blick vor Lebensfreude. Er hat es nicht eilig gehabt zu sterben. Sicherlich war es ihm auch geg\u00f6nnt, gerade inmitten seiner Beeintr\u00e4chtigungen die Liebe einer Frau geschenkt zu bekommen. Ich denke an Frida Kahlo und ihre gro\u00dfartige Malerei, die sie unter gro\u00dfen k\u00f6rperlichen Qualen geschaffen hatte.<\/p>\n<p>In dieser Zeit der Pandemie werden wir mit der Verletzlichkeit des menschlichen Lebens und damit auch der Sterblichkeit in einer in unserer Generation noch nie dagewesenen Weise konfrontiert. T\u00e4glich neu lesen wir in einer Spalte der lokalen Tageszeitung die Zahl der Covid-Toten: \u201eZahl der Verstorbenen: 417\u201c \u2013 so steht es heute in der Tiroler Tageszeitung. Und \u00f6sterreichweit starben gestern, am 15. Dezember 2020, 116 Menschen aufgrund einer Covid-Erkrankung. Inmitten von dieser Zeit, in der angesichts von Intensivstationen, in denen die Betten schon knapp geworden sind, in denen Covid-Erkrankte um ihr Leben k\u00e4mpfen und eine Diskussion um \u201eTriage\u201c stets im Hintergrund ist, in diese Zeit f\u00e4llt die neue Diskussion um \u201eSterbehilfe\u201c. Und damit auch die Frage: Wie gehen wir, wie geht die Gesellschaft mit dem Leiden und dem Sterben um?<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, am 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute, am 250. Geburtstag eines der gr\u00f6\u00dften Komponisten der Weltgeschichte, Ludwig van Beethoven, k\u00f6nnten wir mit seiner Biographie beginnen, wenn wir \u00fcber das Sterben von Menschen nachdenken. Das Leben von Beethoven, so steht es wahrscheinlich in den Tausenden musiktheoretischen Abhandlungen, war gepr\u00e4gt von Genie einerseits und dem Erfahren von k\u00f6rperlichem und seelischem Leid andererseits. 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